Hyposensibilisierung: Indikation, Ablauf und Nebenwirkungen

Dr. Moers-Carpi Privatpraxis

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© Peter Atkins - fotoliaHyposensibilisierungen beginnen am besten im Herbst. (© Peter Atkins - fotolia)Ob Hausstaub, Tierhaare, Bienen- und Wespengift, Unverträglichkeiten gegen bestimmte Nahrungsmittel, Hautirritationen bei gewissen Inhaltsstoffen von Kosmetika oder auch der gefürchtete Heuschnupfen: Allergien sind meistens mit sehr lästigen, manchmal sogar gefährlichen Symptomen verbunden.

Der beste Weg ist natürlich, den Allergieauslöser konsequent zu meiden. Doch das ist nicht immer so einfach - vor allem, wenn man unter Heuschnupfen leidet und die Pollen gerade überall fliegen. In vielen Fällen kann eine Hyposensibilisierung helfen. Hier erfahren Sie, wie diese Methode funktioniert.

Was ist eigentlich eine Allergie?

Eine Allergie ist eine Überreaktion des Immunsystems auf oft ganz harmlose Stoffe. Dazu zählen Pollen, Schimmelpilzsporen, Tierhaare, Kosmetika oder auch manche Nahrungsmittel. Bestandteile dieser Allergene interpretiert der Körper fälschlicherweise als Gefahr, weshalb das Immunsystem eine Abwehrreaktion startet.

Die Folgen sind bekannt:

  • tränende Augen
  • laufende Nase
  • Hautausschläge
  • in schwereren Fällen auch Asthma, Magen-Darm-Probleme, Kreislaufbeschwerden, Kopfschmerzen oder sogar allergische Schocks

Es gibt verschiedene Allergietypen, aber die weitaus meisten sind Typ-1-Allergien (Soforttyp). Das heißt, die Symptome treten direkt nach dem Kontakt mit dem Allergen auf.


Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Viele Allergien lassen sich zwar mit Medikamenten behandeln. Doch diese Mittel helfen nicht immer und meist nur kurzfristig. Außerdem haben sie zum Teil starke Nebenwirkungen. Hoffnung für viele Allergiegeplagte bietet eine Hyposensibilisierung. Diese Therapie sorgt in vielen Fällen langfristig für Besserung und bringt die Symptome häufig sogar ganz zum Verschwinden.


Was versteht man unter Hyposensibilisierung?

Die Hyposensibilisierung wird umgangssprachlich auch „Allergie-Impfung“, „spezifische Immuntherapie“ oder „Desensibilisierung“ genannt. Sie ist das einzige Verfahren, das bei der Ursache der Allergie ansetzt und nicht nur die Symptome bekämpft.

© Picture-Factory - fotoliaFür die Hyposensibilisierung ist Geduld notwendig. (© Picture-Factory - fotolia)Dabei wird der Körper allmählich an ein bestimmtes Allergen gewöhnt, sodass es beim Kontakt mit dieser Substanz nicht mehr zu Beschwerden kommt. Für diese Behandlung ist allerdings etwas Geduld nötig: Patienten werden über einen längeren Zeitpunkt hinweg immer wieder mit dem betreffenden Allergen in verdünnter und gereinigter Form in Kontakt gebracht. 


Wie verläuft die Behandlung?

Je nach Allergen werden im Wesentlichen zwei unterschiedliche Verfahren eingesetzt: die subkutane Immuntherapie (SCIT) mit Injektionen oder die sublinguale Immuntherapie (SLIT) mit Tropfen oder Tabletten.

Bei SLIT wird die allergieauslösende Substanz über die Mundschleimhaut aufgenommen. Für die meisten Patienten ist das SLIT-Verfahren angenehmer als die Spritzen, jedoch müssen die Präparate fast immer täglich eingenommen werden. Auch ist die sublinguale Therapie nur bei Pollenallergien ohne Befall der unteren Atemwege zu empfehlen. Bei allen anderen Allergien sind Injektionen erfolgversprechender und deshalb eindeutig das Mittel der Wahl.

Verzichten Sie 24 Stunden nach der Injektion auf Alkohol. Außerdem sollten Sie sich körperlich nicht überanstrengen.


Wie wirkt die Behandlung?

Sowohl bei den Injektionen als auch bei den Tropfen oder Tabletten wird die Dosis im Verlauf der Therapie immer weiter erhöht. Auch nach Erreichen der Höchstdosis wird sie in regelmäßigen Abständen weiterhin gegeben. Je nach Therapieverfahren täglich, monatlich oder in längeren Zeitabständen über drei Jahre hinweg.

Bei einer Allergie gegen Insektengift kann die Therapie sogar fünf Jahre lang dauern. Durch die ständige Konfrontation lernt der Körper, dass durch das Allergen keine Gefahr mehr droht. Er wird sozusagen „tolerant“. In vielen Fällen erreichen wir so eine wesentliche Linderung der Beschwerden und eine große Steigerung der Lebensqualität: Beim Heuschnupfen liegt die Erfolgsquote bei fast 90 %, im Falle einer Insektenallergie sogar bei 95 %!


© diego-cervo - iStockFrühling ohne Heuschnupfen (© diego-cervo - iStock)Was sind die Vorteile der Hyposensibilisierung?

Im Wesentlichen bringt eine Hyposensibilisierung folgende Vorteile:

  • Der Körper baut eine natürliche Toleranz gegen das Allergen auf.
  • Neuen Allergien und Asthma wird vorgebeugt.
  • Sie profitieren von einer anhaltenden Wirkung - auch nach der Therapie.
  • Symptome werden gelindert.
  • Es werden weniger symptomatisch wirkende Medikamente benötigt. Das bedeutet auch weniger Nebenwirkungen.
  • Sie genießen mehr Lebensqualität.


Ist mit Nebenwirkungen zu rechnen?

Ganz ohne ist die Hyposensibilisierung nicht. Schließlich werden dem Körper im Prinzip unverträgliche Substanzen zugeführt. Aber das Risiko ist beim bedachten Vorgehen eines erfahrenen Allergologen minimal. Meistens wird die Behandlung gut vertragen. Manchmal kommt es an der Injektionsstelle oder im Mund zu Rötungen, Schwellungen und Juckreiz - Symptome, die jedoch schnell wieder abklingen.

Manche Patienten berichten von Müdigkeit nach der Behandlung. In ganz seltenen Fällen kann es bei der subkutanen Hyposensibilisierung zu einem allergischen Schock kommen. Deshalb müssen Sie nach der Injektion zu Ihrer Sicherheit noch mindestens eine halbe Stunde in der Praxis bleiben. 


Welche (Kontra-)Indikationen gibt es?

Die Behandlung ist für alle Typ-1-Allergiker eine sehr gute Option. Sie kann sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen angewandt werden.

Bei

  • schwerem Asthma
  • Krebs
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • einem geschwächten Immunsystem
  • während einer Schwangerschaft

sollte keine Hyposensibilisierung erfolgen.

Wann sollte man am besten mit der Hyposensibilisierung starten?

Der Start der Behandlung ist prinzipiell jederzeit möglich. Wenn Sie jedoch unter einer saisonalen Allergie wie Heuschnupfen leiden, empfehlen wir, im Frühherbst mit der Hyposensibilisierung zu beginnen. Mit etwas Glück sprechen Sie schnell darauf an. Dann können Sie das nächste Frühjahr schon mit allen Sinnen genießen und den Pollen Paroli bieten.

Die Krankenkasse übernimmt die Kosten für die Hyposensibiliserung. Es steht also nichts im Wege, Heuschnupfen & Co. den Kampf anzusagen. 

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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