Rötung, Schwellung, Brennen: Ursachen, Symptome und Therapie von Augenentzündungen

Claudia Galler

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© vgstudio - FotoliaEine Bindehautentzündung wird in der Regel mit Augentropfen behandelt, sodass das Auge beruhigt wird. (© vgstudio - Fotolia)

Von einer Entzündung am Auge können die Augenlider und ihre Drüsen betroffen sein, so dass sich eine Lidrandentzündung oder ein Gersten- oder Hagelkorn entwickelt. Ist die dünne Schleimhaut zwischen Augenlidern und Hornhaut rot und geschwollen, besteht eine Bindehautentzündung. Erfahren Sie, welche Symptome es sonst noch gibt, welche Ursachen dahinter stecken und welche Therapie dagegen hilft.

Was ist eine Bindehautentzündung?

Die Bindehaut des Auges ist eine transparente, gut durchblutete und mit vielen Nerven durchzogene Schleimhaut. Sie kleidet die Innenseiten der Lider aus, bedeckt das Augenweiß und liegt am Rand der Hornhaut auf. Dank der Bindehaut gleiten die Augenlider reibungslos über den Augapfel, gleichzeitig wird das Auge befeuchtet und vor Keimen geschützt.

Eine Entzündung der Bindehaut (Konjunktivitis) kann durch Keime, v. a. durch Viren, hervorgerufen werden. So lösen Adenoviren die hochansteckende Konjunktivis epidemica („Augengrippe“) aus. Neben Symptomen an den Augen können allgemeine Krankheitszeichen wie Abgeschlagenheit und Gliederschmerzen auftreten.

Zu den bakteriellen Erregern gehören Staphylokokken, Streptokokken und Pneumokokken, seltener sind Pilze wie Candida und Aspergillus verantwortlich.

Eine Augenreizung kann auch mechanisch durch Fremdkörper wie Staub und
Sand, Kontaktlinsen und Zugluft ausgelöst werden. Dazu kommen Sonnenlicht und chemische
Substanzen z. B. aus gechlortem Badewasser, Überanstrengung aufgrund einer Sehschwäche,
Allergene aus Pollen, Tierhaaren und Schminke. Bei Babys kann ein zu enger oder verstopfter
Tränenkanal zu einer Bindehautentzündung führen.

Typische Symptome

Eine Reizung der Bindehaut macht sich dank der zahlreichen Blutgefäße und Nerven in der Bindehaut schnell bemerkbar. Die Schleimhaut ist gerötet, die Augen jucken und brennen, jeder Lidschlag reibt, als ob ein Sandkorn im Auge wäre. Die Augen sind außerdem lichtempfindlich und tränen leicht.

Bei bakterieller Besiedelung bildet sich eitriges Sekret, morgens sind die Augen gelblich verkrustet. Eine allergische Rhinokonjunktivitis (Heuschnupfen) zeigt neben Symptomen am Auge auch eine juckende, laufende oder verstopfte Nase, häufig auch Halskratzen.

Diagnostik

Eine unkomplizierte Bindehautentzündung erkennt der Augenarzt anhand der Krankheitszeichen am Auge. Eitriges Sekret wird nach einem Abstrich auf den Erregertyp untersucht, um ein wirksames Antibiotikum auszuwählen.

Behandlung: Hausmittel & Antibiotika

Entfernt man den Auslöser der Entzündung, erholt sich diese recht schnell. Dazu befreit man das Auge gegebenenfalls von Fremdkörpern mittels Taschentuch und Spülen mit steriler isotonischer Kochsalzlösung. Sonnen- oder andere Brillen schützen gegen Sonne, Wind und Staub. Für empfindliche Augen eignen sich Kosmetika mit hypoallergenen Inhaltsstoffen, am besten parfum- und konservierungsmittelfrei. Virusbedingte Bindehautentzündungen heilen in der Regel ohne Medikament wieder aus.

© PhotoSG - FotoliaEs gibt auch homöopathische Mittel bei Augenerkrankungen (© PhotoSG - Fotolia)Hier kann man homöopathische oder anthroposophische Augentropfen mit Calendula und Euphrasia gegen die Reizung und zur Befeuchtung in die Augen einträufeln.

Sind Bakterien die Auslöser, verordnet der Arzt antibiotische Augenarzneien. Augentropfen werden mehrmals am Tag eingeträufelt, Augensalben kommen abends vor dem Zubettgehen zum Einsatz. Die Medikamente werden über mehrere Tage angewendet, die Behandlung wird auch dann noch zwei Tage fortgesetzt, wenn die Symptome schon verschwunden sind.

Ist bei Babys der Tränenkanal zu eng, kann eine sanfte kreisförmige Massage des inneren Augenwinkels den Tränenabfluss unterstützen. Öffnet sich der Kanal im ersten Lebensjahr nicht von alleine, macht der Augenarzt ihn mechanisch frei.

Ursachen einer Hornhautentzündung

Die Hornhaut des Auges (Kornea) ist das transparente Sichtfenster, das kuppelartig vor Iris und Pupille liegt. Sie ist sehr homogen aufgebaut und ist frei von Blutgefäßen, weshalb sie das Licht perfekt zur Netzhaut hindurchlässt. Ihre Wölbung trägt maßgeblich zur Brechkraft des Auges bei. Da die Hornhaut von zahlreichen Nervenenden durchzogen ist, reagiert sie sehr sensibel auf äußere Reize. So wird z. B. der schützende Lidschlussreflex, der Fremdkörper beseitigt und die Hornhaut befeuchtet, u. a. durch die Empfindlichkeit der Hornhaut ermöglicht.

Eine Entzündung der Hornhaut (Keratitis) kann durch folgende Ursachen hervorgerufen werden:

  • Fremdkörper
  • verunreinigte Kontaktlinsen
  • unzureichende Tränenfilmproduktion
  • UV-Strahlen
  • giftige Dämpfe
  • Keime

Oft tritt sie zusammen mit einer Bindehautentzündung auf (Keratokonjunktivitis). Als Erreger kommen Viren wie Herpes simplex und Herpes zoster vor, Bakterien wie Staphylokokken und Streptokokken und Pilze wie Aspergillus- und Candida-Arten. Auch Parasiten wie die Akanthamöben, die aus stehenden Gewässern ins Auge gelangen, können eine Hornhautentzündung hervorrufen (Akanthamöbenkeratitis).

Symptome und Diagnostik

Eine Keratitis zeigt sich durch ein vor allem im Bereich der Hornhaut gerötetes Auge. Patienten leiden unter Fremdkörpergefühl, Schmerzen und Lichtempfindlichkeit am Auge. Bei schweren Verläufen kann das Sehvermögen durch Schleierbildung, Geschwüre und Narben eingeschränkt sein.

Hornhautentzündungen müssen vom Arzt untersucht werden, um bleibende Schäden und Sehbeeinträchtigungen zu vermeiden. Neben der Blickdiagnose verwendet der Augenarzt eine Spaltlampe und Färbemethoden, um die verschiedenen Schichten der Hornhaut auf Veränderungen zu untersuchen. Bei Verdacht auf erregerbedingte Entzündungen muss eine Probe der Hornhaut zur Keimbestimmung entnommen werden. Bei Kontaktlinsenträgern liegen oft verschiedene Erregerarten vor, hier dienen auch Untersuchungen der Linsenbehälter und-flüssigkeit für die Diagnosestellung.

Behandlung: Augentropfen & Medikamente

Nichtinfektiöse Entzündungen der Hornhaut werden über mehrere Tage mit kortisonhaltigen Augentropfen behandelt. Ist die Produktion der Tränenflüssigkeit eingeschränkt, wendet der Patient Tränenersatzmittel an, um das Auge zu befeuchten. Bei Verletzungen der Hornhaut fördern dexpanthenolhaltige Augentropfen und -gele die Wundheilung.

Erregerbedingte Infektionen der Hornhaut werden mit antimikrobiellen Arzneimitteln lokal am Auge behandelt, bei tief gehender Besiedelung müssen die Medikamente auch oral eingenommen werden.

Damit lokal aufgebrachte Augentropfen wirken können, wird in manchen Fällen die Hornhaut zunächst oberflächlich abgetragen. Erregerbedingte Entzündungen der Hornhaut bedürfen einer intensiven Therapie und engmaschigen Überwachung des Augenarztes, um die Zerstörung der Hornhaut durch Geschwüre und Narben abzuwenden.

Entzündung von Netz- und Aderhaut

Eine Netzhautentzündung (Retinitis) geht oft mit einer Entzündung der aufliegenden Aderhaut einher (Chorioretinitis). Die Erkrankungen sind gefährlich, da das Sehvermögen dauerhaft geschädigt werden kann. Anfangs könne sie ohne Symptome bleiben, da beide Augenhäute nicht schmerzempfindlich sind. Breitet sich die Entzündung in den Glaskörper des Auges oder den mittigen Bereich der Netzhaut aus, kommt es zu Schleierbildung und verschwommenem Sehen.

Eine Chorioretinitis tritt im Zuge von Infektionskrankheiten wie Toxoplasmose, Tuberkulose, Borreliose, Syphilis und Zytomegalie auf, auch nichtinfektiöse entzündliche Erkrankungen wie Sarkodiose können die Ursache sein. Die Behandlung erfolgt mit antientzündlichem Kortison und erregerwirksamen Mitteln.

Lidrandentzündung mit oder ohne Gerstenkorn

Eine Entzündung der Lidränder wird als Blepharitis bezeichnet. Dabei kann der Lidrand als Ganzes betroffen sein, die Entzündung kann aber auch punktuell als Gersten- oder Hagelkorn auftreten. Ein entzündeter Lidrand ist geschwollen, er brennt und juckt, die Augen tränen und sind lichtempfindlich. Oft geht die Entzündung auch auf die Bindehaut über.

Ursache einer akuten Blepharitis können Bakterien, Viren oder Allergien sein. Eine chronische Entzündung wird durch gestörte Meibom-Drüsen hervorgerufen, die den öligen Anteil des Tränenfilms produzieren.

© Guntars Grebezs_iStockBei einem Gerstenkorn ist eine auffällige Entzündung am Lidrand bemerkbar (© Guntars Grebezs_iStock)Gerstenkorn durch Bakterienbefall

Bei einem Gerstenkorn (Hordeolum) handelt es sich um eine akute Entzündung der Moll- oder Zeis-Drüsen des Auges. Moll-Drüsen sind Schweißdrüsen, die am Lidrand in die Haarbälge der Wimpern münden. Zeis-Drüsen wiederum bilden Talg, der ebenfalls über die Wimpernfollikel abgegeben wird.

Ein Gerstenkorn zeigt sich am Lidrand als rote Schwellung mit gelblichem Eiterinhalt, es schmerzt und ist bei jedem Lidschlag zu spüren. Auslöser sind meist Bakterien, die auf der Haut leben wie Staphylokokkus aureus.

Hagelkorn: Verstopfte Drüsen

Ein Hagelkorn (Chalazion) entwickelt sich, wenn Meibom-Drüsen des Auges verstopfen. Können die Lipide der Maibom-Drüsen nicht abfließen, schwillt der Drüsengang an und entzündet sich.

Im Gegensatz zu einem Gerstenkorn sitzt ein Hagelkorn etwas weiter vom Lidrand entfernt, es ist als blasse, harte Erhebung zu erkennen und schmerzt in der Regel nicht. Ursache für die Bildung von Hagelkörnern ist eine gestörte Funktion der Meibom-Drüsen.

Chronische Blepharitis: Juckende, verklebte Augen

Eine chronische Blepharitis wird durch eine Meibom-Drüsen-Dysfunktion (MDD) hervorgerufen. Diese Störung kann durch zahlreiche Faktoren begünstigt werden wie:

  • fettige Haut
  • Alter
  • Hauterkrankungen wie Rosazea und Neurodermitis
  • Erkrankungen wie Diabetes
  • Rheuma und Schilddrüsenstörungen
  • Umstände, die zu trockenen Augen führen wie Bildschirmarbeit und Klimaanlagen

Gestörte Maibom-Drüsen sondern zähflüssige Lipide ab, die sich als gelber Film auf den Wimpern und Lidrändern ablagern. Die Lidränder entzünden sich, sind rot und geschwollen, die Augen jucken und tränen, oft sind sie ölig verklebt. Hagelkörner treten vermehrt auf.

Eine seborrhoische Haut bildet hier zusätzlich viel Talg, so dass sich bestimmte Keime der Haut besonders gut vermehren wie z. B. der Pilz Malassezia furfur. Er zersetzt die Lipide, deren Abbauprodukte zu Juckreiz, Entzündung und Schuppung der Haut führen. Gleichzeitig wird das Auge aufgrund des gestörten Tränenfilms trocken, weshalb Patienten mit chronischer Blepharitis oft unter einer entzündeten Binde- und Hornhaut (Keratokonjunktivitis) leiden.

Diagnostik

Ein Gerstenkorn ist auch vom Betroffenen selbst gut zu erkennen. Es kündigt sich durch Druckgefühl und Schmerzen bei jedem Lidschlag an, noch bevor die prominente rötlich-eitrige Schwellung sichtbar wird. Ein Hagelkorn wird vom Arzt diagnostiziert. Bei einer Entzündung des gesamten Lidrandes bestimmt der Arzt die Ursache, indem er die Zusammensetzung des Tränenfilms, die Ausgänge der Drüsen, den Zustand der Haut sowie die Binde- und Hornhaut des Auges auf Veränderungen untersucht.

Behandlung mit Augensalben und Medikamenten

Ein Gerstenkorn kann man in der Regel durch Wärme und eine desinfizierende Augensalbe aus der Apotheke selbst behandeln. Warme Kompressen oder Rotlicht lassen das eitrige Sekret des Gerstenkorns leichter nach außen hin abfließen, die Augensalbe beseitigt die auslösenden Keime. Bei einem Hagelkorn können im Anfangsstadium neben einer regelmäßigen Lidpflege ebenfalls antibiotische Augensalben eingesetzt werden, meist ist der Drüseninhalt jedoch so verhärtet, dass er nur durch eine kleine Operation entfernt werden kann.

Eine akute Entzündung des gesamten Lidrandes wird je nach Ursache durch antiallergische, antibiotisch oder antiviral wirksame Medikamente behandelt.

Bei einer chronischen Lidrandentzündung sind Tränenersatzflüssigkeit und eine besondere Lidpflege angezeigt. So pflegt man trockene Augen tagsüber durch regelmäßiges Tropfen von Tränenersatzmitteln, für nachts verwendet man intensivere Augengele. Eine regelmäßige Lidpflege befreit von überschüssigem Meibom-Sekret, Talg und Hautschuppen.

Im Einzelfall verordnet der Arzt kortisonhaltige Augentropfen oder -salben, auch eine Antibiotika-Therapie über mehrere Monate kann nötig sein.

Lidpflege bei chronischer Blepharitis

Die Lidpflege wird täglich durchgeführt, um überschüssige Lipide, Talg und Hautschuppen zu entfernen. Dazu erwärmt man festsitzende Lipide und Talg zunächst mit Kompressen, Rotlicht, Wärmepads oder einer Wärmebrille. Danach kann das flüssige Fett durch eine sanfte Lidmassage ausgestrichen werden.

Dazu führt man den Finger mehrfach über die Augenlider in Richtung Lidrand. Anschließend wird die Lidhaut gesäubert. Dazu eignen sich tensid- und parfumfrei Augenreinigungen, auch eigens zur Lidpflege getränkte Tücher sind sehr praktisch. Danach befeuchtet man die Augen mit Tränenersatzflüssigkeit.

Links

www.augen.de - Informations- und Kommunikationsservice für Augenärzte und Patienten
Deutsche Uveitis-Arbeitsgemeinschaft
Uveitis Selbsthilfe
Pro Retina Deutschland - Selbsthilfe-Vereinigung von Menschen mit Netzhautablösung
Berufsverband der Augenärzte Deutschlands
Deutsche Ophtalmologische Gesellschaft

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare zum Artikel (1)


06.02.2018 - 03:47 Uhr

sehr informativ und fachmännisch beraten

von Dr. R. G.


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