Kinder suchtkranker Eltern: Alles über direkte Auswirkungen auf das Erwachsenenleben und was Sie selbst tun können

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© fotolia-95321446-Viacheslav IakobchukKinder aus Suchtfamilien sind im Erwachsenenhalte häufig in sich gekehrt und ängstlich (© fotolia-95321446-Viacheslav Iakobchuk)

Erwachsene, die als Kinder mit suchtkranken Eltern aufgewachsen sind, fühlen sich oftmals „nicht gut genug“. Sie wissen nicht, wie sie sich verhalten sollen und reagieren unsicher oder verwirrt auf die Verhaltensweisen anderer Menschen.
 

Das Leben in einer Suchtfamilie

In einer Suchtfamilie aufzuwachsen, heißt, in einem Chaos von Emotionen und Ängsten zu leben und sich auf eine besondere Art vor Unberechenbarkeiten zu schützen. So wie der suchtkranke Elternteil mit seinen Emotionen umgeht, beeinflusst er auch die Kinder im Umgang mit ihren Gefühlen.

Unterschwellig werden die Emotionen Teil der Persönlichkeit und oftmals führt die Situation auch zu einer positiven persönlichen Entwicklung und Einstellung. Hilfreich ist es, Familienangehörige zu haben, die dem Kind eine Orientierung (Resilienz) mitgeben - so können sich diese Kinder zu starken Erwachsenen entwickeln. Aber tief in ihrem Inneren haben diese Kinder eine offene Wunde, die früher oder später geheilt werden möchte.

Anzeichen können der unsichere Umgang mit fremden Menschen sein oder die Scheu, vor großen Gruppen zu sprechen. Betroffene haben häufig unglückliche Partnerschaften und erleben Trennungen oder Scheidungen. Sie haben gestörte Beziehungen mit ihren Kindern oder ihre Existenz ist durch Schulden oder Arbeitsplatzverlust bedroht.


Woran erkenne ich offene Wunden?

Erwachsen Kinder suchtkranker Eltern wissen nicht, was normales Verhalten ist.

Der suchtkranke Elternteil ist und bleibt ein Elternteil - daher ist er für seine eigenen Kinder ein Beispiel dafür, was es bedeutet, erwachsen zu sein. Doch ein Suchtkranker ist unberechenbar - heute kann er ein sehr liebevoller Mensch und morgen ein Fremder sein, der seinem Kind Angst einjagt und es verwirrt.

Das Kind wird versuchen, zu erkennen, wann es sich in Sicherheit bringen sollte. Doch so sehr das Kind auch versucht, das Verhalten seiner Eltern zu verstehen, es wird ihm nicht gelingen. Es wird immer wieder erleben, dass es nicht gut genug ist und es erlebt eine große Ohnmacht und Hilflosigkeit.

Das Kind erkennt kein normales Verhalten, das heißt, es kann nicht unterscheiden, was ein normales und was ein krankhaftes Verhalten ist. Es kann nur schwer einschätzen, was es sich erlauben kann und was nicht. Es zweifelt die ganze Zeit, sein ganzes Leben lang, und fragt sich immer wieder, ob alles ok mit ihm ist.
 

„Es fällt mir schwer, etwas zu Ende zu bringen.“

Erwachsene Kinder suchtkranker Eltern sind labil. Ihr Leben hat sich inmitten schwerer Unsicherheiten entwickelt, denn sie wussten nie, wie es ihren Eltern ©fotolia-72622943-hikrcnKinder aus Suchtfamilien zeigen im Erwachsenenalter eine sehr unsichere Verhaltensweise (©fotolia-72622943-hikrcn)ging. Deshalb weiß der Erwachsend auch nie, was es von seiner Familie, der Welt oder sich selbst zu erwarten hat. Alles kann sich von einem auf den anderen Moment ändern. Diese Instabilität kommt von der Angst, die wiederum krank macht.

Diese Angst ist dafür verantwortlich, dass die Wahrscheinlichkeit bei solch einem Kind höher ist, ebenfalls zu einem instabilen Menschen heranzuwachsen.

Es fällt ihm schwer, an etwas dranzubleiben, es durchzuziehen und sich nicht ablenken zu lassen. Das Kind braucht sehr viel Energie, um zu versuchen, mit dieser extremen Unsicherheit, die sich durch sein Leben zieht, umzugehen und sie zu verstehen.

Häufig ist nicht sofort deutlich, dass es hier eine Verschiebung der Unsicherheiten auf andere Ebenen wie der Liebe und oder des Geldes gibt. Wer Glück hat, entwickelt sich zu einem sehr flexiblen Menschen mit vielen Lösungsmöglichkeiten. Der Erwachsene kann sich auch durch starke Rituale und Prozesse Sicherheit schaffen.
 

Sie verurteilen sich grundlos und können sich nur schwer vergnügen
Erwachsene Kinder aus suchtkranken Familien tragen ihr Leben lang Schuldgefühle und ein Gefühl der Unfähigkeit mit sich herum, ohne es sich selbst erklären zu können.

Das Kind verspürt diese Schuldgefühle, weil es sich für seine Eltern und seine Geschwister verantwortlich fühlt. Es wird versuchen, das Chaos, die Gewalt oder die Emotionen zu beherrschen. Da das als Kind nicht gelingen kann, kommen Versagensängste und Schuldgefühle hoch wie z.B. „Ich bin nicht gut genug, ausreichend, ohnmächtig und ausgeliefert“.

Oft wird es sich freiwillig als Sündenbock für die Emotionen des Süchtigen zur Verfügung stellen, damit die Anderen verschont bleiben. Was bleibt, ist der stumme Selbstvorwurf.

Das erwachsen gewordene Kind kann nur heimlich glücklich sein. Der Satz: „Freu dich bloß nicht zu früh!“ steht symbolisch dafür, dass es sich nicht vergnügen kann, da es nie sicher ist. Es ist nie unbefangen, da es ja immer in „Rufbereitschaft“ ist und immer voller Spannung auf das nächste Drama wartet.


Der Wert "Loyalität" ist ganz wichtig!
Erwachsene Kinder aus suchtkranken Familien sind krankhaft loyal. Die Familie verlangt diese Loyalität stillschweigend oder sie fordert sie ein, weil klar ist, dass eine Verletzung den Ausschluss aus der Familie bedeuten würde.

Niemand darf erfahren, was innerhalb der Familie geschieht. Das Kind ist innerhalb der eigenen vier Wände Situationen ausgesetzt, die von Furcht bis zur Todesangst gehen. Das betrifft nicht nur das Kind, sondern auch die anderen Familienmitglieder.

Wenn es keine Gewalt ist, sind es sehr peinliche und schambesetzte Situationen, die diese Kinder erleben. Das Kind schämt sich für sein Elternteil und sich selbst - und das darf keiner erfahren. Dann geht es hinaus und tut so, als ob nichts geschehen ist.

Aber es ist dem Kind bewusst, dass es die Nachbarn oder andere schon wissen. Diese Loyalität verhindert natürlich, dass man keine Möglichkeit sieht, sich zu entlasten oder Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Diese Kinder lernen, dass Loyalität Liebe ist! Weil sie ihre Eltern lieben, müssen sie sie schützen, unterstützen und Erklärungen finden, um sie weiterhin lieben zu können. Als Erwachsene gehen sie davon aus, dass auch ihre Partner und Kinder sich ihnen gegenüber so loyal verhalten müssen, wie sie es für ihre Familie, Kollegen und Freunde tun.
  

Verwirrung
Erwachsene Kinder aus suchtkranken Familien reagieren auf Veränderungen mit Panik, Angst und Hilflosigkeit. Sie sind in Angst, im Chaos und in Unsicherheit groß geworden. Es kann sein, dass sie in eine Schockstarre verfallen, oder übertrieben und impulsiv in Panik um sich schlagen. Für sie ist jede Veränderung dramatisch! Daher fällt es ihnen schwer, angemessene und rationale Verhaltensweisen zu entwickeln.


Was können Sie selbst tun?

©fotolia-83804122-HetiziaPsychotherapie kann bei der Aufarbeitung Ihrer Kindheit helfen! (©fotolia-83804122-Hetizia)Wenn Sie sich wiedererkennen und sich von den emotionalen Spuren ihrer Kindheit lösen wollen, dann helfen ihnen folgende Möglichkeiten:

Psychotherapie - bei einem Heilpraktiker für Psychotherapie oder bei einem Psychotherapeuten, der mit folgenden Methoden arbeitet:

  • Wingwave: Mit dieser Methode lösen Sie Blockaden, Schocks und Traumata.
  • Systemische Familienaufstellungen: Mit Hilfe der Aufstellungsarbeit erkennen Sie Ihr Schicksal und das Schicksal Ihrer suchtkranken Elternteile und Sie gewinnen neue Erkenntnisse dazu.
  • NLP (Neuro-Linguistisches Programmieren): Eine Weiterbildung im NLP ermöglicht, alte störende Verhaltensweisen umzuprogrammieren, um neue Verhaltensweisen zu erlernen.
  • Wissen über Psychotherapie erlernen: Eine Ausbildung zum Heilpraktiker für Psychotherapie vermittelt das Wissen, Ursachen von Suchterkrankungen oder anderen psychischen Erkrankungen zu erkennen und zu behandeln.
  • Resilienz Seminare: Resilienz ist die Fähigkeit, mit schwierigen Situationen umzugehen.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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