Fieber, Schüttelfrost, Atemnot: Bei typischen Symptomen einer Lungenentzündung sofort zum Arzt!

Dr. Maria Niki Aigyptiadou

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© fotolia-bilderzwergBei einer Lungenentzündung sammelt sich Flüssigkeit in den Alveolen an (© fotolia-bilderzwerg)Eine Lungenentzündung kann jeden treffen, auch ohne Vorwarnung und ohne erhöhtes Risiko. 10 Prozent der Lungenentzündungen, die stationär behandelt werden müssen, enden tödlich. Lesen sie hier, woher die Erkrankung kommt, wie sie sich äußert und was Sie dagegen tun können.

Wenn sich das Lungengewebe entzündet

Bei einer Lungenentzündung, auch Pneumonie genannt, ist oft nur der Bereich am Ende eines einzigen Bronchus herdförmig betroffen, d.h. nur ein kleiner Teil der Atemwege. Dabei handelt es sich um die leichteste Form der Lungenentzündung, die „Bronchopneumonie“ genannt wird. In schweren Fällen ist der ganze linke oder rechte Lungenlappen eines Lungenflügels entzündet, dann liegt eine Lobärpneumonie vor. Wenn darüber hinaus auch noch das Brustfell entzündet ist, handelt es sich um eine Pleuropneumonie.

Lungenentzündungen sind entweder primär oder sekundär. Primäre Lungenentzündungen entstehen ohne Risikofaktoren, bei sekundären sind Risikofaktoren wie Asthma, chronisch obstruktive Lungenerkrankung oder Herzinsuffizienz zu beobachten.

Eine nosokomiale Pneumonie wird im Gegensatz zu einer ambulant erworbenen Lungenentzündung im Rahmen eines Krankenhausaufenthaltes erworben. 

Eine der häufigsten Erkrankungen in deutschen Krankenhäusern

In Deutschland fangen sich jedes Jahr mehr als 230.000 Menschen eine ambulant erworbene Lungenentzündung ein, die stationär behandelt werden muss. Somit ist sie eine der häufigsten Erkrankungen in deutschen Krankenhäusern. Mehr als 10 Prozent dieser Lungenentzündungen enden tödlich.  

Die nosokomiale Pneumonie gehört zu den häufigsten im Rahmen eines Krankenhausaufenthaltes auftretenden Infektionen. In den letzten Jahren kommen sie immer häufiger auf, weil die multiresistenten Erreger, die sie verursachen, zunehmen.

© xrender_iStockLungenentzündungen werden durch Bakterien ausgelöst, die über z.B. über die Atemwege aufgenommen wurden (© xrender_iStock)Ursachen und Risikofaktoren

Lungenentzündungen werden meistens durch ansteckende Krankheitserreger wie Bakterien, Viren, Parasiten oder Pilze verursacht, die durch Tröpfchen- oder Schmierinfektion übertragen werden. Die häufigsten Erreger bei jungen Patienten sind die Pneumokokken.

Lungenentzündungen, die durch die Bakterienstämme der Mykoplasmen verursacht werden, kommen häufig  in Gemeinschaftsbetrieben wie Schulen, Heimen oder Kasernen vor. Mit der Legionellen-Pneumonie stecken sich Patienten öfter in stehenden, warmen oder heißen Gewässern an, aber auch in Duschen oder durch den Kontakt mit Klima- oder Belüftungsanlagen, Warmwasserboilern oder Heizungen.

Eine Lungenentzündung wird als ,,nosokomial‘‘ bezeichnet, wenn sie während eines Krankenhausaufenthalts erworben wird und sich in mehr als 2 Tagen nach der Aufnahme oder innerhalb von 14 Tagen nach der Entlassung äußert. Nosokomiale Lungenentzündungen werden von antibiotikaresistenten Keimen verursacht, weshalb ihre Behandlung schwierig ist.

Eine spezielle Form der Lungenentzündung ist die Pneumocystis-Pneumonie, die bei Menschen mit einem schwachen Immunsystem durch den Pilz Pneumocystis jirovecii ausgelöst wird. Die Pneumocystis-Pneumonie ist oft das erste Anzeichen einer AIDS-Infektion.

In seltenen Fällen entsteht eine Lungenentzündung auch durch:

  • die Inhalation giftiger, ätzender Reizstoffe, wie zum Beispiel Gase
  • Strahlentherapie
  • Erbrochenes, das eingeatmet wird
  • Herzerkrankungen oder andere Entzündungsherde im Körper

Bestimmte Personengruppen sind besonders gefährdet, wie zum Beispiel:

  • ältere und geschwächte Menschen
  • kleine Kinder
  • chronisch Kranke, insbesondere herzkranke Patienten, Menschen mit chronischer Bronchitis oder Zuckerkrankheit
  • Menschen mit geschwächtem Immunsystem, wie zum Beispiel AIDS-Patienten
  • Alkoholiker und Raucher

Tipp: Bestimmte Grunderkrankungen können zwar das Risiko einer Lungenentzündung erhöhen, aber auch gesunde Menschen erkranken daran und können daran sterben. Deswegen sind präventive Maßnahmen sehr wichtig.

© berc - FotoliaLungenentzündungen sind mit starkem Symptomen verbunden (© berc - Fotolia)Symptome: Fieber, Husten und Atemnot

Typische Lungenentzündungen äußern sich mit:  

  • schwerem Krankheitsgefühl
  • plötzlichem Fieber und Schüttelfrost
  • beschleunigte Atmung und Atemnot
  • Sauerstoffmangel mit bläulicher Verfärbung der Lippen und der Fingernägel, auch Zyanose genannt
  • Husten mit eitrigem, rostbraunem oder blutigem Auswurf
  • Rückenprobleme und Schmerzen im Brustkorb, die sich beim Einatmen verschlechtern und eventuell stechen
  • beschleunigter Puls
  • Hyperventilation, wobei der Betroffene plötzlich das Gefühl hat, keine Luft mehr zu bekommen und deswegen zu tief und zu schnell atmet
  • Pleuraerguss, wobei sich Flüssigkeit in der Pleurahöhle ansammelt

20 Prozent aller Lungenentzündungen sind atypisch, das heißt sie befallen das Bindegewebe der Lunge, äußern sich schleichend ohne Fieber und sind sehr langwierig. Die Symptome einer atypischen Lungenentzündung sind allgemeines Krankheitsgefühl mit Kopf- und Gliederschmerzen, trockener Reizhusten ohne Auswurf, Luftnot und Zyanose. Darüber hinaus können Gelenkschmerzen, Hautausschläge, Störungen des Nervensystems oder Verdauungsbeschwerden auftreten, wie zum Beispiel Übelkeit und Erbrechen.

Bei einer Legionellen-Lungenentzündung kommt es zusätzlich zu Verwirrtheit, Lethargie und Durchfall.

Die Erreger einer Lungenentzündung können sich im Körper ausbreiten, so dass schwerwiegende Folgen entstehen, wie zum Beispiel Blutvergiftungen und Organversagen, die zum Tod führen. Weitere Komplikationen sind:

  • Entzündungen des Lungenfells
  • Flüssigkeitsanasammlung in der Pleurahöhle, einem Spaltraum in der Brusthöhle
  • Bildung eitergefüllter Hohlräume
  • Atemschwäche, wobei der Patient nicht mehr in der Lage ist, genügend Sauerstoff aufzunehmen und genügend Kohlendioxid abzugeben

© BDSelbst in Krankenhäusern liegt die Sterblichkeitsrate bei Lungenentzündungen nicht auf 0 (© BD)Prognose: 10 Prozent sterben im Krankenhaus

Trotz Antibiotika sind Lungenentzündungen noch immer sehr gefährlich. Sie sind die am häufigsten tödlich verlaufenden Infektionskrankheiten in Westeuropa. In Deutschland sterben 40.000 bis 50.000 Menschen pro Jahr daran.

Der Schweregrad der Erkrankung ist wichtig für die Prognose. Je höher die Atemfrequenz, desto gefährlicher wird es:

Atemzüge pro Minute

Sterblichkeit in %

< 20

0

20 - 29

1,7

30 - 39

9

40 - 49

16

 

Die Wichtigkeit der Atemfrequenz bei Menschen, die an einer Lungenentzündung erkrankt sind, wurde in Deutschland von 2010 bis 2012 erneut bestätigt. Von 705.928 Patienten, die stationär wegen einer Pneumonie behandelt wurden, starben 92.277 (13.1 Prozent).

Weitere Risikofaktoren beeinflussen die Prognose, wie zum Beispiel das Alter, die Aufnahme aus einer Pflegeeinrichtung, chronische Bettlägerigkeit, Desorientierung und Bluthochdruck.

Diagnostik: Abhören und Röntgenbilder

Typische Lungenentzündungen kann der Arzt durch Abhören mit dem Stethoskop und Abklopfen entdecken. Weitere Untersuchungen sind:

  • Röntgenbilder des Brustkorbes, die entzündliche Infiltrate der Lungen zeigen
  • Spiegelung der Lunge und Probe-Entnahme aus den Bronchien
  • Blutuntersuchungen
  • Computertomografie
  • Bestimmung der Blutgase zur Beurteilung des Gasaustausches in der Lunge
  • Urintest bei Verdacht auf Legionellen

Für die Diagnose einer Pneumocystis-carinii-Lungenentzündung ist eine Bronchiallavage nötig, wobei ein spezieller Schlauch über den Mund in die unteren Atemwege geführt wird. Die Lunge wird mit Kochsalzlösung ausgespült, die in ein Röhrchen abgesaugt wird, das für den Erregernachweis benutzt wird.

© JanMika_iStockLungenentzündungen werden mit Antibiotika behandelt, um die Bakterien abzutöten, die die Krankheit verursachen (© JanMika_iStock)Behandlung mit Antibiotika

Die Behandlung hängt von der genauen Ursache und dem Alter des Erkrankten ab. Meist ist eine Antibiotikatherapie nötig. Manchmal muss sie im Krankenhaus stattfinden, zum Beispiel wenn:

  • der Betroffene schwere Symptome hat
  • der Patient bereits ein höheres Alter erreicht hat
  • die Entzündung große Teile der Lunge befallen hat
  • Komplikationen auftreten
  • eine Immunschwäche vorliegt

Die Antibiotikatherapie dauert in der Regel 1 bis 3 Wochen. In manchen Fällen jedoch, wenn der Beginn der Therapie verzögert wird oder wenn die Lungenentzündung nicht ausgeheilt ist, kommt es zu einer Verschleppung. Dauert die Erkrankung länger als 6 bis 8 Wochen, handelt es sich um eine chronische Lungenentzündung.

Gegen Husten gibt es zwei unterschiedliche Gruppen von Medikamenten:

  • die Antitussiva, die den Hustenreiz unterdrücken und bei trockenem Reizhusten ohne Schleimbildung wirken
  • die Hustenlöser, die den Auswurf fördern, indem sie die Sekretproduktion erhöhen oder den Schleim dünnflüssiger machen

Darüber hinaus helfen fiebersenkende und schmerzlindernde Medikamente, manchmal ist auch die Gabe von Sauerstoff nötig.

Der Patient kann seine Therapie mit Bettruhe, körperlicher Schonung und der Befeuchtung der Raumluft unterstützen. Viel Wasser trinken ist auch wichtig, insbesondere bei Fieber. Andere Hausmittel gibt es nicht.

Die Atemunterstützung ist durch Abklopfen des Rückens im Sitzen oder in der Seitenlage möglich, so dass das Abhusten erleichtert wird. Besondere Atemübungen vereinfachen die Belüftung der Lunge und die Sekretentleerung.

© inesbazdar - fotoliaDer beste Weg um sich vor einer Lungenentzündung zu schützen ist sich impfen zu lassen (© inesbazdar - fotolia)Vorbeugen durch Impfungen

Bestimmte Lungenentzündungen können Sie vorbeugen, wenn Sie sich impfen lassen. Folgende Impfungen gibt es:

  • Pneumokokken-Impfung: Sie wird für alle Kinder bis zum 24. Monat, für über 65-Jährige, die häufig an Atemwegeinfektionen leiden und für Personen mit einem geschwächten Immunsystem oder einer chronischen Erkrankung empfohlen.
  • Die Haemophilus influenzae-Impfung eignet sich für über 60-Jährige und für Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Lungenerkrankungen wie Asthma oder chronische Bronchitis, Stoffwechselleiden, Leukämie, Nierenerkrankungen und AIDS.

Fazit

Blut spucken bedeutet nicht immer Krebs, denn es ist oft ein Symptom einer Lungenentzündung. Die Gefahren dieser Erkrankung werden unterschätzt, obwohl sie häufig vorkommt und jeden Menschen betreffen kann. Über 10 Prozent der Lungenentzündungen, die stationär behandelt werden, enden tödlich. Deswegen ist es wichtig, sich bei jedem Verdacht sofort beim Arzt zu melden.

Links

Informationen des Robert Koch-Instituts über Pneumokokken-Infektionen
Informationen des Robert Koch-Instituts über empfohlene Impfungen
Kompetenznetz Lungenentündungen/CAP-Netz
Deutsche Atemwegsliga
Patientenliga Atemwegserkrankungen
Deutsche Lungenstiftung
Bundesverband der Pneumologen
Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin

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Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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