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Kreuzbandriss: Kreuzbandplastik oder Refixation?

Prof. Dr. Ostermeier

von
verfasst am

 

Funktion der Kreuzbänder
© www.gelenk-klinik.de© www.gelenk-klinik.deDie kurzen und reißfesten Kreuzbänder verbinden und stabilisieren den Oberschenkel und Unterschenkelknochen im Kniegelenk. Auch bei großer Beschleunigung, oder beim Treppen abwärtsgehen sorgen die Kreuzbänder für Stabilität im Kniegelenk.

Was ist ein Kreuzbandriss?
Meistens ist das vordere Kreuzband betroffen. Dabei kann die Rissform ganz unterschiedlich sein: Einerseits kann es komplett gerissen sein, so dass die Stabilität durch das Kreuzband nicht mehr gegeben ist. Andererseits können aber auch nur die innersten Fasern gerissen sein und die äußere Hülle lediglich gedehnt. Auch dann ist die Stabilität nicht mehr gegeben, obwohl das Kreuzband äußerlich intakt erscheint. Neben diesen Rissformen im Band selbst kann es auch aus seiner knöchernen Verankerung gelockert oder gelöst sein.

Wie spürt der Patient den Kreuzbandriss?
Wenn der Unterschenkel stark verdreht wird, kann ein Kreuzbandriss auftreten. Der Mediziner spricht dann von einer Kniedistorsion. Das kann z.B. bei einem Angriff beim Fußball passieren. Auch bei einem Skiunfall tritt ein Kreuzbandriss häufig auf. Bereits beim Unfallhergang spürt der Patient ein Reißen im Knie, häufig auch mit einem hörbaren Knall. Das Knie schwillt dann schnell an. Häufig sind beim Kreuzbandriss noch andere Bänder oder der Meniskus mit verletzt. Das Knie wird nach Kreuzbandriss weniger belastbar und schmerzhaft. Beim Treppen abwärts gehen gibt das betroffene Knie zu stark nach. Diese fehlende Bandfunktion kann nicht durch Muskelarbeit ausgeglichen werden. Die Koordination und Kraftentwicklung im Knie sind nach Kreuzbandriss fühlbar beeinträchtigt.

Wann sollte eine ärztliche Untersuchung stattfinden?
Ein Patient sollte bei Verdacht auf Kreuzbandriss oder nach einer Verdrehung des Knies mit Schwellung und Verlust der Belastbarkeit auf jeden Fall den Orthopäden aufsuchen. Das ist besonders wichtig, wenn der Patient wieder sportlich aktiv werden will. Man sollte auf keinen Fall mit Schmerzen weitertrainieren. Es handelt sich um einen medizinischen Notfall.

Wie untersucht der Arzt die Kreuzbandruptur?
Durch Befragung des Patienten und verschiedene manuelle Untersuchungen (z.B. Schubladengriff) erhält der Kniespezialist klinische Hinweise auf die Instabilität der gerissenen Kreuzbänder. Der Kreuzbandriss wird dann durch bildgebende Verfahren bestätigt. Durch Kernspintomographie (MRT) kann der Kreuzbandriss bestätigt werden. Das MRT kann auch begleitende Knorpel- Knochenschäden und Meniskusrisse darstellen.

Kreuzbandriss Therapieren: Konservativ oder Kreuzbandplastik?
Vor allem bei jungen oder sportlichen Patienten führt eine Instabilität im Kniegelenk nach Kreuzbandriss nach 10-15 Jahren zu Knorpelschäden und letztlich Kniearthrose. Durch Koordinationsstörungen und verminderter Kraftentfaltung ist die Leistungsfähigkeit herabgesetzt. Daher wird nur bei wenig aktiven, meist älteren Patienten eine rein konservative Behandlung nach Kreuzbandriss befürwortet. Bei sportlichen aktiven Kreuzband-Patienten muss die Funktion des Kreuzbandes operativ wiederhergestellt werden.

Kreuzbandplastik durch körpereigene Sehne
Der Goldstandard für die Therapie der Kreuzbandruptur ist seit vielen Jahren die Wiederherstellung durch Kreuzbandplastik (Kreuzbandrekonstruktion): Bei einer arthroskopischen (minimalinvasiven) Operation wird ein Stück einer anderen körpereigenen Sehne gewonnen (die Gracilissehne am hinteren Oberschenkel, oder das Patellasehnendrittel). Man spricht hier vom autologen Transplantat. Nach mehrfacher Faltung wird es als Kreuzbandplastik in das Knie implantiert. Es wächst an der Knochenverankerung in Oberschenkel und Unterschenkel wieder ein. Innerhalb weniger Monate wachsen Blutgefäße in die Kreuzbandplastik ein, so dass es zum natürlichen Teil des Bewegungsapparates wird. Die Heilungsphase dauert 3-4 Monate. Schmerzen durch Sehnenentnahme gehören zu den Nebenwirkungen der Kreuzbandplastik.

Kreuzbandrefixation: Gerissenes Kreuzband wird rekonstruiert
Wenn das Kreuzband an einem Ende aus der knöchernen Verankerung ausgerissen ist und nicht in der Mitte, kann es refixiert werden. Dabei wird das ausgerissene Knochenfragment wieder an den Knochen befestigt und heilt wieder ein. Die Vorteile: Es muss kein Sehnenmeterial von anderer Stelle gewonnen werden. Die Propriozeption, das heißt das „Kniegefühl” bleibt bei der Refixation gleich, da das ursprüngliche Kreuzband anatomisch an Ort und Stelle bleibt. Die bei der Kreuzbandplastik unvermeidliche Schwächung am Entnahmeort der Ersatzsehne wird durch Kreuzbandrefixation vermieden.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare zum Artikel (2)


21.04.2015 - 18:53 Uhr

Hallo...ist eine Kreuzbandrefixation besser als...

von chris

... die Plastik?....Also was sind die Unterschiede vom Ergebnis her? Ist das Kreuzband nach einer Refixation stabiler als nach der Plastik usw?

Prof. Dr. Ostermeier

Antwort vom Autor am 23.04.2015
Prof. Dr. med. Sven Ostermeier

Lieber Patient, bei der Kreuzbandrefixation hat man zunächst keine Entnahmepathologie: Es muss also kein Stück Band aus der Patellasehne oder der Hamstringsehne herausgeschnitten werden. Eine Schwächung anderer Sehnen wird also vermieden. Bei der letztendlichen Stabilität gibt es keine wesentlichen Unterschiede. Die Refixation bringt aber das Band zurück, das mit Dehnungsrezeptoren auch das natürliche Beugegefühl wieder herstellt, die Propriozeption ist bei Refixation also auch verbessert, im Vergleich zur Kreuzbandplastik.

04.03.2015 - 12:53 Uhr

2008 habe ich mich einer Kreuzband-OP, vorderes...

von Jens

... Kreuzband des rechten Knies, unterzogen. Dabei wurde eine selbstauflösende Schraube eingesetzt, die sich bis zum MRT im Dez. 2014 noch nicht aufgelöst hat. Im Jan. 2014 hatte ich die Metallschraube entfernen lassen. Im Okt. 2014 begann meine Odysee: Nach einem leichten Lauftraining, die Muskulatur war also warm, war es beim Treppensteigen als ramme mir jemand ein Messer über dem Knie ins Bein. Nach einer Miniskus-OP Febr. 2015, mit der ich mir Erleichterung erhoffte, sind diese Schmerzerscheinungen noch immer da. Ich weiß nicht mehr weiter, denn mir erscheint ein direkter Zusammenhang zwischen Metallentfernung und selbstauflösender Schraube zu bestehen. Denn bis Jan. 2014 war ich beschwerdefrei! Wer kommt für diesen Materialfehler auf? An wen kann ich mich wenden?

Prof. Dr. Ostermeier

Antwort vom Autor am 10.03.2015
Prof. Dr. med. Sven Ostermeier

Lieber Patient, Ihre Situation ist nicht so ohne weiteres eindeutig. Selbstauflösende Schrauben sind eigentlich zuverlässige Produkte. Sie schreiben dass sie eine Metallschraube entfernen ließen: Metallschrauben sind aber nicht selbstauflösend. Ein Meniskusschaden ist nicht ohne weiteres eine Folge. Meniskusschäden sind auch nicht in der Weise schmerzhaft, wie sie das schildern. Das vordere Kreuzband macht sich weniger beim Treppensteigen, als beim Treppenabwärts gehen bemerkbar. Vielleicht wollen Sie diese Fragen in einem Untersuchungstermin bei einem Spezialisten klären? Haben sie eine vollständige Untersuchung Ihres Kniegelenks vornehmen lassen?


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