Artikel 30/04/2016

Aus kaputten Zähnen Knochen machen - der natürliche Weg zum Erhalt des Knochens nach Zahnextraktion

Dr. med. dent. Manuel Waldmeyer Zahnarzt, Fachzahnarzt für Oralchirurgie
Dr. med. dent. Manuel Waldmeyer
Zahnarzt, Fachzahnarzt für Oralchirurgie
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Ein bekanntes Problem in der modernen Implantologie ist es, dass sich das wichtige Knochenlager nach einer Zahnextraktion zurückzieht und Volumen verliert. So kommt es nicht nur zu chirurgischen und ästhetischen Problemen, sondern zuweilen zu Kompromissen in der prothetischen Versorgung der Implantate mit Kronen und Brücken.

Auch für den festsitzenden Zahnersatz ist der Erhalt des Knochenlagers im Bereich von Brücken sehr wichtig, um dort eine optimale hygienetaugliche Gestaltung zu ermöglichen.

Um dem Knochenverlust entgegenzuwirken sind chirurgische Techniken für die Therapie der Extraktionsstelle unter dem englischen Namen „Ridge Preservation“ bekannt und in vielen Praxen routinemäßig nach Zahnextraktionen etabliert.

Was verbirgt sich hinter dem Namen „Ridge Preservation“?

Wird ein Zahn entfernt, so gehen in den folgenden 6 Monaten etwa 50% des umgebenden Knochens verloren. Mit dem Knochenverlust geht ferner ein Verlust des Zahnfleisches einher. Besonders auffällig ist dieser in der gut sichtbaren Zone im Oberkieferfrontzahnbereich, wo der Knochen sehr dünn ist.

Bei der „Ridge Preservation“, welche unmittelbar nach der Zahnextraktion in der gleichen Sitzung durchgeführt werden kann, wird dem Volumenverlust des Knochens durch das Auffüllen der Extraktionsstelle mit Knochenersatzmaterial oder Collagen entgegengewirkt. Dieses Knochenersatzmaterial kann unterschiedlicher Herkunft sein. Weit verbreitete Materialien sind sogenannter xenogener Herkunft.

Xenogen ist ein Material, wenn es von einer anderen Spezies, zum Beispiel vom Pferd (equin), Schwein (porcin) oder Rind (bovin) stammt. Alternativen sind sogenannte alloplastische Materialien, hinter denen sich synthetisch hergestellte Knochenersatzmaterialen verbergen. Hier handelt es sich etwa um Stoffe wie bioaktive Glaskeramiken oder auch um einen Stoff, den wir zu einem sehr großen Teil in unseren Zähnen wiederfinden, das sogenannte Hydroxylapatit.

Im Gespräch mit Patienten zeigt sich jedoch oft eine gewisse Zurückhaltung gegenüber körperfremden Ersatzmaterial.

Aus Zahn wird Knochenersatz

Über Jahrzehnte hinweg galten extrahierte Zähne als potentiell gefährlicher biologischer Abfall und wurden nach ihrem Entfernen speziell entsorgt.

Jedoch zeigte sich, dass ein aufgearbeiteter Zahn, dessen organische Bestandteile entfernt worden sind, ein vergleichbares Potential für gesteuerte Knochenregeneration (Ridge Preservation) zeigt wie seine alloplastischen oder synthetischen Alternativen.

Für die Nutzung eines Knochenaufbaus aus dem Material eines extrahierten Zahnes eigenen sich im Wesentlichen Weisheitszähne, Zähne die aufgrund parodontaler Problematiken (Entzündungen des Zahnhalteapparats) entfernt werden müssen oder Zähne mit starkem Kariesbefall und hoffnungsloser Prognose.

Aktuell eignen sich Zähne mit einer Wurzelkanalbehandlung (noch) nicht.

Behandlungsablauf

Die extrahierten Zähne werden nach mechanischer Reinigung und intensiver Lufttrocknung zerkleinert. Anschließend werden die organischen Bestandteile entfernt, sodass nur noch der anorganische Teil des Zahnes verbleibt. Hierbei handelt es sich im Wesentlichen um Hydroxylapatit (ca. 85%).

Um den Knochenaufbau aus dem extrahierten Zahn an Ort und Stelle zu stabilisieren, hat sich die Abdeckung mit einer körpereigenen Membran (PRF: Platelet Rich Fibrin) als besonders sinnvoll gezeigt.

Hierbei handelt es sich um einen körpereigenen Stoff, der aus weißen Blutkörpern durch eine Blutentnahme gewonnen werden kann.

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