Senkung und Vorfall der Gebärmutter - Was tun?

Dr. Maria Niki Aigyptiadou

von
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© LittleBee80 – istockphoto.comEine Gebärmuttersenkung ist oft mit starken Unterleibschmerzen verbunden (© LittleBee80 – istockphoto.com)Die Gebärmuttersenkung ist ein häufiges Frauenleiden: Bis zur Hälfte aller Frauen sind betroffen. Im schlimmsten Fall ist die Gebärmutter sichtbar und fällt aus der Scheide, was als Gebärmuttervorfall bezeichnet wird. Im besten Fall ist die Gebärmuttersenkung gering und Sie müssen nichts dagegen tun. Lesen Sie hier, wie eine Gebärmuttersenkung entsteht, wie sie sich äußert, wann Sie zum Arzt gehen sollten und was in der Praxis passiert. 

Definition: Wenn die Gebärmutter absinkt

Nach einer Gebärmuttersenkung, auch Descensus uteri genannt, hängt die Gebärmutter ungewöhnlich tief im Becken. Sitzt die Gebärmutter so tief, dass sie zum Teil oder ganz durch die Scheide tritt, handelt es sich um einen Gebärmuttervorfall, auch Uterusprolaps genannt.

Eine Gebärmuttersenkung oder ein Gebärmuttervorfall wird von einer Scheidensenkung oder einem Scheidenvorfall begleitet. Das bedeutet, dass auch die Vagina nach unten absackt oder sie teilweise aus der Scheide heraushängt. Ähnliches kann auch der Blase passieren.  

Ungefähr 30 bis 50 Prozent der Frauen erleiden eine Beckenbodensenkung. Auch jüngere Frauen sind betroffen, insbesondere wenn ihr Bindegewebe geschwächt ist.

Ursache: Schwacher Beckenboden

Die Gebärmutter wird durch mehrere Strukturen, wie zum Beispiel Bänder, Bindegewebe und Beckenbodenmuskulatur, in der richtigen Position gehalten. Schwächen die Haltestrukturen der Gebärmutter ab, ist sie nicht mehr ausreichend stabilisiert und sie rutscht nach unten, wobei sie die Harnblase oder den Enddarm mitzieht.  

Die Risikofaktoren, die die Haltestrukturen der Gebärmutter schwächen und eine Gebärmuttersenkung begünstigen, sind:

  • zu viele Schwangerschaften, zu viele vaginale Geburten, zu schwere Embryos oder eine Kombination dieser Faktoren
  • Vaginalverletzungen bei der Entbindung oder kein Dammschnitt bei einer vaginalen Geburt
  • schwere körperliche Arbeit, die den Beckenboden über- oder fehlbelastet
  • Fettleibigkeit
  • chronische Bronchitis oder chronische Verstopfung, die den Druck im Bauchraum erhöhen
  • Bindegewebeschwäche, die oft genetisch bedingt ist
  • Fehlpositionierung der Gebärmutter während der Entwicklung des Embryos

© fotolia-HenrieSenkt sich die Gebärmutter spüren viele Frauen ein unangenehmes Druckgefühl im Unterleib (© fotolia-Henrie)Symptome: Unterleibsschmerzen und Fremdkörpergefühle in der Scheide

Viele Frauen haben eine leichte Gebärmuttersenkung, die unauffällig ist und keine Symptome verursacht.

Die ersten Beschwerden einer Gebärmuttersenkung sind Unterleibs- und Rückenschmerzen. Weitere Anzeichen sind ein ständiger Druck im Unterleib, insbesondere beim Sitzen, oder ein Fremdkörpergefühl, als wollte etwas aus der Scheide herausfallen.

Die Scheidenflora verändert sich im Laufe der Zeit, so dass es zu Entzündungen und Druckgeschwüren sowie zu einem blutigen Ausfluss kommt. Die Harnblase bleibt auch nicht verschont, was sich mit häufigem Wasserlassen, Schmerzen und einem abgeschwächten Harnstrahl äußert. Auch Belastungsinkontinenz kann auftreten, das heißt Harn geht beim Husten oder Niesen ungewollt ab. Später gibt es Harnwegsentzündungen, die Blase rutscht auch nach unten und in seltenen Fällen baut sich ein Urinstau Richtung Niere auf.

Rutscht die Gebärmutter nach unten und hinten, drückt sie auf den Enddarm und verursacht Verstopfung, Schmerzen beim Stuhlgang oder aber Stuhlinkontinenz.

Der Frauenarzt kann während der gynäkologischen Untersuchung die Gebärmutter ertasten und ihre Größe und Lage feststellen.  Eine Ultraschalluntersuchung des Unterbauchs rundet die Diagnose ab und hilft abzuschätzen, ob die Harnblase auch betroffen ist.

Behandlung nicht immer nötig

Eine Behandlung ist nur dann nötig, wenn die Erkrankung Beschwerden verursacht. Die Therapiemethode hängt vom Grad der Senkung, vom Alter der Frau und ihrem zukünftigen Kinderwunsch ab.

Beckenbodentraining

Handelt es sich um eine leichte Form der Gebärmuttersenkung, bildet sie sich mit Beckenboden-Gymnastik zurück. Das sind spezielle Übungen, die die abgeschwächten Muskeln des Beckenbodens stärken. Die Beckenboden-Gymnastik eignet sich auch als Vorsorge, zum Beispiel bei Schwangeren.

Hormontherapie

Bei Frauen in den Wechseljahren mit einer leichten Gebärmuttersenkung ist zusätzlich eine Hormontherapie hilfreich, wobei Medikamente in Form von Zäpfchen, Cremes oder auf einem Vaginalring lokal verabreicht werden.

© fotolia-KurhanIn schwere Fällen ist eine Operation notwendig - hier ist dringend der Rat Ihres Frauenarztes gefragt (© fotolia-Kurhan)Operationen

In schwereren Fällen ist eine OP möglich, entweder durch die Scheide oder durch einen Schnitt im Unterbauch. Während der Operation rafft der Arzt die Beckenmuskulatur und bringt die gesenkte Gebärmutter, Scheide, Blase oder den Enddarm in die richtige Lage.

Die Operation dauert ungefähr 30 bis 60 Minuten und wird unter Vollnarkose oder örtlicher Betäubung durchgeführt. Operierte Frauen müssen noch 2 Tage im Krankenhaus bleiben und einige Tage danach können sie ihr Alltagsleben wieder aufnehmen. In manchen Fällen besteht nach der OP die Gefahr für Probleme beim Wasserlassen und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr.

Eine weitere Möglichkeit ist das sogenannte Transvaginal-Mesh-Verfahren, bei dem der Arzt über die Scheide ein Netz zwischen Blase und Beckenboden einsetzt.

Wenn eine Frau mit fortgeschrittener Gebärmuttersenkung keinen Kinderwunsch mehr hat, wird die Gebärmutter entfernt und die Vagina wird in der Beckenhöhle mit einem speziellen Gewebestreifen fixiert. Bei Inkontinenz ist eine entsprechende Korrektur während der OP möglich.

Pessare

Bei Frauen, die nicht operiert werden können, kommen sogenannte Pessare zum Einsatz. Dabei handelt es sich um schalen-, würfel- oder ringförmige Strukturen aus Hartgummi oder Silikon. Der Arzt führt das Pessar in die Scheide ein, um die Gebärmutter zu stützen und die weitere Senkung aufzuhalten.

Pessare müssen regelmäßig gereinigt und alle 6 bis 8 Wochen neu eingelegt werden, damit eventuelle Reizungen vermieden werden. Sie wirken nur, wenn die Damm-Muskulatur noch stark genug ist.

Vorbeugung

Das Beckenbodentraining ist die beste Vorbeugung. Regelmäßiger Sport wie Schwimmen, Radfahren oder Laufen sind auch hilfreich. Darüber hinaus sollten Sie übermäßige körperliche Anstrengung meiden und keine schweren Gegenstände heben. Übergewichtige Frauen helfen sich, indem sie ihr Körpergewicht reduzieren.

Hausmittel

Kein Hausmittel kann eine abgesunkene Gebärmutter wieder in ihre Ausgangslage zurückbringen. In der Naturheilkunde werden jedoch regelmäßige Moorbäder empfohlen, weil sie die Durchblutung des Unterleibes und das Hormonsystem der Frau anregen sollen. Wissenschaftlich belegt ist das allerdings nicht.

© jameda GmbHEs gibt viele Möglichkeiten den Beckenboden zu trainieren - finden Sie die passende für sich! (© jameda GmbH)Beckenbodentraining: So einfach geht’s

Die Muskeln des Beckenbodens spüren Sie, wenn Sie die Schließmuskeln so zusammenkneifen, als wollten sie den Harnstrahl anhalten. Wenn sie das tun, spüren Sie, wie sich die Beckenbodenmuskeln nach oben und innen ziehen. Bauch, Po und Innenseiten der Schenkel sollten sich dabei nicht bewegen.

Sie können die Beckenbodenmuskulatur in mehreren Stellungen trainieren. Suchen Sie die beste für sich aus:

  • Sie sitzen auf einem Stuhl und spannen die Beckenbodenmuskeln so stark wie möglich an, ohne dass sich andere Muskel bewegen. Halten Sie die Anspannung 6 bis 8 Sekunden lang. Wiederholen Sie diese Kontraktion 10 Mal pro Sitzung und halten Sie 3 Sitzungen täglich ein. Das war’s!
  • Spreizen Sie die Beine im Stehen und legen Sie die Hände auf das Gesäß. Dann ziehen Sie die Beckenbodenmuskeln nach oben und innen, ohne dass sich die Po-Muskeln bewegen.
  • Während Sie auf dem Bauch liegen, winkeln Sie ein Bein an, um dann abwechselnd die Bauch-, die Gesäß- und die Beckenbodenmuskeln anzupassen, jeweils für die Dauer von 2 bis 3 Sekunden. Wiederholen Sie die Übung 8 Mal.
  • Sie knien mit leicht geöffneten Beinen auf dem Boden und legen den Kopf auf Ihre Hände. Dann heben Sie das Gesäß und ziehen die Knie zusammen, indem Sie die Beckenbodenmuskeln anspannen. Ebenfalls 8 Mal wiederholen.
  • Sie liegen auf dem Rücken mit leicht angezogenen Knien, heben das Gesäß, während Sie ausatmen, und ziehen den Bauch 2 bis 3 Sekunden lang ein. Nur noch 7 Mal wiederholen.
  • Sie sitzen im Schneidersitz, halten den Rücken gerade und stützen sich mit den Händen am Boden ab. Dann heben Sie die Beckenbodenmuskeln nach oben und innen. Nach 8 Mal sind Sie fertig.

Fazit

Jeder zweiten Frau passiert es: Die Gebärmutter kann sich nicht mehr in ihrer Position halten und rutscht langsam nach unten. Einige trifft es schwerer, insbesondere wenn sie harte körperliche Arbeit geleistet haben, fettleibig sind oder viele vaginale Geburten oder Schwangerschaften mit schweren Babys hinter sich haben. Leichte Gebärmuttersenkungen stören nicht und müssen nicht behandelt werden, schwerere können zu Harn- oder Stuhlinkontinenz führen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt – es gibt für alles Lösungen. Am besten ist aber die Vorsorge: Gewöhnen Sie sich an das tägliche Beckenbodentraining und Sie werden es nicht bereuen!

Quellen

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Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare zum Artikel (1)


22.02.2018 - 17:04 Uhr

Laut Artikel hat jede zweite Frau...

von Anja

... Gebärmuttersenkung/Vorfall. Es ist mir unverständlich,dass es dagegen nicht andere Möglichkeiten gibt. Dass es auch eine Laserbehandlung gibt, habe ich hier in diesem Artikel zum ersten Mal gelesen aber noch nie von meinem Frauenarzt gehört. Gut, dass es solche Portals wie dieses hier, gibt!


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