Chronischer Schmerz und Antidepressiva

Frau Rottes

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© Andrzej Wilusz - fotoliaEine mögliche Behandlung von chronischen Schmerzen ist die Einnahme von Antidepressiva (© Andrzej Wilusz - fotolia)Schmerz ist eigentlich ein Warnzeichen, das der Körper uns gibt um sich vor einer Schädigung zu schützen. Tritt man sich zum Beispiel einen Dorn in den Fuß, so wird dieser Schmerzreiz über Schmerzbahnen zum Gehirn geleitet und als Konsequenz davon zieht man den Dorn heraus und schont den Fuß, sodass die Wunde wieder heilen kann. In diesem Fall ist Schmerz also nützlich.

Chronischer Schmerz ohne Warnfunktion

Leidet man unter einem chronischem Schmerz, so hat dieser seine Warnfunktion verloren. Dadurch dass dauernd Schmerz signalisiert wird, sucht der Körper diesen "Dorn" und bildet neue Schmerzbahnen aus. So entsteht eine "Datenautobahn", sodass schließlich auch nicht schmerzhafte Reize als schmerzhaft empfunden werden. Ein Teufelskreislauf beginnt: Schmerz macht Übererregbarkeit und Übererregbarkeit macht mehr Schmerz. Ziel einer Schmerztherapie ist es diesen Kreislauf zu durchbrechen.

Die gelungene Schmerztherapie hängt nicht nur von Medikamenten ab

Oftmals müssen dafür Medikamente, entweder temporär oder auch dauerhaft, eingesetzt werden mit dem Ziel das Schmerzgedächtnis nach Möglichkeit wieder zu löschen. Dafür bieten sich verschiedene Medikamentengruppen an: Schwache und starke Schmerzmittel, Medikamente gegen Krampfanfälle, zur Muskelentspannung, aber auch Antidepressiva. Letztere sind besonders gut geeignet das Schmerzgedächtnis zu löschen.
Aber das sind nicht die einzigen Therapiemöglichkeiten. Der Schlüssel liegt oft im Patienten selbst. Eigentlich weiß jeder selber am Besten was für ihn gut ist, aber wir haben verlernt auf unseren Körper zu hören. Im Rahmen der Schmerztherapie lernt man, diese Signale wieder richtig zu interpretieren und so mit dem Schmerz umzugehen.

Die Behandlung mit Antidepressiva

Gegen chronische Schmerzen werden häufig Antidepressiva verschrieben. Patienten fühlen sich dadurch schnell in eine Ecke gedrängt und abgestempelt, schließlich bilden sie sich die Schmerzen nicht ein. Deshalb ist es wichtig, die Wirkweise der Antidepressiva zu verstehen. In hohen Dosierungen wirken diese nämlich antidepressiv, aber in niedrigen Dosierungen können sie das Schmerzgedächtnis beeinflussen und im besten Fall wieder löschen. Dazu müssen diese Medikamente über einen längeren Zeitraum eingenommen werden. Oftmals können sie aber nach 6-12 Monaten wieder abgesetzt werden. Selten gibt es Patienten, die diese Antidepressiva lebenslang nehmen müssen. Dies ist abhängig vom Krankheitsbild.
Wichtig ist, dass man sich klarmacht, dass die Einnahme dieser Medikamente nicht bedeutet, dass man spinnt, sich Schmerzen einbildet oder simuliert. Antidepressiva in der Schmerztherapie haben das Ziel den Körper dazu zu bringen nicht mehr überschießend auf (Schmerz-) Reize zu reagieren.

Was kann ich selber tun?

Ein Problem des chronischen Schmerzes ist, dass man sich so ausgeliefert und hilflos fühlt. Der Schmerz bestimmt das ganze Leben und beeinträchtigt es zum Teil so stark, dass man morgens nicht mehr aufstehen möchte. Das Sozialleben wird immer weniger, weil man aus Angst vor Schmerzen viele Dinge nicht mehr unternimmt. Der Schmerz wird zum zentralen Thema im Leben.
Dadurch entstehen Ängste: kann ich das und das noch tun? Kann ich noch weiter arbeiten gehen? Wo soll das noch hinführen? Diese Ängste verstärken den Schmerz, weil sie Stress machen und Stress bestimmte Botenstoffe im Körper freisetzt. Diese zirkulieren nun im Körper und bringen diesen in eine weitere Stresssituation. Um diesen Teufelskreis zu unterbrechen, empfehlen sich Entspannungstechniken.
Ein weiterer Einflussfaktor ist die Ernährung. Oftmals kann durch eine Ernährungsumstellung oder Heilfasten eine Besserung der Schmerzen erreicht werden. Moderate Bewegung hilft ebenfalls gegen Schmerz, genauso wie bestimmte Nahrungsergänzungsmittel im Rahmen der Orthomolekularmedizin.
Im Vordergrund steht, dass Sie wieder merken, dass Sie selber etwas bewirken können und nicht dem Schmerz hilflos ausgeliefert sind.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare zum Artikel (7)


01.06.2018 - 14:51 Uhr

Ich habe Schmerzen in der rechten Po-Hälfte seit...

von Schneider A.

... OP an der rechten Hüfte. Ich war schon im Nov.17 zur Botex-Behandlung. Hat sehr gut angeschlagen, aber jetzt kommt der Schmerz wieder zurück. Mit Fr. Grüßen

10.05.2018 - 20:41 Uhr

Hallo, ich leide seit Jahren an chronischen...

von Dehmel H.

... Schmerzen und wollte fragen, welches Antidepressiva am besten dafür ist.

07.10.2017 - 17:24 Uhr

Ich habe seit 4 Jahren mit einem Reizdarm zu tun....

von Doris L.

... Jetzt hat mich meine Ärztin zu einem Psychiater geschickt. Helfen Antidepressiva gegen die Schmerzen und gegen die dazugehörigen psychischen Belastungen? Mit freundlichem Gruß Doris L.

21.11.2016 - 15:53 Uhr

Ich bin 53 Jahre alt und habe seit 7 Jahren...

von Conny

... chronische Schmerzen. Mal sind sie besser, dann wieder schlechter. Ich nahm bereits Antidepressiva aufgrund der Schmerzen - diese halfen, die Schmerzen besser zu ertragen. Leider haben die Tabletten Nebenwirkungen, die mich nicht schlafen lassen, da ich so schwitze und Albträume sowie Ohrgeräusche erleide. Nun bin ich seit 2 Monaten mit Absetzen der Tabletten beschäftigt - ich gehe durch die Hölle. Ich überlege, was das Leben mir noch bringt.

14.12.2015 - 21:50 Uhr

Ich leide auch seit 2005/2006 an chronischen...

von Ramona F.

... Schmerzen (Somatisierungsstörung) und nehme deshalb seit 2006 Antidepressiva (Cymbalta) ein.

22.11.2015 - 14:02 Uhr

Hallo, seit ca. 2 Jahren werde ich mit Norspan...

von Gerdi

... Pflaster 20mg, alle 7 Tage behandelt. Nehme zusätzlich viele Schmerztbl., habe ein Bandscheibenleiden. OP ist nicht angesagt; wenn die Schmerzschübe extrem kommen, sind die Schmerzen sehr schlimm. Gibt es ein Klinikum, das mich nur mit Tabl, usw. richtig einstellen kann, ohne Spritzen? Bin 70 Jahre und wäre schön, wenn ich mit den Schmerzen einigermaßen besser leben könnte. Muss dazu sagen, Norspan usw. haben keinerlei Wirkung mehr für meine Schmerzen. Wäre es ratsam, Norspan alle 3 oder 5 Tage zu wechseln? Vielen Dank

29.09.2015 - 19:47 Uhr

Ich habe heftige Rückenschmerzen, die sich nach...

von Uta

... einer OP verschlimmert haben: Metall einer Spondylodese wurde entfernt, damit man MRT machen konnte. Arzt will kein neues Metall einsetzen, da ich nur Kassenpatientin bin. Ich kenne Schmerzen, habe 5 ältere Wirbelbrüche, unbehandelt... habe Osteoporose, 2 TEP. Ich lernte Schmerzen nicht zu zeigen, sollte mich immer schämen Rentnerin zu sein. Jetzt lebe ich in einem Pflegeheim, darf ausziehen, aber wie mit den Schmerzen? Medikamente bekomme ich vom Hausarzt, ich bekam Morphinspritzen, wollte die absetzen, bekomme jetzt Opiate, aber die machen müde, helfen nicht gegen die Schmerzen, mache nachts darum durch. Im Heim gelte ich als gesunder Junkie, von Schmerzen spricht keiner. Bekam Antidepressiva zur Nacht, war nachts noch aufgedrehter und am Tag schlief ich tief, ich möchte wieder leben. War früher nur für andere da, jetzt müsste ich mal dran sein. Bitte helfen sie mir weiter. Mir wurde gesagt, privat bekäme ich neues Titan und Besserung der Bandscheibe, aber ich kann mir das nie leisten, finde das aber unmöglich mich so zu behandeln. Es wäre nett, wenn sie schildern, wie genau man mir helfen kann, kann mich immer schlechter bewegen, nur stolpernd mit Gehwagen, möchte wieder unter Menschen und nicht mit Dementen und Suchtkranken leben. DANKE für ihr Interesse meinen Kommentar zu lesen. Ihre Informationen über Schmerzen lassen mich definitiv hoffen, da geht wohl doch noch was, das macht Mut und Infos über mehr.


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