Häufig übersehene Ursache chronischer Schmerzsyndrome: 7 Symptome der Histaminintoleranz

Histamin spielt eine große Rolle bei verschiedenen Stoffwechselvorgängen im Körper. (© Rawpixel.com - fotolia)

Der Symptomkomplex histaminvermittelter Beschwerden ist ebenso unspezifisch wie vielfältig. Betroffene durchlaufen dabei oft eine Vielzahl von Arztpraxen aus den unterschiedlichsten Fachbereichen. Welche Symptome kann eine Histaminintoleranz auslösen? 

Eine Histaminose kann oft nur schwer diagnostiziert werden

In unserem stark von Fachärzten geprägten Gesundheitssystem kann es leicht passieren, dass sich die jeweiligen Spezialisten nur auf das eigene Fachgebiet konzentrieren und die Diagnose "Histaminose" daher gar nicht in Erwägung gezogen wird.

Dabei tritt die Histaminintoleranz häufig auf. Durch einfache Maßnahmen können die Beschwerden oft erheblich reduziert werden. Oft sind Frauen in der mittleren Lebensphase betroffen.

Welche Aufgabe hat Histamin in unserem Körper?

Das Gewebshormon Histamin gehört zu den biogenen Aminen und spielt im menschlichen Körper eine wichtige Rolle als Botenstoff. 

Neben der Aufnahme histaminreicher Nahrungsmittel können zahlreiche Medikamente, darunter auch viele Schmerzmittel, sowie bestimmte Darmbakterien dazu beitragen, den Histaminspiegel im Blut ansteigen lassen. 

Der Abbau von Histamin erfolgt im Wesentlichen über die beiden Enzyme DAO und HNMT, die für ihre Funktion auf bestimmte Kofaktoren angewiesen sind (z.B. Kupfer, Vitamin C oder B6). Für beide Enzyme sind genetische Variationen bekannt, durch die die Aktivität erblich bedingt verringert wird.

Sieben mögliche Symptome einer Histaminunverträglichkeit

Die möglichen Symptome einer Histaminunverträglichkeit sind sehr vielfältig und können individuell in unterschiedlicher Ausprägung auftreten:

  1. Im Magen-Darm-Trakt kann es zu Verdauungsbeschwerden wie Durchfällen, Magenschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen kommen. Auch vermehrte Blähungen oder Darmkoliken können auftreten.
  2. Durch die gefäßerweiternde Wirkung führt Histamin am Herz-Kreislauf-System zu Herzrasen, niedrigem Blutdruck, Schwindel und verschiedenen Herzrhythmusstörungen.
  3. Sind die Haut, Schleimhäute und Atemwege betroffen, können Symptome wie eine hartnäckig verstopfte Nase, Fließschnupfen, vermehrtes Niesen, Atemnot und Asthma auftreten. Auch Hautveränderungen wie ein errötetes Gesicht, Juckreiz, Nesselsucht, Lidschwellungen und Bindehautentzündung können durch zu hohe Histaminwerte verursacht sein.
  4. Histaminvermittelte Symptome am zentralen Nervensystem können sich als Kopfschmerzen, Cluster-Kopfschmerz, Migräne, Konzentrationsstörung, Schwindel und Schlafstörung äußern. Da Histamin direkt als Neurotransmitter agiert, kann es auch zu gesteigerter Nervosität beitragen, bis hin zu unerklärlichen Erregungszuständen und Panikattacken.
  5. Mögliche Symptome am Bewegungsapparat sind Muskel- und Gelenkschmerzen sowie fibromyalgieartige Beschwerden.
  6. Auch unser Immunsystem steht unter dem Einfluss von Histamin: Erhöhte Spiegel sind mit Allergie-Neigung und wiederkehrenden Entzündungen verbunden.
  7. Durch Wechselwirkungen im Östrogenstoffwechsel und auch durch direkte Wirkung an der Gebärmutter können Menstruationsbeschwerden, Regelschmerzen und überstarke Menstruationsblutung durch Histamin ausgelöst werden. 

Während der Schwangerschaft verschwinden viele der oben genannten Symptome, weil das histaminabbauende Enzym DAO erheblich mehr produziert wird. Der Wert erreicht dabei eine bis zu 500-fache Aktivität.

Da Histamin auch in vielen Lebensmitteln vorkommt, kann auch eine Ernährungsumstellung helfen. (© gpointstudio - iStock)
Wie kann eine Histaminunverträglichkeit behandelt werden?

Zu Beginn der Diagnosestellung steht ein ausführliches Gespräch, da es - wie beschrieben - viele mögliche Konstellationen für eine hohe Histaminbelastung gibt. Bei der Spurensuche sind dann je nach Fall individuell verschiedene Laboruntersuchungen hilfreich.

Die Therapie besteht aus einer Ernährungsumstellung und der Gabe von Mikronährstoffen. Gegebenenfalls muss die Medikation geändert werden und - wenn erforderlich - auch eine mikrobiologische Darmsanierung durchgeführt werden.

Fazit

Nach meiner persönlichen Erfahrung können Patienten, die an einer oder auch mehrerer der oben genannten Schmerzerkrankungen leiden, teilweise ganz enorm und vor allem nachhaltig von einer entsprechenden Therapie profitieren.

Solange aber ein erhöhter Histaminspiegel als Auslöser der Beschwerden unerkannt bleibt, kann die Therapie immer nur symptomatisch orientiert sein, was für Arzt und Patienten nicht zufriedenstellend ist. Häufig genug landen diese Patienten dann früher oder später zu Unrecht in der Psychosomatik-Schleife.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare (9)

M. Wolfgang, 05.07.2021 - 14:23 Uhr

Neben starkem Schwitzen kommt es zur Zeit zu Schmerzen in den Beinen. Ist evtl auch auf Histamin die Ursache ? Danke und frdl. Grüße Wolfgang

Antwort von Dr. med. Angelika Hellstern, verfasst am 22.08.2021

Lieber Wolfgang, dazu möchte ich tatsächlich so keine Spekulationen äußern, empfehle aber ggf. die Abklärung durch einen Therapeuten. Alles Gute für Sie, Dr. A. Hellstern

Dr. H.A.Maier, 29.03.2021 - 07:20 Uhr

aus der Praxis: Histaminkausalitäten auch bei Fibromyalgie, Herzrhythmusstörungen (ES,VHF) mit postprand.Latenz von bis zu 16 Stunden, Meteorismus etc. cave auch: aufgewärmte Speisen!

Annegret L., 30.08.2020 - 22:57 Uhr

Hallo, an welchen Arzt kann ich mich wenden? Bei mir wurde vor Jahren eine Histamin Intoleranz festgestellt und ich quäle mich seit dem mit Asthma, Muskelschmerzen und vielen mehr herum. Eine Darmsanierung würde ich gern machen. Aber wer macht das? Bezahlt dies die Krankenkasse? Viele Grüße

Antwort von Dr. med. Angelika Hellstern, verfasst am 01.09.2020

Liebe Frau L., Darmsanierung kann hier prinzipiell sehr hilfreich sein, meist sind es naturheilkundlich tätige Ärzte oder Heilpraktiker, die sowas machen. Die gesetzliche Kasse zahlt leider in der Regel keine Kosten, da es sich nicht um eine schulmedizinisch anerkannte Therapieform handelt. Alles Gute für Sie, Dr. A. Hellstern

Angela P., 26.02.2019 - 10:43 Uhr

Ich bin seit Jahren chronische schmerzpatientin . Blutwerte würden natürlich überprüft . Mann weiss nicht wo man hingehen soll ,alle stopfen ein mit schmerzmittel voll aber genau hinsehen tut keiner und neue Therapie Ansätze gibt es nicht . All die schmerzmittel haben nur gering gewirkt. Mitterweile bin ich bei oxycodon 3 mal täglich und vertrage diese nicht mehr massive wasseransamlung Bluthochdruck und ich bin geschafft nach 3 mal 30 Stufen . Ich bin 43Jahre alt und wegen der Schmerzen schon ganz aus dem Berufsleben. Haben sie vielleicht einen Rat für mich ?

Antwort von Dr. med. Angelika Hellstern, verfasst am 26.02.2019

Liebe Frau P., zunächst gebe ich Ihnen den Rat, sich in fachärztliche schmerztherapeutische Behandlung zu begeben, falls dies noch nicht erfolgt sein sollte. Sofern schulmedizinisch eine saubere Abklärung Ihrer Schmerzen erfolgt ist und sich da kein ursächlicher Therapieansatz bietet, kann ich Ihnen nur empfehlen, sich eine/n ganzheitlich arbeitende/n Kollegen/-in zu suchen. Leider werden diese Kollegen ganz überwiegend privatärztlich tätig sein, da dies im normalen Praxisalltag zeitlich kaum darstellbar ist. Wichtig ist in jedem Fall, dass das Oxycodon nicht abrupt abgesetzt wird, sondern im Falle einer Verbesserung Ihres Zustandes langsam reduziert und ggf. ausgeschlichen wird, ansonsten drohen Entzugserscheinungen. Alles Gute für Sie, Dr. med. A. Hellstern

Monika R., 13.11.2018 - 15:26 Uhr

Ich leide seit 25 Jahen an unerklärlichen Ganzkörperschmerzen; bisher konnten Ärzte lediglich Rheuma- oder Schmerzmittel verschreiben. Seit einigen Monaten vertrage ich diese nicht mehr und habe neulich massives Herzflattern abends nach dem Zubettgehen gehabt. Ich lasse jetzt testen, ob eine Histaminintole- ranz vorliegt. Ihr Artikel ist sehr aufschlussreich.

Antwort von Dr. med. Angelika Hellstern, verfasst am 14.11.2018

Liebe Frau R., vielen Dank - das freut mich und ich hoffe für Sie, dass sich daraus eine neue Therapie-Option ergibt. Alles Gute für Sie, Dr. A. Hellstern

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