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Wann müssen Weisheitszähne entfernt werden? Das sind die Folgen

Dr. M.Sc. Fichna

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© lolame - pixabayWenn Weisheitszähne nicht entfernt werden, können Probleme im Mundraum die Folge sein. (© lolame - pixabay)Weisheitszähne erfüllen im menschlichen Gebiss schon lange keine Funktion mehr. Sie sind ein „Überbleibsel“ der Evolution aus Zeiten, als die Kieferknochen noch größer und die Nahrung eine andere war.

Bei rund 15 Prozent der Menschen bilden sie sich die „8er“ deswegen schon gar nicht mehr aus. Aber bei allen anderen wachsen sie noch – und das oft ungeordnet mit unzureichendem Platz. So sind früher oder später Probleme mit den Weisheitszähnen zu befürchten. Dann wird die Oralchirurgie mit Weisheitszahnentfernung zum Thema.

Einige wollen es aber gar nicht erst zu akuten Beschwerden kommen lassen und denken deswegen über eine frühzeitige Weisheitszahnextraktion nach. 

Die vorbeugende Weisheitszahnentfernung

Dazu gehen die Meinungen unter Patienten und sogar den Zahnmedizinern auseinander. Auch Studien konnten bisher hierzu noch keine hundertprozentige Empfehlung geben.

Allerdings zeichnet sich eine Tendenz ab: Die Zahl beschädigter Zähne oder operativer Komplikationen nimmt zu, je länger mit der Entfernung gewartet wird. Das ist dann der Fall, wenn ein Weisheitszahn nicht gerade durchbricht und teilweise im Kiefer bleibt. Dieser Zustand kann mit 3D-Röntgen sichtbar gemacht werden. Dann spricht man von so genannten „retinierten“ oder „impaktierten“ Weisheitszähnen.

Die Entscheidung bleibt dennoch schwierig. Denn der Eingriff ist trotz seiner Alltäglichkeit nicht ganz risikoarm. Schließlich werden  in Deutschland pro Jahr etwa eine Million Weisheitszähne gezogen.

Gerade bei Weisheitszähnen mit schwieriger Position im Kiefer ist die Entfernung immer eine Belastung. Gerade wenn sie in schwierigen Fällen in Vollnarkose erfolgen muss.

Doch eine Weisheitszahnentfernung gestaltet sich mit den Lebensjahren zunehmend komplexer. Denn die Wurzeln der Weisheitszähne werden im fortschreitenden Erwachsenalter immer länger.


Warum sind Weisheitszähne so problematisch?

Nur einer Minderheit bereiten Weisheitszähne nie Beschwerden. Sie wachsen bei ihr gerade und Kiefer oder Mundhöhle bieten genügend Platz für alle Zähne. Bei den meisten Menschen wird dieser Platz, wenn zuletzt mit Beginn des Erwachsenenalters die Weisheitszähne kommen, hingegen knapp.

Konnten die anderen Zähne noch gut durchbrechen und sich mehr oder weniger gerade aufrichten, gelingt Weisheitszähnen das dann oft nicht mehr. Sie bleiben ganz oder teilweise im Kieferknochen stecken, verlagern sich oder nehmen eine Schieflage ein. Das passiert häufiger im Unter- als im Oberkiefer. Denn dort ist der Entwicklungsraum noch beengter. Unten wie oben besteht allerdings ein vergleichbar großes Konfliktpotenzial mit anderen dentalen oder anatomischen Strukturen.


Weisheitszähne können...

  • andere Backenzähne verschieben
  • die Zahnwurzeln eines benachbarten Backenzahnes beschädigen
  • beim Wachstum schwere Zahnfleischentzündungen auslösen
  • in der hinteren Mundhöhle unmöglich zu reinigende Zahnzwischenräume oder für Bakterien anfällige Schleimhauttaschen entstehen lassen
  • Karies oder Parodontitis fördern
  • Abszesse und Zysten im Kieferknochen verursachen


© Igor Mojzes - fotoliaIhr Zahnarzt berät Sie gerne darüber, ob die Weisheitszähne gezogen werden sollten oder nicht. (© Igor Mojzes - fotolia)Wann wird eine Weisheitszahnentfernung erforderlich?

Vor allem bei Schmerzen, Entzündungen, Karies an Nachbarzähnen oder Parodontitis, Abszessen oder Zysten gilt: Sind diese Probleme bereits konkret aufgetreten, zögern Zahnmediziner nicht mit der Extraktion der Weisheitszähne. Und auch die Patienten sind froh, wenn die Leiden ein Ende haben. Aber wie sieht es bei beschwerdefreien Weisheitszähnen aus? Besser gleich ziehen lassen, bevor etwas passiert?

Eine Entscheidungshilfe liefern regelmäßige Prophylaxe-Termine beim Zahnarzt. Dabei werden auch vorhandene Weisheitszähne in Zustand oder Entwicklung kontrolliert. Röntgenbilder ergänzen die Diagnostik. Sie helfen den Behandlern, zuverlässige Prognosen darüber zu treffen, ob ein Weisheitszahn seine Zahnreihe beeinträchtigen oder andere Komplikationen auslösen könnte.

Sie wissen im konkreten Fall dann auch viel mehr über die Risiken einer Weisheitszahnentfernung. Die unteren Zähne liegen eng bei wichtigen Gefühls- und Geschmacksnerven, was den Eingriff bei älteren oder verlagerten Weisheitszähnen mit abgeschlossenem Wurzelwachstum deutlich risikoreicher macht.


Fazit

Die Entscheidung für eine vorbeugende Weisheitszahnentfernung sollte immer individuell getroffen werden. Und zwar auf Grundlage eines konkreten Befundes mit Hinweisen auf mögliche Komplikationen. Ein frühzeitiger Eingriff beugt dann nicht nur vor, er mindert außerdem die OP-Risiken.

Häufig ist eine vorbeugende Weisheitszahnentfernung gerade bei schwierig liegenden „8ern“ sinnvoll, um spätere Komplikationen zu vermeiden. Das können sein:

  • Verletzungsgefahr von Nachbarstrukturen, z. B. Gefühlsnerv der Unterlippe
  • Verletzungsgefahr von Nachbarzähnen
  • Fraktur von vor allem abgebogenen Wurzelspitzen

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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