Minimalinvasive Hüft-OP: Vor- und Nachteile des vorderen Zugangs

Dr. Scharpf

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© Igor Mojzes - fotoliaWelcher Zugang ist der richtige für Ihre Hüft-OP? Ihr Arzt berät Sie über alle Vorteile. (© Igor Mojzes - fotolia)Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat einst den chirurgischen Hüftersatz zur „besten Operation des Jahrhunderts“ gekürt. Der quälende Schmerz einer gesamten Generation von Menschen ist dank dem medizinischen Fortschritt verschwunden. Dabei ist dieser Fortschritt in der Endoprothetik des Hüftgelenkes, also dem Ersatz eines arthrotischen Gelenkes, nie stehen geblieben. Heute bietet der minimalinvasive vordere Zugang viele Vorteile. 

Welche Zugänge kommen bei einer Hüft-OP in Frage?

Neue und bessere Materialien haben sich über die Jahre etabliert. Bessere Behandlungsverfahren, aber auch bessere chirurgische Techniken sind auf dem Vormarsch. Besonders wichtig ist der chirurgische Zugang, also der Weg, den der Operateur wählt, um in die Tiefe des Gelenkes zu gelangen.

Der Chirurg kann vordere, seitliche und hintere Zugänge nutzen. Zusätzlich existieren etliche Varianten und Modifikationen der verschiedenen „etablierten“ Wege. Dazu zählt auch die entsprechende Lagerung.

Jeder Zugang weist individuelle Vor- und Nachteile auf. Bei manchen Zugängen ist es unumgänglich, Muskeln zumindest teilweise abzulösen und am Ende der Operation wieder anzunähen. Durch Narbenbildungen oder Heilungsstörungen kann es in diesen Fällen jedoch zu muskulären Problemen kommen.

Diese Vorteile hat ein vorderer Zugang

Vor diesem Hintergrund hat sich in den letzten Jahren herauskristallisiert, dass eine muskelschonende Operationstechnik entscheidend für die frühe Mobilisation und das funktionelle Ergebnis ist. Dafür ist der minimalinvasive vordere Zugang ideal geeignet, da keine Muskeln abgelöst werden, sondern eine anatomische Muskellücke genutzt wird. Die Muskeln werden während der Operation zur Seite gehalten. Am Ende legen sie sich wieder in die ursprüngliche Position.

Ein weiterer großer Vorteil dieses Zugangsweges ist, dass der sogenannte M. gluteus medius als entscheidender „Hüftmotor“ nicht angetastet wird. Bei den seitlichen Zugängen wird er häufig eingekerbt. Je nach Ausmaß und Heilungsverlauf kann das zu einer Schwäche des M. gluteus medius führen. Betroffene leiden häufig an einem „Hüfthinken“, da dieser Muskel seine Funktion als Beckenstabilisator dann nicht mehr ausreichend erfüllen kann.

Dieses Problem tritt beim vorderen Zugang praktisch nicht auf. Aus meiner Erfahrung müssen so operierte Patienten nach dem Eingriff eher gebremst werden, um die Weichteile nicht zu stark zu strapazieren. Sie erreichen bereits sehr früh ein sehr hohes funktionelles Niveau.

Welche Nachteile bringt der minimalinvasive vordere Zugang?

Der relative Nachteil des vorderen Zuganges ist, dass er eine große Erfahrung des Chirurgen mit diesem Operationsweg voraussetzt und somit nicht für Anfänger und Unerfahrene geeignet ist. Aufgrund seiner vielen Vorteile nimmt seine Verbreitung aktuell stark zu.

Über den minimalinvasiven vorderen Zugang lassen sich grundsätzlich alle gängigen Typen von Hüft-Endoprothesen einsetzen. Das wird mit jedem Patienten im Einzelnen besprochen, um das jeweils optimale Implantat zu wählen.

 

Auf einen Blick

Schmerzen

Übliche Wundschmerzen nach der OP. Sie lassen sich normalerweise gut mit Schmerzmitteln in Tabletten- oder Tropfenform behandeln.

Krankenhausaufenthalt

In der Regel ca. eine Woche in der Operationsklinik, danach Anschlussheilbehandlung in einer Reha-Klinik für drei Wochen.

Arbeitsunfähigkeit

Das ist je nach Individuum und beruflicher Beanspruchung sehr unterschiedlich. Der Durchschnitt liegt bei ca. sechs Wochen.

Verhaltenstipps nach der Behandlung

Bei den aktuellen Implantaten ist eine direkte Vollbelastung nach der OP normalerweise möglich, meist empfiehlt sich wegen der Weichteilschwellung und eines potentiellen Blutergusses eine Teilbelastung an Unterarmgehstützen für ein bis zwei Wochen. Die individuellen Verhaltenstipps wird der Operateur mit dem Patienten besprechen.

Risiken

Es handelt sich um einen Routine-Eingriff, daher bestehen die üblichen Risiken eines endoprothetischen Hüfteingriffes. Es gibt aber ein reduziertes Risiko für muskuläre Probleme.

Erfolgsraten

Die Implantation von Hüft-Endoprothesen gehört zu den erfolgreichsten Operationen der Medizingeschichte. Durch das muskelschonende minimalinvasive Vorgehen ist das funktionelle Niveau hoch.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare zum Artikel (3)


17.04.2020 - 11:32 Uhr

Hallo, ich hatte vor ca 15 Jahre eine Hüft...

von Krämer H.

... -Implantation R und habe jetzt starke Schmerzen, was würden sie mir raten? Danke für ihre Nachricht H. Krämer

Dr. Scharpf

Antwort vom Autor am 21.04.2020
Dr. med. Andreas Scharpf

Sehr geehrte/r H. Krämer, um diese Frage zu beantworten benötigt man mehr Informationen zu Ihrer Vorgeschichte: Wurde die TEP wegen Altersarthrose oder bei zugrundeliegender Fehlstellung der Hüfte eingesetzt, musste die Operation erweitert werden (z.B. Knochenaufbau), wurde zementfrei oder zementiert verankert, wie ist die Funktion im Verlauf, wie haben sich die Röntgenaufnahmen im Verlauf verändert, gibt es auffällige Blutwerte.... Letztendlich muss man Sie klinisch untersuchen, das Gangbild beurteilen und evtl. Röntgenaufnahmen anfertigen sowie Labor abnehmen. Davon abhängig können sich dann weitere Untersuchungen ergeben (CT, MRT, Szintigraphie), um evtl. Lockerung/Infekt auszuschließen. Am besten wenden Sie sich zunächst an Ihren Operateur, da er die Befunde zum Zeitpunkt der OP mit am besten beurteilen kann. Er kann die aktuellen Röntgenaufnahmen auch mit den Voraufnahmen vergleichen. Wurden denn regelmäßige Röntgenkontrollen durchgeführt? Ich hoffe, Ihnen zumindest etwas weitergeholfen zu haben. Mit besten Grüßen Andreas Scharpf

13.12.2018 - 09:47 Uhr

Habe im März Ihre beschriebene OP gehabt ,bekomme...

von Führing

... das Bein nicht richtig hoch ---vor 2 Wochen wurde die andere Seite mit seitlicher großer Naht gemacht ,. Ergebnis : Bedeutend bessere Funktionstüchtigkeit -Bein kann schneller und höher angehoben werden. Zur Zeit bestehen noch Blutergüsse, die aber bereits am abklingen sind. Meine Beweglichkeit ohne größere Schmerzen ist bedeutend besser, während ich bei der vorderen Methode starke Verhärtungen und Schmerzen habe . Datum der OP´s : 7.3. 2018 und die letzte 2. 12. 2018 .

07.11.2018 - 20:48 Uhr

Nach einer Hüft-OP hält die Prothese ca. 20 Jahre,...

von Josef K.

... danach hat man wieder Schmerzen. Wie weiter dann? Ab welchem alter raten sie eine Hüft-OP?

Dr. Scharpf

Antwort vom Autor am 09.11.2018
Dr. med. Andreas Scharpf

Sehr geehrter Herr Josef K., den richtigen Zeitpunkt für eine Hüfte-OP sollte man nicht alleine vom Alter abhängig machen. Auch ist die Haltbarkeit einer künstlichen Hüfte von vielen Faktoren (Belastung, Knochenqualität, Körpergewicht, ...) abhängig. Entscheidend ist der Grad an Einschränkungen des Patienten und der "Leidensdruck". So kann schon in sehr jungen Jahren bei Hüftfehlbildungen (Dysplasie etc.) die Hüft-OP einzige sinnvolle Möglichkeit sein, um eine adäquate Mobilität zu erreichen. In manchen Fällen kann man vor einer künstlichen Hüfte auch gelenkerhaltende Eingriffe (z.B. Hüft-Arthroskopie) durchführen, um das Fortschreiten der Arthrose zu verlangsamen und die Hüft-TEP hinauszuschieben. Es ist auch durchaus möglich, eine Hüft-TEP im Falle von Verschleiß zu wechseln. Mit den heutigen Implantaten ist auch damit in der Regel eine gute Mobilität zu erreichen. Meiner Meinung nach ist es nicht sinnvoll, sich stark einzuschränken und Lebensqualität durch mangelnde Mobilität einzubüßen, um eine Hüft-OP zu vermeiden. Mit besten Grüßen Andreas Scharpf


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