Wozu führt dauerhafter Stress? Körperliche Stressfolgen

Priv.-Doz. Dr. Reinhardt

© fotolia-87209063-Jeanette DietlVerspannungen können ein Hinweis auf zu viel Stress sein. (© fotolia-87209063-Jeanette Dietl)

Stress ist allgegenwärtig und eine wichtige Grundbedingung des menschlichen Lebens. Stress kann die Leistungsfähigkeit steigern. Die daraufhin im Körper hervorgerufene Stressreaktion ist eine notwendige Bedingung für das Aufwachsen, das Lernen sowie die Erfüllung von Anforderungen des Alltags.

Wann macht Stress krank?

Aber Stress kann auch krankmachen: Wenn die Zahl der einwirkenden Stressursachen die Intensität unsere Kräfte übersteigt, spricht man von krankhaftem Stress! Dann läuft die natürliche und gesunde Stressreaktion des Körpers aus dem Ruder und kann zu Veränderungen im Zusammenspiel unserer Körpersysteme führen:

Es können Funktionsstörungen des Kreislaufs, des Verdauungssystems, des Schlafes, der Erholungsfunktionen, des Immunsystems und des Hormonsystems sowie weiterer Organe und so genannter Regelkreise entstehen. Die Hauptsymptome einer aus dem Ruder gelaufenen Stressreaktion sind:

Oftmals treten die Symptome auch erst nach einer Stressphase auf, in der nach eigenem Empfinden „alles wieder gut“ ist.
 

Dauerhafter Stress führt zu Burnout

Durch Stress bedingte Veränderungen können nach langfristiger Einwirkung das Gefühl bewirken, erschöpft und „ausgebrannt“ zu sein, plakativ im Sprachgebrauch auch als Gefühl eines „Burnout“ tituliert. Oft resultiert eine gegenseitige Beeinflussung aller Systeme, in der dann Sorgen, Verunsicherung und Angst eine Symptomatik noch einmal zusätzlich wesentlich verschlechtern - irgendwann entsteht dann neben dem Gefühl der körperlichen Erschöpfung auch ein Gefühl des emotionalen „Ausgebranntseins“.
 

Therapiemöglichkeiten

Insgesamt hilft dagegen nur eine umfassende Betrachtung des Menschen als Ganzen, die in spezialisierten Einrichtungen heute sehr differenziert erfolgen kann. Bei der Diagnostik und in der Beratung ist besonders die Erkenntnis wichtig, dass der Körper wie eine Einheit aus Hardware (Organfunktion) und Software („Psyche“) gesehen werden muss.

© Viktor_Gladkov - iStockZu viel Stress kann zu Burnout führen. (© Viktor_Gladkov - iStock)Bei allen Funktionsstörungen ist daher in jedem Fall eine umfassende Abklärung rein körperlicher Ursachen (der Hardware) wichtig. Aber wenn hier nichts gefunden wird, kann die Fehlfunktion auch im Bereich der überaus komplexen Steuerung (Software) liegen oder im Zusammenspiel aus Organfunktion und Steuerungsmechanismen.

Erstaunlicherweise haben viele Menschen Angst, sich mit der eigenen „Software“ zu beschäftigen, denn sie befürchten, dann in die „Psychoecke“ geschoben zu werden - dass das eine laienhaft völlig falsche Einschätzung von Softwarefunktionsstörungen ist, muss im Rahmen der Abklärung und Befundbesprechung immer wieder betont werden.
 

Fazit

Zunächst sollte man therapeutisch mittelfristig die Ursachen für den Stress beseitigen. Hierbei sollte man ein gewisses "Zeitmanagement" oder andere Formen der Selbstoptimierung betreiben, da sonst die Gefahr besteht, noch mehr zu arbeiten bzw. sich zu überbelasten. Im Sinne einer "Work-Life-Balance" sollte man sich im Wochenplan fest verankerte Freiräume schaffen, in denen weder berufliche noch private Pflichtaufgaben zu erfüllen sind.

Aber auch wenn wir nicht immer die Ursachen für ungesunden Stress abstellen können, sind wir diesem Stress nicht hilflos ausgeliefert: Es bestehen vielfältige Möglichkeiten, die Stressreaktion unseres Körpers zu regulieren - und somit das zu modifizieren, was der Stress mit uns und unserem Körper macht.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare zum Artikel (1)


09.12.2016 - 13:03 Uhr

Guten Tag Herr Priv.- Doz.Dr.med Frank-Michael...

von Detlef P.

... Reinhardt, genau so trifft das bei mir in etwa zu. Muss ich jetzt meinen Job kündigen, um wieder zur Ruhe zu kommen. Mit freundlichem Gruß.

Priv.-Doz. Dr. Reinhardt

Antwort vom Autor am 12.12.2016
Priv.-Doz. Dr. med. Frank-Michael Reinhardt

Sehr geehrter Leser, was in Ihrem konkreten Fall der richtige Weg ist, um Stress zu begegnen, kann natürlich pauschal nicht bewertet werden. Sicher ist aber, dass die Wirkung, die Stress bei einem Menschen hervorrruft, nicht nur von den Stressoren abhängt, sondern positiv beeinflusst werden kann- denn häufig lassen sich Stressoren eben nicht einfach abstellen. Dies ist wichtig, und daher wurde im Artikel erwähnt, dass es Möglichkeiten gibt, die Stressreaktion des Körpers zu modifizieren. Lassen Sie sich bezüglich möglicher Verfahren von Ihrem Hausarzt beraten- wir alle können lernen, mehr Hoheit über unsere Stressreaktionen zu gewinnen, und trotz unveränderbarer Umstände besser mit Stress umzugehen. Freundliche Grüße, F. Reinhardt


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