Artikel 14/11/2016

Kopfschmerzen an unterschiedlichen Stellen: Was Schläfen, Stirn und Hinterkopf gut tut

Team jameda
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Sie haben Kopfschmerzen? Sie sind nicht allein! In Deutschland leidet jeder Vierte regelmäßig unter Kopfschmerzen. Das hat die größte epidemiologische Studie der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft ergeben. Erfahren Sie, was sich hinter Kopfschmerzen verbirgt, die an Schläfen, Stirn oder Hinterkopf auftreten, und was Sie dagegen tun können.

Was hinter  Kopfschmerzen steckt

Es gibt Kopfschmerzursachen, die harmlos und einfach zu bekämpfen sind. Dazu gehören Bewegungsmangel, Stress, Augenmüdigkeit durch stundenlanges Arbeiten am Computer und Fehlsichtigkeit, Erkältungen mit Entzündung von Nasenschleimhaut oder Nebenhöhlen, Unverträglichkeit bestimmter Lebensmittel, die Glutamat, Aspartam oder Histamin enthalten, Alkohol- oder Tabakkonsum und Flüssigkeitsmangel.

Auch Wetterschwankungen führen zu Kopfschmerzen, womöglich wegen Luftschwingungen, die auf Luftdruckgebiete oder elektromagnetische Impulse zurückzuführen sind.

Kopfschmerzarten im Überblick

Es gibt über 180 unterschiedliche Arten von Kopfschmerzen. Laut IHS (International Headache Society) unterscheiden sie sich in ihrer Ausprägung und ihrer Häufigkeit.

Kopfschmerzen können nämlich an verschiedenen Stellen auftreten und unterschiedliche Schmerzqualitäten erzeugen: an Stirn, Schläfen, Schädeldecke, Hinterkopf, Nacken spüren die Patienten einseitig oder beidseitig Druck, Hämmern, Ziehen, Pulsieren, Stechen oder Schneiden. Die Liste ist lang. In seltenen Fällen können Kopfschmerzen von Sehstörungen oder sogar Bewusstseinsstörungen begleitet werden.

Am häufigsten treten zwei Arten von Kopfschmerzen auf: Spannungskopfschmerzen und Migräne. Über 90 % aller Betroffenen leiden unter diesen beiden Arten von primären Kopfschmerzen. In diesem Zusammenhang ist mit „primär“ (oder „idiopathisch“) gemeint, dass die Ursachen für diese Kopfschmerzen wissenschaftlich nicht geklärt sind.

Sekundäre Kopfschmerzen hingegen sind auf spezifische Hintergrundursachen zurückzuführen wie Verletzungen, Tumore  oder Stoffwechsel- und Blutdruckstörungen.

Migräne: Einseitige Kopfschmerzen und Übelkeit

Starke Schmerzen in einer Kopfhälfte kennzeichnen die Migräne. Ungefähr 10 % aller Patienten mit Migräne haben Sehstörungen, typischerweise 30 Minuten vor Beginn der Kopfschmerzattacke.

Die vorausgehenden Sehstörungen nennt man Aura. Es handelt sich um die Wahrnehmung gezackter Formen oder sternartiger, ausstrahlender, flimmernden Figuren, die sich langsam abwechseln wie in einem Kaleidoskop oder um Unschärfe, blinde Flecken im Gesichtsfeld, halbseitiger Verlust des Sehens und Verlust des räumlichen Sehens.

Darüber hinaus kann eine Migräne von weiteren Beschwerden begleitet werden, wie zum Beispiel Licht-, Geruch-, und Lärmempfindlichkeit oder Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen sowie Schwindel, Sprachstörungen und einem Gefühl der Taubheit oder Lähmungserscheinungen. Eine Migräneattacke setzt oft morgens beim Aufwachen ein und dauert zwischen 4 und 72 Stunden.

Ursachen für Migräne-Attacken

Migräne-Patienten haben eine genetische Veranlagung. Die Krankheit tritt in betroffenen Familien oft gehäuft auf. Bei Betroffenen wurde festgestellt, dass bestimmte Botenstoffe im Gehirn im Ungleichgewicht sind, die zur erhöhten Schmerzempfindlichkeit führen. Hormonschwankungen, Änderungen des Schlaf-Wach-Rhythmus und Stress sowie Aufenthalt in großen Höhen, Kälte, Lärm und Flackerlicht können Migräne auslösen.

Die Vermeidung dieser Auslöser ist eine wichtige Vorbeugungsmaßnahme, es sei denn, Sie haben Ihre persönlichen Auslöser identifiziert. Wenn nicht, empfiehlt sich ein Tagebuch zu führen.

Migräneauslöser sind individuell. Bei ein und derselben Person können unterschiedliche Faktoren eine Migräneattacke auslösen oder es müssen zwei Auslöser zusammenkommen. Darüber hinaus kommt die Migräne gern am Wochenende zu Besuch- oder dann, wenn man zur Ruhe kommt.

Starke Sonnenbestrahlung und Hitze lösen auch oft Migräne aus, genauso wie bestimmte alkoholische Getränke und Nahrungsmittel sowie übermäßige körperliche Belastung.

Migräne lindern

Für die meisten Patienten sind ein regelmäßiger Tagesablauf und Entspannungsmethoden sehr hilfreich bei Migräne. Es gibt verschiedene Methoden wie zum Beispiel die progressive Muskelentspannung nach Jacobson, das chinesische Tai Chi, Kopfmassagen, autogenes Training oder Yoga, die beim Entspannen helfen.

Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft empfiehlt auch die sogenannte Biofeedback-Therapie, die vor allem bei Migränepatienten, die mehr als dreimal pro Monat eine Attacke erleiden, deren Migräneattacken länger als 72 Stunden andauern oder deren Symptome mit Medikamenten nicht gelindert werden können zum Einsatz kommt.

Gehören Sie zu einer dieser Subgruppen, können Sie Ihre Migränehäufigkeit langfristig um 35 bis 45 Prozent verringern, indem Sie lernen, wie Sie ihre Körperreaktionen willentlich beeinflussen. Gegen Migräne ist auch Akupunktur wirksam.

Ausdauersport oder Alltagssport, 30 Minuten dreimal pro Woche, kann die Häufigkeit der Migräneattacken ebenfalls vermindern. Krafttraining hingegen sollten die Betroffenen vermeiden oder mit Vorsicht ausüben. Sehr wichtig für die Behandlung von Migräne ist die Stressbewältigung, da Stress der häufigste Auslöser von Migräne ist.

Mit Hilfe eines Therapeuten lernen Sie, Ihre individuelle und konkrete Stressauslöser zu erkennen und zu bewältigen. Außerdem können Sie gemeinsam eine effektivere Zeitplanung erarbeiten. Stressbewältigungstraining ist individuell, oder auch in Gruppen möglich.

Kopfschmerzen an Hinterkopf, Schädeldecke und Stirn

Spannungskopfschmerzen beginnen oft im Nacken und dehnen sich über den ganzen Hinterkopf, die Schädeldecke und die Stirn aus, wie ein dumpfes, ziehendes, spannendes oder drückendes Gefühl.

Typischerweise beschreiben die Betroffenen ihre Spannungskopfschmerzen wie einen engen Hut am Kopf. Spannungskopfschmerzen können von Lärm- oder Lichtempfindlichkeit begleitet werden, obwohl das nicht oft vorkommt.

Darüber hinaus treten sie entweder episodisch oder chronisch auf. Wenn Spannungskopfschmerzen an 15 Tagen pro Monat oder häufiger vorkommen, und das 6 Monate lang oder länger dann sind es chronische Spannungskopfschmerzen.

Obwohl die Ursachen der Spannungskopfschmerzen nicht entschlüsselt sind, ist vieles über auslösende Faktoren bekannt, die teilweise vermeidbar sind. Ausschlaggebend sind manchmal bestimmte Bedingungen am Arbeitsplatz: Arbeiten in falscher Körperhaltung, bei schlechtem Licht und unter Stress zählen dazu. Darüber hinaus kann zu wenig Schlaf oder hoher Nikotinverbrauch Spannungskopfschmerzen auslösen.

Falsche, insbesondere einseitige Körperhaltung führt zu Muskelverspannungen im Bereich des Nackens, wodurch Nervenbahnen eingeklemmt werden, die Alarmsignale an das Gehirn weiterleiten und Spannungskopfschmerzen verursachen. Werden diese Nervenbahnen oft eingeklemmt, können die Alarmsignale irgendwann gar nicht mehr ausgeschaltet werden und es kommt zu chronischen Spannungskopfschmerzen. Deshalb ist es sehr wichtig, ständig auf die richtige Körperhaltung zu achten.

Darüber hinaus hilft Bewegung: Mindestens zweimal wöchentlich ca. 45 Minuten leichter Sport sind angesagt. Sind die Kopfschmerzen akut, können abwechselnde (alle 15 Minuten) Wärme- und Kälteanwendungen helfen, die Muskelspannungen zu lösen.

Kopfschmerzen an Augen und Schläfen: Cluster-Kopfschmerzen

Sollten Sie vor allem im Frühjahr und im Herbst Kopfschmerzen haben, sind es womöglich Cluster-Kopfschmerzen. Diese Schmerzen sind intensiv, stechend, und lokalisieren sich einseitig im Augenbereich mit Ausstrahlung bis zur Schläfe, begleitet von geröteten, tränenden Augen und einem hängenden Augenlid.

Sie dauern 15 bis 180 Minuten und können mehrmals täglich auftreten. Manche Patienten leiden auch unter Übelkeit sowie Licht- und Lärmempfindlichkeit.

Cluster-Kopfschmerzen werden von bestimmten Nahrungsmittel ausgelöst, zum Beispiel von Schokolade, Nüssen, Käse, Tomaten und Zitrusfrüchten.  Auch Alkohol, Nikotin, Flimmerlicht, Höhenluft und körperliche Anstrengung sind zusätzliche Auslöser von Cluster-Kopfschmerzen.

Vertebragene Kopfschmerzen durch Erkrankungen der Halswirbelsäule

Vertebragene Kopfschmerzen sind auf die Erkrankung der Halswirbelsäule zurückzuführen, also handelt es sich um eine sekundäre Art von Kopfschmerzen. Degenerative Veränderungen der Wirbel führen zur langfristigen Irritation der Nervenbahnen und zu Muskelverspannungen in der Nackenregion.

In einer historisch interessanten Studie in den 60er Jahren (Braaf und Rosner) wurden degenerative Veränderungen der Halswirbelsäule als Ursprung von chronischen Kopfschmerzen bei 90 % von 2000 Fällen erkannt, und mit monatelangen Traktionen behandelt, die in 80 % der Fälle erfolgreich gewesen seien.

Bei vertebragenen Kopfschmerzen sind Arzneimittel weniger wirksam als bei anderen Kopfschmerzarten. Deshalb wird heutzutage zusätzlich Physiotherapie empfohlen. In Einzelfällen helfen spezielle Interventionen, wie zum Beispiel die transkutane elektrische Nervenstimulation.

Diagnose in der Arztpraxis

Sie haben Kopfschmerzen und fragen sich, ob sie zum Arzt gehen sollten? Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft rät zu einem Arztbesuch in folgenden Fällen:

  • Regelmäßige Beschwerden, immer häufiger auftretende Schmerzen und Beschwerden, die sich qualitativ verändern
  • Kopfschmerzen, die nicht gut mit Schmerzmittel zu bewältigen sind
  • Nutzung von Schmerzmittel mehr als acht bis zehnmal pro Monat
  • Kopfschmerzen mit folgenden Begleiterscheinungen: Fieber, Nackensteifheit, Gefühlsstörungen, Lähmungserscheinungen, epileptische Anfälle

Die Kopfschmerzdiagnostik kann kompliziert sein. Kopfschmerzen nur an den Schläfen könnten Spannungskopfschmerzen sein, wenn sie beidseitig auftreten oder Migräne, wenn sie einseitiger auftauchen.

Kopfschmerzen nur am Hinterkopf können von einem direktem Trauma oder einem Schleudertrauma verursacht werden oder aber auf vertebragene Ursachen zurückzuführen sein. Kopfschmerzen nur im Augenbereich könnten Clusterkopfschmerzen sein oder auf eine Migräne hindeuten.

Am besten nehmen Sie einen Kopfschmerzkalender in die Arztpraxis mit, in dem Sie eingetragen haben, wie häufig die Schmerzen auftreten, wie lang sie anhalten, wie sie sich anfühlen und unter welchen Begleitsymptomen sie leiden. Information zur Ernährung, Bewegung und mögliche Stressauslöser sind ebenfalls interessant. So kann Ihr Arzt die beste Therapie heraussuchen, nachdem er eine Anamnesegespräch geführt und eine körperliche Untersuchung gemacht hat.

In einigen Fällen verlangt der Arzt die Durchführung einer Magnetresonanztomographie (MRT), zum Beispiel bei Begleitsymptome wie Schwindel und Erbrechen oder nach einer Kopfverletzung. Durch ein MRT entstehen mit Hilfe von magnetischen Wellen, also ohne Strahlenbelastung, Abbildungen des Kopfinneren von hoher Qualität.

So können Hintergrunderkrankungen ausgeschlossen werden, wie zum Beispiel Tumoren oder Gehirngefäßerkrankungen. Darüber hinaus kann der Arzt ein Elektroenzephalogramm (EEG) veranlassen, mit dem die elektrische Aktivität des Gehirns gemessen wird.

Kopfschmerzen effektiv behandeln

Es gibt diverse Behandlungsmöglichkeiten für Kopfschmerzen. Was für Sie am ehesten in Frage kommt, sagt Ihnen der Arzt nach den Untersuchungen. Sollte er eine konkrete Ursache identifiziert haben, gilt es, diese zuerst zu behandeln. Zusammenfassend gibt es folgende therapeutische Alternativen:

Vorbeugung von Kopfschmerzen:

  • Ernährung: Unverträgliche Lebensmittel vermeiden und ausreichend Wasser trinken
  • Ausreichend Schlaf und Entspannung
  • Alltags- und Ausdauersport
  • Zähneknirschen behandeln, Augen schonen und Augenschärfe korrigieren

Schmerzmittel, die zur Behandlung der Kopfschmerzen eingesetzt werden:

  • Acetylsalicylsäure (ASS)
  • Paracetamol
  • Ibuprofen
  • Koffeintabletten
  • Kombinationspräparate (ASS + Paracetamol + Koffein)

Alternative und weitere Behandlungsmethoden:

  • Entspannungsmethoden: Tai-Chi, Kopfmassagen, Autosuggestion, Yoga, Muskelentspannung nach Jacobson
  • Stressbewältigungstraining
  • Biofeedback-Therapie
  • Physiotherapie
  • Akupunktur

Quellen:

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