Implantat-OP & Schwellungsprophylaxe: Ist vor der OP eine Cortisoneinnahme sinnvoll?

Cortison kann den Heilungsverlauf bei Implantaten unterstützen. Aber ist es wirklich notwendig? (© absolutimages - fotolia)

Durch moderne Verfahren der Implantologie, unterstützt durch innovative Diagnostik wie dreidimensionales Röntgen (DVT) und computergeplante und navigierte Chirurgie, kann der operative Aufwand mittlerweile auf ein Minimum reduziert werden.

Dieses minimal invasive Vorgehen ist ein wichtiger Faktor, um postoperative Beschwerden wie z. B. eine Schwellung vorzubeugen. Zusätzlich kann zur Schwellungsprophylaxe aber auch medikamentös gearbeitet werden, hierbei vor allem mittels Cortisoneinnahme.


Das ist die Wirkung von Cortison

Cortison (, das im Körper in die wirksame Form Cortisol umgewandelt wird) ist ein Steroidhormon, das in der Nebennierenrinde produziert wird. In der Medizin wird vor allem seine dämpfende Wirkung auf das Immunsystem eingesetzt. Indem es Entzündungsvorgänge nach der OP unterdrückt, kann Cortison aber auch zur Schwellungsprophylaxe eingesetzt werden.

Hierbei verhindert es, dass Blutplasma aus den Gefäßen in das umliegende Gewebe austritt.
Die Gewebeschwellung wird erfolgreich reduziert– gleichzeitig auch die schmerzhafte Dehnung des Gewebes.


Cortisoneinnahme sinnvoll, notwendig oder kontraindiziert?

Bei den meisten oralchirurgischen Eingriffen kann sicherlich durch schonende, minimalinvasive Operationstechnik eine Gewebeschädigung und damit einhergehender Schwellungs- und Schmerzsymptomatik umgangen werden.

Den größten Beitrag zur Schwellungsprophylaxe leistet die computernavigierte Implantologie. Bei ihr wird keine Schleimhaut abgelöst.

Im Einzelfall kann eine Cortisongabe jedoch sinnvoll sein. Das hängt aber klar von der Schwere des Eingriffs ab und sollte mit dem Implantologen individuell abgewägt werden. Insbesondere komplexe implantologische Eingriffe mit ausgedehnten Maßnahmen können für eine Cortisongabe sprechen.

So zum Beispiel ein externer Sinuslift, ausgeprägter horizontaler oder vertikaler Knochenaufbau, also Eingriffen, bei denen der Kieferknochen großflächig von der Schleimhaut freigelegt wird.

Eine möglichst kurzfristige Einnahme bis hin zur Einmalgabe sollte dabei immer favorisiert werden, um unerwünschte Nebenwirkungen so gering wie möglich zu halten. Auch internistische Erkrankungen wie z. B. ein Diabetes sind bei einer Cortisongabe zu berücksichtigen und können ggf. eine Kontraindikation sein.


Gibt es alternative Schwellungsprophylaxen?

Die beste Schwellungsprophylaxe bleibt jedoch immer, diese durch schonende operative Techniken primär zu verhindern oder aber auf ein Minimum zu reduzieren.

Auch feucht-kalte Umschläge, körperliche Schonung und erhöhte Lagerung des Kopfes (zweites Kissen) sind effektive und bewährte Maßnahmen. Sie können bei jedem Patienten zur Anwendung kommen, um postoperative Schwellungen zu reduzieren.

Vereinzelt wird auch auf die Wirkung von proteolytischen, also eiweißabbauenden Enzymen, verwiesen. So zum Beispiel Bromelain, das in der Ananas vorkommt.


Cortison und Wundheilung

Cortison moduliert und dämpft damit auch immer unsere Immunantwort. Es reduziert also die Fähigkeit unserer Abwehrkräfte auf potentielle Angreifer und Infektionen zu reagieren.

Daher sollte eine Cortisongabe immer erst nach einer ausführlichen Abwägung von Nutzen und möglichem Schaden erfolgen.

Insbesondere frisch eingesetzte Implantate und ggf. ein zusätzlicher Knochenaufbau benötigen eine intakte Einheilung. Postoperative Infektionen reduzieren die Einheilwahrscheinlichkeit deutlich. Gerade zu diesem Zeitpunkt sind eine intakte Wundheilung und ein optimal arbeitendes Immunsystem unerlässlich.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare (12)

G. J., 11.07.2021 - 12:06 Uhr

Guten Tag Nach Zahnimplantat OP kann man Corona Impfung machen? Wie lange soll, villeicht, abwarten? Danke in Voraus für die Antwort

Antwort von Dr. med. dent. Gero Hendrik Wittstock, verfasst am 19.07.2021

Guten Tag, hierfür gibt es keine eindeutige Datenlage. Generell gibt es aber keine Wechselwirkung zwischen der Implantat OP und einer Corona Impfung. Dennoch ist es so, dass man nach einer OP durchaus einige Tage mit Nachwehen (Schmerzen, Schwellung, Müdigkeit,...) zu leiden hat. Dies ist natürlich für eine Impfung nicht unbedingt ein guter Zeitpunkt, da diese ja auch in den Tagen darauf zu Abgeschlagenheit führen kann. Insofern würde ich mit der Impfung einige Tage warten, sobald Sie sich aber besser fühlen, sollte gegen die Impfung nichts sprechen. Mit freundlichen Grüßen, Dr. Gero Wittstock

Tina, 23.06.2021 - 17:00 Uhr

Guten Tag, mir wurden vor 7 Wochen 3 Implantate eingesetzt. Eines davon musste 2 Wochen später minimal nach hinten gesetzt werden. Meine linke Gesichtshälfte war nach der 1. OP stark geschwollen und von Hämatomen übersäht, mein Auge war komplett zu. Ich habe jedoch direkt gekühlt. Mein Zahnarzt empfahl mir 2 Wochen später Bromelain 500 mg einzunehmen. Dies tat ich auch 4 Wochen lang. Jetzt sind 7 Wochen vergangen und um mein Auge sind noch immer sichtbare dunkle Schatten. Können Sie mir vielleicht mitteilen, wie lange die Heilung noch dauern kann und ist dies "normal"? Ich bin 52 Jahre alt und hatte nie Augenringe. Vielen Dank im Voraus für Ihre Antwort. Mit freundlichen Grüßen Tina

Antwort von Dr. med. dent. Gero Hendrik Wittstock, verfasst am 25.06.2021

Guten Tag, je nach Umfang des implantologischen Eingriffs und eventuellem Knochenaufbaus, kann es postoperativ zu Schwellung und auch Hämatomen (blaue Flecken) kommen. Gegen die Hämatome hilft das Bromelain gut, da es die blauen Flecken schneller abbauen lässt. Die dunklen Schatten um die Augen sollten jedoch nach so langer Zeit, sofern durch die OP verursacht, verschwunden sein. Insofern sollten Sie dies durch den Implantologen noch einmal untersuchen lassen, ob dies mehr ist als nur Augenringe. Wenngleich es doch unwahrscheinlich ist. Mit freundlichen Grüßen, Dr. Wittstock

Chance G., 24.05.2021 - 22:07 Uhr

Hallo, mir wurde am 12.4.21 ein Hüft-Tep eingesetzt. Ich benötige für Atemprobleme Kortison, ab wann kann ich das Medikament wieder einnehmen?

Antwort von Dr. med. dent. Gero Hendrik Wittstock, verfasst am 26.05.2021

Hallo, ein künstliches Hüftgelenk ist mit einem dentalen Implantat nicht zu vergleichen. Hier sollten Sie den behandelden Arzt kontaktieren, da dies außerhalb meines Fachgebiets ist. Im oralchirurgischen Bereich würde allerdings nach Implantation nichts direkt gegen ein Cortison Spray sprechen, da Atemprobleme ja definitiv behandelt werden müssen. Viele Grüße, Dr. Gero Wittstock

Rosine R., 29.04.2021 - 20:13 Uhr

Guten Tag Am 14.5.21 werden mir 13 Zähne gezogen. Am 19.4.21 bin ich das 1. Mal mit Biontech geimpft worden. und am 21. 5.21 ist mein 2. Impftermin. kann ich das überhaupt so machen oder muss ich a) den 2. Impftermin verschieben b) oder 2. Impftermin ausfallen lassen c) oder Zahnarzttermin verschieben? das geht jetzt auch eigentlich schlecht, da jetzt aktuell etwas rausgebrochen ist und ausserdem ich ja jetzt mit Implantaten dann in 3 Monaten jetzt eh damit zu tun habe. Aber das das so zeitnah ist, geht das überhaupt?

Antwort von Dr. med. dent. Gero Hendrik Wittstock, verfasst am 03.05.2021

Guten Tag, prinzipiell hat die Impfung keinen direkten Einfluss aus die geplanten Zahnentfernungen. Natürlich ist es aber so, dass man nach einer Impfung mit üblichen Nebenwirkungen, wie Müdigkeit, grippalen Symptomen oder Kopfschmerzen zu tun haben kann. Daher würde ich die Zahnentfernungen jetzt nicht in unmittelbarer zeitlicher Nähe zu den Impfungen legen, da man sonst nicht so belastbar wäre. Die erste und auch zweite Impfung ist aber in ausreichendem Abstand zu dem Zahnarzttermin, sodass ich hier keine Probleme sehen würde.

T. Schlieckau, 07.04.2021 - 19:02 Uhr

Herzlichen Dank an Dr. med. G. H. Wittstock für die schnelle und klare Beantwortung meiner Frage. Mit freundlichen Grüßen. T. Schlieckau

Antwort von Dr. med. dent. Gero Hendrik Wittstock, verfasst am 20.04.2021

Immer gerne. Dr. Gero Wittstock

Traudel S., 05.04.2021 - 12:18 Uhr

Wechselwirkung Corona Impfstoff Cortison, Ibuprofen und Antibiotikum? Bin am 2.4. mit Biontech geimpft (71 J.). Implantat OP mit 2 Implantaten am 10.4.re oben und li unten mit Knochenaufbau... Wie wirkt sich die begleitende Schmerz- und Wundheilbehandlung mit Prednisolon, 4x 20mg/tägl., Beginn am 3. 4. abends und Ibuprofen 4x 600mg/tägl und Amoxicillin 1000mg/3×tägl. auf die Impfung aus? Vielen Dank.

Antwort von Dr. med. dent. Gero Hendrik Wittstock, verfasst am 07.04.2021

Klare Aussagen zu einer Wechselwirkung zwischen einem m-RNA Impfstoff (Biontech) und Cortison gibt es keine. Das Verfahren der m-RNA Impfstoffe ist zu neu, als das es hier verlässliche Daten gibt. Zumindest gibt es jedoch keine Kontraindikation, dass nach einer Impfung mit einem mRNA Impfstoff nicht eine zeitweise Therapie mit Cortison durchgeführt werden kann.

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