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Schleimbeutel- und Sehnenerkrankungen: Welche Therapien am besten helfen

Dr. Maria Niki Aigyptiadou

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©fotolia-henrieEine Schleimbeutelentzündung kann zu Rötungen und Schmerzen an der betroffenen Stelle führen (©fotolia-henrie)Sie haben sich körperlich überlastet und plötzlich ist eine bestimmte Bewegung sehr schmerzhaft? Das könnte eine Schleimbeutelentzündung sein. Schleimbeutel- und Sehnenerkrankungen sind lästig, lassen sich aber gut heilen, wenn Sie die betroffene Region sofort schonen. Lesen Sie hier, was Sie tun können und wie Ihnen der Arzt hilft.

Schleimbeutelentzündungen: Definition und Ursachen

Schleimbeutel sind kleine, mit Flüssigkeit gefüllte Säckchen zwischen Muskeln, Knochen, Sehnen und Bändern. Sie kommen an ungefähr 160 Körperstellen vor, an denen der Bewegungsapparat oft mit erhöhten mechanischen Druckbelastungen klar kommen muss, und Verletzungen zu verhindern sind. Am anfälligsten sind Schleimbeutel am Knie, am Hüftgelenk, an der Schulter und am Ellenbogen.

Eine Schleimbeutelentzündung, auch Bursitis genannt, entsteht nach übermäßiger körperlicher Belastung oder Sport mit ungewöhnlichen, wiederholten Bewegungen. Sie verursacht plötzlich starke Gelenkschmerzen. Weitere Ursachen sind bakterielle Infektionen nach schweren Verletzungen oder rheuma- oder stoffwechselbedingte Erkrankungen, wie zum Beispiel Gicht.

Bei Hobby-Läufern entzündet sich oft die Achillessehne oberhalb der Ferse. Rollt der Fuß beim Laufen ab, überträgt sich von dieser Sehne eine hohe Kraft auf den Fuß. Die übermäßige Wiederholung der Bewegung sorgt dafür, dass sich der dazwischen liegenden Schleimbeutel entzündet. Die Beschwerden können sich auf die Achillessehne ausbreiten und sie sogar reißen lassen. Die Regeneration kann Monate oder sogar Jahre dauern.

Bei Männern sind bakterielle Schleimbeutelentzündungen häufiger. Wenn der Arzt eine solche Erkrankung vermutet, lässt er eine Blutuntersuchung machen und entnimmt eine Probe des betroffenen Schleimbeutels. Danach wählt er die geeignete Antibiotikatherapie.  

Zur Diagnose sind manchmal Röntgenbilder hilfreich, aber nur selten sind Ultraschalluntersuchungen oder eine Magnetresonanztomografie nötig.

Schulterbursitis: Vorsicht bei erhobenen Armen

Die Entzündung einer oder mehrerer der 4 Schleimbeutel in der Schulter äußert sich mit starken, stechenden Schmerzen, die plötzlich und oft während der Nacht auftreten und einige Tage dauern.

Meistens ist der Schleimbeutel über dem Schultergelenksdach betroffen, der verhindert, dass der Oberarmknochen gegen das knöcherne Schulterdach stößt, wenn Sie den Arm anheben. Aktivitäten, die eine Schulterbursitis verursachen, sind zum Beispiel Holzhacken, Streichen oder Klettern. Immer wenn Sie viel mit den Armen über dem Kopf arbeiten, könnten die Schleimbeutel Schaden nehmen.

Weitere Ursachen sind Alterungsprozesse, die wegen Abnutzung und Verschleiß den Platz oberhalb des Schultergelenkes verengen und Sehnen- und Muskelrisse sowie Kalkablagerungen in Sehnen und Schleimbeuteln begünstigen. In diesem Fall entwickeln sich die Schmerzen langsam, dauern aber länger.  

Entzündungshemmende und schmerzlindernde Medikamente beseitigen die Schmerzen. Manchmal ist auch eine Kortisonspritze nötig.

Tipp: Beginnen Sie sofort mit der Schmerzbehandlung und ertragen Sie die Beschwerden nicht ,,tapfer‘‘. Je länger Sie unter den unbehandelten Schmerzen leiden, desto größer ist das Risiko, dass die Schulter dauerhaft ,,einfriert‘‘ und nicht mehr richtig beweglich ist. Dann kann nur noch eine OP weiterhelfen.  

© Robert Kneschke - FotoliaEine Ellenbogenbursitis kann durch kleine Fehlbelastungen im Alltag entstehen (© Robert Kneschke - Fotolia)Ellenbogenbursitis: Arme besser nicht zu oft abstützen!  

Stützen Sie gerade beim Lesen den Ellenbogen auf dem Tisch? Wenn Sie das oft machen, riskieren Sie, an einer Ellenbogenbursitis zu erkranken.

Sie betrifft meistens die knöcherne Spitze des Ellenbogens. Weitere Auslöser sind bakterielle Infektionen und andere Krankheiten wie Rheuma oder Gicht.  Flüssigkeit sammelt sich im Gewebe an, die Durchblutung verstärkt sich und die Nerven in der betroffenen Region reagieren sofort auf die kleinsten Reize.

Die Ellenbogenbursitis äußert sich mit Rötungen, Schwellungen und sehr schmerzhaften Berührungsempfindlichkeiten am Ellenbogen, so dass die Betroffenen den erkrankten Arm kaum noch bewegen können, ohne vor Schmerzen aufspringen zu müssen.  

Auch hier werden entzündungshemmende und schmerzlindernde Medikamente zur Behandlung und wenn nötig Kortisonspritzen eingesetzt. Hausmittel, wie kalte Wickel und Umschläge zum Kühlen, sowie die Entlastung des betroffenen Ellenbogen helfen auch.

Nutzt das alles nichts, muss der entzündete Schleimbeutel operativ entfernt werden. Eine OP ist fast immer bei bakteriellen Entzündungen nötig, die zusätzlich durch Antibiotika behandelt werden. 

Hüftenbursitis:  Die Schleimbeutelentzündung der Langläufer

An der Außenseite des Oberschenkelknochens gibt es einen großen Knochenvorsprung, der von einem starken Stabilisierungsband gestützt wird. Dazwischen liegt ein Schleimbeutel, der Reibungen zwischen Knochen und Band verhindert. Wenn sich der Schleimbeutel entzündet und anschwillt, reibt das Band bei jedem Schritt daran, was starke, bewegungsabhängige Schmerzen verursacht. Wenn der Betroffene das Bein seitlich abspreizt, die Hüfte nach außen bewegt oder auf der erkrankten Hüfte liegt, entstehen starke Schmerzen, die in den Po und ins Knie ausstrahlen.

Übergewichtige Frauen erkranken häufiger an einer Hüftenbursitis. Weitere Risikofaktoren sind Rheuma, körperliche Überlastung wie Langstreckenlaufen, unterschiedliche Beinlängen und eine ,,schnappende Hüfte‘‘, wenn das Stabilisierungsband über den Oberschenkelknochenvorsprung hin- und herspringt. 

Neben den üblichen Behandlungsmethoden der Schleimbeutelentzündungen, inklusive Gelenkentlastung und medikamentöser Therapie mit Entzündungshemmern, Schmerzmitteln und Kortison, beschleunigt eine Physiotherapie die Regeneration des geschädigten Gewebes.

Bei einer schnappenden Hüfte ist eine OP unumgänglich, bei Übergewicht hilft eine gesunde, kalorienarme Ernährung. Rheuma wird gesondert behandelt.

Kniebursitis: Das ,,Priester-Knie‘‘

Meistens ist der Schleimbeutel vor oder der unterhalb der Kniescheibe betroffen. Eine Kniebursitis entsteht oft bei Fliesen- und Teppichlegern oder bei der Gartenarbeit. Berufsverbände empfehlen deswegen, Knieschoner zu tragen. Auch nach langem Knien beim Beten kann eine Kniebursitis auftreten, die auch ,,Priester-Knie‘‘ genannt wird.

Betroffene leiden unter Rötungen, Schwellungen und Überwärmungen des Kniebereiches. Darüber hinaus haben sie starke Schmerzen, wenn sie das erkrankte Knie bewegen, besonders wenn sie es beugen oder überstrecken. Daher vermeiden sie Kniebewegungen und Treppensteigen.

Zur Behandlung helfen Schonung, Kühlen, Medikamente und gezielte Übungen der Muskeln, die das Knie stabilisieren.

© fotolia-bilderzwergWenn ein Gelenk zu stark beansprucht wird, kann dies zu einer Sehenscheidenentzündung führen (© fotolia-bilderzwerg)Was ist eine Sehnenscheidenentzündung?

Sehnenscheiden enthalten Gelenkschmiere und ummanteln die Sehnen, die sich in ihren Scheiden normalerweise frei auf und ab bewegen. Indem die Sehnen die Muskelkraft auf die Knochen übertragen, bewegen sie die Gelenke.

Entzündet sich eine Sehnenscheide, verengt sich ihr Innenraum und die Sehne kann sich nicht mehr frei bewegen. In fortgeschrittenen Fällen verschmelzen Sehne und Sehnenscheide, so dass die verklebte Sehne in ihrer Scheide stecken bleibt.

Die Entzündung wird meistens von Überlastungen und Fehlhaltungen verursacht, nur selten sind Bakterien dafür verantwortlich. Eine Sehnenscheidenentzündung kann an jeder Sehnenscheide vorkommen, aber am häufigsten betrifft sie diejenigen an Hand, Unterarm und Fuß.

Die bekanntesten Formen einer Sehnenscheidenentzündung sind der sogenannte Schnappfinger und der Hausfrauendaumen.

Der ,,Schnappfinger‘‘

Ein Schnappfinger entsteht, wenn Sehnenscheiden im Bereich der Beugesehnen der Hand entzündet sind. Die Erkrankung heißt auch „schnellender Finger“, „Triggerfinger“ oder „Ringbandstenose“. Jeder  Finger kann betroffen sein, am häufigsten jedoch handelt es sich um den Mittelfinger, den Daumen oder den Ringfinger.

Beugt sich der erkrankte Finger, bleibt er in der gerade eingenommenen Stellung hängen. Wenn er mit Hilfe der anderen Hand wieder gestreckt wird, entsteht ein deutlich sichtbares und oft schmerzhaftes Schnappen. Weitere Symptome sind eine Steifigkeit des kranken Fingers, besonders morgens, eine verschiebliche, druckempfindliche und schmerzhafte Schwellung und ein Spannungsgefühl in der betroffenen Region.

Ungefähr 28 von 100.000 Menschen erkranken jedes Jahr daran. Im Laufe des Lebens tritt ein Schnappfinger bei 2,6 Prozent der Bevölkerung auf und bei Diabetikern steigt das Risiko auf 10 Prozent. Frauen bekommen 6 Mal häufiger einen Schnappfinger als Männer. 

Die Ursachen sind chronische Überlastungen von Fingern und Händen, Gicht, Rheuma und Diabetes. Eine angeborene Form gibt es auch.

Zur Therapie verschreibt der Arzt entzündungshemmende Salben oder verabreicht Kortisonspritzen. Lokale Kühlung und sanfte, physiotherapeutische Bewegungsübungen helfen auch.

Bei fortgeschrittenen Fällen wird das entzündete Gewebe unter lokaler Anästhesie operativ entfernt, so dass sich die Sehne wieder frei auf und ab bewegen kann. Dabei besteht die seltene Gefahr, dass das benachbarte Gefäß-Nerven-Bündel verletzt wird. Nach der OP müssen die Finger so bald wie möglich mobilisiert werden, damit keine Verwachsungen entstehen.

© lightpoet - FotoliaDer Hausfrauendaumen betrofft Frauen wesentlich häufiger als Männer und führt zu Schmerzen beim Greifen und halten (© lightpoet - Fotolia)Der ,,Hausfrauendaumen‘‘

Beim Hausfrauendaumen, auch Quervain-Krankheit genannt, ist das erste Stecksehnenfach am Handgelenk aufgrund einer Überanstrengung entzündet. Frauen sind 8 Mal häufiger als Männer betroffen, oft erkranken sie nach dem 40. Lebensjahr.

Der Hausfrauendaumen verursacht am Handgelenk unterhalb des Daumens insbesondere bei festem Halten und Greifen Schmerzen,  die bis in den Daumen ausstrahlen. Jede Bewegung des Daumens tut sehr weh – auch wenn der Patient nur ein Handtuch auswringt. Der betroffene Bereich ist angeschwollen. Später verengt sich das Stecksehenfach so sehr, dass Betroffene das Reiben der Sehne an ihrer Hühle fühlen und hören können und wenn die Sehnen vollständig blockiert sind, können die Patientinnen den Daumen überhaupt nicht mehr beugen. Die Erkrankung dauert mehrere Wochen bis Monate.   

Der Arzt macht den Finelstein-Test, um die Diagnose zu stellen: Die Patientin umschließt den kranken Daumen mit der Faust und der Arzt kippt das Handgelenk schnell in Richtung Daumenspitze. Verursacht das starke, elektrisierende Schmerzen, handelt es sich um die Quervain-Krankheit.  

Ein Gipsverband hilft, schmerzauslösende Bewegungen zu vermeiden. Entzündungshemmende Salben und Kortisonspritzen lindern die Schmerzen ebenfalls. Bei fortgeschrittenen Fällen führt der Arzt ambulant einen kleinen Hautschnitt unter lokalen Betäubung durch und befreit die blockierte Sehne von der engen Scheide. Nach drei Wochen kann die Patientin das Handgelenk wieder normal belasten.

Fazit

Starke, bewegungsbedingte Schmerzen, die bestimmte Bewegungen unmöglich machen, müssen sofort behandelt werden. Ob Schleimbeutel- oder Sehnenhüllenentzündung - Sie müssen das schmerzende Gelenk sofort schonen und kühlen. Gehen Sie sobald wie möglich zum Arzt, sonst riskieren Sie bleibende Schäden, die Ihre Beweglichkeit beeinträchtigen werden. Mit der richtigen und zeitnahen Behandlung ist Ihre Prognose jedoch ausgezeichnet.  

Links

www.orthinform.de - Patienteninformationsportal des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie
Berufsverband der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie
Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin
Deutsche Gesellschaft für Chirurgie
Berufsverband der Deutschen Chirurgen

Quellen

  • Grainger, A. J. et al.: „MR anatomy of the subcoracoid bursa and the association of subcoracoid effusion with tears of the anterior rotator cuff and the rotator interval”, in: AJR Am J Roentgenol. 2000; 174(5): 1377-80
  • Salzman K.L. et al.: „Upper extremity bursitis”, in: Am Fam Physician. 1997; 56(7): 1797-806
  • Gresser, J. et al.: „Bursitis Iliopectinea - a Rare Differential Diagnosis of Painful Inguinal Swelling”, in: Helv Chir Acta 59, no. 2 (1992): 383-8
  • Butcher, J. D. et al.: „Lower Extremity Bursitis”, in: Am Fam Physician 53, no. 7 (1996): 2317-24
  • Alvarez-Nemegyei J.: „Risk factors for pes anserinus tendinitis/bursitis syndrome: a case control study”, in: J Clin Rheumatol. 2007; 13(2):63-5
  • Le Manac'h, A. P. et al.: „Prevalence of Knee Bursitis in the Workforce”, in: Occup Med (Lond) 2012; 62(8): 658-60
  • Ahuja, N. et al.: Fritz de Quervain, MD (1868-1940): Stenosing Tendovaginitis at the Radial Styloid Process, in Journal of Hand Surgery, Ausgabe 6, 2004

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare zum Artikel (1)


16.09.2018 - 21:29 Uhr

Ich habe seit ca.5 Wochen starke Schmerzen am...

von Werner H.

... Fußspann mit Schwellung, Rötung sowie brennen u.stechen. Bisher keine Linderung trotz kühlen, hochlegen u. Schmerzmitteln. MRT-Aufnahmen wurden angefertigt, keine Aussage für eine verbindliche Diagnose. Evtl.können Sie mir weiterhelfen. Ich wäre sehr dankbar für eine Info. Mfg.W.H.


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