Erektile Dysfunktion - ein Warnzeichen für mögliche Gefäßerkrankungen

Dr. Leithäuser

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© ˆHenrie-Fotolia© ˆHenrie-FotoliaDie Impotenz des Mannes ist ein Tabuthema. Gemeint ist - in der Medizinersprache - die Impotentia coeundi, also die Unfähigkeit, einen Geschlechtsakt zu vollziehen. Wenn dieser aufgrund einer unzureichenden Steifigkeit des Penis nicht mehr möglich ist, kann das für die Psyche und die Partnerbeziehung der Betroffenen erhebliche negative Folgen haben. Heute spricht man in solchen Fällen besser von einer erektilen Dysfunktion (lat. erectio = Aufrichtung, griech. dys = Vorsilbe für: abweichend von der Norm, krankhaft, also: Fehlfunktion). Dies gilt aber nur dann, wenn das Problem über einen längeren Zeitraum von vielen Wochen besteht.

Eine Erektion kommt zustande wenn stimulierende Sinnesreize (z. B. Bilder, Düfte oder Stimmen), Berührungen oder Fantasien bestimmte Gruppen von Nervenzellen im Gehirn aktivieren. Von dort aus gehen Impulse über das Rückenmark und Nervengeflechte im Becken an die Schwellkörper im Penis. Hier werden als Reaktion auf diese Nervenimpulse Botenstoffe freigesetzt, die zu einer Entspannung der Muskelzellen in den kleinen Arterien des Schwellkörpers führen. Dies bewirkt eine Erweiterung dieser Arterien, wodurch der Einstrom von Blut in den Schwellkörper gesteigert wird.

Gleichzeitig wird der Blutabfluss über die Venen gedrosselt, so dass der Druck im Schwellkörper ansteigt und der Penis hart wird. Es ist eine Höchstleistung des lokalen Gefäßsystems, denn der Blutfluss in den Arterien des Genitals wird kurzfristig auf mehr als das 10-fache des Ruhe-Wertes erhöht - ein Spitzenwert, der in keinem anderen Abschnitt der Arterien des Körpers annähernd erreicht wird. Dies funktioniert allerdings nur in gesunden Gefäßen.

Erektionsstörungen haben unterschiedliche Ursachen: Sie können als Folge einer Unterleibsoperation (Prostata, Harnblase, Darm) auftreten, wenn die zum Penis ziehenden Nerven verletzt wurden. Erkrankungen des Nervensystems wie Multiple Sklerose oder die Parkinson´sche Erkrankung können ursächlich sein. Häufig sind psychische Faktoren beteiligt: beispielsweise anhaltender Stress in verschiedenen wiederkehrenden Situationen (Leistungsdruck am Arbeitsplatz oder Partnerschaftsprobleme) oder konkrete psychische Erkrankungen wie Depression oder Angststörungen. Medikamente tragen nicht selten ihren Teil dazu bei. Dies gilt insbesondere für Beta-Blocker, bestimmte Psychopharmaka und Mittel zur Entwässerung. Die Zuckerkrankheit (Diabetes) schädigt langfristig die kleinsten arteriellen Blutgefäße und die Nervenbahnen und verursacht dadurch häufig Erektionsstörungen. Sehr häufig findet man eine Arterienverkalkung (Arteriosklerose) in Verbindung mit einer erektilen Dysfunktion vor. Dies gilt vor allem für Männer ab dem 60. Lebensjahr.

Die endotheliale Dysfunktion ist das erste Stadium der Erkrankung der Arterien, in deren Verlauf es zur Verkalkung und Verengung und letztlich dem Verschluss eines Blutgefäßes kommt. Der Begriff Dysfunktion ist oben schon erklärt. Das Endothel (Endo = griech. Vorsilbe für innen, innerhalb; thele = griech. Mutterbrust) ist eine etwa ein tausendstel Millimeter dicke Schicht aus spezialisierten Körperzellen, die das Innere der Blutgefäße auskleidet (siehe auch: Psychischer Stress und Blutgefäßalterung). Es ist eine lebende Membran zwischen fließendem Blut und der eigentlichen Gefäßwand. Diese Membran produziert die weiter oben bereits erwähnten chemischen Signalstoffe, die den Durchmesser der Arterien regulieren. So können die Gefäße die Durchblutung an die lokalen Anforderungen in verschiedenen Körperregionen anpassen.

Wir selbst fügen dieser Endothelschicht durch unseren Lebensstil meist den größten Schaden zu. Fehlernährung, Bewegungsmangel und Rauchen wirken sich negativ auf die Fähigkeit zur Gefäßerweiterung aus. Eben darauf kommt es in den Schwellkörpern des Penis ganz besonders an. Anders ausgedrückt: Wenn die Durchblutungssteigerung für die „Manneskraft“ nicht mehr erbracht werden kann, steckt möglicherweise der Beginn einer Gefäßerkrankung dahinter. Es ist erwiesen, dass Männer mit Erektionsstörungen ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall haben. Daher sollte dieses Symptom nicht ignoriert und verschwiegen werden. Eine ärztliche Untersuchung ist dringend ratsam. Nach dem Hausarzt oder der Hausärztin sind häufig die Fachärzte der Urologie die nächsten Ansprechpartner. Ergibt sich hier der Verdacht auf eine Durchblutungsstörung, sollte die Vorstellung beim Herz- und Gefäßmediziner als nächstes folgen.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare zum Artikel (15)


10.05.2016 - 17:58 Uhr

Hallo, ich hatte eine Herzklappen-OP. Dabei habe...

von Marc

... ich 3 künstliche Herzklappen eingesetzt bekommen. Seitdem leide ich an einer Dysfunktion.

Dr. Leithäuser

Antwort vom Autor am 13.05.2016
Dr. med. Boris Leithäuser

Dann sollte nach der tatsächlichen Ursache gesucht werden. Ansprechpartner ist zuerst der Kardiologie, dann der Urologe, möglicherweise auch der Psychologe.

14.01.2016 - 22:13 Uhr

Man kann gute Potenzmittel benutzen. Ich vertraue...

von Karl

... diesen und ich benutze die Tabletten gerne, weil ich schon mit ihrer Hilfe meine erektile Dysfunktion behandeln konnte. Jetzt bin ich zufrieden, weil ich mit Pillen einfach meine Frau befriedigen kann.

Dr. Leithäuser

Antwort vom Autor am 15.01.2016
Dr. med. Boris Leithäuser

Ein sehr wichtiger Hinweis zur Lösung des Problems Erektion Dysfunktion. Die "Pillen" lösen nicht das Problem dass hinter der ED möglicherweise eine Gefäßerkrankung steht.

05.10.2015 - 11:52 Uhr

Mein Penis kooperiert mit mir nicht. Ich bin 19...

von Dirk

... und hab schon Erektionsstörungen, ich bin sehr beschämt, wenn meine Freundin kommt zur Sache und mein Ding schlafft. ich hab schon im Netz Pillen Erozon Max gefunden und will das gerne ausprobieren. Ist das für Männer in meinem Alter?

Dr. Leithäuser

Antwort vom Autor am 05.10.2015
Dr. med. Boris Leithäuser

Wenn eine Kooperation nicht zustande kommt, dann gibt es hierfür einen Grund und den muss man(n) herausfinden. Am Anfang steht die Untersuchung durch einen Urologen. Wenn bei dieser Untersuchung alles in Ordnung ist, folgt die Untersuchung durch einen Internisten. Die Pillen aus dem Netz kenne ich nicht und rate davon ab diese einzunehmen solange die Ursache nicht geklärt ist.

27.09.2015 - 22:47 Uhr

Mir wurde in den Penis geschlagen und jetzt...

von Alex

... bekomme ich kein sperma mehr was soll ich machen?

Dr. Leithäuser

Antwort vom Autor am 28.09.2015
Dr. med. Boris Leithäuser

Bitte lassen Sie sich durch einen Urologen untersuchen.

19.09.2015 - 21:31 Uhr

Mein Penis will nicht mehr stehen, was soll ich...

von Hans

... machen? Welche Behandlungsmöglichkeiten sind nicht schädlich?

Dr. Leithäuser

Antwort vom Autor am 21.09.2015
Dr. med. Boris Leithäuser

Bitte erwarten Sie an dieser Stelle keinen umfassenden und kompetenten Ratschlag. Vor einer Beratung ist eine Untersuchung erforderlich. Es gibt verschiedene Gründe für eine Sexualfunktionsstörung dieser Art. Wenden Sie sich zunächst bitte an einen Urologen, ggf. danach an einen Kardiologen oder Angiologen. Je nach dem was der Urologe sagt. Entsprechend der Untersuchungsbefunde wird Ihnen der eine oder andere Kollege einen Behandlungsvorschlag machen.

17.03.2014 - 20:40 Uhr

Ich habe schon mal angefragt:ich bin 65 Jahre alt...

von Franz

... und bekomme seit 4 Jahren kein steifes Glied mehr und war schon einmal bei einem Urologen. Er will mir ein Implantat einsetzen.Aber ich möchte noch eine zweite Meinung einholen. Ich komme aus der Nähe von Bremerhaven .

Dr. Leithäuser

Antwort vom Autor am 17.03.2014
Dr. med. Boris Leithäuser

Die erste Anfrage hat mich wohl nicht erreicht. Sorry. Die Frage ist ja, warum das Glied nicht steif wird? Ist eine medikamentöse Therapie versucht worden? Sie möchten eine zweite Meinung von wem? Von einem Urologen oder einem Internisten? Fachvertreter beider Richtungen gibt es auch in Bremerhaven.

04.09.2013 - 09:04 Uhr

Ich hatte am 11.7.2013 eine Bauchaorten op . mit...

von Mario

... anschlussheilbehandlung. bin seit dem 22.8 wieder zu hause, jetzt ein Riesen großes Problem mein Penis wird steif aber es kommt nichts mehr kein Sperma gar nichts mehr kommt raus ,was habe die bei der op falsch gemacht , würde mich auf eine schnelle Antwort per E-Mail freuen Mfg: Mario

Dr. Leithäuser

Antwort vom Autor am 04.09.2013
Dr. med. Boris Leithäuser

Voraussetzung für einen ärztlichen Ratschlag ist immer die eingehende Untersuchung. Wenden Sie sich bitte mit Ihrem Problem an einen Urologen.

15.08.2013 - 17:42 Uhr

@Sepp War der Penis noch nie richtig fest, kann...

von F. S.

... es an angeborenen Gefäßveränderungen im Becken- und/oder Schwellkörperbereich liegen. Deswegen sollten Sie bei einem Urologen eine Untersuchung mit Erzeugung einer künstlichen Erektion (sogenannter SKAT-Test) und Doppler-Sonografie und ggf. einer Schwellkörperdarstellung im Röntgen durchführen lassen (Cavernosografie). In jedem Falle sind Sie damit bei einem Urologen gut aufgehoben und müssen sich ganz bestimmt nicht schämen! Gruss Urologe

12.07.2013 - 10:02 Uhr

Sehr geehrte Damen und Herrn, Ich bin 62 Jahre...

von Manuel

... alt und leide seit ein paar Jahre unter erektilen Dysfunktion, was mir große Probleme gebracht hat, nämlich in der Partnerschaft. Ich bin in urologische Behandlung, kriege aber nur gesagt, daß es keine Behandlungsmöglichkeit gibt außer potenzsteigernde Medikamente obwohl ich immer wieder lese und höre, daß andere Behandlungsmöglichkeiten möglich sind! Könnten Sie mich bitte informieren, was ich tun soll? Mit freundlichen Grüße

Dr. Leithäuser

Antwort vom Autor am 12.07.2013
Dr. med. Boris Leithäuser

Sehr geehrter Manuel, es sollte geklärt werden, ob die erektile Dysfunktion durch eine Gefäßerkrankung verursacht wird. Wenn nicht schon geschehen, sollten Sie also einen Herz-Gefäß-Mediziner (Kardiologen/Angiologen) aufsuchen.

01.07.2013 - 13:20 Uhr

ich bin 21 Jahre alt und hatte noch nie einen...

von Sepp

... richtig harten Penis. Er ist ständig schlaff und ich trau mich nicht mit jemanden darüber zu reden. Hat sonst noch jemand Erfahrungen damit? lg Sepp

Dr. Leithäuser

Antwort vom Autor am 01.07.2013
Dr. med. Boris Leithäuser

Sepp! Das ist sehr ungewöhnlich. Sie sollten in jedem Falle eine Person Ihres Vertrauens - möglichst einen "Gesundheits-Profi" (also Arzt oder Therapeut) finden, mit dem Sie das Problem besprechen können.

27.06.2013 - 20:00 Uhr

Ich bin 75 Jahre alt und glaube an einer...

von fritz

... Potenzstörung zu leiden. Immer wenn ich mit meiner Partnerin zusammen bin, erschlappt mein Penis und wir sind beide enttäuscht. Ab ud an nehme ich potenzsteigernde Mittel. Aber die Nebeneffekte, wie Kopfschmerzen und sehr später oder gar kein Samenerguss, sind die Folge.Jetzt habe ich mir mal ein paar Pornovideos angeschaut und dabei eine Errektion verspürt. Ich habe mich selbst befriedigt und es sehr angenehm empfunden. Davon weiß meine Partnerin nichts. Sie ist auch nicht sehr sexuell anspruchsvoll und sieht in sexuellen Spielen nichts besonderes und lehnt sie ab. Was könnte uns weiterbringen um wieder gemeinsam Lust am sexuellen Beisammensein zu finden. Vorab vielen Dank für Eure Kommentare.

Dr. Leithäuser

Antwort vom Autor am 28.06.2013
Dr. med. Boris Leithäuser

Sehr geehrter Fritz, vielen Dank für Ihren Kommentar. Ich bin Kardiologe und Angiologe (Gefäßmediziner) und habe diesen Beitrag geschrieben, weil die Erektionsstörung ein Zeichen einer Gefäßerkrankung sein kann. Ob bei Ihnen eine solche vorliegt, kann ich Ihrer Schilderung nicht entnehmen. Möglicherweise liegt aber auch das Problem in der Beziehung. Ich besitze hier allerdings nicht die Kompetenz, um einen verlässlichen Rat zu erteilen. Besprechen Sie das Problem ggf. mit Ihrem Hausarzt.

23.06.2013 - 12:34 Uhr

Hallo Nicole, auch ich rate Ihnen als Mediziner...

von Dennis

... und Patient dringend dazu, einen Facharzt (Urologie oder innere Medizin) aufzusuchen. Bevor ich jedoch an operative Verfahren denken würde, sollte sich Ihr Partner einer vollständigen Untersuchungen zu physiologischen Ursachen unterziehen lassen. Liegt keine akute Erkrankung vor, muss herausgefunden werden, ob eine organische oder auch eine psychische Ursache für die erektile Dysfunktion als ursächlich gilt. Liegt tatsächlich eine organische Ursache vor, dann rate ich zunächst zu deutlich weniger invasiven Maßnahmen. Das sind: 1. Einnahme eines PDE5-Hemmers 2. Ärztliche Verordnung einer Vakuum-Erektionshilfe ("Penispumpe") Im Anschluss kann man ggf. über die "SKAT"-Methode nachdenken, bei der vor Ihrem Geschlechtsverkehr ein Medikament direkt in den Schwellkörper Ihres Partners injiziert wird. Können diese Maßnahmen nicht zum Erfolg verhelfen, erst dann sollten Sie über invasivere Möglichkeiten nachdenken. Lassen Sie sich von Ihrem Facharzt vertrauensvoll beraten. Sehr gut finde ich, dass Sie das Problem als Paar vertrauensvoll angehen, denn es betrifft Sie schließlich beide. Sprechen Sie unbedingt ausführlich miteinander - und auch über das, was Sie beide bewegt. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg! Freundliche Grüße Dennis

05.06.2013 - 14:48 Uhr

Hallo Vielen dank für die Antwort Dr...

von Nicole

... Leithäuser und Bernd. Mein freund nimmt auch neben dem Betablocker Nebivolol auch noch Blutdrucksenkende mittel , welche weis ich aber jetzt nicht auswendig.............. Viell kannst du, Bernd, mir ja mal ein paar vorschläge geben, von denen die du nimmst und man könnte dann den Urologen oder auch seinen Internisten fragen wie es mit denen wäre ................... Lg und danke

03.06.2013 - 19:11 Uhr

Hallo Nicole, Ich selber bin 59 Jahre alt und...

von Bernd

... habe zum Glück solche Probleme nicht obwohl ich seit langem auch einen Betablocker einnehmen muss, dazu kommt noch ein Blutdruck senkendes Mittel. Beide Medikamente beeinflussen in keiner Weise meine Potenz. Ihr Lebensgefährte ist mit seinem Problem und Ihrer Frage, bei einem Urologen gut aufgehoben. Liebe Grüße, Bernd

03.06.2013 - 12:42 Uhr

Hallo Leider hat mein Lebensgefährte das...

von Nicole

... Problem das sein penis nicht mehr lange stand hält , dh mitten im akt fällt er zusammen , was für uns beide nicht gerade schön ist. Noch kommt dazu, dass er wegen eines herzinfarktes vor ca 4 1/2 jahren böse beta blocker nehmen muß. ich weis aus der familie, dass es eine Methode einer op gibt in der der mann in den penis und in einen hoden was reingemacht bekommt( weis nur nicht wie man das nennt im Moment ) meine frage , hat jemand damit schon ne Erfahrung und wie ist es danach nach so einem eingriff . Lg Nicole

Dr. Leithäuser

Antwort vom Autor am 03.06.2013
Dr. med. Boris Leithäuser

Bitte wenden Sie sich mit dieser Frage vertrauensvoll an einen Urologen.


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