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Wurzelbehandlungen: Wann sind Antibiotika notwendig?

Dr. Hug

von
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© fotolia - Syda ProductionsBei Wurzelentzündungen können Antibiotika die Wurzelbehandlung ergänzen (© fotolia - Syda Productions)Wurzelkanalbehandlung mit Antibiotikum: Ja? Nein? Immer? Nie? Häufig herrscht Unsicherheit beim Patienten. Hier wollen wir Ihnen eine Antwort auf folgende Fragen geben:
 

Brauche ich ein Antibiotikum bei Zahnschmerzen?

Ist ein Antibiotikum notwendig, wenn ein Zahn beim Kauen oder sogar spontan wehtut? In der Regel hilft hier ein Antibiotikum nicht weiter! Die Beschwerden sollten in aller Regel mit einem Schmerzmittel bekämpft werden. 

Zahnschmerzen können so unangenehm sein, dass der betroffene Patient alles dafür tut, sie zu lindern. Dennoch sollte man sich immer vor Augen führen, dass ein falsch eingenommenes Antibiotikum nicht nur helfen, sondern auch Schaden anrichten kann. 

Auch wenn es schwerfällt: Versuchen Sie, einen „kühlen Kopf“ zu bewahren und Ihren Zahnarzt aufzusuchen. In der Regel ist das Problem mit einer Wurzelkanalbehandlung in den Griff zu bekommen. Und der eigene Zahn kann erhalten werden.

Wann ist eine Wurzelkanalbehandlung notwendig?

Eine Wurzelkanalbehandlung kann notwendig sein, wenn:

  • der Zahnnerv sich unheilbar entzündet hat
  • der Zahnnerv nicht mehr durchblutet ist und keine Immunabwehr mehr möglich ist: Bakterien können sich durch die fehlende Abwehr im Wurzelkanal des Zahns ausbreiten und zu einer Infektion führen.

Nun könnte man davon ausgehen, dass ein Antibiotikum immer dann Sinn macht, wenn Bakterien im Wurzelkanal sind. Das ist aber nicht der Fall!

Denn: Das Antibiotikum wird über das Blut transportiert, aber der Zahnnerv ist nicht mehr durchblutet. Somit kommt das Antibiotikum nicht mehr in den Wurzelkanal hinein.


Wann brauche ich ein Antibiotikum?

Es gibt unter anderem zwei Situationen, in denen ein Antibiotikum bei einer Wurzelkanalbehandlung notwendig ist:

1. bei bestimmten Vorerkrankungen
2. wenn die Bakterien drohen, sich stark auszubreiten

Also: Wenn die Bakterien es schaffen, sich über den Wurzelkanal hinaus in den Knochen auszubreiten, ist ein Antibiotikum notwendig.

© benik.at - fotoliaEine Kieferklemme kann ein Anzeichen dafür sein, dass sich Bakterien ausbreiten (© benik.at - fotolia)Zeichen dafür sind unter anderem:

  • wenn man den Mund nicht mehr richtig öffnen kann (Kieferklemme)
  • Schluckbeschwerden
  • starke Schwellung, die den Knochen des Unterkiefers nicht mehr ertasten lässt
  • angehobener Mundboden, „kloßige Sprache“
  • Atmung erschwert
  • Fieber, Krankheitsgefühl

Das sind natürlich nur einige mögliche „Symptome“, welche die Einnahme eines Antibiotikums nötig machen können.

Jeder Patient ist individuell. Jede Situation ist anders. Deshalb ist es sehr wichtig, dass Sie Ihren Zahnarzt aufsuchen. Nach einer ausführlichen Untersuchung wird er entscheiden, ob ein Antibiotikum notwendig ist.

Was ist bei der Einnahme zu beachten?

Auch bei der Wahl des Antibiotikums herrscht oft Unsicherheit. Eine vom Zahn ausgehende bakterielle Infektion wird in aller Regel mit Penicillin behandelt (häufig in Kombination mit einem Beta-Lactamase-Inhibitor). Es gibt aber auch Fälle, bei denen es Sinn macht, ein anderes Antibiotikum einzunehmen. Zum Beispiel bei einer Penicillin-Allergie.

Penicilline können die Bakterien häufig sehr gut bekämpfen. Sowohl die Nebenwirkungen als auch die Gefahr von Resistenzen ist häufig geringer als bei anderen Antibiotika.

Welches Antibiotikum das richtige für Sie ist, muss Ihr Zahnarzt individuell für Sie entscheiden.

Auch Fragen nach:

  • der Einnahmedauer
  • den Nebenwirkungen
  • den Einschränkungen während der Einnahme (zum Beispiel beim Sport oder während der Stillzeit)
  • der Aufhebung/Interaktion mit anderen Medikamenten (zum Beispiel der Pille) 

können nicht pauschal beantwortet werden. Sie hängen unter anderem von der Art des Antibiotikums ab. 


Fazit

Leider erreicht man bei falscher Einnahme und ausbleibender Wurzelkanalbehandlung häufig das Gegenteil: Die Schmerzen scheinen im ersten Moment besser zu werden. Jedoch kommen sie zurück - und das häufig heftiger als zuvor! 

Ob und in welcher Form ein Antibiotikum notwendig ist, wird Ihr Zahnarzt entscheiden. Jedoch kann festgehalten werden, dass viele Zähne auch ohne Antibiotikum allein mit einer Wurzelkanalbehandlung erhalten werden können.

Um den Zahn zu erhalten, muss man den Wurzelkanal von den eingewanderten Bakterien befreien. Und das schafft man nur mit einer Wurzelkanalbehandlung und nicht mit der alleinigen Einnahme eines Antibiotikums. In bestimmten Fällen kann es aber eine sich ausbreitende Infektion verhindern.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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