Fersensporn: Was tun, wenn Fersenschmerzen nicht weggehen?

Dr. Gassen

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©fotolia-73489825-AntonioguillemNehmen Sie Fersenschmerzen nicht auf die leichte Schulter! (©fotolia-73489825-Antonioguillem)Sie leiden seit langem unter Fersenschmerzen und haben bereits verschiedene Behandlungen mit unterschiedlichen Ergebnissen hinter sich? Bei einigen Betroffenen können Fersenschmerzen erfolgreich mit Osteopathie behandelt werden, bei Anderen helfen bereits Einlagen oder die Stoßwellen-Therapie. Es kann jedoch auch vorkommen, dass sich die Beschwerden nur gering oder gar nicht verbessern - selbst eine Verschlechterung durch die falsche Behandlung ist möglich. Doch woran liegt das?
 

 

Falsche Diagnose 

Der entscheidende Fehler entsteht bereits im Rahmen der ersten Diagnosestellung. Entweder erfolgt die Diagnose nur aufgrund der lokalen Schmerzen oder anhand eines Röntgenbildes. In vielen Fällen wird dieser „Fersensporn“ zufällig entdeckt, z.B. wenn aus einem anderen Grund ein Röntgenbild vom Fuß angefertigt wird. Die im Röntgenbild auffallende Kalkablagerung im Ansatzbereich der Sehne ist zunächst jedoch ohne Bedeutung. Sie lässt lediglich darauf schließen, dass hier eine Entzündung mit Kalkablagerung stattgefunden hat. Die Kalkablagerung entsteht jedoch über Monate oder Jahre und liegt oftmals bereits lange zurück - in vielen Fällen erinnern sich Betroffene deshalb nicht mehr an Fersenschmerzen.

Wenn die Entzündung abgeklungen ist, bleibt der Kalk im Sehnenansatz, eine fortbestehende Reizung oder gar Schmerzhaftigkeit geht von ihm dann nicht mehr aus.

Fazit: Der im Röntgenbild zu sehende knöcherne Fersensporn ist zumeist ohne Bedeutung!


Ursache der Schmerzen

© Dr. GassenVerdickte Sehne am Fersenbein im Ultraschall. Zusätzlich sieht man (rot) ein Blutgefäß als Zeichen der Entzündung (© Dr. Gassen)Zumeist entsteht die Entzündung im Ansatz der Sehne im Übergang zum Knochen. Um die Entzündung der Sehne zu behandeln, ist es vor allem wichtig, den Grad der Entzündung festzustellen.

Allgemein gilt

Je größer die Entzündung ist, desto mehr Entlastung benötigt der Fuß. Dies erklärt auch, warum bestimmte Behandlungen schmerzverstärkend wirken. Wird die stark entzündete Sehne mit Stoßwellen oder intensiven Massagen behandelt, kann sich die Entzündung und damit der Schmerz extrem verstärken.

Ist der Patient trotz der Beschwerden weiterhin sportlich aktiv, kann es im ungünstigsten Fall sogar zu einem Riss oder Teilriss der Sehne kommen.


Chronische Fersenschmerzen

Der zweite Fehler betrifft Patienten und Behandler zugleich. Oft wird zu lange gewartet und auf eine Besserung gehofft. Sehnenentzündungen - hier ganz besonders die Entzündung der langen Fußsohlensehne - bergen ein großes Risiko für einen chronischen Krankheitsverlauf.
 

Diagnostik im Ultraschall

Es ist deshalb wichtig, von Beginn an die richtige Strategie festzulegen. Bei jedem Fersenschmerz kann schnell über eine Ultraschalluntersuchung festgestellt werden, ob und wie stark die Sehne verdickt ist (s. Bild). Wenn „nur“ leichte Schmerzen bestehen und im Ultraschall keine Verdickung oder Entzündung der Sehne auffällt, können Sie beruhigt abwarten und z.B. ein leichtes Exzentriktraining beginnen.

Zeigt sich im Ultraschall aber eine Verdickung der Sehne, ist Vorsicht angesagt. Wahrscheinlich besteht die Reizung dann schon länger und nicht erst seitdem die Schmerzen auftreten. In dem Fall sollte eine genaue Untersuchung erfolgen, um den Grad der Entzündung zu bestimmen. Mit den Ergebnissen kann dann eine stadiengerechte Behandlung erfolgen.

Von Anfang an müssen zudem Fehlbelastungen berücksichtig werden - sonst ist es wie bei einem Auto mit verstellter Spur, Reifenwechsel allein behebt nicht das Problem!
 

Fazit

  • Bei Fersenschmerzen von Anfang an genau hinschauen!
  • Keine Behandlung ohne Ultraschalldiagnostik - bei länger anhaltenden Beschwerden MRT ergänzen!
  • Stadienbezogen konsequente Behandlung:
  1. Bei fehlender Entzündung: Gezielte Dehnungsübungen und Training sowie Dehnen der Wade!
  2. Bei Entzündung: Entlastung und Vermeidung von schmerzhaften Belastungen
  3. Konsequente Kontrollen des Therapieverlaufes: Bei fortbestehenden Beschwerden zusätzliche Behandlungsmethoden, gegebenenfalls Injektionen (Zellen aus Eigenblut, Botulinumtoxin, Proliferationstherapie), kein Cortison!

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare zum Artikel (1)


07.12.2017 - 12:52 Uhr

Gerade bei der plantaren Fasciitis hilft die...

von Dr. Zeckey

... Stoßwelle hervorragend daher genau hinschauen. Welche Behandlung im Einzelfall sinnvoll ist entscheidet der Arzt. Einlagen mit Fersenweichbettung helfen in den meisten Fällen bereits. Ruhigstellung ist eher nicht hilfreich


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