Zahnfleischbluten: Harmlos oder ernst zu nehmen?

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Wer ein gesundes Zahnfleisch hat, braucht sich vor knusprigem Brot oder knackigem Apfel nicht zu fürchten. Ist das Zahnfleisch jedoch entzündet, schmerzt es beim Essen und fängt leicht an zu bluten. 

Gesundes Zahnfleisch ist blass-rosa, fest und blutet nicht
Das Zahnfleisch ist Teil des Zahnhalteapparates, es dichtet den Eintritt des Zahns zum Kieferknochen gegenüber der Mundhöhle ab. Normalerweise ist das Zahnfleisch blass-rosa, glatt und widerstandsfähig. Selbst harte Brotrinde und frische Rohkost kann man kauen, ohne dass das Zahnfleisch leidet. Blutet das Zahnfleisch beim Essen, Zähneputzen oder auch einfach so, kann dies ein Hinweis auf eine Entzündung oder Infektion im Mundraum sein.

Mangelnde Mundhygiene als Ursache Nr. 1
Von einer Entzündung können das Zahnfleisch betroffen sein (Gingivitis), der Zahnhalteapparat (Parodontitis) oder die gesamte Mundschleimhaut (Stomatitis). Die entzündete Schleimhaut ist geschwollen, gerötet und druckempfindlich, so dass sie bei geringer Belastung anfängt zu bluten. Oft entsteht Zahnfleischbluten durch mangelnde Mundhygiene: Vor allem am Übergang von Zahn zu Zahnfleisch und in den Zahnzwischenräumen bildet sich ein hartnäckiger Biofilm, in dem sich Bakterien schnell vermehren und das Zahnfleisch wie auch den Zahn angreifen.

Weitere Gründe: Zu wenig Speichel und hormonelle Veränderungen
Normalerweise tragen eine intakte Mundflora mit körpereigenen Bakterien und Hefen sowie reichlicher Speichelfluss mit Enzymen, Antikörpern und wundheilungsfördernden Stoffen zur Mundgesundheit bei. Trinkt man jedoch zu wenig oder atmet vor allem nachts viel durch den Mund, trocknet die Schleimhaut aus und der körpereigene Schutz wird gestört. Auch eine Reihe von Medikamenten verringert den Speichelfluss, z. B. Antiepileptika, Diuretika und Antihistaminika. Die Mundflora wird durch Antibiotika, Immunsuppresiva und Glucocorticoide beeinträchtigt, Zytostatika greifen Schleimhäute direkt an. Daneben können auch hormonelle Umstellungen Zahnfleischbluten begünstigen, z. B. in der Pubertät, innerhalb des Monatszyklus, in einer Schwangerschaft oder in den Wechseljahren.

Behandlung: Antiseptische Spülungen und gründliche Zahnreinigung
Eine Gingivitis lässt sich mit keimreduzierenden Spüllösungen meist schnell wieder beheben. Dazu gurgelt man zwei bis dreimal täglich mit Salbei-, Kamille- oder Myrrhe-Tinkturen. Auch (Chlor-)Hexetidin- und Dequalinium-Lösungen sowie desinfizierende Mundgele eignen sich zur Behandlung. Eine Parodontitis gehört in die Hände des Zahnarztes, der Zahnstein und Plaques entfernt, die Zahntaschen reinigt und eventuell antibiotisch behandelt. Man sollte ausreichend trinken und mit zuckerfreien Lutschpastillen oder Kaugummis den Speichelfluss anregen. Zur täglichen Zahnhygiene gehören Zähneputzen nach den Mahlzeiten sowie die Anwendung von Zahnseide, Interdentalbürsten oder Mundduschen. Ein Zungenschaber entfernt Bakterien-Beläge auf der Zunge. An Vitaminen sind A, C und B-Vitamine wichtig für die Schleimhäute, langanhaltender Stress und Rauchen dagegen sind schädlich und können Zahnfleischbluten auslösen.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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