Fersensporn - quälendes Stechen im Fuß

Dr. Liebhold

von
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© Johanna Mühlbauer - Fotolia.com© Johanna Mühlbauer - Fotolia.comDer Fersensporn ist eine knöcherne Ausziehung unterhalb des Fersenbeins am Ansatz einer Sehnenplatte (Plantaraponeurose). Wiederkehrende Verletzungen oder Überlastungen des Sehnengewebes können im Rahmen von Reparaturmechanismen zu einer knöchernen Umbildung des geschädigten Sehnenansatzes führen. 

Risikofaktoren sind z. B. ein stehender Beruf, Fehlbelastungen durch Fußfehlstellungen (z. B. Senk-Spreizfuß) oder Übergewicht. Seltener ist der hintere Fersensporn (Haglund-Exostose), eine Verknöcherung des Achillessehnenansatzes.

Wichtig für das Verständnis der Behandlungsmöglichkeiten ist, dass die knöcherne Ausziehung selbst keine Beschwerden bereitet. So entdecken wir bei ca. 10 % aller beschwerdefreien Patienten Spornbildungen. Schmerzen bereitet die Sehne, welche sich an der Spornspitze zu den Zehen hin fortsetzt. Die Diagnose ist darum eigentlich, auch bei sichtbarem Sporn, immer eine Sehnenansatzentzündung. Im Frühstadium kann der Sehnenansatz daher auch bei fehlender Verknöcherung Beschwerden bereiten (Plantarfasziitis).

Typische Symptome sind stechende, belastungsabhängige Fußsohlenschmerzen direkt unter dem Fersenbein. Häufig sind auch Anlaufschmerzen, z. B. nach langem Sitzen oder morgens nach dem Aufstehen, welche sich nach Belastung wieder bessern. Die Diagnose wird mit einer Röntgenaufnahme der Ferse gestellt.
Zu Beginn der Erkrankung sind entlastende oder korrigierende orthopädische Einlagen sinnvoll. Die Betroffenen sollten die Ferse zusätzlich regelmäßig kühlen und das untere Fußgewebe dehnen. In vielen Fällen sind diese Maßnahmen zur Ausheilung ausreichend.

Bei der Behandlung chronischer Fersenschmerzen und Versagen oben genannter Maßnahmen haben sich die Konzepte im Laufe der Zeit gewandelt.

Injektionen mit Cortison in die Ferse sollten nach Meinung vieler Fachleute nicht mehr durchgeführt werden. Einerseits sind die Erfolge mäßig, anderseits besteht das Risiko bleibender Gewebeschäden der Sehne und besonders des umgebenden Fettgewebes (Sehnen- oder Fettgewebenekrose).

Operative Maßnahmen (z. B. Durchtrennung von Nerven, Schleimbeutelentfernung) werden aufgrund der fraglichen Erfolge nur in Ausnahmefällen durchgeführt. Eine operative Entfernung des Sporns ist, da dieser als Sehnenansatz dient, sicher nicht sinnvoll.

Die Röntgenreizbestrahlung (Anwendung von Röntgenstrahlen zur Behandlung der Entzündung) wird aufgrund der hohen Strahlenbelastung und dem damit verbundenem potentiellem Krebsrisiko weiterhin kontrovers diskutiert.

Als gut wirksame und nebenwirkungsarme Standardtherapie hat sich in den letzten Jahren bei vielen Orthopäden die fokussierte Stoßwellentherapie etabliert. Bei der Stoßwellentherapie werden kaum hörbare Schallwellen außerhalb des Körpers erzeugt (extrakorporal) und gebündelt mit einem Applikator auf den Behandlungspunkt gerichtet.
Der mechanische Druck führt zu einer erhöhten Durchblutung im erkrankten Gewebe und somit zur Aktivierung körpereigener Heilungskräfte im Sehnengewebe. Zusätzlich werden Verklebungen im entzündeten Gewebe gelöst, so dass häufig bereits nach einer Behandlung für den Patienten eine Besserung zu spüren ist. In der Regel sind zwei bis drei Behandlungen im wöchentlichen Abstand für eine vollständige Genesung ausreichend.

Bei rezidivierenden (immer wieder auftretenden) Beschwerden oder Sehnenansatzproblemen an verschiedenen Extremitäten, ist in Erwägung zu ziehen, ob das Gewebe nicht genügend mit Nährstoffen versorgt wird. Hier kann die orthomolekulare (ortho = richtig; Molekül = Baustein von Substanzen) Medizin hilfreich sein. Die orthomolekulare Medizin beschäftigt sich mit dem Einsatz von Vitalstoffen (Mikronährstoffen) zur Vorbeugung und Behandlung von Erkrankungen. So kann die Einnahme einer speziell auf das Sehnengewebe ausgerichteten Kombination von z. B. Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen, essentiellen Fettsäuren und Enzymen sinnvoll sein.

 

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare zum Artikel (5)


02.09.2013 - 18:45 Uhr

Am 06.06.2013,bin ich am der rechten Ferse...

von Elfrieda

... operiert worden,es ist nicht besser geworden.Ich habe immer noch dieselben Schmerzen.Treppen rauf oder runter,sind ein Horror. Laufen,nur mit Schmerzen.Schuhe kann ich auch nicht tragen.Ich bin verzweifelt.Durch die OP,ist überhaupt nicht besser geworden.Muss ich mich damit abfinden?

10.11.2012 - 16:07 Uhr

Ich habe noch eine Frage zum veröffentlichen...

von B.Ott

... Kommentar von G. Ankele vom 31.10.2012 -17:34 Uhr: Über welchen Zeitraum haben Sie die Schüsslersalze eingenommen und wie schnell kann mit einer Besserung gerechnet werden? Vielen Dank für Ihre Antwort.

06.11.2012 - 09:17 Uhr

Fersensporn im Knie - Diagnose nach Abtasten und...

von margrith

... Röntgen: Abnützungserscheinung selber auf dem Röntgenbild halten sich im Rahmen, gemessen am Alter (50+) und leichtem ü-Gewicht. jedoch gut sichtbar ein Sporn in Form einer Stimmgabel. Wenn dieser Sporn gereizt ist, schwillt das Knie zum Elefantenbein an (Schleimbeutel?) und der Bewegungsablauf wird zwischendurch blockiert. Meist ohne Vorwarnung, was zu unschönen Stürzen auf die Knie führt. Behandlung mit Cortison (4Tage) half schnell gegen Schwellung und Stechschmerz, jedoch bleiben die Blockierungen, die zum Teil gefährlich unerwartet auftreten. Was kann ich noch tun? (Kühle mit Coolpads am Abend, Wassergymnastik und Powerplate reduziert), Vielen Dank für ein Feedback.

01.11.2012 - 22:30 Uhr

Was (natürlich) fehlt, ist der Hinweis zur...

von A. K.

... Manuellen Therapie, die z.B. von Physiotherapeuten durchgeführt wird und auch zu guten Erfolgen führen kann. Genauso wie die Stoßwellentherapie zu guten Ergebnissen führen KANN...

Dr. Liebhold

Antwort vom Autor am 25.11.2012
Dr. med. Ralf Liebhold

Der Fersensporn gehört - obwohl die Ursache eigentlich recht harmlos ist - zu einer der hartnäckigsten Erkrankungen auf orthopädischem Gebiet. Die schnellsten und besten Erfolge sind hierbei nach meiner Erfahrung mit der fokussierten Stosswellentherapie zu erzielen. Manuelle Therapie und Physiotherapie - in vielen anderen Fällen hervorragende Behandlungsmöglichkeiten - vermögen sicherlich die Behandlung zu unterstützen, sind aber eben im Falle des chronischen Fersenschmerzes weniger erfolgreich.

31.10.2012 - 17:34 Uhr

Sowohl ich selbst, als auch mehrere Bekannte von...

von G.Ankele

... mir, hatten den größten Erfolg bei der Behandlung unseres Fersensporns durch Schüssler-Salze (gibt es von verschiedenen Firmen). Wir alle wollten dies anfangs nicht glauben, aber es ist tatsächlich wahr; das hilft wirklich - und auch auf Dauer (meine Beschwerden sind seit Anfang 2007 vollständig weg!!!): jeweils 7 Tabletten der Salze Nr. 2,3,7,9 und 11 morgens in 1 Glas heißem Wasser verrühren und schluckweise (über den Tag verteilt oder nach und nach) trinken. Leider hatte die Stoßwellentherapie und auch sonstige teure Therapien unserer Ärzte bei uns allen nicht geholfen.

Dr. Liebhold

Antwort vom Autor am 25.11.2012
Dr. med. Ralf Liebhold

Sehr geehrte Frau Ankele, schön, dass Sie die zum Teil harnäckigen Fersenschmerzen los geworden sind. Durch die Stoßwellentherapie erlangen 80-90% aller Betroffenen Beschwedefreiheit - das gilt allerdings nur für die fokussierten Stosswellen bei korrekter Anwendung. Der Erfolg radialer Stosswellen ist eher mäßig - das wird aber leider häufig verwechselt. Die Ernährungssituation des Sehnengewebes habe ich im Artikel angesprochen, insofern ist die Anwendung von Schüssler-Salzen nicht abwegig: Schüssler-Salze enthalten Mineralstoffe in homöopathischer Dosierung. Warum aber dann nicht Mineralstoffe direkt in angemessener Dosierung verwenden - die haben ebenfalls keine Nebenwirkungen. Für mich drängt sich dabei folgender Gedanke auf: Ich möchte meinen Durst löschen und habe die Möglichkeit das Glas schnell mit einer Wasserflasche oder langsam mit einer Pipette zu füllen. Mir wäre die Wasserflasche sympathischer.


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