CMD - Das fiese Zähneknirschen und Osteopathie

Prof. Dr. Daichendt

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© Andrzej Wilusz - fotoliaZähneknirschen löst vielfältige Symptome aus (© Andrzej Wilusz - fotolia)Craniomandibuläre Dysfunktion: Diagnose durch Osteopathie

Jeder zehnte Bundesbürger leidet aufgrund einer craniomandibulären Dysfunktion an Schmerzen im Kiefergelenk oder an der Halswirbelsäule. Durch übermäßiges Zähneknirschen rutscht das Kiefergelenksköpfchen nach hinten oder nach oben, während es in der Kiefergelenksgrube auf eine sehr empfindliche Nervenzone drückt. In einigen Fällen ist es zielführen, vor dem Zahnarztbesuch einen Osteopathen zu konsultieren.

Erste Symptome einer cranionmandibulären Dysfunktion

Besonders zur nachtschlafenden Zeit knirschen viele Menschen unbewusst mit den Zähnen. Beim Aufwachen spüren Betroffene ein Druckgefühl im Bereich der Schläfen oder klagen über Schmerzen der Kaumuskeln. In der Osteopathie kommt die craniomandibuläre Dysfunktion zur Sprache, wenn Kiefergelenksschädigungen, akute Schmerzen im Rückenbereich, starker Kopfschmerz oder Schwindel vorliegen. Ein verspannter Nacken sowie Rücken sind weitere Anzeichen für eine CMD.

Diagnose durch Osteopathie

Eine Bruximus-Schiene kann die Zähne vor weiteren Schäden schützen, sie kann aber auch einen Einfluss auf die Haltung des Patienten haben. Bei nervenbedingtem Zähneknirschen ist es entscheidend, einen ärztlichen Osteopathen zu konsultieren, bevor der Betroffene eine Bruximus-Schiene anfertigen lässt. Eine nicht diagnostizierte Blockierung der Halswirbelsäule kann nämlich den Erfolg der Schienenbehandlung gefährden. In so einem Fall wird unter Umständen erst eine osteopathische manipulative Therapie (OMT) durchgeführt. Mittels einer Ultraschalldiagnostik der Wirbelarterie wird überprüft, ob die Wirbelarterie, die das Kleinhirn mit Blut versorgt, eine Vorschädigung aufweist. Ärztliche Osteopathen werden entsprechend geschult, um mittels Ultraschall die Arterie zu untersuchen und Komplikationen beim Einsatz einer Bruximus-Schiene zu vermeiden.

Zusammenarbeit von Osteopath und Zahnarzt fördern

Die Symptome und Nachfolgeerscheinungen einer craniomandibulären Dysfunktion lassen sich nur durch die Zusammenarbeit von Osteopathen und Zahnärzten erfolgreich behandeln. Deshalb wäre eine wissenschaftliche Leitlinie für die Behandlung wünschenswert, um beide Kompetenzbereiche zusammenzuführen und von einer gemeinsam ausgearbeiteten Arbeitsanleitung zu profitieren. So sollen beispielsweise Zahnumstellungen als primäre Behandlungsmethode vermieden werden. Durch Füllungen höher gestellte oder auch abgeschliffene Zähne erhöhen das Risiko, den Zähnen dauerhaft Schaden zuzufügen. Besser sind dagegen Therapiemethoden, die Betroffene dabei unterstützen, ihren Stress nachhaltig abzubauen.

 

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare zum Artikel (2)


24.09.2016 - 22:00 Uhr

Vielen Dank für Ihren tollen Beitrag! Ich scheine...

von Pinar H.

... auch CMD zu haben. Jeder Versuch mich bei Osteopathen, Physiotherapeuten usw. behandeln zu lassen, artet in schlimmem Schwindel aus. Mein Nervensystem spielt anschließend vollkommen verrückt. Ich weiß mir leider nicht weiterzuhelfen und wohne in Bremen. Können Sie mir hier einen Arzt empfehlen? Kann es sein, dass die Arteria Vertebrales nicht durchblutet wird? Vielen Dank!

24.05.2015 - 20:04 Uhr

Sehr geehrter Kollege, vielen Dank für Ihren...

von Dr. Steffen Fabel, MSc

... Artikel, der mir aus der Seele spricht. Mir als Zahnarzt geht es wahrscheinlich wie Ihnen. Zum einen wissen wir, dass die meisten Fälle nur interdisziplinär für den Patienten zufriedenstellend gelöst werden können. Zum anderen ist es schwierig den Wissenstand, die Erfahrung und das therapeutische Vermögen des interdisziplinären Kollegen zu erahnen. So wie es unterschiedliche Schulen und Philosophien in der Osteopathie gibt, so gibt es auch verschiedene Ansätze unter Zahnmedizinern. Da gibt es das Lager der mechanisch und der neuromuskulär denkenden Zahnärzte. Grundsätzlich fangen aber oft schon die Probleme in der verwendeten Nomenklatur an. So stört mich ein wenig der Begriff "Bruximus-Schiene". Darunter verstehen wir eine Knirscherschiene. Diese werden jedoch in der Regel als sog. Tiefziehschienen angefertigt ohne okklusale Adjustierung. Der therapeutische Effekt für eine CMD ist gleich null. Sie dient lediglich dazu, dass kein weiterer Zahnsubstanzverlust durch knirschen eintritt. Leider können Sie als Co-Therapeut der Schiene auch nicht ansehen, ob vor der Bissnahme eine Vorbehandlung (z.B. Muskelentspannung) durchgeführt wurde, oder ob der Biss im "verseuchten" Zustand genommen wurde. Im letzten Fall wird die Problematik einfach in die Schiene übernommen und ist daher kontraproduktiv für Patient und Osteopath / Physiotherapeut. Wir können also viel von einander lernen. Leitlinien geben hier sicher dem unerfahrenen Kollegen Hilfe, schränken aber den erfahrenen Kollegen massiv in der Therapiefreiheit ein. Da finde ich den Wege des ICCMO e. V. (intern. College of Cranio Mandibular Orthopedics) besser. Das ICCMO kümmern sich seit über 20 Jahren durch Kongresse und Fortbildungen intensiv genau um diese therapeutische Zusammenarbeit. Neben Zahnärzten und Zahntechnikern sind auch Allgemeinmediziner, Physiotherapeuten und Osteopathen Mitglieder. Mit kollegialen Gruß Dr. Steffen Fabel PS Wir sind beide in München und sollten uns vielleicht mal zusammen setzen


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