Effektiv bei Borderline: Die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT)

CIP Klinik Dr. Schlemmer

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© Andrzej Wilusz - fotoliaDie Dialektisch-Behaviorale Therapie ist eine gute Möglichkeit um das Borderline-Syndom zu behandeln (© Andrzej Wilusz - fotolia)Die moderne Psychosomatik setzt heute auf Behandlungsprogramme, die störungsorientiert, also konkret auf die jeweilige Erkrankung zugeschnitten sind. Das hat den großen Vorteil, dass der Patient genau die Behandlung erhält, die zu seiner Erkrankung passt – und das macht die Therapie besonders wirkungsvoll.

Ein prominentes Beispiel ist die Dialektisch-Behaviorale Therapie, kurz DBT, die ihren Ursprung in den 1980er Jahren hat. Sie basiert auf der kognitiven Verhaltenstherapie, integriert aber auch Elemente anderer Therapierichtungen wie beispielsweise Meditationstechniken. Laut den Leitlinien der führenden Fachgesellschaften (AWMF) ist die DBT momentan eine der erfolgreichsten Methoden zur Behandlung von Borderline-Störungen. Studien zeigen, dass etwa 60 Prozent der Borderline-Patienten sehr gut und dauerhaft von einer dreimonatigen DBT-Therapie profitieren.

Die amerikanische Psychologin Marsha M. Linehan entwickelte die Therapie ursprünglich als ambulantes Behandlungskonzept für chronisch suizidgefährdete Patienten mit Borderline-Störung. Inzwischen wird sie aber auch im stationären Bereich angewandt – und abgewandelt für weitere Erkrankungen wie EssstörungenDepressionen oder Posttraumatische Belastungsstörungen.

Was bedeutet Borderline?

In Deutschland leiden etwa 1,5 Prozent der Menschen unter einer Borderline-Persönlichkeitsstörung, die meist in der Pubertät beziehungsweise im jungen Erwachsenenalter beginnt. Viele der Patienten haben körperliche oder sexuelle Gewalt erlebt und zu wenig emotionale Zuwendung erhalten.

Bei der Erkrankung handelt es sich um eine schwerwiegende Störung der Emotionsregulation. Das bedeutet, dass die Betroffenen nicht in der Lage sind, richtig mit ihren Gefühlen und Impulsen umzugehen und sie zu kontrollieren. Begleitet wird diese Problematk meist von tiefgreifenden Störungen des Selbstbildes und der zwischenmenschlichen Interaktion.

Häufig treten plötzlich Situationen auf, in denen der Patient unter emotionaler Hochspannung steht und vorübergehend nicht mehr rational denken und reagieren kann. Die emotionale Schwelle liegt extrem niedrig, die Intensität ist hoch und es dauert lange, bis sich die Emotionen wieder auf das Ausgangsniveau regulieren.

Davon ausgehend entwickeln sich unterschiedliche, schwerwiegende dysfunktionale Verhaltensmuster: So folgt der Patient häufig Impulsen, ohne an die Konsequenzen zu denken, seine Stimmung ist launenhaft und es kommt immer wieder zu Auseinandersetzungen mit anderen. Außerdem erlebt er wiederholt depressive Phasen, empfindet ein chronisches Gefühl der Leere und bemüht sich verzweifelt, Alleinsein zu vermeiden.

Häufig führt das zu aggressivem und selbstschädigendem Verhalten bis hin zum Selbstmord. Mittelfristig treten auch soziale Probleme wie Arbeitslosigkeit oder Armut auf, und es werden oft Partnerschaften mit ebenfalls psychisch erkrankten Personen eingegangen.

© evgenyatamanenko - fotoliaVielen Patienten mit Borderline fällt es schwer richtig mit Ihren Emotionen umzugehen (© evgenyatamanenko - fotolia)Die Therapie im Überblick

Borderline ist eine sehr komplexe Störung – sie beeinträchtigt den Alltag der Patienten enorm. Je früher man mit einer Therapie anfängt, desto erfolgversprechender ist sie. Die DBT basiert weitgehend auf etablierten kognitiv-behavioralen Methoden, integriert jedoch eine Vielzahl von Strategien und Techniken aus anderen Traditionen wie dem Zen. Letzteres vermittelt insbesondere die Kunst, schweres Leiden und erlittene Traumatisierungen anzunehmen.

Die modulare Therapie basiert damit auf einem breiten Spektrum an wissenschaftlich fundierten Methoden, berücksichtigt aber auch individuelle Besonderheiten der Borderline-Störung. Einen besonderen Stellenwert hat die dialektische Betrachtungsweise, das heißt die dauerhafte Balance, Dinge so zu akzeptieren, wie sie sind und wie sie waren, und neue Kraft dafür aufzubringen, etwas zu verändern.

Im Rahmen der DBT erlernen Borderline-Patienten Fertigkeiten, mit denen sie trotz starker emotionaler Belastung angemessen reagieren und langfristig die multiplen Krisen verhindern können. Die Therapeuten sind daher in erster Linie Trainer, die Fachwissen und spezielle Methoden vermitteln, um diese Ziele zu erreichen. Die DBT hilft den Patienten, ihre Einstellung zu sich selbst, zu ihren eigenen Werten und Fähigkeiten sowie zu anderen Menschen zu überprüfen. Manchmal müssen alte Überlebensregeln auch durch neue Lebensstrategien ergänzt werden.

Verhaltensmuster überwinden

Im Zentrum der Behandlung steht die Verbesserung der Affektregulation, also die Art, wie Borderline-Patienten mit ihren Gefühlen umgehen. Dazu werden spezifische Fertigkeiten vermittelt, auch Skills genannt, durch die Patienten die bisherigen Hochstress-Situationen besser bewältigen können. Dabei lernen sie, sich und ihre Gefühle besser zu steuern und ihr Verhalten schrittweise „umzuprogrammieren“, um ihren Alltag besser meistern zu können. Zusätzlich wird am Selbstwertgefühl und der Bereitschaft zur Veränderung gearbeitet.

Darüber hinaus werden den Patienten Wege aufgezeigt, wie sie mit sich selbst, aber auch mit zwischenmenschlichen Beziehungen, beispielsweise mit Freunden und Verwandten, besser umgehen können. Das Ziel ist, bislang unkontrollierte Prozesse berechenbar zu machen, belastende Denk- und Verhaltensmuster zu reduzieren und stattdessen Problemlösungsstrategien an die Hand zu geben, die das Selbstwertgefühl aufbauen und positive Aktivitäten fördern. Kurz: den Patienten den Umgang mit Gefühlen, Stress und anderen Menschen zu erleichtern.

Das intensive Therapieprogramm beinhaltet eine Reihe von ineinander greifenden Bausteinen, die klar strukturiert sind und dennoch genügend Raum lassen, um sie individuell auf den Einzelnen anzupassen. Im Mittelpunkt steht die verhaltenstherapeutisch orientierte Einzel-Psychotherapie, bei der Patient und Therapeut im Zweier-Gespräch die Probleme intensiv besprechen können.

Zusätzlich wird viel mit Gruppen gearbeitet, in denen sich die Patienten auch untereinander austauschen, motivieren und unterstützen können. Zu diesen Gruppentherapien zählen unter anderem Fertigkeiten-Training, eine themenzentrierte Gruppe, die sogenannte Basisgruppe, Achtsamkeitstraining, Kunsttherapie sowie Körper- und Entspannungstherapie.

©fotolia-frankie'sDie Therapie sollte sich an den Patienten anpassen - und nicht umgekehrt. (©fotolia-frankie's)Fazit

Für eine erfolgreiche Therapie ist es immer wichtig, den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Denn jeder Mensch – und somit auch jede psychische Erkrankung – ist einzigartig. Die Behandlung sollte sich daher an den Patienten und nicht der Patient an die Behandlung anpassen müssen. Die DBT gibt uns die Möglichkeit, auf ein wissenschaftlich fundiertes Konzept zurückzugreifen und es dank der verschiedenen Bausteine dennoch individuell auf den Patienten zuzuschneiden.  

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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