Hilfe bei Reizdarmsyndrom

Claudia Galler

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© LanaK  - Fotolia.com© LanaK - Fotolia.comWer ständig Bauchschmerzen hat und das Haus nicht verlassen kann, weil eine Toilette fehlt, leidet körperlich und seelisch. Dieser jameda Gesundheitstipp informiert über das Reizdarmsyndrom und Möglichkeiten der Behandlung.

Der Reizdarm schränkt den Alltag der Betroffenen ein
Menschen mit Reizdarmsyndrom leiden unter Verdauungsstörungen im Dünn- und Dickdarm, ohne dass eine organische Ursache dafür vorliegt. Sie werden geplagt von Bauchschmerzen, Krämpfen, Durchfall oder Verstopfung, Blähungen und übermäßiger Schleimbildung im Darm. Die einzelnen Krankheitszeichen können wechseln und unterschiedlich stark auftreten. Nach der Stuhlentleerung und nachts bessern sich die Symptome. Menschen mit Reizdarmsyndrom sind häufig müde und erschöpft, ihr Alltag ist eingeschränkt, Unternehmungen werden oft davon bestimmt, wie schnell die nächste Toilette erreichbar ist.

Darüber hinaus haben Betroffene oft Symptome, die nicht direkt mit Magen oder Darm zusammenhängen, wie zum Beispiel KopfschmerzenRücken- und Gliederschmerzen, Angstgefühle, Nervosität und Beschwerden im Genitalbereich.

Die Erkrankung kann über Jahre bestehen, gefährlich ist sie jedoch nicht. Andere Bezeichnungen für das Reizdarmsyndrom sind Irritabler Kolon oder Irritable Bowel Syndrom (IBS).

Schmerzen im Darm werden deutlicher wahrgenommen
Etwa 10-25% der Bevölkerung in Deutschland leiden unter dem Reizdarmsyndrom, Frauen sind doppelt so oft betroffen. Die Ursachen der Verdauungsstörungen sind nicht eindeutig geklärt. Man nimmt an, dass mehrere Faktoren an der Entstehung beteiligt sind. Auffällig ist, dass Betroffene Schmerzen im Magen-Darm-Bereich schneller und deutlicher wahrnehmen als gesunde Personen. Sie reagieren selbst auf eine sanfte Dehnung von Magen und Darm schmerzempfindlich. Grund dafür könnte ein gestörter Stoffwechsel des Botenstoffs Serotonin sein, der im darmeigenen Nervensystem (Bauchhirn) wichtige Aufgaben übernimmt. Daneben können Stress und körperliche Belastung, Bakterien, Entzündungen oder eine erbliche Vorbelastung die Entstehung eines Reizdarmsyndroms fördern.

Diagnose des Reizdarmsyndroms nach dem Ausschlussverfahren
Die Diagnose „Reizdarmsyndrom“ wird gestellt, wenn drei Anzeichen gegeben sind: Der Betroffene ist länger als drei Monate von Beschwerden wie Krämpfen, Schmerzen und verändertem Stuhlgang geplagt, sein Leidensdruck ist so hoch, dass er einen Arzt aufsucht, und andere Erkrankungen können ausgeschlossen werden wie Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Krebs, Zöliakie oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten gegenüber Laktose oder Fruktose.

Ernährung anpassen und Stress abbauen
Die Behandlung eines Reizdarms richtet sich ganz nach den individuell auftretenden Symptomen. Entspannung und weniger Stress sowie eine angepasste Ernährung helfen, den Darm zu entlasten. Betroffene sollten eher kleine Portionen essen, dafür öfter am Tag. Fettreduzierte Kost ist oft bekömmlicher, doch grundsätzlich gilt für Reizdarm-Patienten: Das, was gut tut, ist richtig.

Die wirkungsvollste Diät zur Behandlung des Reizdarmsyndroms ist die sogenannte ,,FODMAP-reduzierte Diät‘‘. FODMAPs sind kurzkettige Kohlenhydrate und mehrwertige Alkohole, deren reduzierte Einnahme zu weniger Durchfällen, Blähungen und Bauchschmerzen führt.

Welche Medikamente helfen bei Reizdarmsyndrom?
Ätherische Öle wie Anis, Fenchel, Kümmel und Pfefferminze wirken entkrampfend und verdauungsfördernd. Sie können als Tee oder als ölgefüllte Kapseln eingenommen werden. Auch Zubereitungen aus Kamille, Schafgarbe, Schleifenblume und Angelikawurzel helfen bei Magen-Darm-Beschwerden. Gegen starken Durchfall können Flohsamen, getrocknete Hefen oder der Wirkstoff Loperamid eingenommen werden. Bei Verstopfung werden Macrogole und Ballaststoffe zusammen mit ausreichend Flüssigkeit empfohlen. Lindernd bei Blähungen wirken Dimeticon- und Simeticon-Präparate, der Wirkstoff Butylscopolamin löst Magen-Darm-Krämpfe.

Wenn nichts anderes anschlägt, können bestimmte sehr niedrig dosierte Antidepressiva helfen. Beruhigungsmittel vom Typ des Diazepams sollten wegen der Suchtgefahr vermieden werden.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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