Verstärkte Ängste und psychische Rückfälle durch Corona

Frau Effmert

von
verfasst am

© Viktor Gladkov - iStockDer Umgang mit Corona stellt nicht nur für den Körper, sondern auch für den Geist eine große Herausforderung dar. (© Viktor Gladkov - iStock)"Denk' ich an Corona..." – fällt mir nicht nur das Virus ein. Die Gefahr einer Infektion und die mit ihr verbundenen Schutz- und Hygieneregeln können nicht einfach ausgeblendet werden. Sie stehen im Vordergrund und sind wichtig, um eine unkontrollierte Ausbreitung des Erregers und eine Covid-19-Erkrankung bei Risikopatienten zu vermeiden.

Doch Corona bringt weitaus mehr gesundheitliche Probleme mit sich. Sie sind, wenn überhaupt, erst auf den zweiten Blick erkennbar. Umso wichtiger ist es, sie nicht aus den Augen zu verlieren.

Es geht um die Psyche

Die psychosozialen Auswirkungen durch das Corona-Virus sind immens. Bei vielen Menschen werden durch das Erleben der Pandemie und die mit ihr verbundenen Auflagen bestehende Ängste verstärkt oder neue Ängste erzeugt. Auch nehmen Depressionen zu. Experten haben festgestellt, dass die Corona-Situation bei einigen Personen Schlafstörungen hervorruft.

In Einzelfällen sorgen die emotionalen Belastungen durch Corona für eine Rückkehr oder ein erneutes Durchleben längst verarbeiteter Traumata. Ärzte registrieren auch mehr innerfamiliäre Konflikte und Probleme in Partnerschaften sowie eine Zunahme von Zwangsstörungen und Psychosen.


Die verletzbare Seele ist ausgeliefert

Corona hat bei uns allen zu einer ungewohnten Ausnahmesituation geführt – und ein Ende ist aktuell nicht in Sicht. Die meisten Menschen kommen mit Isolation, Maskenpflicht und unsicherer Zukunft gut zurecht, andere sind besorgt. Diese Besorgnis geht über die normalen Empfindungen und die gesundheitlichen Risiken hinaus.

Betroffene geraten in eine angstbeladene Situation. Druck und Unsicherheit schlagen auf das Gemüt; sie belasten emotional und erzeugen teils schwere, psychische Reaktionen und ein kaum zu bewältigendes Erleben. Eine verletzbare Seele ist dem Coronavirus regelrecht ausgeliefert.


Isolation im Brennpunkt

Im Mittelpunkt der Belastungen durch Corona steht die Isolation. Dieser sind vor allem ältere Menschen ausgeliefert. Ein Verzicht auf liebgewonnene Aktivitäten oder ein fehlender Kontakt zu Familie und Freunden, verbunden mit einem Mangel an Aufmerksamkeit, kann Depressionen fördern.

Das zeigen verschiedene Studien, auf welche, unter anderem, die Bundespsychotherapeutenkammer in Berlin hinweist. Eine auferlegte oder selbst initiierte Isolation führt auch zu einem emotionalen Rückzug.


Fehlen sozialer Kontakte

Bei Kindern und Jugendlichen wirken sich die Umstellungen und Besonderheiten innerhalb schulischer Abläufe auf die Psyche aus. Nach der Schließung von Schulen gibt es im gerade begonnenen, neuen Schuljahr veränderte Abläufe und immer wieder neue Regeln, die Bewährtes und Gewohntes einfach aushebeln.

Die Corona-Situation prägt auch das Familienleben und die häusliche Gemeinschaft. Home-Office der Eltern, kürzere Schulzeiten mit Wegfall von Ganztages- und Sportangeboten sowie digitaler Unterricht bringen für viele Kinder und Jugendliche erhebliche psychische Belastungen mit sich.


Corona schafft Gräben bei Kindern und Jugendlichen

Bei Kindern kann die Corona-Situation weitere Ängste begünstigen: Dazu gehören die Angst vor schulischem Versagen, Schulangst und soziale Ängste. Corona drängt auf Abstand. Abstand steht dem Gefühl und dem Erleben eines Miteinanders jedoch entgegen.

Das Virus zerreißt damit das vertraute soziale Gefüge und schafft Gräben – physisch und psychisch. Wer bereits unter Angststörungen leidet, wird bestimmte Dinge deutlich schwerwiegender und ausgeprägter erleben.


Erneuten Ängsten die Stirn bieten

Sich in die Defensive begeben und Dinge einfach ertragen ist, wie so oft, der falsche Weg. Psychische Rückfälle in bekannte und „eigentlich“ bereits bewältigte Muster können zu einer Verstärkung des Erlebens führen.

Emotionalen Problemen, die man einmal und aus eigener Kraft erfolgreich überstanden hat, sollte man keine neue Chance geben. Die persönlichen Anstrengungen, aus psychischen Tiefen herauszukommen, haben bereits einmal zum Erfolg geführt. Dieser Erfolg ist wertvoll.

Der erste Schritt aus der belastenden Situation ist der Wille zum Gegensteuern. Niemand sollte und muss eine psychische Belastung hilflos ertragen – auch nicht in Corona-Zeiten. Nennen wir es Mut zur Offensive gegen einen emotionalen Gegner, der einen wichtigen Aspekt mit Corona gemeinsam hat: Sowohl die Psyche mit all ihren Facetten als auch das Virus sind nicht greifbar. Das macht den Umgang mit beidem zwar anspruchsvoll, aber nicht unmöglich.


Aus jedem Tal führt ein Weg heraus

Gespräche sind ein wichtiger Schritt, die persönliche Krise anzugehen und eine negative Entwicklung zu vermeiden. Hier benötigt es viel Zeit, um die individuellen Ansprüche und Bedürfnisse zu ergründen und gemeinsam mit Betroffenen anzugehen.

Welche Therapiekonzepte im Anschluss greifen, ist abhängig von Art und Ausprägung der Rückfälle in Ängste und Belastungsstörungen aufgrund von Corona.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

Wie hilfreich fanden Sie diesen Artikel?
0
Interessante Artikel zum Thema „Psyche & Nerven”

Kommentar abgeben oder Rückfrage stellen:

Ihr Name(wird veröffentlicht)
Ihre E-Mail(wird nicht veröffentlicht)
Ihr Kommentar(wird veröffentlicht)
 
Ich akzeptiere die Nutzungsrichtlinien und AGB der jameda GmbH und habe die Datenschutzerklärung gelesen.
  

Inhaltssuche

Durchsuchen Sie sämtliche Artikel auf jameda. Wenn Sie auf der Suche nach Ärzten oder Heilberuflern sind, geht es hier zur Arztsuche

Passende Behandlungsgebiete

Ärzte für spezielle Behandlungsgebiete

jameda Behandlungsgebiete