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Bauchschmerzen, Übelkeit, Gewichtsverlust: Symptome von Morbus Crohn?

Dr. Maria Niki Aigyptiadou

von
verfasst am

© milazvereva - fotoliaMorbus Crohn kann der Auslöser vieler Magen-Darm-Beschwerden sein (© milazvereva - fotolia)Sie leiden oft unter Durchfällen und Magenschmerzen? Das könnten Hinweise auf Morbus Crohn sein. Lesen Sie hier, wie Morbus Crohn beginnt, welche Symptome typisch für die Erkrankung sind und was Sie dagegen tun können.

Definition & Häufigkeit

Morbus Crohn ist eine chronische Entzündung des Verdauungssystems. Sie kann jeden Abschnitt vom Mund bis zum After betreffen, am häufigsten jedoch lokalisiert sich die Entzündung am Ende des Dünndarms, auch Krummdarm genannt, oder am oberen Abschnitt des Dickdarms.

Die entzündeten Darmabschnitte verdicken sich langfristig und begünstigen die Entwicklung von Abszessen und anderen Geschwüren, die operativ behandelt werden müssen.

Unter Morbus Crohn leiden ungefähr 300.000 Deutsche. Häufig tritt die Erkrankung bei Jüngeren im Alter zwischen dem 15. und 35. Lebensjahr auf.

Mögliche Ursachen

Die Hauptursache ist nicht genau geklärt, aber man vermutet, dass mehrere Faktoren zusammenspielen müssen, um die chronische Darmentzündung hervorzurufen. Mögliche Ursachen und Risikofaktoren sind: 

  • Gendefekt: Morbus Crohn tritt gehäuft in Familien auf. Die meisten Eltern mit Morbus Crohn bringen zwar gesunde Kinder zur Welt, dennoch liegt das Risiko, eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung zu vererben, zwischen 2 und 5 Prozent.
  • Störung des Abwehrsystems: Bei 20 Prozent der Patienten produziert das Abwehrsystem Antikörper, die die eigene Darmwand angreifen und eine Entzündung hervorrufen.
  • Infektion: Das sogenannte MAP-Bakterium kommt auch als mögliche Ursache infrage und kann das Krankheitsrisiko erhöhen.
  • Ernährung: Lebensmittelallergien verursachen Reizungen oder Entzündungen im Verdauungssystem, die chronisch werden und Morbus Crohn auslösen können.
  • Psychische Ursachen: Stress, Ärger, Sorgen oder Depressionen begünstigen den Ausbruch und die Schübe von Morbus Crohn.
  • Rauchen: Laut Statistiken leiden Raucher doppelt so oft an Morbus Crohn als Nichtraucher.
  • Umwelteinflüsse: Morbus Crohn tritt viel häufiger in Industrienationen als in ärmeren Ländern auf.
  • Übertriebene Körperhygiene

© fotolia-AntonioguillemSchmerzhafte Bauchkrämpfe können ein erstes Anzeichen von Morbus Crohn sein (© fotolia-Antonioguillem)Symptome: Von Bauchkrämpfen bis zum Darmwanddurchbruch

Die Erkrankung verläuft in Schüben, die ein paar Tage oder Wochen andauern und jedes Mal unterschiedlich intensiv sind. Zwischen den Schüben haben die Betroffenen keine Beschwerden.

Die plötzlichen Schübe äußern sich mit langanhaltenden Durchfällen und starken Bauchkrämpfen, die zur Gewichtsabnahme führen, sowie mit Schwäche und Müdigkeit, die die Lebensqualität einschränken. Die Durchfälle treten nach dem Essen auf und sind wässrig oder schleimig. Die Schmerzen befallen meistens den rechten Unterbauch. Manchmal sind auch Gelenkschmerzen die ersten Anzeichen von Morbus Crohn.

Das Krankheitsbild variiert: Bei manchen Patienten äußern sich weitere Symptome, wie Blähungen, Augenhaut- und Hautentzündungen, kleine Geschwüre der Mundschleimhaut, Lippenschwellungen, Fieber, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen oder Leberentzündungen. Manche leiden auch unter Schluckbeschwerden und brennenden Schmerzen hinter dem Brustbein.

Die entzündeten Darmabschnitte nehmen die Spaltprodukte der Nährstoffe, wie zum Beispiel Fette, Vitamine, Spurenelemente, Salze und Eiweiße nicht richtig auf. Der dadurch entstandene Verlust von Vitamin D und Kalzium führt langfristig zu Osteoporose und der Mangel an Vitamin A führt zu Seh-, Hör- und Wundheilungsstörungen.

Der Vitamin-K-Mangel verursacht Gerinnungsstörungen und verlängerte Blutungen und der Vitamin-B12-Mangel führt zur Blutarmut. Die Blutarmut bei Morbus Crohn wird zusätzlich durch Blutverluste über die entzündete Darmschleimhaut gefördert und äußert sich mit Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen, Blässe und Abgeschlagenheit. Darüber hinaus bilden sich Gallen- und Nierensteine.

Nach Jahren kommt es durch die immer wiederkehrenden Entzündungen zu Komplikationen, zum Beispiel zu Abszessen, Fisteln oder Fissuren. Abszesse sind abgekapselte Eiteransammlungen. Fisteln sind Kanäle, die durch die Entzündung entstehen und Darmabschnitte miteinander oder den Darm mit einem anderen Organ verbinden. Fissuren sind Risse in der Haut im Bereich des Afters.

Weitere Folgen sind Verengungen des Darminneren, die eine Verstopfung des Darmes verursachen können, und ein Darmwanddurchbruch, der sofort operiert werden muss.

© fotolia-bilderzwergDurch die entzündete Darmwand können schmerzhafte Fisteln entstehen (© fotolia-bilderzwerg)Wenn die Lebensqualität abnimmt

Diese Symptome wirken sich auf die Lebensqualität und die Psyche der Betroffenen aus. Viele Patienten leiden unter Ängsten und Depressionen. Um die gesamte Lebenssituation der Betroffenen in den Griff zu bekommen, wurde ein spezieller Fragebogen entwickelt, der 22 krankheitsbezogene Problembereiche beinhaltet und je nach Auswertung Vorschläge für passende und aussichtsreiche Unterstützungsangebote bietet.

Der Nutzen des Fragebogens wurde in einer Studie bestätigt. Er wurde von Forschern der Universität Lübeck entwickelt und ist aufrufbar online unter: www.ced-aktiv-werden.de. Folgende Fragen sind dem Fragebogen entnommen: Sie helfen Ihnen, selbst einzuschätzen, wie es Ihnen mit Ihrer Erkrankung geht.

1. Mit der chronisch entzündlichen Darmerkrankung können eine Reihe von Begleiterkrankungen verbunden sein. Welche Beschwerden hatten Sie in den letzten 7 Tagen?

            • Bauch- oder Gelenkschmerzen
            • Fisteln
            • Abszesse
            • Hautveränderungen oder Augenhautentzündungen
            • Fieber > 38°C

2. Wie oft waren Sie in den vergangenen 7 Tagen voller Energie? Wie oft waren Sie müde, unkonzentriert oder niedergeschlagen? Schlafen Sie gut?

3. Machen Sie sich oft Sorgen um Ihre Gesundheit?

4. Falls sie ein Stoma haben, überspringen Sie die folgende Fragen: Wie viele breiige oder flüssige Stühle hatten Sie pro Tag? Gab es Blutbeimengungen? Leiden Sie unter Stuhlinkontinenz?

5. Wie häufig traten in den letzten 3 Monaten Schmerzen auf? Wurde Ihr Alltag dadurch stark eingschränkt?

6. In welchem Maße mussten Sie aufgrund Ihrer chronisch entündlichen Darmerkrankung in den letzten 3 Monaten Rücksicht auf Ihre Ernährung nehmen?

7. Inwieweit waren Sie in Ihrem Alltag eingeschränkt, zum Beispiel bei Routinetätigkeiten, beruflichen oder privaten Verpflichtungen oder bei persönlichen Beziehungen?

8. Haben Sie in den letzten 3 Monaten wegen Ihrer chronischen entzündlichen Darmerkrankung Medikamente eingenommen? Schlägt die Therapie an? Wie sieht es mit den Nebenwirkungen aus?

9. Manche Betroffene berichten, dass sie sich ihrer Krankheit schämen, bzw. es ihnen unangenehm sei, mit anderen über ihre Erkrankung zu sprechen. Wie ist das bei Ihnen?

Wie stark sind die Symptome?

Morbus Crohn kann mit dem Crohn’s Disease Activity Index (CDAI) quantifiziert werden. Der CDAI besteht aus acht Faktoren, die jeweils mit einem Faktor multipliziert und dann summiert werden.

Klinische oder laborchemische Variable

Gewichtungsfaktor

Anzahl der ungeformten Stuhlgänge in den letzten 7 Tagen

x 2

Bauchschmerzen (keine = 0, leicht = 1, mittel = 2, stark = 3) in den letzten 7 Tagen

x 5

Allgemeinbefinden (gut = 0, beeinträchtigt = 1, schlecht = 2, sehr schlecht = 3, unerträglich = 4) in den letzten 7 Tagen

x 7

Komplikationen: Addieren Sie je einen Punkt für Gelenkschmerzen oder Arthritis, Augenhautentzündungen, Hautentzündungen, Fissuren, Fisteln oder Abszesse im Afterbereich, andere Fisteln und Fieber (> 37,7) in den letzten 7 Tagen

x 20

Symptomatische Durchfallbehandlung

x 30

Abdominelle Resistenz (nein = 0, fraglich = 2, sicher = 5)

x 10

Abweichung des Hämatokrits von 47 % bei Männern und 42% bei Frauen

x 6

Prozentuale Abweichung vom Standardgewicht

x 1


Auswertung des CDAI:

  • CDAI < 150: Remission
  • CDAI > 220: Schub
  • CDAI > 450: schwerer Schub

Verschiedene Diagnoseverfahren

Zur Diagnose von Morbus Crohn sind folgende Untersuchungen hilfreich:

  • Mit einer körperlichen Untersuchung und der Abtastung des Enddarms stellt der Arzt fest, ob es Druckschmerzen oder Verhärtungen unter der Bauchdecke gibt.
  • Die Untersuchung einer Stuhlprobe zeigt, ob Blutspuren oder Bakterien im Stuhl aufkommen. Bestimmte Blutwerte zeigen, ob eine Entzündung oder eine Blutarmut besteht.
  • Mit der Ultraschalluntersuchung lässt sich feststellen, ob die Darmwände verdickt sind.
  • Bei der Darmspiegelung, der wichtigsten Untersuchung für die Diagnose von Morbus Crohn, wird eine winzige Kamera über den After durch den Darm bis zum Dünndarm eingeführt und liefert den Nachweis krankhafter Veränderungen der Darmwände, die typisch für Morbus Crohn sind. Ergänzend wird manchmal eine Magenspiegelung durchgeführt.
  • Alternativ zur Darmspieglung ist eine Videokapselendoskopie möglich, ein bildgebendes Verfahren zur Darstellung der Schleimhaut des Darmes, wobei der Betroffene eine spezielle Kamerakapsel verschluckt. Auf ihrem Weg durch Magen und Darm nimmt die Kapsel automatisch Bilder der Schleimhaut auf und sendet sie an einen Datenrekorder. Nach 6 bis 8 Stunden wird die Kapsel mit dem Stuhl ausgeschieden.
  • Die Magnetresonanztomographie, ein bildgebendes Verfahren, das auf Magnetfeldern basiert, stellt Struktur und Funktion des Verdauungssystems dar.

Darüber hinaus gibt es ein neues Gerät, das während einer Darmspiegelung anhand einer lichtbasierten Methode zwischen Morbus Crohn und anderen Darmentzündungen unterscheiden kann. Darüber hinaus sind die Einschätzung des Entzündungsgrades und die Überwachung des Behandlungserfolgs möglich, weil sich schwache, mittlere und ausgeprägte Entzündungszustände quantifizieren lassen.

Das Gerät wurde vorläufig in einer erfolgreichen Pilotstudie an 23 Patienten erprobt. Es konnte in Zukunft zur präziseren Individualisierung der Behandlung beitragen.  

Behandlung: Welche Medikamente gibt es?

Wer einmal einen Morbus-Crohn-Ausbruch erlitten hat, kann nicht geheilt werden. Die Schübe sind mit medikamentöser Therapie aber kürzer, milder und seltener. Je schneller ein akuter Schub behandelt wird, desto leichter verlaufen die Symptome und desto schneller klingen sie ab.

Zur Behandlung verschreibt der Arzt je nach Stärke der Beschwerden und abhängig von der Entzündungsstelle entsprechende Medikamente. Kommen die Symptome oft und in kurzen Abständen vor, erhalten Sie vorbeugende Arzneimittel, die den nächsten Schub verhindern oder aufschieben.

Folgende Medikamente werden bei Morbus Crohn eingesetzt:

  • Kortison wirkt entzündungshemmend und mindert die Überreaktion des Abwehrsystems. Wegen den Nebenwirkungen, wie zum Beispiel Gewichtszunahme, erhöhtes Infektionsrisiko, Blutdruckanstieg, Blutzucker- und Blutfettwerteerhöhung, Wassereinlagerungen im Gewebe und Osteoporose wird Kortison meistens so kurzfristig wie möglich eingesetzt.
  • Mesalazin, ein sogenanntes 5-ASA-Präparat, wirkt entzündungshemmend lokal an der Darmschleimhaut. Es wird während den Schüben und auch langfristig zur Vorbeugung eingesetzt.
  • Immunosuppressiva unterdrücken die übermäßige Reaktion des Abwehrsystems. Je nach Fall werden langsam oder schneller wirkende Mittel eingesetzt. Azathioprin und Methotrexat gehören zu den langsam wirkenden Medikamenten dieser Kategorie, die 2 bis 4 Monate bis zum Wirkungseintritt eingenommen werden müssen und daher zur Vorbeugung neuer Schübe eingesetzt werden. Ciclosporin und Tacrolimus wirken schon nach wenigen Tagen und werden zur Behandlung akuter Schüben verschrieben.
  • Infliximab und Adalimumab, die sogenannten TNF-a-Antikörper, ähneln den körpereigenen Antikörpern und hemmen akute Entzündungsprozesse. Somit schonen sie die Darmschleimhaut. Die Medikamente werden während eines Schubes gespritzt.
  • Vedolizumab, ein Integrin-Antikörper, wurde im Jahr 2014 zur Behandlung von Morbus Crohn freigegeben. Es handelt sich um einen Antikörper, der die Entzündungsaktivität im Darm aufhält.

© Igor Mojzes - fotoliaGesunde Ernährung ist der erste Schritt für einen gesunden Magen-Darm-Trackt (© Igor Mojzes - fotolia)Was Sie selbst tun können

Zur Vorbeugung und Selbsthilfe sind folgende Maßnahmen hilfreich, da sie die Entzündungsaktivität im Körper positiv beeinflussen können:

  • gesunde Ernährung mit wenig Fett, wenig Fleisch und viel Obst und Gemüse
  • viel Wasser trinken und Vitamine und Mineralien zu sich nehmen
  • wenig Alkohol und kein Tabakkonsum
  • wenn Sie bestimmte Lebensmittel nicht vertragen, wie Milch sowie ballaststoffreiche und blähende Lebensmittel, sehen Sie sich nach Alternativen um
  • während den Schüben ist der Verzehr gut verträglicher Nahrungsmittel wichtig, wie zum Beispiel Weißbrot, leichte, pürierte Gemüsesuppen und püriertes Obst
  • regelmäßige Bewegung
  • Erhaltung des Normalgewichts

Fazit

Sie haben Verdacht geschöpft, an Morbus Crohn zu leiden? Dann gehen Sie sofort zum Gastroenterologen, denn je früher die Erkrankung diagnostiziert und behandelt wird, desto besser sind die langfristigen Aussichten. Morbus Crohn ist nicht heilbar, aber ohne Behandlung führt die Erkrankung zu Komplikationen, die operativ behandelt werden müssen. Mit der richtigen Therapie dagegen treten die Schübe seltener auf und sind kürzer.

Links:

Deutsche Morbus Crohn/Colitis ulcerosa Vereinigung
Österreichische Morbus Crohn-Colitis ulcerosa Vereinigung
Schweizer Morbus Crohn/Colitis ulcerosa Vereinigung
CED-Hilfe - Hilfe bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen
Kompetenznetz Darmerkrankungen
Deutsches Ernährungsberatungs- und -informationsnetz (DEBInet)
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Deutsche Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen
NAKOS - Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen

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Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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