Der schmerzhafte Schneiderballen/Kleinzehenballen: Entstehung, Symptome & Therapie

Dr. Köhne

von
verfasst am

© KöhneAbb. 1: Klassifikation des Schneiderballens nach Coughlin und Mann (© Köhne)Erfahren Sie im jameda-Orthopädentipp alles über den Kleinzehenballen/Schneiderballen.

 

Was ist ein schmerzhafter Kleinzehenballen (Schneiderballen)?

Der Schneiderballen oder schmerzhafte Kleinzehenballen bezeichnet ein schmerzhaftes fünftes Mittelfußköpfchen. Er bildet sich aufgrund eines entzündeten Schleimbeutels oder einer Hornhautschwiele, die durch eine dauerhafte Druckbelastung (z. B. Schneidersitz, Schuhkonflikt) entsteht.

Die Bezeichnung „Schneiderballen“ geht auf das 19. Jahrhundert zurück, als die Schneider barfuß auf dem Tisch oder Boden mit gekreuzten Beinen gearbeitet haben. Hierbei entstand ein großer Druck auf den äußeren Fußrand, der zu einem schmerzhaften Kleinzehenballen führen konnte.

Wie entsteht ein schmerzhafter Kleinzehenballen?

Der Kleinzehenballen wird auch als kleiner Bruder des Hallux valgus bezeichnet. In der Mehrzahl ist das weibliche Geschlecht betroffen. Häufig tritt der schmerzhafte Kleinzehenballen beidseits durch das Tragen enger Schuhe auf.

Die Entstehung eines Schneiderballens/Kleinzehenballens kann verschiedene Ursachen haben. Die Deformität kommt häufig beim Spreizfuß und Plattfuß vor. Viele Patienten haben begleitend zum schmerzhaften Kleinzehenballen eine Hallux-valgus-Deformität. Auch Patienten mit einer chronischen Polyarthritis leiden manchmal an einer schmerzhaften Schleimbeutelentzündung am Kleinzehenballen.

© KöhneAbb. 2: Schmerzhafte Hornhautschwiele bei Schneiderballen (© Köhne)

Gibt es verschiedene Formen?

Beim Schneiderballen liegt eine knöcherne Fehlstellung des fünften Mittelfußknochens vor. Auf dem Röntgenbild lassen sich nach Coughlin und Mann (9) drei Typen unterscheiden (siehe Abb.1).

Beim Typ I liegt eine anlagebedingte Vergrößerung des fünften Mittelfußknochens vor. Beim Typ II ist der fünfte Mittelfußknochen wie ein Bogen nach außen verformt. Der Typ III ist durch einen vergrößerten Winkel (normal 6-8°) zwischen dem vierten und fünften Mittelfußknochen gekennzeichnet.

Zu welchen Symptomen kann es kommen?

Patienten mit einem Kleinzehenballen klagen über Druckstellen im Schuh seitlich des fünften Mittelfußknochens. Es treten chronische Entzündungen der Haut und Schleimbeutelentzündungen auf. Meist findet sich eine schmerzhafte Hornhautbeschwielung seitlich (siehe Abb. 2) oder unterhalb des fünften Mittelfußknochens an der Fußsohle.

Nicht selten zeigt sich zusätzlich eine schmerzhafte Fehlstellung der Kleinzehe. Hier liegen teilweise schmerzhafte Druckläsionen zwischen der vierten und fünften Zehe vor. Es entsteht ein Zehenkonflikt der fehlgestellten fünften Zehe (Digitus quintus varus) mit der vierten Zehe. Parallel zum Schneiderballen kann eine schmerzhafte Krallenzehe an der fünften Kleinzehe auftreten.

© KöhneRöntgenbild 1: Typ I, Korrektur durch Chevron Osteotomie (© Köhne)


Wie wird der Kleinzehenballen therapiert?

Ziel der konservativen Therapie ist eine Druckentlastung des Kleinzehenballens. Hierfür ist das Tragen von Schuhen mit einer breiteren Zehenbox und weichem, bequemen Material sinnvoll. Zusätzlich kann eine Abpolsterung des fünften Mittelfußknochens ausgetestet werden. Liegt eine Fußfehlstellung (z. B. Plattfuß) vor, ist eine korrigierende Einlage indiziert. Die schmerzhaften Druckschwielen können durch fußpflegerische Maßnahmen (Podologie) behandelt werden.

Die Indikation zur Operation besteht, wenn die konservativen Therapien nicht zur Schmerzfreiheit und Rückgang der Druckstellen führen. Analog zur Hallux-valgus-Konstellation des ersten Strahles besteht eine knöcherne Deformität, die durch Korrektur des fehlgestellten fünften Mittelfußknochen therapiert wird.

© KöhneAbb. 3: Typ I, Korrektur durch Chevron Osteotomie (© Köhne)Hierfür wird der Knochen gezielt im Schaftbereich oder nahe des Mittelfußköpfchens durchtrennt, je nach Fehlstellung des fünften Mittelfußknochens. Liegt eine Typ I Fehlstellung vor, erfolgt die Korrektur über eine sogenannte Chevron-Osteotomie (V-förmig) (siehe Röntgenbild 1 und Abb. 3) oder subkapitale Schrägosteotomie.

Bei einer Typ-II- und III-Fehlstellung eignet sich eine Mini-Scarf-Osteotomie (Z-förmig) (siehe Röntgenbild 2), eine Schrägosteotomie im Schaftbereich des fünften Mittelfußknochen (siehe Röntgenbild 3) oder eine basisnahe Osteotomie. Die Osteotomie erfolgt entweder minimalinvasiv über einen 3 bis 4 mm langen Hautschnitt ohne Fixation durch eine Schraube oder einen Draht oder offen mit anschließender Fixation durch eine Schraube oder Drahtosteosynthese(-nfixation).

© KöhneRöntgenbild 2: Typ III, Korrektur durch Mini Scarf (© Köhne)Die Wahl und Durchführung der jeweiligen Osteotomie richtet sich nach dem Vorliegen einer seitlichen Hornhautschwiele, einer fußsohlenseitigen Schwiele oder der Kombination aus beidem.

Wie läuft die Nachbehandlung nach operativer Korrektur ab?

Die Nachbehandlung erfolgt in einem Verbandsschuh mit starrer Sohle für sechs Wochen unter Vollbelastung. Eine Metallentfernung ist nur erforderlich, wenn das Osteosynthesematerial stört. Bei den minimalinvasiven Techniken sind wiederholte Tapeverbände durch den Arzt erforderlich.

Wie sind die Ergebnisse nach operativer Korrektur?

© KöhneRöntgenbild 3: Typ II, Korrektur durch Schrägosteotomie im Schaftbereich (© Köhne)Die eigenen Ergebnisse stimmen mit den Erfolgsraten der Literatur überein. Studien zu den verschiedenen Korrekturoperationen mittels Osteotomie zeigen in 93 % der Fälle gute oder sehr gute Ergebnisse (1-8,10-17). Die Nachuntersuchungsergebnisse nach offener Korrektur entsprechen denen nach minimalinvasiver Korrektur (1-8, 10-17).

Die Schwellungszustände nach minimalinvasiver Operation sind ausgeprägter und langandauernder als nach offener Technik (13). Eine Entfernung des teilweise schmerzhaften Schleimbeutels ist nur im Rahmen der offenen Techniken möglich.

Literatur:

  1. Cooper MT., Coughlin MJ.: Subcaptial oblique fifth metatarsal osteotomy versus distal chevron osteotomy for correction of bunionette deformity: a cadaveric study. Foot Ankle Spec. 2012 Oct;5(5):313-7.
  2. Guha AR., Mukhopadhyay S., Thomas RH.: 'Reverse' scarf osteotomy for bunionette correction: Initial results of a new surgical technique. Foot Ankle Surg. 2012 Mar;18(1):50-4
  3. Henry J., Besse JL., Fessy MH.: Distal osteotomy of the lateral metatarsals: a series of 72 cases comparing the Weil osteotomy and the DMMO percutaneus osteotomy. Orthop Traumatol Surg Res. 2011 Oct; 97(6suppl),S57-65
  4. Hrubina M, Skotak M, Letocha J, Dzupa V.: The modified scarf osteotomy in the treatment of tailor's bunion: midterm follow-up. Acta Orthop Belg. 2015 Mar;81(1):57-64.
  5. Laffenêtre O., Millet-Barbé B., Darcel V., Lucas Y Hernandez J., Chauveaux D.: Percutaneous bunionette correction: results of a 49-case retrospective study at a mean 34 months' follow-up. Orthop Traumatol Surg Res. 2015 Apr;101(2):179-84
  6. Lee DC., de Cesar Netto C., Staggers JR., Siegel R., Chen R., Bae SY., Schon LC., Clinical and radiographic outcomes of the Kramer osteotomy in the treatment of bunionette deformity. Foot Ankle Surg 2018 Dec; 24(6):530-534
  7. Lui TH., Percutaneous osteotomy of the fifth metatarsal for symptomatic bunionette. J Foot Ankle Surg. 2014 Nov-Dez;53(6):747-52
  8. Maher AJ1, Kilmartin TE.: Scarf osteotomy for correction of Tailor's bunion: mid- to long-term follow up. Foot Ankle Int. 2010 Aug;31(8):676-82
  9. Mann RA., Coughlin MJ.: Keratotic disorders oft he plantar skin. In: Coughlin MJ., Mann RA.: Surgery of the foot and ankle. Mosby, St. Louis:392-436
  10. Martijin HA., Sierevelt IN., Wassink S., Nolte PA.,: Fifth Metatarsal Osteotomies for Treatment of Bunionette Deformity: A Meta-Analysis of Angle Correction and Clinical Condition. J Foot Ankle Surg. 2018 Jan-Feb;57(1):140-148
  11. Michels F., Van der Bauwhede J., Guillo S., Oosterlinck D., de Lavigne C.: Percutaneus bunionette correction. Foot Ankle Surg. 2013 Mar;19(1):9-14
  12. Morawe GA., Schmieschek MHT., Minimally invasive bunionette correction. Oper Orthop Traumatol 2018 Jun;30(3):184-194.
  13. Teoh KH., Hariharan K.: Minimally Invasive Distal Metatarsal Metaphyseal Osteotomy (DMMO) of the Fifth Metatarsal for Bunionette Correction. Foot Ankle Int. 2018 Apr;39(4):450-457.
  14. Waizy H., Jastifer JR., Stukenborg-Colsman C., Claasseb L.: The Reverse Ludloff Osteotomy for Bunionette Deformity. Foot Ankle Spez 2016 Aug;9(4):324-9
  15. Weil L.JR., Consul D.: Fifth Metatarsal Osteotomies. Clin Podiatr Med Surg. 2015 Jul;32(3):333-53.
  16. Weil L.JR., Weil LS Sr.: Osteotomies for bunionette deformity. Foot Ankle Clin. 2011 Dec;16(4):689-712
  17. Zhonghua Yi Xue Za Zhi: Modified Chevron osteotomy combined distal soft tissue reconstruction to treat high-grade bunionette deformity. 2016 Jul26;96(28):2234-7

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

Wie hilfreich fanden Sie diesen Artikel?
1
Interessante Artikel zum Thema „Bein- & Fußschmerzen”

Kommentar abgeben oder Rückfrage stellen:

Ihr Name(wird veröffentlicht)
Ihre E-Mail(wird nicht veröffentlicht)
Ihr Kommentar(wird veröffentlicht)
 
Ich akzeptiere die Nutzungsrichtlinien und AGB der jameda GmbH und habe die Datenschutzerklärung gelesen.
  

Inhaltssuche

Durchsuchen Sie sämtliche Artikel auf jameda. Wenn Sie auf der Suche nach Ärzten oder Heilberuflern sind, geht es hier zur Arztsuche

Passende Behandlungsgebiete

Ärzte für spezielle Behandlungsgebiete

jameda Behandlungsgebiete