Neue Hüfte: Das sollten Sie über Risiko, OP-Ablauf & Reha wissen

Dr. Gaiser

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© fotolia-bht2000Hüft-OPs gehören zu den häufigsten Eingriffen in Deutschland (© fotolia-bht2000)In Deutschland wurden letztes Jahr ca. 500.000 künstliche Gelenke implantiert. Die Zahl blieb während der letzten paar Jahre etwa konstant. Davon belief sich die Zahl künstlicher Hüftgelenkoperationen auf etwa 300.000 pro Jahr. Darunter sind sehr junge, aber auch sehr alte Patienten. Mehr über den Ablauf, die Risiken und die Ausfallzeiten erfahren Sie in diesem Artikel.

Wie läuft der Eingriff ab?

Mittlerweile ist der künstliche Hüftgelenkersatz die erfolgreichste orthopädische Operation. Alle operativen Abläufe sind hochspezialisiert und gleichzeitig hochstandardisiert. Viele operative Zentren haben sich mittlerweile als sogenannte Endoprothesenzentren zertifizieren lassen.

Der Eingriff kann in Voll-oder Rückenmarksnarkose durchgeführt werden. Dabei liegt der Patient auf dem Rücken oder auf der Seite. Die Operation dauert 45-60 Minuten. Die Schnitte sind in der Regel zwischen zehn bis zwölf Zentimeter lang, wobei die Schnittlänge neben dem kosmetischen Aspekt nicht die entscheidende Rolle spielt.

Alle Operationen werden heutzutage mittels eines minimalinvasiven Zugangs durchgeführt. Dabei sind gegenwärtig vier Zugangsarten am weitesten verbreitet:

  • von hinten
  • seitlich
  • von seitlich-vorne
  • von vorne

Dabei wird muskelschonend operiert. Das heißt, dass der Muskel nicht wie früher abgelöst wird. Stattdessen operiert man durch eine Muskellücke hindurch. Diese Muskellücke wird durch zwei bis drei Haken aufgespannt, die ein bis zwei Assistenten halten.

Optional kommt eine Beckennavigation zum Einsatz. Dafür wird ein sternförmiges Instrument am Becken befestigt, das ständig mit Infrarotsignalen abgetastet wird. Der Computer berechnet daraus ein dreidimensionales Bild des Beckens. Ein ebensolches Instrumentarium befindet sich an der Fräse, mit der die Hüftpfanne vorbereitet wird. Durch die Navigation kann die Pfanne genauer platziert werden, was eine verlängerte Standzeit verspricht. Nachdem das Pfannenlager aufgefräst wird, wird die Pfanne eingeschlagen. Sie besteht aus einer Titanlegierung, verklemmt sich mindestens an drei Punkten im Bereich des Beckens und erreicht dadurch Festigkeit.

Die Pfanne ist mit keramischem Knochenersatzmaterial beschichtet und kann fest mit dem Knochen verwachsen. In die Titanpfanne kommt ein Gelenklager, das meistens aus hochverdichteten langlebigem Plastik besteht. In diesem Lager gleitet der künstliche Hüftkopf, der aus Metall oder Keramik besteht.

Der Kopf wird dann später auf den Hüftschaft aufgesteckt. Zuvor müssen jedoch der natürliche Schenkelhals- und Hüftkopf entfernt werden. Danach wird der Schaft aufgeraspelt und schließlich eingeschlagen. Er besteht auch aus einer Titanlegierung und ist ebenfalls mit keramischem Knochenersatzmaterial beschichtet.

Die Beweglichkeit des künstlichen Hüftgelenkes wird überprüft und die Beinlänge kontrolliert. Eine Drainage muss heutzutage nicht mehr gelegt werden.

©fotolia-psdesign1Durch moderne OP-Verfahren kann die Hüfte in den meisten Fällen bereits kurz nach der OP wieder belastet werden (©fotolia-psdesign1)Welche Risiken entstehen bei dem Eingriff?

Durch die moderne Schmerztherapie ist der Eingriff sehr schmerzarm geworden. Einige Zentren bevorzugen für die postoperative Schmerztherapie ein Nervenkatheter, andere eine Schmerzpumpe.

Risiken des Eingriffes sind die allgemeinen Narkoserisiken, Blutverlust, Blutergussbildung und Wundheilungsstörungen. Das Risiko für einen Nerven- bzw. Gefäßschaden oder eine Infektion ist weitaus geringer als ein Prozent.

Durch die neuen Operationsmethoden mit Muskelerhalt gehört die früher gefürchtete Komplikation der Gelenkausrenkung quasi der Vergangenheit an. Nahezu alle Operateure lassen den Patienten spätestens am Tag nach der Operation voll belasten, manche sogar schon am OP-Tag. Aktuell haben in Deutschland einige Chirurgen angefangen, künstliche Hüftgelenke ambulant zu operieren. In den USA ist das schon seit einigen Jahren möglich.

Mit welcher Ausfallzeit muss ich nach der OP rechnen?

Der Aufenthalt im Krankenhaus dauert zwischen fünf bis sieben Tage. Dann folgt eine dreiwöchige stationäre Anschlussheilbehandlung in einer Reha-Einrichtung.
Hier werden neben abschwellenden Maßnahmen, Verbesserung der Funktion, muskulärer Stabilisation und Verbesserung der Mobilität auch Gleichgewichtstraining und physikalische Therapien durchgeführt.

Die Genesungszeit beläuft sich auf drei Monate, ebenso wie die Arbeitsunfähigkeit für eine mittelschwere körperliche Tätigkeit.
Nach der Genesungszeit können jüngere Patienten nach drei Monaten wieder mit Sport beginnen. Stoßbelastung sowie Mannschafts- und Kontaktsportarten sollten gemieden werden.

Ein hervorragendes klinisches Ergebnis bedarf operativer Expertise, eines hochmotivierten Patienten und einer optimalen Nachbehandlung.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare zum Artikel (4)


02.11.2018 - 17:58 Uhr

Meine Hüfte ist im Becken durch gebrochen ich...

von Jahnke

... habe beim schlafen und Sitzen keine Schmerzen aber beim Laufen ist es eine Oual weil ja das Bein durch den Durchbruch etwas kürzer geworden ist. Ich war schon bei zwei Ärzten der eine Sagte ich soll wieder kommen wenn ich am Tag 2-3 Schmerz Tabletten nehme der andere Wenn ich ein Stück Holz im Mund habe und vor Schmerzen draufbeiße. Was soll ich tun? Ich bin 73Jahre aber noch gut in Schuss, habe vorher viel Sport gemacht. Danke

22.09.2018 - 08:41 Uhr

Ab welchem Zeitpunkt kann ich mich nach einer...

von Klemens

... Hüft-OP (Gelenkersatz) wieder im Thermalwasser bewegen (nicht schwimmen)?

Dr. Gaiser

Antwort vom Autor am 25.09.2018
Dr. med. Eugen Gaiser

Ich lasse meine Patienten nach abgeschlossener Wundheilung d.h. nach spätestens 3 Wochen nach OP wieder im Thermalwasser schwimmen. MFG Dr.Gaiser und Team

21.05.2018 - 18:09 Uhr

Grüß Gott , ich würde im Dezember 2017 nach...

von Manfred S.

... einem Sturz an einem Hüftenbruch operiert . Eine Woche nach der OP war ich in der Reha. Dort ist am zweiten Tag meines Aufenthaltes das operierte Hüftgelenk herausgesprungen, ohne dass ich eine falsche Bewegung machte. Ich bekam fürchterliche Schmerzen. Es ist kaum zu beschreiben. Leider passierte es an einem Weihnachtsfeiertag und es war nicht schnell ein Notarzt aufzutreiben. Nach etwa zwei Stunden hat man mich wieder in das Krankenhaus Weiden /Opf in die Notaufnahme gebracht, wo mein herausgesprungenes Gelenk wieder eingerenkt wurde. Fürchterliche Schmerzen, man kann es gar nicht schildern! Nun jetzt bin ich seit zwei Monaten zuhause und warte auf eine gute gute Besserung. Ich habe schon Reha Unterstützung vorgenommen aber total erfolglos. Seit Neuem nehme ich Fascien Massagen ( 1x wöchentlich ). Nach der Massage fühle ich mich jeweils relativ gut, aber am dritten Tag ist der Schmerz wieder wie vorher vorhanden. Nun werde ich mich in dieser Woche erneut Röntgen lassen, um evtl. festzustellen, woher dieser Dauerschmerz kommt. Bis heute laufe ich nur mit Stützen und ich bin relativ schmerzfrei beim Sitzen in einem bequemen Stuhl. Wenn ich im Bett liege, gibt es keine Lage, wo ich relativ wenig Schmerzen hätte. Können Sie mir einen guten Rat geben, wie ich mich verhalten soll, damit ich einigermaßen schmerzfrei schlafen kann? Ohne Tilidin Tabletten habe ich keine Chance. Mein Alter ist 79 Jahre, bin aber ansonsten in sehr guter Verfassung . Hatte noch keine nennenswerte Krankheit . Bitte um Ihren Rat. Ich wäre Ihnen sehr dankbar. Liebe Grüße Manfred S.

Dr. Gaiser

Antwort vom Autor am 23.05.2018
Dr. med. Eugen Gaiser

Sehr geehrter Herr S., Ferndiagnosen sind natürlich immer schwer zu stellen. Bei der Auskugelung des Kunstgelenkes hat sicherlich der künstliche Hüftkopf vorrübergehend auf den Ischiasnerv gedrückt. Hierfür spricht, daß die Schmerzen bei gebeugten Hüftgelenk (also im Sitzen) gelindert sind. Der Ischiasnerv läuft durch eine Muskellücke (dem sog. Piriformismuskel), welche im Rahmen des Reizzustandes des Nerven angespannt ist und durch die Faszientherapie gelockert wird. Sicherlich ist es richtig durch eine Röntgenkontrolle eine Lockerung der Prothese auszuschließen. Schmerztherapeutisch besteht die Möglichkeit einer Umflutung des Ischiasnerven oder des Rückenmarks (im Rahmen einer sog. Epiduralanästhesie) mittels einem Schmerzmittel-/Betäubungsmittelgemisch. Diese Therapie kann von jedem Schmerztherapeuten durchgeführt werden, oftmals im Rahmen eines kurzstationären Aufenthaltes. Für die Naht empfehle ich eine Entlastungslagerung des Ischianerven durch Unterlagern von Kissen im Bereich der Unterschenkel um eine Hüftbeugung zu erreichen. Ich hoffe Ihnen mit diesen Informationen weiter geholfen zu haben und wünscht gute Genesung. Ihr Dr Gaiser und Team.

18.02.2018 - 12:24 Uhr

Sehr geehrter Herr Dr.Gaiser .. 15.11.2017 einen...

von Gerd H.

... Hüftgelenkersatz bekommen. Die Op verlief Problemlos und durfte ab dem ersten Tag voll belasten. Der Ersatz ist zementfrei. Die Reha verlief soweit auch Problemlos ausser dass ich mit dem operierten Bein auch jetzt nach drei Monaten schmerzfrei nach vorne einknicke. In der Wohnung kann ich gut gehen, Treppen rauf und runter kein Problem nur draussen gehen komme ich vor lauter einknicken kaum von der Stelle, mach jetzt das meiste mit dem Auto oder Fahrrad. Meine Frage, ist das noch normal ? Jetzt wache ich auch morgens mit einem an-und abschwelendem Leistenschmerz auf . mfg.G.H

Dr. Gaiser

Antwort vom Autor am 21.02.2018
Dr. med. Eugen Gaiser

Sehr geehrter Patient, sehr häufig kommt es zugangsbedingt zur Schwächung der Hüftstreckung (durch langen Rückenstrecker und Gesäßmuskel) und Überwiegen der Hüftbeugung. Kommt es durch unruhigen Untergrund zur zusätzlichen Destabilisierung des Beckens, kann dies 3 Monate nach OP häufig noch nicht kompensiert werden und es kommt zum Einknicken nach vorne. Das von Ihnen geschilderte Problem ist daher durchaus als häufig zu betrachten. Es ist von einer weiteren Stabilisationsphase von weiteren 3 Monaten auszugehen. Hierbei sollte v.a. Augenmerk auf Rumpfaufrichtung durch Training des langen Rückenstreckers und Gesäßmuskel durch die medizinische Trainingstherapie gelegt werden. Grund zur Sorge sehe ich gegenwärtig nicht. Zusatzdiagnostik halte ich gegenwärtig nicht für erforderlich. Ich hoffe ich konnte Ihnen damit weiterhelfen und wünsche Ihnen weiterhin erfolgreiches Training und ein aktives Leben mit dem neuen Hüftgelenk. Ihr Dr.med.Eugen Gaiser


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