Pilzerkrankungen der Haut: Welche Ursachen und Symptome es gibt und welche Hausmittel helfen

Dr. Maria Niki Aigyptiadou

von
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© fotolia-flucasHautpilzerkrankungen zeigen sich oft durch stark gerötete und brennende Haut (© fotolia-flucas)Rötungen, Schuppungen, Juckreiz und Brennen können Anzeichen eines Hautpilzes sein. Lesen Sie hier, welche Ursachen dahinter stecken, wie die Erkrankung diagnostiziert und behandelt wird und wie Sie die Therapie am besten unterstützen können.

Definition und Häufigkeit

Pilzerkrankungen der Haut, auch Mykosen genannt, sind Infektionen, die durch Ansteckung entstehen.

Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass 20 Prozent aller Menschen weltweit von Pilzerkrankungen der Haut betroffen sind – auch Kinder leiden darunter.

Ursachen: Dermatophyten, Hefen- und Schimmelpilze

Die Pilze werden meistens von Mensch zu Mensch übertragen, entweder durch direkten Körperkontakt oder indirekt durch kontaminierte Gegenstände. Selten stecken uns Tiere an.

Die häufigsten Pilze, die die Haut besiedeln, sind:

  • Dermatophyten: Sie ernähren sich hauptsächlich von Keratin, das in der Haut, den Haaren und den Nägeln vorkommt, nicht aber in den Schleimhäuten. Es gibt 3 Arten von Dermatophyten:
    - die Epidermophyten, die die oberste Hautschicht befallen und oft Fußpilz verursachen
    - die Trichophyten, die sich in Haarfolikeln und Nägeln wohlfühlen
    - die Microspori, die oft die Kopfhaut besiedeln
  • Hefenpilze: Sie infizieren Schleimhäute und können sich auf innere Organe ausbreiten. Ein bekannter Hefenpilz, der Candida albicans, verursacht die sogenannte ,,Windeldermatitis‘‘ im Intimbereich der Babys.
  • Schimmelpilze: Sie besiedeln die Schleimhäute von Menschen mit einem geschwächten Abwehrsystem und können sich auf innere Organe ausbreiten.

Landet ein Pilz auf Ihrer Haut, heißt das nicht unbedingt, dass Sie an einer Pilzinfektion erkranken werden. Faktoren, die Hautpilz begünstigen, sind:

  • Hautverletzungen, durch die die Pilze in die Haut eindringen können
  • Schwäche des Abwehrsystems, wie zum Beispiel bei Diabetes oder AIDS

Die Pilze gedeihen in feuchten und warmen Hautregionen, wie in den Leisten, den Achseln, den Zwischenräume der Zehen und der Finger sowie in der Haut unter den Brüsten bei Frauen.

Symptome: Jucken, Brennen, Rötung und Schuppung

Eine Pilzinfektion der Haut äußert sich mit Rötungen, Erwärmung und Schwellungen der betroffenen Stelle, die juckt und brennt. Die heftige Hautreaktion treibt den Verursacher fort vom Infektionsherd - er siedelt sich in anderen Hautregionen an und verbreitet sich so über den Körper. Es entstehen typische ringförmige Hautveränderungen. Je nachdem, welchen Hautabschnitt der Pilz befallen hat, kommt es zu weiteren Beschwerden.

Pilzinfektionen der behaarten Haut

Es gibt 2 Arten dieser Pilzinfektion: die Tinea faciei im Gesicht und die Tinea corporis an Rumpf und Gliedmaßen. Die Erreger dringen in den Haarfollikel und den Haarbalg ein und verursachen Haarausfall und rötliche, schuppige Hautflecken, die sich ringförmig ausdehnen. Wenn die Pilze tiefer in die Haut gelangen, wie es oft bei Bärten der Fall ist, bilden sich auch Pusteln, knotige Hautveränderungen und Abszesse.

Leistenpilz

Der Leistenpilz äußert sich mit fleckförmigen Rötungen an der Innenseite der Oberschenkel, die sich an Hodensack, Penis und Po ausbreiten und ein Brennen verursachen.

Handpilz

Meistens überträgt sich der eigene Fuß- oder Nagelpilz auf die Hand. Er äußert sich mit kleinen Bläschen und schuppigen Herden, die später schmerzhafte Risse entwickeln.

Kutane Candidiasis

Der Hefepilz Candida befällt meistens Schleimhäute und Hautfalten. Ist die Mundschleimhaut betroffen, entstehen weiße Flecken und bräunliche Beläge. Weitere Beschwerden sind Mundtrockenheit und brennende Schmerzen.

© wildworx - fotoliaDurch das feuchte Klima in Schuhen sind die Füße besonders anfällig für Pilzerkrankungen (© wildworx - fotolia)Fußpilz

Der Fußpilz, der häufigste aller Hautpilzinfektionen, tritt entweder zwischen den Zehenzwischenräumen oder auf der Fußsohle und seltener  im Fußgewölbe auf. Er äußert sich mit geröteter, juckender oder sich schuppender Haut.

Kleienpilzflechte

Die Kleienpilzflechte ist eine harmlose, oberflächliche Hefepilzerkrankung der Haut. Sie äußert sich mit bis zu münzgroßen, kreisförmigen, dunkleren oder helleren Flecken.

Seborrhoisches Ekzem

Das seborrhoische Ekzem ist ein schuppiger Hautausschlag auf der Kopfhaut und im Gesicht.

Diagnose: Erregernachweis

Einige Pilzarten sind mit einer speziellen Lampe direkt auf der Haut erkennbar. Die Diagnose basiert allerdings auf dem Nachweis des Erregers entweder durch die direkte mikroskopische Untersuchung einer Hautprobe oder durch die Anzucht des Erregers auf einem speziellen Nährboden. Die Befunde helfen dem Arzt, die richtige Therapie auszuwählen.

Behandlung: Antimykotika

Pilzinfektionen sind hartnäckig und oft schwer zu heilen. Meistens helfen Antimykotika in Form von Lösungen oder Salben, die lokal angewendet werden. Welches Antimykotikum geeignet ist, hängt vom Erreger ab. Die Antimykotika hemmen die Vermehrung der Pilze oder töten sie ab.

Die wichtigsten Substanzklassen sind:

  • die Azol-Antimykotika, die den Aufbau eines Bestandteiles der Pilzzellwand verhindern und gegen Dermatophyten und Hefepilzinfektionen wirken
  • die Allylamine, die den Pilzstoffwechsel verändern und die Dermatophyten abtöten
  • das Amorolfin, das ähnlich wie die Azol-Antimykotika wirkt und gegen Dermatophyten und Candida eingesetzt wird
  • die Hydorxapyridone, die toxische Sauerstoffverbindungen bilden und die Pilze dadurch abtöten
  • die Polyen-Antimykotika, die gegen Hefenpilz wirken
  • das Grisefulvin, das gegen Dermatophyten hilft

Die Dauer der Behandlung kann mehrere Monate in Anspruch nehmen und hängt von der Intensität des Pilzbefalls, der Abwehrlage des Körpers, der Wahl des richtigen Medikaments und seiner Dosierung ab. Nachdem der Hautpilz abklingt, muss das Antimykotikum mindestens noch 3 bis 4 Wochen angewendet werden, um einen Rückfall zu verhindern.

Sind tiefe Hautschichten vom Pilz befallen oder droht eine Ausbreitung über die Blutbahnen, werden Antimykotika als Tabletten eingenommen oder sogar gespritzt.

 

© Kzenon - FotoliaIndem Sie infizierte Haut trocken halten und strenge Hygieneregeln einhalten können Sie Pilzerkrankungen eindämmen bzw. ganz vermeiden (© Kzenon - Fotolia)Hausmittel unterstützen die Therapie

Mit folgenden Hausmitteln können Sie die Behandlung unterstützen:

  • Der infizierte Hautabschnitt muss trocken gehalten werden.
  • Bei Fußpilz sprühen Sie Ihre Schuhe regelmäßig mit einer pilztötenden Substanz ein.
  • Bei Pilzinfektionen in der Nähe vom Intimbereich oder unter den Brüsten nutzen Sie fungizide Puder.
  • Vermeiden Sie ausgedehnte Bäder, weil sie die Haut anschwellen lassen und das Eindringen der Pilze begünstigen.
  • Benutzen Sie Unterwäsche, Handtücher und Waschlappen nur einmal und waschen Sie sie im Intensivprogram bei mindestens 60 Grad Celsius.
  • Betreten Sie Teppichböden, Badematten, die Böden in Schwimmbädern, Umkleideräumen und Duschkabinen nicht barfuß.

Naturheilmittel, wie zum Beispiel Teebaumöl oder Lavendelöl, können zusätzlich lokal angewendet werden und verstärken die Wirkung der Antimykotika vor deren Nutzung. Außerdem wird der Sonnenhut empfohlen, weil er das Abwehrsystem stärkt. Viele Menschen reagieren aber allergisch auf Sonnenhut, deswegen ist er mit Vorsicht zu nutzen und darf die antimykotische Therapie nicht ersetzten.

Die richtige Ernährung kann Ihre Pilzbehandlung auch unterstützen. Vermeiden Sie Kohlenhydrate, wie Zucker, aber verzichten Sie nicht auf Obst.

Auch die Homöopathie kennt Mittel gegen Pilze:  Die Substanzen Mercurius corrosivus und Mercurius solubilis sollen den Juckreiz, der die Pilzinfektionen begleitet, lindern.

Fazit

Pilze sind überall und befallen unsere Haut, wenn sie verletzt ist oder wenn unser Abwehrsystem gerade geschwächt ist. Der Hautpilz ist lästig und die Therapie langwierig, deswegen ist es wichtig, den Erreger nachzuweisen, um das richtige Medikament zu finden. Mit strengen Hygienemaßnahmen, der richtigen Ernährung, Naturheil- oder homöopathischen Mitteln können Sie Ihre Hautpilzbehandlung unterstützen.

Links

Informationen des Robert Koch-Instituts über Mykosen (Pilzinfektionen)
Deutschsprachige Mykologische Gesellschaft
Österreichische Gesellschaft für Medizinische Mykologie
www.2m2-haut.de - Website der Präventionskampagne Haut der gesetzlichen Kranken- und Unfallversicherung
www.haut.de - Website der Arbeitsgemeinschaft ästhetische Dermatologie und Kosmetologie
www.derma.de - Website der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft
Berufsverband der Deutschen Dermatologen

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Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare zum Artikel (2)


10.02.2018 - 19:50 Uhr

Vielen Herzlichen Dank. mfg.

von Mitschuler

16.01.2018 - 02:38 Uhr

Ich finde diese Berichte sind intressant und...

von Christian Z.

... aufschlussreich. Aber was ich ein wenig enttäuschend fand: Man hätte dazu schreiben können, wie lange die eine oder andere Therapie so ungefähr dauern könnte.


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