Artikel 18/02/2013

Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes: Risiko durch Parodontitis

Dr. med. M.Sc. Bernhard M. Brinkmann Mund-Kiefer-Gesichtschirurg
Dr. med. M.Sc. Bernhard M. Brinkmann
Mund-Kiefer-Gesichtschirurg
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Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Patienten, die an einer Parodontitis leiden, auch ein erhöhtes Risiko für Rheuma, Diabetes, Schlaganfall oder sogar für Herzinfarkt haben. Was haben Zähne und Zahnfleisch mit diesen schweren Erkrankungen zu tun?

Es ist leider immer noch zu wenig bekannt, wie wichtig gesunde Zähne und gesundes Zahnfleisch für den gesunden menschlichen Organismus insgesamt sind. Mitverursacher gefährlicher Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind sogenannte atherosklerotische Plaques, durch Ansammlung von Bakterien hervorgerufene entzündliche Stellen in den großen Blutgefäßen. Die Bakterien können von Entzündungsherden im Zahnfleisch stammen, werden vom Blutkreislauf in die Gefäße transportiert und können dort zu einem verminderten Blutdurchfluss führen.

Parodontitis und Herzinfarkt

Es liegen zwar noch keine gesicherten Erkenntnisse über eine direkte Kausalität vor. Eine viel beachtete aktuelle Untersuchung der American Heart Association weist aber darauf hin, dass Parodontitis und Krankheitsbilder wie Herzinfarkt oder Schlaganfall sehr oft in einem deutlichen Zusammenhang stehen.

Parodontitis erkennen

Am sichersten lässt sich Parodontitis durch eine gründliche Untersuchung, die der Fachzahnarzt vornimmt, erkennen. Geschätzt leiden etwa drei viertel der über 35-Jährigen an einer Parodontitis. Viele Betroffene wissen dies allerdings gar nicht, weil die Krankheit zunächst keine Beschwerden bereitet und sozusagen schleichend beginnt: Das Zahnfleisch entzündet sich zunächst durch Bakterienbefall, der Entzündungsherd weitet sich dann auf das Zahnbett aus. So entstehen Zahnfleischtaschen und damit regelrechte Infektionsherde, die den gesamten Zahnhalteapparat, damit auch das umgebende Gewebe des Zahns, und sogar den Kieferknochen erfassen können.

Behandlungsmethoden bei Parodontitis

Das wichtigste ist die regelmäßige Prophylaxe und die unterstützende Parodontaltherapie, also die mechanische Reinigung der Taschen mittel Kürretten oder besser modernen Ultraschallgeräten. Ist die Erkrankung weiter fortgeschritten, empfiehlt sich das PAD-Verfahren – die sogenannte photoaktivierte Desinfektion, die zuverlässig Bakterien entfernt.

Dabei bindet ein spezieller Farbstoff, den wir in die entzündete Region einbringen, die dort vorhandenen Bakterien. Mit einem Laserstrahl oder mit LED wird der Farbstoff bestrahlt, verändert dadurch seine Zusammensetzung und setzt Sauerstoffradikale frei, die die Bakterien abtöten. Der Patient verspürt keine Schmerzen oder andere Beschwerden. Wir machen damit sehr gute Erfahrungen. Auch meine Kollegen aus den insgesamt 17 deutschen Praxen und Kliniken der European Centers for Dental Implantology (ECDI), die sich regelmäßig über die neuesten Erkenntnisse in der Zahnheilkunde austauschen, bestätigen dies.

Reichen diese Maßnahmen aus, wenn die Entzündung bereits weiter fortgeschritten ist?

Viele Zähne können allein dadurch erhalten werden. Die Zahnfleischtaschen werden gesäubert, infiziertes Gewebe wird beseitigt. Ein solcher Eingriff ist meistens nicht aufwändig. Er wird in der Regel unter lokaler Betäubung vorgenommen und verursacht anschließend kaum Beschwerden. Zähne die durch die Parodontitis bereits sehr stark geschädigt sind müssen wir entfernen. So wird auch die Ausbreitung der Entzündung auf Nachbarzähne, den Kieferknochen oder eben das Blutgefäßsystem verhindert.

Kann der Patient selbst zum Erfolg einer Parodontitis-Therapie beitragen?

Er kann nicht nur, er sollte! Und zwar, indem er eine gute Mundhygiene praktiziert. Die Problemzonen sind die Zahnzwischenräume und der Zahnfleischrand, insbesondere auch im Bereich von Kronen und Implantaten. Hier siedeln sich besonders oft Bakterien an, die Zahnbelag (Plaque) bilden. Zahnseide und kleine Bürstchen, die es in vielen Varianten gibt, leisten hier gute Dienste. Auch eine professionelle Zahnreinigung zwei Mal im Jahr, gegebenenfalls auch häufiger, empfiehlt sich.

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