Artikel 14/01/2015

Hüftgelenkspiegelung oder „Man sieht nur, was man weiß“

Team jameda
Team jameda
hueftgelenkspiegelung-man-sieht-nur-was-man-weiss

Hüftgelenkspiegelung: „Man sieht nur, was man weiß“ von Johann Wolfgang von Goethe
Das berühmte Goethezitat beschreibt die Tatsache, dass uns nur Dinge auffallen können, über die wir Hintergrundwissen besitzen. Dieses Phänomen gilt auch in der Medizin und wird beispielsweise bei der Hüftgelenkspiegelung deutlich.

Die Spiegelung des Hüftgelenkes wurde bis vor zehn Jahren an wenigen Zentren durchgeführt und war auf die Entfernung freier Gelenkkörper sowie Spülungen bei Infektionen limitiert. Oft wurde die Hüftarthroskopie diagnostisch bei unklaren Hüftbeschwerden angewandt und durch offene chirurgische Eingriffe beendet.

In den letzten Jahren sind das Interesse an und das Wissen über die Hüftarthroskopie enorm angestiegen. Zunehmende Erfahrung mit der arthroskopischen gelenkerhaltenden Hüftchirurgie hat zu einem besseren Verständnis von Funktion und Anatomie des normalen Hüftgelenks, seiner krankhaften Veränderungen und damit zur Spezifizierung geführt, wann dem Patienten zur arthroskopischen oder offenen gelenkerhaltenden Hüftchirurgie geraten wird. Die Hüftarthroskopie gilt unterdessen als etabliertes Standardverfahren bei folgenden Erkrankungen:

  • Einklemmungen/Femoro-Ace-tabulares-Impingement FAI
  • Unklare Hüftschmerzen/Knorpelersatz
  • Freie Gelenkkörper
  • Erkrankungen der Gelenkinnenhaut/Synovialitiden
  • Schnappende Hüfte
  • Läsionen des Hüftkopfbandes (Lig. capitisfemoris)
  • Diagnostisch bei Komplikationen nach Hüftgelenkersatz
  • Perthes/freie Gelenkkörper/Hinge Abduktion
  • Infektiöse Arthritis

Die Spiegelung des Hüftgelenks ist eine stationäre Operation, der Aufenthalt im Krankenhaus dauert zwischen zwei und fünf Tagen.

Das Verfahren ist auch im Kindesalter anwendbar, so sind insbesondere Gelenkinfektionen, post-M.-Perthes oder Einklemmungen nach Epiphysenfugen-Lösung kindliche Erkrankungen, die mittels minimalinvasiver Technik gut behandelt werden können. Beim älteren Menschen sind die Erfolgsaussichten der Hüftgelenkspiegelung nur schlecht, wenn im Röntgenbild ein Gelenkspalt unter zwei Millimeter vorliegt, größere knöcherne Randanbauten vorhanden sind, und/oder eine zu tiefe Pfanne vorliegt. Hier muss im Einzelfall entschieden werden, ob eine Gelenkspiegelung als Alternative zum Gelenkersatz sinnvoll ist.

Die Modernisierung und Weiterentwicklung von OP-Instrumenten führte auch zur Erweiterung der technischen Möglichkeiten. So wird unterdessen die Gelenklippe (Labrum) teilweise mit Ersatzsehnen rekonstruiert, die Gelenkkapsel bei Instabilitäten gerafft und der Knorpel z.B. nach Zellzüchtung ersetzt.

(Stand nach dem World-Kongress der Internationalen Society for Hip Arhtroscopy (ISHA), 10.10-12.10.2013, München; 6th ISHA-Meeting 21.11-22-11.2014 München)

Die Veröffentlichung dieser Inhalte durch jameda GmbH erfolgt mit ausdrücklicher Genehmigung der Autoren. Die Vervielfältigung, Bearbeitung, Verbreitung und jede Art der Verwertung außerhalb der Grenzen des Urheberrechtes bedürfen der schriftlichen Zustimmung der jeweiligen Autoren.

Die Inhalte der Experten Ratgeber ersetzen nicht die Konsultation von medizinischen Spezialisten. Wir empfehlen Ihnen dringend, bei Fragen zu Ihrer Gesundheit oder medizinischen Behandlung stets eine qualifizierte medizinische Fachperson zu konsultieren. Der Inhalt dieser Seite sowie die Texte, Grafiken, Bilder und sonstigen Materialien dienen ausschließlich Informationszwecken und ersetzen keine gesundheitlichen Diagnosen oder Behandlungen. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Meinungen, Schlussfolgerungen oder sonstige Informationen in den von Dritten verfassten Inhalten ausschließlich die Meinung des jeweiligen Autors darstellen und nicht notwendigerweise von jameda GmbH gebilligt werden. Wenn die jameda GmbH feststellt oder von anderen darauf hingewiesen wird, dass ein konkreter Inhalt eine zivil- oder strafrechtliche Verantwortlichkeit auslöst, wird sie die Inhalte prüfen und behält sich das Recht vor, diese zu entfernen. Eigene Inhalte auf unserer Website werden regelmäßig sorgfältig geprüft. Wir bemühen uns stets, unser Informationsangebot vollständig, inhaltlich richtig und aktuell anzubieten. Das Auftreten von Fehlern ist dennoch möglich, daher kann eine Garantie für die Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität nicht übernommen werden. Korrekturen oder Hinweise senden Sie bitte an experten-ratgeber@jameda.de.


www.jameda.de © 2025 - Wunscharzt finden und Termin online buchen.

Diese Webseite verwendet Cookies.
Surfen Sie weiter, wenn Sie unserer Cookie-Richtlinie zustimmen.