Dieser Parasit befällt fast jeden: Symptome, Verlauf, Komplikationen & Therapie der Toxoplasmose

Toxoplasma wird durch Katzen übertragen, die den Erreger mit ihrem Kot ausscheiden (© EvgeniyaTiplyashina_iStock)

Klingt exotisch, ist es aber nicht: Unsere Lieblingskatzen stecken uns mit Toxoplasma an und wir merken es nicht einmal. Nur für wenige Menschen ist die Erkrankung gefährlich. Lesen Sie hier, was die Toxoplasmose ist, wie man sich ansteckt, wer besonders gefährdet ist, wie Sie sich dagegen schützen können und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.

Die Katzen-Infektionskrankheit

Die Toxoplasmose ist eine ansteckende, infektiöse Erkrankung, die durch den Erreger Toxoplasma gondii verursacht wird. Die Übertragung auf den Menschen findet direkt oder indirekt über die Katzen statt, die den Erreger mit ihrem Kot ausscheiden.

70 Prozent aller 60-Jährigen waren betroffen

Die Toxoplasmose ist weltweit verbreitet. Aber weil sie oft symptomlos verläuft, wissen die meisten Menschen nicht, dass sie die Infektion durchgemacht haben.

Beim Menschen steigt die Wahrscheinlichkeit, an Toxoplasmose erkrankt zu sein, mit jedem Lebensjahrzehnt um 10 Prozent. So haben ungefähr 70 Prozent der 60-Jährigen Antikörper gegen den Toxoplasmose-Erreger im Blut.

Wie Sie sich anstecken können

Die meisten stecken sich durch kontaminiertes Gemüse oder durch den Verzehr von Tieren an, deren Futter mit Katzenkot verunreinigt wurde. Das Immunsystem reagiert auf die Infektion, indem es Antikörper bildet, die den Erreger bekämpfen. Danach ist der Mensch lebenslang gegen Toxoplasmose immun.

Die kontaminierten Katzen erkranken bei der Erstinfektion selten. Wenn doch, dann haben sie Durchfall, husten- und schnupfenähnliche Beschwerden sowie Atemprobleme. Eine chronische Toxoplasmose kommt nur bei Katzen mit Störungen des Immunsystems vor.

In Deutschland haben 45 bis 75 Prozent der Hauskatzen Antikörper gegen Toxoplasmose. Das bedeutet, dass sie mindesten einmal im Leben daran erkrankt waren, aber nur 1 bis 2 Prozent der Katzen – meist erstinfizierte Jungtiere – scheiden den Erreger aus. In Deutschland ist die Toxoplasmose bei Haustieren meldepflichtig.

Der Erreger kann auch durch Schmierinfektion beim Reinigen der Katzentoilette auf den Menschen übertragen werden. Gefährdet sind auch ungeborene Kinder: Ab der 7. Schwangerschaftswoche kann sich der Embryo über die Plazenta anstecken.

Nach der Aufnahme der Erreger durch kontaminierte Lebensmittel durchdringen sie die Darmwand und wandern über die Blut- und Lymphbahnen zu anderen Organen, insbesondere den Muskeln und dem Gehirn. Dort vermehren sie sich durch Zweiteilung innerhalb der Zellen.

Während die Krankheit zu Beginn meist keine Symptome zeigt, macht sie sich anschließend unter anderem durch Fieber bemerkbar (© sean_iStock)
Welche Symptome können auftreten? 

Meistens verläuft eine Toxoplasmose bei Katze, Mann und Frau ohne Symptome. Folgende Beschwerden können dennoch auftreten:

  • Katzen haben Durchfall, Husten- und schnupfenähnliche Symptome sowie Atembeschwerden.
  • 10 bis 20 Prozent der gesunden Kinder und Erwachsenen haben grippeähnliche Symptome wie Müdigkeit, Fieber, Muskel-, Gelenk- und Halsschmerzen sowie geschwollene Lymphknoten im Kopf- und Halsbereich. Wie lange die Symptome andauern, ist unterschiedlich. In der Regel plagen sie die Betroffenen für einige Wochen. Selten gibt es zusätzliche Symptome, zum Beispiel wegen einer Augenhaut-, Herzbeutel-, Leber- oder Lungenentzündung.
  • Bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem, wie zum Beispiel bei AIDS-Patienten oder bei Patienten, die Transplantate erhalten haben, kann sich eine Toxoplasmose mit weiteren Symptomen äußern. Dazu gehören Hautausschläge, Leber- und Milzvergrößerung und lebensbedrohliche Lungen-, Herzmuskel- und Gehirnentzündungen mit Kopfschmerzen, Fieber, Verhaltungsveränderungen, Krampfanfällen und Lähmungserscheinungen.
  • Die Ansteckung in der Schwangerschaft wirkt sich auf das Baby aus, das von Symptomen wie Augennetzhautentzündungen und Erblindung, Gehörschäden, Wasserkopf oder Kalkablagerungen im Gehirn, körperlichen und geistigen Behinderungen oder vom Tod bedroht ist.

Komplikationen: selten aber schwerwiegend

Bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem, wie zum Beispiel bei AIDS-Patienten oder bei Patienten, die Transplantate erhalten haben, drohen nach einer Toxoplasmose gefährliche Komplikationen, wie zum Beispiel:

  • Hautausschläge
  • Leber- und Milzvergrößerung
  • Lungen-, Herzmuskel- und Gehirnentzündungen, die lebensbedrohlich sein können
  • Verhaltungsveränderungen, Krampfanfälle und Lähmungserscheinungen

Wird ein Embryo zu Beginn der Schwangerschaft mit Toxoplasma gondii infiziert, ist er von Augennetzhautentzündungen und Erblindung, Gehörschäden, Wasserkopf oder Kalkablagerungen im Gehirn, körperlichen und geistigen Behinderungen oder vom Tod bedroht.

Die Wahrscheinlichkeit, dass sich das ungeborene Kind einer Schwangeren mit einer Neuinfektion ansteckt, beträgt im 1. Drittel der Schwangerschaft 15 Prozent, im 2. Drittel 45 Prozent und im 3. Drittel 65 bis 70 Prozent.

Im 1. Drittel der Schwangerschaft entwickeln 70 Prozent der infizierten Kinder eine akute Toxoplasmose, die meistens zur Fehlgeburt führt. Für 27 Prozent der Frühgeborenen und 12 Prozent der reif geborenen infizierten Kinder endet die Erkrankung tödlich. Im 2. und 3. Drittel der Schwangerschaft entwickeln 75 bis 90 Prozent der infizierten Kinder epileptische Anfälle, Schäden der Leber, der Lunge, des Herzmuskels und der Hirnhaut.

Eine Blutuntersuchung kann Gewissheit über die Krankheit geben (©fotolia-Schonertagen)
Diagnostik anhand spezieller Blutwerte

Eine akute Toxoplasmose kann aufgrund spezieller Blutwerte erkannt werden. Die spezifischen Antikörper gegen Toxoplasma gondii werden im Blut mithilfe des Sabin-Feldman-Tests nachgewiesen. Eine hohe Antikörper-Konzentration bedeutet, dass eine akute Infektion vorliegt, eine niedrige Antikörper-Konzentration dagegen lässt auf eine vergangene Infektion schließen.

Ein Drittel aller Frauen haben vor einer Schwangerschaft Antikörper gegen Toxoplasmose im Blut und sind somit vor einer Neuansteckung geschützt. Ihre Anzahl nimmt aber ab. Das heißt, dass immer mehr Frauen ungeschützt sind und sich zum ersten Mal während der Schwangerschaft infizieren könnten. Aktuell stecken sich ungefähr 0,2 Prozent aller schwangeren Frauen zum ersten Mal mit dem Erreger der Toxoplasmose während der Schwangerschaft an. Deswegen wird das sogenannte ,,Screening‘‘ umso wichtiger.  

Das Screening besteht aus einer Erstuntersuchung, die möglichst früh stattfinden sollte, am besten vor der 9. Schwangerschaftswoche. Hat die Schwangere zu diesem Zeitpunkt keine Antikörper gegen Toxoplasmose, sind alle 8 Wochen Kontrollen zu empfehlen. Die Abschlussuntersuchung findet zum Zeitpunkt der Geburt statt und kann entweder mit Blut der Mutter oder mit Nabelschnurblut durchgeführt werden.   

Hat der Arzt den Verdacht, dass ein Neugeborenes infiziert ist, ist ein direkter Nachweis des Erregers im Blut oder in der Gehirnflüssigkeit für die Diagnose hilfreich. Kommt ein Kind mit Verdacht auf Toxoplasmose zur Welt, wird es mindestens 12 Monate lang auf spezifische Antikörper kontrolliert. Darüber hinaus sind bis zur Schulreife jährliche Augen-, Leber- und Schädeluntersuchungen nötig.

Therapie nur bei Schwangeren nötig

Meistens ist eine Therapie nicht nötig, wenn die Toxoplasmose ohne Anzeichen verläuft und die Heilung spontan eintritt. Bei Fieber und Gelenkschmerzen verschreibt der Arzt symptomlindernde Medikamente.

Eine akute Toxoplasmose einer Schwangeren wird mit Antibiotika behandelt. Je früher die Behandlung beginnt, desto weniger Schäden erleidet das Kind. Folgende Wirkstoffe sind dazu geeignet:

  • Spiramycin bis zur 16. Schwangerschaftswoche
  • danach: Sulfadiazin, Pyrimethamin und Folinsäure

Besonders Schwangere sollten auf hohe Hygienestandards achten (©Subbotina Anna_fotolia)
So beugen Sie vor

Vorbeugung ist insbesondere für immungeschwächte Menschen und schwangere Frauen sehr wichtig. Folgenden Maßnahmen sind nützlich:

  • Achten Sie auf eine strenge Hygiene und waschen Sie sich die Hände nach Garten-, Feld- oder Erdarbeiten und nach dem Besuch von Sandspielplätzen.
  • Idealerweise sollten Sie die Katzentoilette nicht selbst reinigen. Ist das nicht möglich, dann benutzen Sie unbedingt Einweghandschuhe.
  • Füttern Sie Ihre Katze nie mit rohem Fleisch, sondern erhitzen Sie es mehrere Minuten lang auf über 66 Grad Celsius. Rohes Gemüse sollte gründlich gewaschen werden, bevor die Katze es frisst. Reinigen Sie nach der Verarbeitung vom rohen Fleisch gründlich Schneidbretter, Messer, Küchenarbeitsflächen und Hände.

Fazit

Eine Toxoplasmose-Infektion hat fast jeder unbemerkt überstanden. Die meisten werden direkt oder indirekt von Katzen angesteckt. Sie merken es nicht, wenn es passiert, weil die Erkrankung meistens automatisch und ohne Folgen ausklingt. Schwerwiegende Folgen hat die Toxoplasmose allerdings bei Menschen mit einem schwachen Immunsystem und bei ungeborenen Kindern, wenn die Mutter sich während der Schwangerschaft zum ersten Mal ansteckt. Bei diesen Hochrisikogruppen sind  Vorbeugungsmaßnahmen und die Früherkennung der Erkrankung äußerst wichtig.

Links

Informationen des Robert Koch-Instituts über Toxoplasmose
www.schwanger-info.de - Website der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

Quellen

  • Anlage zu § 1 der Verordnung über meldepflichtige Tierkrankheiten(TKrMeldpflV) in der Fassung der Bekanntmachung vom 11. Februar 2011 (BGBl. I S. 252), zuletzt geändert durch Artikel 381 der Verordnung vom 31. August 2015 (BGBl. I S. 1474)
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  • Vyas u. a.: Behavioral changes induced by Toxoplasma infection of rodents are highly specific to aversion of cat odors.In: Proc Natl Acad Sci U S A. 104(15), 2007, S. 6442–6447. 
  • Worth, R. C. Andrew Thompson, A. J. Lymbery: Reevaluating the evidence for Toxoplasma gondii-induced behavioural changes in rodents.In: Advances in parasitology. Band 85, 2014.
  • Horacek, J. Flegr, J. Tintera, K. Verebova, F. Spaniel, T. Novak, M. Brunovsky, V. Bubenikova-Valesova, T. Palenicek, C. Höschl: Latent toxoplasmosis reduces gray matter density in schizophrenia but not in controls. Voxel-based-morphometry (VBM) study.2011.
  • Zhang, L. Träskman-Bendz, S. Janelidze, P. Langenberg, A. Saleh, N. Constantine, O. Okusaga, C. Bay-Richter, L. Brundin, T. T. Postolache: Toxoplasma gondii immunoglobulin G antibodies and nonfatal suicidal self-directed violence.In: The Journal of clinical psychiatry. Band 73, Nummer 8, August 2012.
  • Marianne G. Pedersen, Preben Bo Mortensen u. a.: Toxoplasma gondii Infection and Self-directed Violence in Mothers.In: Archives of General Psychiatry. 69, 2012.
  • Vinita J. Ling, David Lester u. a.: Toxoplasma gondii Seropositivity and Suicide Rates in Women.In: The Journal of Nervous and Mental Disease. 199, 2011, S. 440–444.
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  • Š. Ka?ková, J. Šulc, K. Nouzová, K. Fajfrlík, D. Frynta, J. Flegr: Women infected with parasite Toxoplasma have more sons.In:  Volume 94, Issue 2, Februar 2007, S. 122–127.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare (2)

Manuela F., 10.02.2019 - 21:42 Uhr

Habe seit einem halben Jahr einen Kater, er ist 6 Monate, ich weiß nicht ob bei mir eine Ansteckung vorliegt, weil ich sei Anfang Dezember ständig krank bin. Ersuche um eine Antwort. Herzlichen Dank. Er ist nicht geimpft.

Angelique W., 22.07.2018 - 22:02 Uhr

Ich habe mein erstes Kind durch Toxoplasmose verloren. 1964. Ich musste ein Jahr lang Sulfonamiede und Pyrimethamin (Malariamedizin) einnehmen. - Ist das noch heute eine "normale" Behandlung"? Mein "Titre" war damals 10´000

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