Team jameda
Bei einem Hodenbruch wandern Teile der Eingeweide in den Hodensack. Wie es dazu kommt, welche Beschwerden sich zeigen und wie der Arzt eine Skrotalhernie behandelt, erklärt dieses jameda Gesundheitsspecial.
Bei einem Hodenbruch (Skrotalhernie) verlagern sich Teile der Eingeweide in den Hodensack. Dabei wandert eine Ausstülpung aus Bauchfell durch eine Lücke in der Bauchwand entlang des Samenstranges bis in den Hodensack. Der Beutel aus Bauchfell ist mit Flüssigkeit oder Darmschlingen gefüllt. Auch urologische Organe wie Harnblase und Harnleiter können enthalten sein.
Oft ist ein Hodenbruch Folge eines fortgeschrittenen Leistenbruchs. Daneben können auch Krebserkrankungen, eine Hodenverdrehung und Fehlbildungen des Zwerchfells zur Verlagerung von Eingeweideteilen in den Hodensack führen.
Wie auch kleine Leistenbrüche unbemerkt bleiben oder lediglich ein Druckgefühl hervorrufen können, müssen auch bei einer Skrotalhernie zunächst keine deutlichen Symptome auftreten. Spürbar sind beispielsweise eine leichte Schwellung oder ein Spannungsgefühl links oder rechts in der Leiste oder im Bereich der Hoden. Bei Säuglingen und Kindern entdecken die Eltern eine kleine Ausstülpung beim Wickeln oder Hochheben.
Die Symptome einer Skrotalhernie verstärken sich bei Belastung der Bauchdecke, z. B. beim Husten, Niesen und Pressen, beim Sport oder Tragen schwerer Lasten. Vergrößert sich der Hodenbruch, treten deutlichere Beschwerden auf wie
Werden Teile der Eingeweide eingeschnürt, so dass sie von der Blutzufuhr abgeschnitten sind, treten heftige Schmerzen und starke Übelkeit mit Erbrechen auf. Ein solcher eingeklemmter Bruch ist ein medizinischer Notfall und muss sofort operiert werden.
Eine Skrotalhernie entsteht, wenn Gewebestrukturen im Bauchbereich schwach und durchlässig werden. So kommen etwa 5 % der Säuglinge mit einem angeborenen Leistenbruch zur Welt. Jungen sind davon aufgrund der vorgeburtlichen Entwicklung vier bis fünf Mal so häufig betroffen.
Verschließt sich bei männlichen Föten die Verbindung zum Hodensack nicht wie normalerweise, bleibt eine Lücke zurück, ein angeborener Bruch in der Leiste. Auch im Erwachsenenalter erleiden Männer häufiger eine Leistenhernie als Frauen, da ihre Bauchdecke schwächer ist.
Großer Druck auf die Gewebestrukturen des Bauches kann zu einem Bruch führen, ausgelöst z.B. durch schwere körperliche Arbeit, starken Husten, bestimmte Sportarten wie Fußball oder Leichtathletik und starkes Pressen auf der Toilette.
Zur Diagnosestellung tastet der Arzt die Leiste und den Hoden ab. Dabei prüft er, ob sich der Bruchsack durch die Bruchpforte zurückschieben lässt. Ist das nicht der Fall, muss der Bruch zügig operiert werden.
Mittels Ultraschall lässt sich die Skrotalhernie genauer untersuchen. Bei unklaren Ergebnissen werden die Computertomografie (CT) und die Magnetresonanztomografie (MRT) eingesetzt.
Abzugrenzen sind andere Erkrankungen mit vergleichbaren Symptomen wie
Da Lücken in der Leiste bzw. Bauchwand nicht von alleine wieder zusammenwachsen, werden sie in einer Operation geschlossen. Eine Notfall-OP ist bei einem eingeklemmten Bruch nötig. Zügig sollte ein Hodenbruch operiert werden, wenn sich der Bruchsack nicht wieder durch die Lücke zurückschieben lässt.
Das Operationsverfahren eines Hodenbruches richtet sich nach Art und Größe des Bruches, nach Alter und Begleiterkrankungen des Patienten sowie nach Art der körperlichen Belastung im Alltag. Aufgrund der vielfältigen OP-Methoden kann der Chirurg eine individuell an den Patienten angepasste Herangehensweise wählen.
Für kleine Leistenbrüche eignen sich Operationsverfahren, die die Schwachstelle des Leistenbandes durch Nähte verschließen. Hier verbindet der Chirurg die einzelnen Bindegewebsstränge schichtweise durch nicht abbaubare Fäden und befestigt sie an der angrenzenden Bauchmuskulatur. Dabei werden spezielle Nahttechniken nach Shouldice, Bassini oder Desarda eingesetzt.
Nahtbasierte OP-Verfahren finden stets über einen inguinalen Schnitt in einem offenen Eingriff statt. Kleine Operationen werden unter Lokalanästhesie und ambulant durchgeführt, so dass der Patient anschließend nach Hause gehen kann.
Bei größeren Hernien wird zur Verstärkung der Bindegewebsstrukturen ein Kunststoffnetz eingesetzt. Auch hier stehen verschiedene Operationsmethoden zur Verfügung. Das Verfahren nach Lichtenstein setzt einen Schnitt in der Leiste, über den das Netz zwischen den inneren und äußeren Bauchmuskel angenäht wird.
Minimalinvasive Techniken arbeiten mit kleinen Zugängen in die Leiste. Hier wird das Netz mit einem Endoskop eingebracht und mit Klammern oder Hautkleber befestigt. Der Patient bekommt dabei eine Vollnarkose und wird anschließend stationär überwacht, um Komplikationen einzudämmen.
Nach einer Hernien-Operation kontrolliert der Arzt die Wundheilung. Oft werden selbstauflösende Fäden für die äußeren Schnitte verwendet, so dass kein Fädenziehen notwendig ist. Patienten sollten auf einen weichen Stuhlgang achten. Eventuell kann ein leichtes Abführmittel helfen.
Für drei Monate nach der OP darf der Patient keine schweren Lasten über 10 kg heben, um die Bauchdecke nicht übermäßig zu belasten. Um Brüche in der Leiste zu vermeiden, sollten Männer grundsätzlich vorsichtiger bei körperlicher Belastung sein. Sportarten sollten sinnig ausgewählt und der Leisten- und Genitalbereich ausreichend geschützt werden. Normalgewicht und Stuhlgang ohne Pressen verringern den Druck auf die Bauchdecke.
Bei einer regelmäßigen urologischen Vorsorgeuntersuchung können Vorboten einer Leisten- bzw. Skrotalhernie rechtzeitig erkannt werden.
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