Was sind Hammerzehen?

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Die Hammerzehenstellung stellt die häufigste Kleinzehen-Deformität dar (zweite bis fünfte Zehe). Sie ist charakterisiert durch eine vermehrte Streckung im Grundgelenk der Zehen, starke Beugung des proximalen Inter-Phalangeal-Gelenkes (PIP) und einer Überstreckung des distalen Inter-Phalangeal-Gelenkes (DIP).

Diese Deformität ist am häufigsten an der zweiten Zehe zu sehen, sämtliche übrigen Zehen können aber im gleichen Sinne verändert sein. Patienten mit Hammerzehen klagen über Druck über dem proximalen Inter-Phalangeal-Gelenk und weisen dort häufig eine Rötung oder Verhornung auf (lat. Clavus, umgangssprachlich "Hühnerauge").

Man unterscheidet zwischen fixierten oder flexiblen Hammerzehen je nachdem, ob sie passiv in Neutralstellung korrigiert werden können oder nicht. Eine fixierte (rigide) Hammerzehe kann nicht mehr gerade gestellt werden. Diese Unterscheidung ist für das chirurgische Vorgehen von großer Wichtigkeit. Außerdem kann eine Subluxation oder sogar Dislokation im Metatarsophalangealgelenk den operativen Behandlungsplan entscheidend beeinflussen.
 
Die Ursache für die Entstehung der Hammerzehen ist von vielen Parametern abhängig. In den meisten Fällen sind sie erworben und seltener angeboren. Schlecht sitzendes Schuhwerk mit einem schmalen Vorfußbereich und hohen Absätzen, das über Jahre den Fuß in seiner Bewegungsfreiheit beeinträchtigt, hat einen wichtigen Anteil an den erworbenen Fußveränderungen und sicherlich nehmen mit wachsendem Alter die Krankheitsbilder mit entsprechenden Beschwerden zu.
 
Ein weiterer Faktor ist eine Deformität an der Großzehe (Hallux valgus), welche die zweite Zehe im Grundgelenk der Zehe nach oben drückt. Eine Kontraktur des Musculus flexor digitorum longus (Zehen-Beuge-Muskel) führt dann sekundär zur Hammerzehe. Auch eine überlange zweite Zehe (sogenannte "griechische Fußform") oder eine Überlänge der Mittelfußknochen können durch den resultierenden Schuhdruck Hammerzehen zur Folge haben.
 
Außerdem können auch statische Fehlstellungen des Fußes, wie z.B. ein Spreizfuß oder ein Hohlfuß die Ursache von Hammerzehen sein. In seltenen Fällen tritt die Zehenfehlstellung im Rahmen neuromuskulärer Grunderkrankungen auf, z.B. bei der Charcot-Marie-Tooth-Erkrankung, der Friedreich-Ataxie, der Zerebralparese und bei der Multiplen Sklerose. Weiterhin werden Hammerzehen vermehrt bei der komplexen rheumatischen Vorfußdeformität angetroffen.
 
Bei noch flexiblen Hammerzehen kann eine Progredienz mit manualtherapeutischen Übungsbehandlungen verlangsamt oder im besten Fall aufgehalten werden. Dabei sollten die betroffenen Zehen im Grundgelenk nach plantar (unten) gedrückt werden, um die Strecksehnen zu dehnen. Des Weiteren sollte das proximale Inter-Phalangeal-Gelenk (erste Gelenk der Zehe) überstreckt werden.

Bei fixierter Deformität ist die Therapie operativ. Wenn keine zusätzlichen Fußdeformitäten bestehen, ist die Operation ambulant durchführbar und der Patient kann gleich wieder nach Hause gehen. Eine sofortige Vollbelastung ist postoperativ möglich.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare (4)

Dieter, 07.07.2014 - 15:08 Uhr

Wer kann detallierte Informationen über den Verlauf des Charcot-Fußes mitteilen? Kann der Fuß wieder belastet werden, ist eine vollständige Abheilung überhaupt möglich? Gibt es eine Selbsthilfegruppe?

Dr. med. Panos Bouliopoulos, 23.11.2010 - 21:49 Uhr

Sehr geehrte Patientin, die beschriebene manualtherapeuthische Behandlung kann auch vom Patienten selbst durchgeführt werden. Sinnvoll wäre vorher eine Einweisung durch den Physiotherapeuten. Eine isolierte Hammerzehen-Operation bei ausgeprägtem Hallux valgus würde ich nicht empfehlen. Mit freundlichen Grüßen, Dr. med. Panos Bouliopoulos

Gerda aus HH, 21.11.2010 - 01:53 Uhr

Sehr geehrter Herr Bouliopoulo, Danke fuer Ihre gut verstaendlichen Ausfuehrungen. Ich wuesste gern, ob etwas dagegen spricht, bei einem ausgepraegten Hallux Valgus, auf eine Operation zu verzichten, solange in ausreichend weiten Schuhen keine Schmerzen bestehen. Meinen Sie, dass es Sinn macht, den damit verbundenen noch flexiblen Hammerzeh zu operieren, um einen flüssigeren Gang zu erreichen und in geschlossenen Schuhen besser laufen zu können? Kann man die beschriebene manualtherapeutische Behandlung selber ausführen? Mit freundlichen Gruessen, Gerda / HH

Joannes, 05.09.2010 - 18:15 Uhr

Nur teilweise richtig, ausserdem zu viele Fachwörter, unverständlich für die meisten Patienten, pseudowissenschaftlich

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