Wurzelbehandlung mit dem OP-Mikroskop: Ablauf & Kosten

Dr. Ludwig

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© Dan Race - fotoliaDer schlechte Ruf der Wurzelbehandlung ist dank moderner Methoden nicht mehr zeitgemäß. (© Dan Race - fotolia)Zur Behandlung einer starken Zahnentzündung – und letztlich zum Zahnerhalt – bleibt Zahnärzten meist nur die Wurzelbehandlung oder Wurzelkanalbehandlung als Therapie. Solche Entzündungen sind für Patienten sehr schmerzhaft. Denn Bakterien haben im Zahninnern eine Entzündung ausgelöst, die auf die Nerven in den Zähnen drückt.

Diese Nerven und der Entzündungskern liegen größtenteils in den feinen Wurzelkanälen der Zähne. Dorthin muss der Zahnarzt gelangen, um Entzündungsbakterien oder abgestorbenes Gewebe zu entfernen. Anschließend reinigt er die Wurzelkanäle, desinfiziert sie und verschließt sie mit einer Füllung.


Moderne, schonende Wurzelkanalbehandlung

Noch vor einigen Jahren galt die Wurzelkanalbehandlung als sehr schmerzhaft. Als die wohl schlimmste Behandlung, der sich ein Patient im Zahnarztstuhl gegenübersehen kann. Dieser schlechte Ruf hat sich bis heute gehalten – allerdings ganz zu Unrecht. Denn die Endodontie, das Fachgebiet der Zahnmedizin für die Behandlung innerer Zahnerkrankungen, hat sich in den letzten Jahren bedeutend weiterentwickelt.

Neben neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen schaffen dabei vor allem verbesserte Diagnostik und fortschrittliche Dentalwerkzeuge ein vollkommen neues, sanftes Behandlungserlebnis für jeden Patienten. Gleichzeitig wuchsen damit auch die Erfolgsraten einer Wurzelkanalbehandlung und so schließlich die Chancen auf einen Zahnerhalt trotz schwerer Zahnerkrankung.


Bessere Sicht ins Zahninnere mit dem OP-Mikroskop

Im Gegensatz zu den relativ großen Zähnen sind Zahnwurzeln sehr kleine Gebilde mit oft haarfeinen Ästen oder Seitenkanälen. Aber nur wenn bei der Wurzelkanalbehandlung auch die winzigste Verästelung gereinigt wird, kann die Therapie überhaupt eine Erfolgschance haben. Ansonsten bricht die Entzündung immer wieder aus, erfordert die nächste Wurzelbehandlung oder auch eine Wurzelspitzenresektion.

Deswegen brauchen Zahnärzte auch an diesen schwierigen Stellen optimale Sicht. Das bloße Auge ist mit solchen kleinsten anatomischen Strukturen überfordert und auch eine Lupenbrille verbessert den Blick nur in befriedigendem Maße.

Ein OP-Mikroskop mit bis zu 12,5-facher Vergrößerung eröffnet dagegen eine ganz andere Perspektive und erlaubt es dem Behandler nun, im Mikrometer-Bereich mit Ultraschall und Präzisionsinstrumenten die Entzündung zu entfernen. Auch stark gekrümmte oder andere schwierig verlaufende Wurzelkanäle werden dadurch für eine Therapie zugänglich. Früher blieb in solchen Fällen nur noch die Zahnextraktion.


Zahlt die Krankenkasse die Wurzelkanalbehandlung mit OP-Mikroskop?

Eine Wurzelkanalbehandlung kann bei einem Zahn mit drei Wurzeln trotz OP-Mikroskop leicht zwei oder drei Stunden dauern. Sie kann einen hohen dreistelligen Euro-Betrag kosten. Krankenkassen erkennen dabei leider nicht den enormen Fortschritt an, den diese Behandlung für den Patienten und den Zahnerhalt bedeutet. Die Kosten sind für Patienten der gesetzlichen Krankenversicherungen immer eine Privatleistung.

Teilweise erfolgt auf Antrag eine anteilige Kostenübernahme in Höhe der herkömmlichen Behandlungsform, wenn der Zahn anhand strenger Kriterien noch als erhaltungswürdig eingestuft wird. Eine Anfrage oder ein Antrag bei der Krankenkasse können sich also genauso lohnen wie die Entscheidung für eine Wurzelbehandlung mit dem OP-Mikroskop.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare zum Artikel (1)


26.04.2019 - 10:45 Uhr

Sehr geehrter Herr Dr. med. dent. Ludwig, ich...

von Roman

... habe eine Frage bzgl. der Kosten einer Wurzelbehandlung. Mein ZA hat mir dringend geraten, die beiden (l/r) letzten unteren Backenzähne Kronen mit Kronen auszustatten. Ich habe mich für die Metallo-Keramik Kronen entschieden. Am 16.02. wurden die beiden Zähne für die Überkronung vorbereitet. Allerdings war der ZA anscheinend mit der Prozedur bereits damals etwas überfordert, da er öfters geäußert hat, wie schwierig zu behandelnden Stellen wäre (zu kleiner Mund etc…). Die ersten Provisorien wurden leider nicht so gut angefertigt. Ein (rechtes) ist zweimal abgefallen und musste neu befestigt werden. Dabei hatte es auch eine scharfe untere Kante, an welcher sich die Zunge ständig aufscheuerte. Daraufhin wurde dann doch ein neues Provisorium angefertigt, welches auch besser war. Als die Kronen fertig waren, haben sie leider nicht gepasst (Ob es am schlechten Abdruck oder an der Arbeit des Labors lag, kann ich nicht beurteilen). Also musste ich noch zwei Wochen auf den nächsten Termin warten, um die neue Kronen zu bekommen. An dem Termin habe ich allerdings erfahren, dass die Zähne noch mehr abgeschliffen werden müssen, bevor neue Kronen angefertigt werden. Die Behandlung führte zu der starken Nervenreizung. Daraufhin hatte ich sehr starke Zahn- und Kopfschmerzen und musste öfters zu Schmerzmitteln greifen. Es folgten noch weitere Termine zur Anprobe etc. Letztendlich am 15.04. (also nach 2 Monaten Wartezeit mit provisorisch versorgten Zähnen) wurden mir die neuen Kronen angesetzt, was auch sehr schmerzhaft war, weil nicht mehr viel von der Zahnsubstanz über den Nerven übrig war. Daraufhin hat der rechte Zahn angefangen, wieder heftig zu schmerzen. Ich habe versucht es auszuhalten (auch mit Schmerzmitteln), aber nach einigen Tagen waren die Schmerzen kaum noch auszuhalten. Außerdem sind die Lymphknoten unter dem rechten Unterkiefer angeschwollen und ich hatte dort auch Schmerzen. Da ich zu der Zeit unterwegs war (Es waren gerade Osterfeiertage.), musste ich am Samstag einen Notzahnarzt aufsuchen. Er hat einen Test gemacht (auf Kälte hat der Zahn nicht reagiert, aber sehr heftig auf Klopfen.) und ein Röntgenbild. Daraufhin hat er gesagt, es handelt sich um eine irreversible Pulpitis und er muss sofort eine Behandlung durchführen. Er hat durch die Krone gebort (Krone ist nun hinweg), die Wurzel aufgedeckt und ein Medikament darauf getan sowie den Zahn mit Zement verschlossen. Ich sollte mit der Krone und dem Brief zu meinem ZA gehen. Das habe ich jetzt gemacht. Mein ZA (mittlerweile hat er das Röntgenbild bekommen.) meinte zwar, er kann am Bild nicht wirklich was erkennen, aber er muss wohl die Wurzelbehandlung weiterführen, da sie ja schon angefangen wurde. Er hat Zement entfernt und die Kanäle, soweit es ging, gesäubert. Wobei er wieder betonte, wie schwierig das alles sei – er kann nichts sehen. Daraufhin hat er mir erklärt, er kann die Kanäle nicht füllen – ihm fehlt das notwendige Equipment etc. und er überweist mich lieber an eine Kollegin. Sie arbeitet mit der neuen Methode (unter dem OP-Mikroskop). Allerdings ist es keine Kassenleistung und ich muss die Wurzelbehandlung selbst bezahlen. Ich habe nun demnächst erstmal einen Beratungstermin dort. Nun würde mich interessieren, wie ist es eigentlich in solchen Fällen mit der Kostenübernahme/-teilung etc. geregelt?…Letztendlich habe ich nur deswegen jetzt eine Wurzelbehandlung nötig, weil anscheinend die vorherige Überkronung nicht optimal (oder besser gesagt, sehr schlecht) abgelaufen ist. Ich musste ja den Notzahnarzt nur deswegen besuchen, weil die Schmerzen nicht mehr auszuhalten waren. Soll der Zahnarzt, der die Überkronung durchführte, die zu einer Wurzelbehandlung führte, nicht auch mithaften? Ich bedanke mich für Ihre Antwort im Voraus und verbleibe mit freundlichen Grüßen, Roman

Dr. Ludwig

Antwort vom Autor am 08.05.2019
Dr. med. dent. Volker Ludwig

Sehr geehrte Patientin, sehr geehrter Patient, es kann immer wieder vorkommen, dass überkronte Zähne absterben oder bei der Präparation irreversibel geschädigt werden. In wieweit hier eine fehlerhafte Behandlung vorlag, kann nur jemand entscheiden, der den Ausgangszustand kennt. Die Wurzelkanalbehandlung sollte für bessere Erfolgsaussichten von einem fähigen Behandler mit OP-Mikroskop durchgeführt werden. Vielleicht können Sie mit Ihrem Zahnarzt hinsichtlich der Behandlungskosten einen Kompromiss finden. Viele Grüße aus Fürth.


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