Artikel 21/03/2017

Habe ich einen Kreuzbandriss? Wann eine Operation notwendig ist

Team jameda
Team jameda
kreuzbandruptur-wie-geht-es-nun-weiter-das-sollten-betroffene-wissen

In Deutschland kommt es zu rund 50.000 Kreuzbandrupturen pro Jahr. Am häufigsten betroffen sind Patienten zwischen dem 15. und 25. Lebensjahr. 22 % davon sind Fußballspieler, 28 % sind Skifahrer.

Woher weiß ich, dass ich eine Kreuzbandverletzung erlitten habe?

Bei Kreuzbandverletzugen werden meist Oberkörper und Oberschenkel nach außen gedreht, während das Kniegelenk leicht gebeugt ist und Fuß und Unterschenkel fest auf dem Boden stehen. Patienten geben oftmals ein Plop-Geräusch an, begleitet von einem stechenden Schmerz im Knie. Eine sofortige Instabilität hingegen ist nur bei Begleitverletzung des Innenbandes festzustellen.

Das Knie schwillt in der Regel unter starken Schmerzen noch am selben Abend oder spätestens am nächsten Morgen an. Betroffene sollten spätestens jetzt einen Unfallchirurgen aufsuchen - auch ohne vorher vereinbarten Termin!

Symptome

Typisch für eine Kreuzbandverletzung sind eine Kapselschwellung, ein Kniegelenkerguss sowie Bewegungseinschränkungen aufgrund der Schmerzen bei Streckung und Beugung der Kniekehle.

In manchen Fällen kann der behandelnde Arzt noch den Schubladentest durchzuführen. Dabei wird das Knie auf einer Unterlage 90 Grad gebeugt und dann ruckartig am Unterschenkelkopf nach vorn gezogen. Schiebt sich der Unterschenkel deutlich vor den Oberschenkel, ist eine Kreuzbandverletzung wahrscheinlich.

Wichtig ist, dass der Unfallchirurg das Bein immer mit der Gegenseite vergleicht. Bei einem Kniegelenkerguss ist eine Punktion nur bei Ruheschmerzen und absolut praller Kapsel erforderlich. Um herauszufinden, ob Blut im Knie ist, muss der Arzt aber nicht punktieren.

Falls es noch am Abend nach dem Unfall oder am nächsten Morgen zu einem Kniegelenkerguss kommt, ist bereits eine Blutung entstanden. Das bedeutet, dass es einen Riss gibt, weshalb das Blut rasch ins Knie gelangen kann.

Kommt es hingegen erst ein paar Tage nach dem Unfall zu einem Kniegelenkerguss, besteht eher ein Reizerguss und keine Bandverletzung.

Eine eingehende Untersuchung des Kniegelenkes ist meist jedoch aufgrund der Bewegungsschmerzen nur eingeschränkt möglich. Eine exakte Aussage über die Verletzungsfolgen kann deshalb nicht getroffen werden - der Unfallchirurg sollte aus diesem Grund ein MRT durchführen.

Die Kernspinuntersuchung (MRT)

Typisch bei einer Kreuzbandverletzung ist eine Knochenprellung am Unterschenkelkopf außen hinten, die erst auf den MRT-Bildern ersichtlich wird. Der Unfallchirurg sollte jedoch auch mögliche Begleitverletzungen beachten.

Am häufigsten betroffen sind das Innenband und der Außen- oder Innenmeniskus. Seltener treten tiefe Knorpelverletzungen mit Abscherung eines Knorpelfragmentes auf. Nachdem die Diagnose feststeht, hängen die weiteren Schritte von möglichen Begleitverletzungen ab.

Isolierte Kreuzbandverletzung

Betroffene sollten das Bein mit Hilfe von Unterarmgehstöcken entlasten, bis keine Schmerzen mehr beim Gehen einsetzen. Zudem benötigt der Patient Physiotherapie, damit die Gelenkkapsel rasch abschwellen kann und um die freie Beweglichkeit wiederherzustellen.

Eine Kniegelenkorthese ist bei stabilem Kniegefühl nicht notwendig. Das Knie sollte jedoch nicht belastet werden, um die Regenerationsphase nicht zu stören. Rund 3-4 Wochen nach dem Unfall kann der Patient arthroskopisch, d.h. mit einer Kreuzbandplastik operiert werden.

Bei einer vorliegenden Kapselschwellung oder Bewegungseinschränkungen darf aber nicht operiert werden, da sonst ein deutlich erhöhtes Risiko für eine Kapselfibrose mit bleibender Bewegungseinschränkung und ein erhöhtes Infektrisiko bestehen.

Eine primäre OP kurz nach dem Trauma ist nur im bei einer eingeklemmten Meniskuskorbhenkelverletzung notwendig, da hier keine Physiotherapie des Kniegelenkes möglich ist und der Meniskus eventuell genäht werden muss.

Wann ist eine Operation notwendig?

Eine Operation sollte grundsätzlich bei jedem durchgeführt werden, der weiterhin sportlich aktiv sein möchte - egal ob Freizeitsportler oder Profi.

Möchte der Patient die sportliche Aktivität seines Knies nicht mehr fordern, ist das wichtigste Entscheidungskriterium das subjektive Stabilitätsgefühl. Bei einem stabilen Gefühl unter Alltagsbelastungen, zum Beispiel wenn der Patient schnell die Treppe hinunterläuft, Kurven nimmt oder hochspringt und mit dem verletzten Bein landet, ist bei fehlenden Begleitverletzungen eine konservative Behandlung möglich.

Der Unfallchirurg sollte das Ergebnis aber regelmäßig überprüfen, denn alle nicht versorgten Kreuzbandverletzungen mit gesicherter Instabilität führen häufig zu einem Verschleiß des Innenmeniskus und des Knorpels auf der Innenseite des Kniegelenkes und somit zu Überlastungen des inneren Kapselbandapparates. Am Ende droht eine „vorzeitige Arthrose“.

Ablauf der Operation

Generell kann die Operation in Vollnarkose oder Rückenmarknarkose ambulant oder stationär durchgeführt werden. Als Sehnenimplantat wird aktuell am häufigsten die Semitendinosussehne verwendet. Alternativ kann auch die Patellarsehne zum Einsatz kommen.

Es gibt eine Vielzahl von Verankerungsmöglichkeiten des Sehnenimplantates. Wichtig für das Ergebnis der Operation ist die anatomische Platzierung des Implantates an den ehemaligen Anheftungsstellen des Kreuzbandes am Ober- und Unterschenkel. Kommt es hier nämlich zu einer Fehlplatzierung, sind postoperative Probleme vorprogrammiert.

Nachbehandlung

Die Nachbehandlung ist ein wesentlicher Baustein für ein gutes Operationsergebnis. Das Schema, das der Operateur vorgibt, ist oft unterschiedlich, es orientiert sich aber grob an Folgendem:

In den ersten zwei Wochen sollte der Patient abschwellende Maßnahmen durchführen, damit sich die Beweglichkeit in den nächsten zwei Wochen verbessert und ein normales Gangbild erarbeitet werden kann. Im Anschluss werden Koordination und Muskelaufbau regeneriert.

Das Ziel einer Kreuzbandplastik ist die Wiederherstellung des Vorunfall-Aktivitätsniveaus zu mindestens 95 %. Eine vordere Kreuzbandverletzung ist eine schwere Läsion des Kniegelenkes, die nach fachgerechter Operation und physiotherapeutischer Nachbehandlung nach ca. 8 Monaten zum Wiedereinstieg in den Sport führen sollte.

Wir wünschen eine verletzungsfreie Zeit!

Die Veröffentlichung dieser Inhalte durch jameda GmbH erfolgt mit ausdrücklicher Genehmigung der Autoren. Die Vervielfältigung, Bearbeitung, Verbreitung und jede Art der Verwertung außerhalb der Grenzen des Urheberrechtes bedürfen der schriftlichen Zustimmung der jeweiligen Autoren.

Die Inhalte der Experten Ratgeber ersetzen nicht die Konsultation von medizinischen Spezialisten. Wir empfehlen Ihnen dringend, bei Fragen zu Ihrer Gesundheit oder medizinischen Behandlung stets eine qualifizierte medizinische Fachperson zu konsultieren. Der Inhalt dieser Seite sowie die Texte, Grafiken, Bilder und sonstigen Materialien dienen ausschließlich Informationszwecken und ersetzen keine gesundheitlichen Diagnosen oder Behandlungen. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Meinungen, Schlussfolgerungen oder sonstige Informationen in den von Dritten verfassten Inhalten ausschließlich die Meinung des jeweiligen Autors darstellen und nicht notwendigerweise von jameda GmbH gebilligt werden. Wenn die jameda GmbH feststellt oder von anderen darauf hingewiesen wird, dass ein konkreter Inhalt eine zivil- oder strafrechtliche Verantwortlichkeit auslöst, wird sie die Inhalte prüfen und behält sich das Recht vor, diese zu entfernen. Eigene Inhalte auf unserer Website werden regelmäßig sorgfältig geprüft. Wir bemühen uns stets, unser Informationsangebot vollständig, inhaltlich richtig und aktuell anzubieten. Das Auftreten von Fehlern ist dennoch möglich, daher kann eine Garantie für die Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität nicht übernommen werden. Korrekturen oder Hinweise senden Sie bitte an experten-ratgeber@jameda.de.


www.jameda.de © 2025 - Wunscharzt finden und Termin online buchen.

Diese Webseite verwendet Cookies.
Surfen Sie weiter, wenn Sie unserer Cookie-Richtlinie zustimmen.