Sehnenschmerzen stadiengerecht behandeln: So funktioniert's

Dr. Marquardt

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© fotolia-drubig-photoSehnenschmerzen treten besonders an den Körperteilen auf, die starken Belastungen ausgesetzt sind (© fotolia-drubig-photo)Sehnenschmerzen können an verschiedenen Stellen des Körpers auftreten. Lesen Sie hier, wie sie in den einzelnen Stadien zu behandeln sind.

Sehnenschmerzen kommen an vielen hochbelasteten Stellen des Körpers vor

  • Fersensporn („Plantarfasziitis“) 
  • Achillessehneschmerzen („Achillodynie“, „Achillessehntendinose“, „Achillessehnenentzündung“) 
  • Patellasehnenschmerzen, Patellaspitzensyndrom
  • Tennisarm, Golfarm („Epicondylitis“)
  • Kalkschulter („Tendinitis calcarea“)

Was meist harmlos mit Belastungschmerzen oder als morgendlicher Anlaufschmerz beginnt, kann sich bei unsachgemäßer Therapie zu großen Problemen entwickeln. Bis in die 1980er Jahre ging man bei derartigen Schmerzen von einer „Entzündungsreaktion“ aus. Man therapierte mit antientzündlichen Mitteln wie Tabletten, Salben und Cortisonspritzen, was allerdings damals wie heute kaum zum dauerhaften Erfolgen führte.

Inzwischen ist die Sehnenerkrankung zum intensiven Forschungsgegenstand geworden. Wir wissen seit Langem, dass oben genannten Sehnenerkrankungen in drei Stadien ablaufen. Daraus ergibt sich eine stadiengerechte Therapie, weil das letzte Stadium vielfach irreversibel ist. Nur bei frühzeitiger, sachgerechter Therapie ist Sportlern die Rückkehr in einen schmerzfreien Trainingsprozess möglich. 


Stadium 1 - reaktive Sehnenveränderung

Was passiert? Über- und Fehlbelastungen bringen die Sehnenzellen dazu, Eiweiße zu bilden. So lagert sich Wasser in der Sehne ein. Die Folge: Sie wird dick und schmerzt.

Ultraschall-Befund: verdickte Sehne, keine Gefäßneubildungen

MRT-Befund: Verdickung und Wassereinlagerung der Sehnen

Therapiemaßnahmen:

  • Ursachensuche und Beseitigung (z. B. Schuh- und Einlagenanpassung nach Bewegungsanalyse) 
  • exzentrisches Wadenkrafttraining (n. Alfredson)
  • Flossing (Kompressions-Dekompressionstherapie)
  • Therapie mit Faszienrollern
  • Nitroglycerin-Spray
  • Physiotherapie
  • Mikronährstoffeanalye und Substitution (Glucosamin, Chondroitin, Kollagenhydrolysate, Hyaluronsäure, Vitamin C, Vitamin D, Omega-3-Fettsäuren)
  • Enzympräparate
  • Injektionen mit Phytotherapeutika (pflanzliche Mittel)

Therapiedauer: vier bis zwölf Wochen, auch bei intensiver Therapie

Prognose: Sehr gut! Ein Übergang in Stadium 2 mit verlängerter Therapiedauer und verringerten Erfolgschancen sollte aber unbedingt vermieden werden. Eine fokussierte Stoßwellen- und Eigenblutherapie ist daher frühzeitig zu erwägen.


©Photographee.eu - fotoliaSehenschmerzen sollten nicht ignoriert werden, da Schäden oft nicht mehr umkehrbar sind, wenn sie zu weit fortgeschritten sind (©Photographee.eu - fotolia)Stadium 2 - fehlgeschlagene Regeneration der Sehne

Was passiert? Unter weiterer Fehlbelastung werden weniger belastbare Kollagenfasern Typ III gebildet. Die Kollagenfasern weichen weiter auseinander und Blutgefäße wachsen in die geschädigte Sehne ein.

Ultraschall-Befund: verdickte Sehne, dunkle Areale, beginnende Gefäßneubildungen

MRT-Befund: Verdickung und Wassereinlagerung der Sehnen, Ausschluss von Teilrissen

Therapiemaßnahmen:

  • Therapie des ersten Stadiums
  • fokussierte und radiäre Stoßwellentherapie 
  • Eigenbluttherapie („platelet rich plasma“, bspw. „ACP“) 
  • Sklerosierungstherapie (Verödung der Gefäßneubildungen)

Therapiedauer: sechs bis zwölf Monate

Prognose: Meist ist eine Regenration nur mit allen therapeutischen Maßnahmen möglich. Es besteht die Gefahr, dass die Sehnenerkrankung in das irreversible Stadium 3 übertritt.


Stadium 3 - Degeneration der Sehne

Was passiert? Die Kollagenfaserstruktur verringert sich weiter. Das schwer geschädigte Sehnengewebe wird von Gefäßneubildungen durchzogen und ist nicht mehr in der Lage, sich zu erholen.

Ultraschall-Befund: stark verdickte Sehne, ausgeprägte dunkle Areale, ausgedehnte Gefäßneubildungen

MRT-Befund: Verdickung und Wassereinlagerung der Sehne, Ausschluss von Teilrissen

Therapiemaßnahmen:

  • Therapien des ersten und zweiten Stadiums
  • fokussierte und radiäre Stoßwellentherapie 
  • Eigenbluttherapie („platelet rich plasma“, bspw. „ACP“)
  • Sklerosierungstherapie (Verödung der Gefäßneubildungen) 
  • operative Therapie mit Entfernung des degenerierten Gewebes

Therapiedauer: 6 bis 24 Monate

Prognose: Veränderungen des Sehnengewebes sind nicht mehr umkehrbar. Die Therapie zielt darauf ab, Schmerzfreiheit herzustellen und dem Sehnenanteil zu helfen, der sich noch erholen kann.


©pololia - fotoliaWenn Ihre Schmerzen über längere Zeit anhalten sollten Sie eine Ultraschalluntersuchung bei Ihrem Arzt durchführen lassen (©pololia - fotolia)In welchem Stadium befinde ich mich?

Darüber gibt am ehesten die Ultraschalluntersuchung Ihres Arztes Auskunft. Zur Selbsteinschätzung dienen folgende Hinweise:

  • Stadium 1: Schmerzen seit einigen Wochen oder Monaten, die bei Entlastung verschwinden
  • Stadium 2: Schmerzen seit vielen Monaten, die Sehne ist merklich verdickt, morgendlicher Anlaufschmerz
  • Stadium 3: Schmerzen seit Jahren, die Sehne ist stark verdickt, Beschwerden auch bei Alltagsbelastungen

Wenn Sie die stadiengerechte Behandlung beachten, sollte einer effektiven Therapie nichts im Wege stehen. Und denken Sie daran: Was keine Entzündung ist, darf auch nicht als solche behandelt werden!


Vorsicht vor der „schnellen Spritze“ bei Sehnenbeschwerden

Da Cortisoninjektionen die Stoffwechselaktivität reduzieren, können sie zwar vorübergehend Schmerzen lindern, das Sehnengewebe aber nicht vollständig heilen. Im Gegenteil: Sehnenrisse werden auch Jahre nach Cortisoninjektionen beschrieben.

Insbesondere Sportler sollten keine Cortisoninjektionen bei degenerativen Sehnenerkrankungen vornehmen lassen, sondern mit ihrem Sportarzt schnellstmöglich eine stadiengerechte moderne Sehnentherapie einleiten.


Vorsicht vor Antibiotika bei Sehnenbeschwerden

Bekanntermaßen können sogenannte Fluorchinolone zu schweren Veränderungen der Sehnen führen. Die Präparate, die als Breitbandantibiotika bei Atemwegs- und Harnwegsinfekten eingesetzt werden, haben in seltenen Fällen zum Verfall und zur Rissbildung von Sehnengewebe geführt. Patienten mit Sehnenerkrankungen, insbesondere Sportler und ältere Personen, sollten also soweit möglich auf derartige Präparate verzichten.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare zum Artikel (3)


19.11.2017 - 11:14 Uhr

Kann es auch im Bereich hinterer Oberschenkel/...

von Frank B.

... Becken/LWS-Bereich zu diesen Beschwerden kommen?

18.11.2017 - 23:07 Uhr

Perfekte Zusammenfassung - bedarf keiner weiteren...

von Oliver K.

... Erläuterung

18.11.2017 - 21:05 Uhr

Wieso hört man nichts von...

von Uli D.

... Deuserstbchen/Japanische Massagestäbchen?


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