Ist es Migräne? Ursachen, Auslöser und Symptome erkennen

Dr. Maria Niki Aigyptiadou

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©fotolia-logo3in1Je nachdem wo der Schmerz ansetzt, lässt er sich einer bestimmten Art von Kopfschmerz zuordnen (©fotolia-logo3in1)Bei Migräneattacken handelt es sich nicht um gewöhnliche Kopfschmerzen - dennoch sind sie oft schwer zu erkennen. Millionen Deutsche leiden darunter. Lesen Sie hier, was eine Migräne ist, was die Ursachen und Symptome sind und wie Sie Migräneattacken vorbeugen können.

Definition: Was ist Migräne?

Starke Schmerzen an einer Kopfhälfte sind typisch für eine Migräne, die sich oft mit bestimmten Symptomen ankündigt und die Betroffenen mit weiteren Begleiterscheinungen quält. In Deutschland leiden ungefähr 6 Prozent aller Männer und 17 Prozent aller Frauen darunter.

Ursachen und Auslöser: Woher kommt Migräne?

Unabhängig davon, ob sie mit einer Aura einhergeht oder nicht, ist der Grund für Migräne neurologisch und organisch. Es handelt sich um eine genetische Veranlagung, die das Gleichgewicht bestimmter Botenstoffe im Gehirn kippt und erhöhte Schmerzempfindlichkeit verursacht.

Gegen die Ursache können Forscher leider nichts unternehmen, jedoch können Betroffene ihre individuellen Auslöser identifizieren und vermeiden, so dass sie ihr Leiden vermindern. Ob Stress oder Flackerlicht, Kälte oder Hitze mit starker Sonneneinstrahlung, alkoholische Getränke oder bestimmte Lebensmittel, wichtig ist es, ein Migränetagebuch zu führen und zu erfassen, in welchen Situationen die Migräne aufgetreten ist. Nahrungsmittel, die mit Migräneattacken in Verbindung gebracht werden, sind Kaffee, Schokolade, Tee, Milchprodukte, Glutamat, Wurstwaren, Rotwein, Käse, Bananen und Zwiebeln.

Eine individuelle Ernährung kann sehr hilfreich für die Vorbeugung von Migräneattacken sein. Auch Lärm, Änderungen des Schlaf-Wach-Rhythmus, Aufenthalt in großen Höhen und in manchen Fällen auch Sport lösen Migräneattacken aus.  

Auch ein Wetterumschwung macht sich bei anfälligen Migränepatienten oft bemerkbar. Das Wetter ist zwar nicht veränderbar, dennoch kann man seine Pläne an die Wettervorhersage anpassen.

© 9nong - FotoliaWas sind Kopfschmerzen und was ist Migräne? (© 9nong - Fotolia)Migräne oder Kopfschmerzen?

Der Unterschied zwischen Migräne und Kopfschmerzen ist manchmal schwer erkennbar. Anzeichen für Migräne sind einseitige, starke Schmerzen mit verschiedenen Begleiterscheinungen, die Menschen so sehr leiden lassen, dass sie oft ihren alltäglichen Pflichten nicht nachgehen können.

Ein Migräne-Test hilft festzustellen, ob es sich bloß um Kopfschmerzen oder um eine Migräne handelt. Der Selbsttest fragt:

  • ob die Schmerzen ein- oder beidseitig auftreten
  • welche Kopfregion genau schmerzt
  • wie sich die Schmerzen beschreiben lassen
  • ob es Begleiterscheinungen gibt oder nicht
  • wie belastend die Schmerzen sind

Migräne mit Aura: Beschreibung und Häufigkeit

Die sogenannte ,,Aura‘‘ kündigt oft eine Migräne an und gilt somit als ihr Vorbote. Es handelt sich um eine vorübergehende Sehstörung, wobei sternartige, flimmernde, ausstrahlende, langsam abwechselnde oder gezackte Formen einen halbseitigen Verlust des Sehens verursachen. Die Aura beginnt ungefähr 30 Minuten vor der Schmerzattacke und betrifft ungefähr 10 % aller Migränepatienten. Eine Migräne mit Aura, aber ohne Kopfschmerzen ist auch möglich, jedoch selten.

Migräne: Begleiterscheinungen  

Eine Migräneattacke kommt selten allein. Die meisten Patienten leiden gleichzeitig unter einer oder mehreren Begleiterscheinungen, wie zum Beispiel:

  • Schwindel, Ohrgeräusche
  • Appetitlosigkeit, Übelkeit
  • Erbrechen, Durchfall
  • Fieber, Frieren, Glieder- und Gelenkschmerzen
  • Müdigkeit
  • Taubheit, Kribbeln und wiederholtes Gähnen
  • Sprachstörungen
  • Sehstörungen, Augenflimmern und Augendruck
  • Lähmungserscheinungen
  • Licht-, Lärm- und Geruchempfindlichkeit
  • Schmerzen an den Zähnen
  • Schweißausbruch, Herzrasen, Ohnmacht

Starke Migräneattacken lösen komplizierte Vorgänge im Körper aus und können zu Schlaganfall oder epileptischen Krisen führen. Darüber hinaus können Migräneattacken, die tagelang andauern, den Alltag stark beeinflussen, die Lebensqualität beeinträchtigen und sich negativ auf die Psyche auswirken.

© granata68 - fotoliaDa auch Kinder von Migräne betroffen sein können, sollten Symptome ernst genommen werden (© granata68 - fotolia)Migräne hat viele Gesichter

Bei Kindern ist die sogenannte ,,Bauchmigräne‘‘ häufig, die sich mit periodischen, krampfartigen Bauchschmerzen, Blähungen, Blässe, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen und Durchfällen äußert. Oft werden die armen Kinder beschuldigt, die Beschwerden zu simulieren. Glücklicherweise werden die meisten betroffenen Kinder nach der Pubertät davon befreit.  

Bei Frauen hängt die Wahrscheinlichkeit einer Migräneattacke oft von Hormonschwankungen ab. Wenn die Migräne vor der Periode auftaucht, sprechen Experten von der hormonellen oder menstrualen Migräne. Es kann auch vorkommen, dass Frauen nur in den Wechseljahren unter Migräneattacken leiden. Eine Migräne kann auch durch die Einnahme der Anti-baby Pille ausgelöst werden.

Eine seltene schwere Migränevariante ist die hemiplegische Migräne, die bei 80 bis 90 Prozent der Fälle von einer vorübergehenden motorischen Schwäche begleitet wird, oft mit sogenannten ,,basilären‘‘ Symptomen, wie zum Beispiel Schwindel, Ohrgeräuschen und Hör- und Gleichgewichtsstörungen. Bei 10 bis 20 Prozent der Betroffenen jedoch treten die Symptome dauerhaft auf und führen zur Schwerbehinderung.

Wie lange dauert eine Migräne?

Ein Migräneanfall kann tagelang dauern. Die Dauer ist unterschiedlich und kann die Opfer von 4 bis 72 Stunden quälen.

Oft beginnt sie morgens, kommt aber auch gern nachts zu Besuch, wenn man zur Ruhe kommt.

Von einer chronischen Migräne sprechen Ärzte, wenn die Symptome an mehr als 15 Tagen pro Monat über mindestens 3 Monate vorkommen.

Diagnostik: lebensgefährliche Erkrankungen ausschließen

Die Migräne ist anhand der Symptome und der Familiengeschichte erkennbar. Der Facharzt muss allerdings sicherstellen, dass nicht andere Erkrankungen hinter den Symptome stecken, wie zum Beispiel ein Hirntumor oder eine gefährliche Gefäßfehlbildung, die zur tödlichen Hirnblutung führen könnte, ein epileptischer Anfall oder eine plötzliche, starke Erhöhung des Blutdrucks.

Deswegen sind eine klinische neurologische Untersuchung, die Messung des Blutdrucks, Röntgenaufnahmen des Kopfs und eine Computer- oder Kernspintomografie wichtig. Darüber hinaus werden die großen Arterien am Hals und Nacken, die zum Gehirn absteigen, mit Ultraschall untersucht. Die elektrischen Hirnströme wiederum nimmt ein Elektroenzephalogramm unter die Lupe.

© dulezidar_iStockNeben medikamentöser Behandlung ist es wichtig, dass Sie sich in einem ruhigen Umfeld aufhalten (© dulezidar_iStock)Behandlung: Entspannung und Medikamente

Die Migräne ist leider nicht heilbar. Entspannungsmaßnahmen und Medikamente helfen, die Symptome zu lindern und die Anfallshäufigkeit zu bremsen.

Ruhe, Entspannung und ausreichender Schlaf sorgen dafür, dass Migräneattacken seltener auftreten und nicht so lange andauern. Hilfreiche Maßnahmen sind ein regelmäßiger Tagesablauf, die individuellen Migräneauslöser vermeiden, eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige körperliche Bewegung, aber nicht während einer Migräneattacke, und die Entspannungsmethode finden, die zu Ihnen passt, wie zum Beispiel:

  • Biofeedback-Therapie, eine Methode, bei der biologischeVorgänge, die normallerweise nicht kontrollierbar sind, dem eigenen Bewusstsein zugänglich gemacht werden
  • die progressive Muskelentspannung nach Jacobson, bei der einzelne Muskelgruppen nacheinander von Kopf bis Fuß für einige Sekunden angespannt und dann locker gelassen werden, so dass die Entspannung spürbar wird
  • Autogenes Training, durch das eine selbstinduzierteBeeinflussung der Psyche möglich ist
  • Weitere Entspannungsmethoden: Kopfmassagen, Yoga, Tai-Chi, Akupunktur

Medikamentöse Therapie zur Behandlung einer Migräneattacke:

  • schmerzlindernde Medikamente, wie zum Beispiel Ibuprofen, Naproxen, Paracetamol und ASS
  • Triptane, wie zum Beispiel die Substanzen Almotriptan, Naratriptan und Sumatriptan, die die Gehirngefäße zusammenziehen und somit die entstandene Durchblutungsstörung beheben

Vorbeugende Medikamente, die langfristig eingenommen werden:

  • Betablocker, wie zum Beispiel Propranolol oder Metoprolol
  • Magnesium

Fazit

Wenn Sie Ihre Kopfschmerzen einfach erdulden und selbst ,,behandeln‘‘, denken Sie noch einmal darüber nach. Sollten Sie eine Migräne vermuten, gehen Sie zum Arzt und lassen Sie andere Ursachen ausschließen, die ähnliche Symptome hervorrufen. Finden Sie heraus, was bei Ihnen die Migräneattacken auslöst und vermeiden Sie die entsprechenden Faktoren. Mit der geeigneten Entspannungsmethode und Medikamenten lässt sich die Häufigkeit der Anfälle deutlich senken.

Links

Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft
Deutsche Schmerzliga
Deutsche Schmerzhilfe
Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes
Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Schmerztherapie
Berufsverband Deutscher Nervenärzte
Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde
Deutsche Gesellschaft für Neurologie

Quellen

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Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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