Mit Selbstmanagement zur Selbstwirksamkeit

Prof. Dr. Pscherer

© Jörg Pscherer© Jörg PschererDer Glaube, mit eigener Kraft schwierige bis scheinbar unmögliche Situationen bewältigen zu können, ist ein faszinierendes Phänomen. Gerade psychisch Kranke brauchen die Zuversicht, im Rahmen des Möglichen selbst zur Gesundung beizutragen. Die Selbstmanagementtherapie ist ein wissenschaftlich fundiertes, modernes verhaltenstherapeutisches Verfahren - ein ressourcen- und lösungsorientierter Ansatz, der zur State-of-the-Art-Behandlung gehört.

Am Beispiel Sucht lässt sich der Einfluss von Selbstwirksamkeit gut demonstrieren, da bei dieser Krankheit Selbstkontrolle ein zentraler Ansatzpunkt ist. So zeigt eine Studie bei Alkoholikern, dass die Überzeugung widerstehen zu können, entscheidend zur Gesundung beiträgt. Aber nur dann, wenn der Glaube an die eigene Wirksamkeit keine naive Hoffnung ist. Wichtig ist, eine realitätsnahe Zuversicht in konkreten Problemsituationen aufzubauen, gestützt durch ein positives Selbstwert- und Lebensgefühl. Die Basis für erfolgreiches Selbstmanagement ist daher eine ausgewogene seelische, körperliche und soziale Ressourcenlage.

In der Selbstmanagementtherapie ihres Begründers Frederick Kanfer hat die Ressourcenaktivierung einen großen Stellenwert, denn sie dient der Kompetenz, eigene Verhaltensmuster adäquat zu steuern. Autonomie und Selbstverantwortung sind menschliche Grundbedürfnisse, weshalb der therapeutische Ansatz dem Prinzip der minimalen Intervention folgt und auf motivationale Selbsthilfekräfte baut (so viel therapeutischer Einfluss wie nötig, so wenig wie möglich). Gemäß lerntheoretischer Grundsätze lassen sich individuelle Selbstkontrollstrategien zur Steuerung des eigenen Verhaltens einsetzen: Verstärkung und Stimuluskontrolle. Ein Beispiel: Man belohnt sich bei der Arbeit mit einer angenehmen Pause (positive Verstärkung), schaltet „verlockende“ E-Mail-Signale aus (Stimuluskontrolle) oder verzichtet auf kurzfristige Ablenkungen. Selbstmanagement ist selbstverpflichtend, systematisch und konsequent. Gedankensteuerung spielt dabei eine wichtige Rolle - etwa durch Selbstinstruktionen („eins nach dem anderen“, „gut gemacht“). Ziel- und Wertfragen dienen der Motivierung und Zukunftsreflexion, Realitätsübungen ermöglichen gegenwärtige Bewältigungserfahrungen. Handlungserfolge wirken sich wiederum auf das eigene Kompetenzgefühl aus. Selbstwirksamkeit ist so gesehen der Mittler zwischen Wollen und Können - als Erwartung des Möglichen.

Der Verhaltenstherapeut versteht sich dabei als Problemlösehelfer, als Assistent der Selbstregulation des Patienten. Selbstregulation ist ein dynamischer Prozess auf mehreren Ebenen: beobachtbares Verhalten, gedankliche, gefühlsmäßige sowie körperliche Ebene. Ein individuelles Bedingungsmodell erklärt den Regelkreis innerer und äußerer Einflussfaktoren. Selbstmanagement optimiert dann je nach Problem (etwa Stress) die Interaktion dieser Faktoren, im Beispiel durch Vermeiden krankmachender Stressoren, Korrektur selbstüberfordernder Einstellungen, Reduzieren körperlicher Anspannung und Training gelassener Verhaltensmuster. Äußerst nützlich in der Therapie ist das Anpeilen von machbaren, unmittelbaren Fortschritten. Eines der „Gesetze“ für den Selbstmanagement-Therapeuten lautet: Arbeite zukunftsorientiert, suche nach erfahrbaren Lösungen und richte die Aufmerksamkeit auf die Stärken des Patienten. Aber natürlich darf auch Raum sein für achtsames Innehalten und Verständnis der persönlichen Lage des Betroffenen. Und nicht zuletzt auch Raum für Humor, denn mit einem „Lächeln geht´s leichter", wie eine Patientin einmal treffend formulierte. Dieses Motto spiegelt dies wider: „Nicht alles ist möglich, aber immer ist etwas möglich."

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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