Was ist (Ringel-)Röteln? Symptome und Behandlung der hoch ansteckenden Infektion

Dr. Maria Niki Aigyptiadou

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© LeventKonuk-iStockRöteln zeigen sich als Ausschlag, der meist am Kopf beginnt und sich dann schnell verbreitet (© LeventKonuk-iStock)Röteln und Ringelröteln sind ansteckende Kinderkrankheiten, die von unterschiedlichen Viren verursacht werden. Lesen Sie hier, wie sie sich äußern, was die Folgen sind und wie Sie sich und Ihre Kinder dagegen schützen können.

Selten dank Impfung

Röteln ist eine hoch ansteckende Infektion, die durch das Rubella-Virus hervorgerufen wird. Die Kinderkrankheit verläuft meist ohne bleibende Schäden. Erwachsene erkranken nur selten an Röteln, aber während der Schwangerschaft ist ein Rubella-Virus-Befall gefährlich für den Fötus.

Röteln ist meldepflichtig – und selten. Im Jahr 2003 wurden 33 Fälle pro 10.000.000 Einwohner bekannt. Hierzulande erkranken immer weniger Menschen an Röteln, was durch die Impfungen erklärt werden kann. Bei Schuleingangsuntersuchungen im Jahr 2010 waren ungefähr 90 Prozent der Kinder vollständig geimpft. Dennoch kommen jedes Jahr 50 bis 100 Kinder mit Rötelnembryopathie zur Welt, weil sich ungefähr 8 Prozent der deutschen Frauen vor der Schwangerschaft nicht impfen ließen.

Die unvollständige Durchimpfung der Bevölkerung kann zu sporadischen und epidemischen Infektionen bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen führen. In Ländern mit einer niedrigen Durchimpfungsrate erkranken 80 bis 90 Prozent der Betroffenen im Kindesalter.

© Tomsickova - fotoliaDa Röteln durch Tröpfcheninfektion übertragen wird ist es sehr wahrscheinlich sich beim gemeinsamen Spielen anzustecken (© Tomsickova - fotolia)Ursache und Inkubationszeit: Ansteckung durch Tröpfcheninfektion

Das Rubella-Virus wird über Tröpfchen beim Husten, Niesen oder Reden von einem Erkrankten auf gesunde Menschen übertragen. Ansteckend sind die Betroffenen schon eine Woche, bevor der Hautausschlag auftritt, bis eine Woche nachdem er verschwunden ist.

Nach der Ansteckung vergehen meistens 14 bis 21 Tage, bis sich die Symptome bemerkbar machen. Der Erreger siedelt sich auf den Schleimhäuten des Mundes, der Nase und des Rachens an und danach breitet er sich über die Blutbahnen im ganzen Körper aus.

Symptome: rötlicher, fleckiger Hautausschlag

Bei ungefähr 50 Prozent der Infizierten verläuft Röteln symptomlos, ansteckend ist die Erkrankung  jedoch trotzdem. Bei allen anderen Betroffenen äußert sich die Krankheit plötzlich mit einem rötlichen, fleckigen Hautausschlag, der dem Scharlach- oder dem Masernausschlag ähnelt. Der Ausschlag tritt am Anfang hinter den Ohren auf, bildet kleine rötliche oder bräunliche Flecken und breitet sich auf Gesicht, Hals, Arme und Beine aus.

Dazu kommen Fieber, Husten, Schnupfen, Kopfschmerzen, eine Milzvergrößerung und manchmal eine Augenentzündung, wobei die Augen rot sind und jucken. Seltener tritt eine Schwellung der Lymphknoten im Hals- und Nackenbereich auf, die schmerzt und juckt.

Eine seltene Komplikation der Erkrankung ist eine Gehirnentzündung, die sich mit starken Kopfschmerzen, Erbrechen, Berührungsempfindlichkeit und Verhaltensstörungen äußert. Weitere mögliche Komplikationen sind Gelenkschmerzen, Herzbeutel-, Herzmuskel-, Lungen- und Ohrenentzündungen.

Rötelnembryopathie: schwere Missbildungen oder Tod des ungeborenen Kindes

Erkrankt eine schwangere Frau an Röteln, überträgt sie in 60 bis 90 Prozent der Fälle den Erreger auf das ungeborene Kind. Dann entsteht die gefährliche Rötelnembryopathie, die schwere Missbildungen verursacht.

In den ersten acht Wochen der Schwangerschaft führt eine Rötelninfektion in 90 Prozent der Fälle zur Schädigung des Embryos. Im mittleren Drittel der Schwangerschaft sinkt das Risiko auf 25 bis 30 Prozent.

Die Rötelnembryopathie, auch Gregg-Syndrom genannt, kommt bei einer von ungefähr 10.000 Geburten vor.

©fotolia-SchonertagenDurch einen Bluttest kann Gewissheit über die Krankheit eingeholt werden (©fotolia-Schonertagen)Folgende Komplikationen sind möglich:

  • motorische und geistige Entwicklungsverzögerungen
  • Gehirn- oder Lungenentzündung
  • Augen- und Ohrschäden
  • Herzfehler
  • erhöhtes Blutungsrisiko wegen niedrigen Blutplättchen-Werten
  • Leber- und Milzschwellung
  • Knochenfehlbildungen

In 30 Prozent der Fälle kommt es in den ersten 13 Schwangerschaftswochen zum Tod des Fötus und zur Fehlgeburt. Die Spätfolgen sind Hörschäden, Zuckerkrankheit, Hormonstörungen oder geistige Behinderung.  

Diagnose: Antikörper im Blut

Da die Symptome anderen Krankheitsbildern ähneln oder ganz ausbleiben, ist ein Bluttest erforderlich, um die Diagnose zu stellen.

Der direkte Nachweis des Rubella-Virus in Rachenspülflüssigkeit, Urin oder anderen Körperflüssigkeiten ist möglich, aber in der Routinediagnostik nicht sinnvoll. Er wird nur in speziellen Fällen angewendet, wie zum Beispiel bei angeborenen Infektionen. Wenn wichtige Entscheidungen von der genauen Diagnose abhängen, wie zum Beispiel bei Verdacht auf Röteln bei einer Schwangeren, muss die Diagnose durch Untersuchung der Antikörper im Blut gestellt werden.

Eine Rötelninfektion kann durch Nachweis von Antikörpern gegen Rubella-Viren mit dem sogenannten Hämagglutinationshemmtest (HHT) bestätigt werden. Dabei muss sich die Menge der  Antikörper in 2 aufeinanderfolgenden Blutproben im Abstand von 14 Tagen um mindestens das Vierfache erhöhen. 

Vorsicht ist besser als Nachsicht

Zur Behandlung der Röteln kommen Medikamente gegen Fieber und Schmerzen zum Einsatz. Der Patient sollte in dieser Zeit im Bett bleiben und sich ausruhen.  

Zur Vorbeugen wird die Impfung empfohlen. Kinder im Alter von 11 bis 14 Monaten sollten gegen Röteln sowie Masern und Mumps geimpft werden. Die Impfung wird im 2. Lebensjahr wiederholt. Ist das nicht passiert, kann die Impfung jederzeit bei Erwachsenen nachgeholt werden. Wer schon an Röteln erkrankt ist, muss sich nicht impfen lassen, weil die Erkrankung eine lebenslange Immunität hinterlässt. Besonders wichtig ist die Impfung vor einer Schwangerschaft zur Vorbeugung von Fötus-Schäden oder -Tod.

© BillionPhotos.comDer beste Weg um Kinder vor Röteln zu beschützen ist eine Impfung (© BillionPhotos.com)Der Röteln-Impfstoff enthält lebende, abgeschwächte Viren, die den Körper anregen, Antikörper zu bilden, so dass er das Virus im Fall einer Ansteckung sofort zerstört. Der Impfstoff wird in einen Muskel gespritzt, die Impfstelle wird manchmal rot und schwillt an. Weitere Nebenwirkungen sind Müdigkeit und Fieber.

Eine Röteln-Impfung darf nicht gemacht werden bei:

  • einer Allergie gegen Hühnereiweiß
  • Kindern mit einer schweren Immunschwäche
  • einer Schwangerschaft
  • hohem Fieber

,,Schmetterling‘‘ am Gesicht: Was ist Ringelröteln?

Ringelröteln, auch eine ansteckende Kinderkrankheit, wird vom Parvo-Virus-B19 verursacht. Wenn sich die Patienten durch Tröpfcheninfektion angesteckt haben, brechen nach zwei Wochen erste Symptome aus. Danach sind die Betroffenen lebenslang immun.  

Ringelröteln treten häufig in den Frühjahrs- oder Sommermonaten bei Schulkindern auf. Sie äußern sich mit grippeähnlichen Symptomen sowie Juckreiz und Rötungen, auch Erythema genannt. Bei ungefähr 25  Prozent der Infizierten zeigt sich die Erkrankung auch mit einem rötlichen schmetterlingsförmigen Hautausschlag am Gesicht, der sich auf Arme, Beine und Po girlandenförmig ausbreitet. Der Ausschlag wird später bläulich und gelblich, verschwindet für ein paar Stunden und kommt dann wieder zurück. Nach ungefähr 10 Tagen verabschiedet er sich endgültig.

Eine seltene Komplikation bei jungen Frauen und Mädchen ist die Entzündung mehrerer Gelenke, besonders der Knie-, Sprung- und Fingergelenke, die sich meistens selbst zurückbildet. Erkranken Frauen im ersten Drittel ihrer Schwangerschaft an Ringelröteln, hat der Fötus ein 10-prozentiges Risiko, schwere Schäden zu erleiden oder sogar vor der Geburt zu sterben.

In einigen Fällen zerstört das Parvo-Virus-B19 die Stammzellen im Knochenmark, aus denen die roten Blutkörperchen gebildet werden, und kann deswegen zur Blutarmut führen.

Es gibt keine Impfung und keine spezifische Therapie gegen Ringelröteln. Vorbeugen können Sie nur, indem Sie auf allgemeine Hygienemaßnahmen achten. Waschen Sie sich die Hände, wenn Sie einen Kranken pflegen und benutzen Sie Einmal-Taschentüchern beim Niesen.

Sind Sie oder Ihr Kind schon erkrankt, werden die Symptome mit fiebersenkenden und schmerzlindernden Medikamenten und Mittel gegen den Juckreiz behandelt. Selten sind Bluttransfusionen nötig, wenn das Virus Blutarmut verursacht hat.

Fazit

Röteln und Ringelröteln verlaufen bei Kindern meistens mild, bei Schwangeren aber sind sie gefährlich und können zur schweren Behinderungen oder zum Tod des ungeborenen Kindes führen. Gegen Ringelröteln gibt es zwar keine Impfung, gegen Röteln aber schon – die Prophylaxe-Möglichkeiten sollten Sie in Anspruch nehmen.

Links

Informationen des Robert Koch-Instituts über Röteln
Informationen des Robert Koch-Instituts über empfohlene Impfungen
Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung über Röteln

Quellen

  • Robert-Koch-Institut: Röteln (Rubella) RKI-Ratgeber Infektionskrankheiten – Merkblätter für Ärzte.
  • S. E. Robertson, D. A. Featherstone, M. Gacic-Dobo, B. S. Hersh: Rubella and congenital rubella syndrome: global update. In: Rev. Panam. Salud Publica. Band 14, Nr. 5, November 2003, S. 306–315.
  • M. Enders, M. Biber, S. Exler: Masern, Mumps und Röteln in der Schwangerschaft. Mögliche Auswirkungen auf Mutter, Schwangerschaft und Fetus. In: Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz. 2007 Nov ;50(11), S. 1393–1398.
  • E. Miller, J. E. Cradock-Watson, T. M. Pollock: Consequences of confirmed maternal rubella at successive stages of pregnancy. In: Lancet. 1982 Okt 9;2(8302), S. 781–784.
  • R. T. Chen: Vaccine risks: real, perceived and unknown. In: Vaccine. 17/1999, S. 41–46.
  • J. Y. Lee, D. S. Bowden: Rubella virus replication and links to teratogenicity. In: Clin. Microbiol. Rev. Band 13, Nr. 4, Oktober 2000, S. 571–587
  • C. Dukes: On the confusion of two different diseases under the name of rubella (rose-rash). Lancet, London, 1900, 2, S. 89–94.
  • Y. E. Cossart, A. M. Field, B. Cant, D. Widdows: Parvovirus-like particles in human sera. In: Lancet. 1975, S. 72–73

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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