Hüftgelenksersatz - Welche minimal-invasiven Operationsmethoden gibt es?

Facharztklinik Essen

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©fotolia-27306909-psdesign1Es gibt viele unterschiedliche Verfahren in der Hüftgelenksendoprothetik. (©fotolia-27306909-psdesign1)Es gibt viele unterschiedliche Operationsmethoden im Bereich der Hüftgelenksendoprothetik, die als „minimal-invasiv“ bezeichnet werden. Die Bedeutung des Begriffs ist jedoch nicht eindeutig definiert: ob es sich dabei lediglich um einen kürzeren Hautschnitt, um ein insgesamt schonendes OP-Verfahren, oder nur um eine schnellere Genesung des Patienten handelt, sagt der Begriff „minimal-invasiv“ nicht aus. Denn Minimal-invasiv bedeutet nicht gleich minimal-invasiv: Tatsächlich werden nahezu alle möglichen Zugangswege zum Hüftgelenk (dorsaler, anterolateraler und anteriorer Zugang) als minimal-invasiv „beworben“. Die Vorteile sind ein kürzerer Hautschnitt, die Schonung der Muskulatur bzw. der Sehnen sowie ein geringerer Blutverlust während der Operation und auch eine verkürzte Rehabilitationsdauer. Allerdings unterscheiden sich die Verfahren untereinander deutlich:

 

 

Der dorsale Zugang

Der dorsale (hintere) Zugang zum Hüftgelenk wird eher selten für das Einbringen einer Prothese verwendet. Zwar besteht die Möglichkeit, über einen relativ kurzen Hautschnitt Zugang zum Hüftgelenk zu bekommen, allerdings werden dazu gezielt Muskeln durchtrennt. Die Kapsel wird ebenfalls von hinten eröffnet, sodass eine Schwachstelle genau dort entsteht, wo die Gefahr einer Luxation (Herausspringen des Hüftgelenkes) am größten ist.


Der anterolaterale Zugang

Der anterolaterale (vordere seitliche) Zugang ist eine Weiterentwicklung des sogenannten Watson Jones Zuganges. Dieser wurde ursprünglich für Eingriffe im Bereich der Gelenkpfanne entwickelt. Über die modifizierte Form dieses Zuganges ist es problematisch, den Oberschenkelschaft zu implantieren, ohne die kurze, kräftige Gesäßmuskulatur (M. gluteus medius) zu schädigen bzw. teilweise gezielt zu durchtrennen.


Der anteriore Zugang

Der anteriore (vordere) Zugang nutzt eine Muskellücke zwischen dem sogenannten Sprintermuskel und dem geraden Oberschenkelstrecker (M. tensor fasciae lata und M. rectus femoris), um das Hüftgelenk zu erreichen. Bei dieser Technik wird keinerlei Muskulatur durchtrennt, allerdings besteht die Gefahr, bei der Darstellung der Gelenkpfanne die Muskeln zu überdehnen oder sogar einzureißen.


Die AMIS Methode

©fotolia-102017995-bilderzwergDie Anatomie der menschlichen Hüfte (©fotolia-102017995-bilderzwerg)Die AMIS (anterior minimally invasive surgery) Methode ist eine konsequente Weiterentwicklung des vorderen Zuganges.

Sie zeichnet sich durch einen kleinen Hautschnitt (weniger als 10 cm) sowie durch ein durchdachtes Gesamtkonzept aus:

Es wird ein spezieller Operationstisch sowie eigens für die OP entwickeltes Instrumentarium benötigt, um sicherzustellen, dass die Muskulatur auch nach Freilegung des Hüftgelenkes keinen Schaden nimmt. Die Gelenkkapsel wird dort durchtrennt, wo die Gefahr einer späteren Luxation der künstlichen Hüfte am geringsten ist und kann nach der OP wieder verschlossen werden.

Während der Operation werden blutungsstillende und lokal betäubende Medikamente ins Gewebe gespritzt, um den Blutverlust und die postoperativen Schmerzen zu reduzieren. 

Die Nachteile aller minimal-invasiven Methoden sind längere Operationszeiten sowie eine erschwerte technische Durchführung des Eingriffs. Diese Nachteile können allerdings von einem erfahrenen Operateur weitgehend kompensiert werden.

Zudem besteht bei schlechter Übersicht für den Operateur die Möglichkeit, die Lage des Implantats während des Einbringens mittels Durchleuchtung zu kontrollieren.


Fazit

Zwischen den unterschiedlichen minimal-invasiven Zugängen bestehen erhebliche Unterschiede. Das AMIS-Konzept vereint viele Vorteile der minimal-invasiven Verfahren in sich. Die Methode kann bei nahezu jedem Patienten angewendet werden, meist sogar für Wechseleingriffe.

Im Vergleich zu den anderen Methoden ist das Konzept noch relativ jung und nicht weit verbreitet, hat aber das Potential, zum Standardverfahren der minimal-invasiven Hüftgelenksendoprothetik zu werden.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare zum Artikel (4)


23.06.2017 - 15:04 Uhr

Wird diese Methode in Essen nur in dieser...

von Meinhard

... Privatklinik durchgeführt? Wen würden Sie bei Kassenpatienten empfehlen?

20.03.2017 - 17:03 Uhr

Seit über fünfzig Jahren fühle ich Stiche in...

von Diethelm K.

... einer Hüfte. Als Folge einer Paraplegie fühlte ich sie einige Jahre nicht mehr. Jetzt bin ich 75 Jahre alt und habe starke Spannungen in beiden Beinen. Könnte mir eine OP wenigstens die Stiche ersparen?

17.11.2016 - 09:10 Uhr

Ich finde es sehr schade, dass hier die...

von Orthopädisches Center

... AMIS-Methode so extrem in den Vordergrund gestellt wird. Ich selber habe viele Hüften mit dieser Methode versorgt, bin aber wieder auf den minimalinvasiven vorderen Zugang zurückgegangen. Dieses hatte mehrere Gründe: Der vordere Zugang ist für einen erfahrenen Operateur viel einfacher und schneller durchzuführen. Ich habe sogar Patienten mit einem BMI von bis zu 44,8 damit versorgt - das geht, es ist natürlich schwierig. Wenn ich die AMIS-Methode verwende, muss ich Prothesen dieser Firma einbauen, somit bin ich natürlich in meiner freien Implantatwahl eingeschränkt. Beim vorderen Zugang kann ich einbauen, was ICH will und nicht das, was eine Firma mir vorgibt. Die Verletzung von Muskulatur kann bei beiden Verfahren vorkommen, denn immer muss ich Muskeln beiseite halten, wenn ich die Pfanne präpariere. Nicht erwähnt wurden beim AMIS-Verfahren die möglichen Komplikationen im Bereich des Sprunggelenkes (hier wurden von einigen Kollegen Brüche beschrieben, wenn man an dem Bein ziehen muss und dieses auch gleichzeitig extrem nach außen verdrehen muss). Nervendruckschäden im Bereich des Skrotums/ Dammes können auftreten. Kribbelgefühl (auch teilweise auf dauer) im Oberschenkel können auch bei der AMIS-Methode auftreten so wie auch beim vorderen Zugang. Es ist also eher ein Marketing-Gag. Positiv ist aber zu erwähnen, dass sich mit dieser Methode anfangs etwas ungeübterer Kollegen leichter tun als mit dem vorderen Zugang. Dies ist meine persönliche Meinung und Erfahrung. Bis ein Patient am AMIS-Extensionstisch richtig gelagert ist, baue ich meine Pfanne ein! Alles ist also Erfahrungs- und vor allem Geschmacksache!

31.08.2016 - 16:04 Uhr

Ich bin 77 Jahre alt und habe 2 künstliche...

von Elmar G.

... Hüftgelenke. Das erste Hüftgelenk wurde vor 18 Jahren und das zweite vor 14 Jahren eingesetzt. Nun ist bei dem Gelenk, das 14 Jahre alt ist, die Pfanne locker und sollte ersetzt werden. Da meine Gesundheit durch Parkinson und Diabetes Typ 2 (Tabletten) nicht die beste ist, wurde mir nach ausführlicher Beratung in einer Klinik eine Verlegung nach Dresden vorgeschlagen. Da ich zu meiner Klinik jedoch ein großes Vertrauen habe, habe ich nicht zugesagt und hoffe nun auf eine Lösung. Wie würden Sie handeln? Ich bitte um den Rat eines Chirurgen, da mir das Risiko sehr groß erscheint.

Facharztklinik Essen

Antwort vom Autor am 05.09.2016
Facharztklinik Essen

Lieber Patient, leider ist es schwierig Ihnen auf die Entfernung, und ohne das Vorliegen medizinischer Vorbefunde, einen fundierten Rat zu erteilen. Die Entscheidung für eine Wechseloperation muss v.a. bei entsprechenden Begleiterkrankungen gut durchdacht werden: dabei handelt sich es sich immer um eine individuelle Entscheidung, die an Ihre spezielle Situation angepasst sein muss. Dazu muss der behandelnde Arzt alle Befunde über Ihr Hüftgelenk und Ihre anderen Erkrankungen sichten, und sich im persönlichen Gespräch, bzw. durch körperliche Untersuchung , ein umfassendes Bild Ihrer Situation machen. In „ihrer Klinik“ hat man Ihnen nahegelegt, sich in einer anderen Klinik vorzustellen. Ich vermute, dass es sich dabei um eine spezialisierte Klinik handelt, die entsprechende Erfahrung mit Wechseloperationen hat. Falls dem so ist, kann ich mich diesem Rat nur anschließen. Mit freundlichen Grüßen, Dr. med. Ulrich Hasenberg Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie


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