Karies unter der Zahnfüllung: Ursachen, Symptome und Behandlung

Frau Mertens

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© ALDECAstudio - fotoliaKaries unter einer Füllung bleibt oft unentdeckt. Daher ist der regelmäßige Besuch beim Zahnarzt wichtig. (© ALDECAstudio - fotolia)Viele Patienten glauben, ein mit einer Zahnfüllung oder einem keramischen Inlay versorgter Zahn könne keine Karies mehr bekommen. Zwar können Bakterien dem Füllungsmaterial tatsächlich nichts anhaben, darunter kann der Zahn jedoch durchaus Schaden nehmen.

Auch unter Zahnkronen kann Karies entstehen. Karies unter der Zahnfüllungen ist keine Seltenheit. Erfahren Sie, woran Sie Kariesbefall erkennen und wann welche Behandlung sinnvoll ist.

Karies ist eine Volkskrankheit. Bei 35- bis 44-Jährigen sind im Schnitt elf Zähne von Karies befallen, mit einer Füllung versorgt, überkront oder bereits ausgefallen. Wer einmal unter Karies litt, hat eine hohe Wahrscheinlichkeit, wieder zu erkranken. Denn Bakterien sammeln sich bei mangelhafter Mundhygiene gerne unter überstehenden Füllungsrändern.

Wie entsteht Karies unter einer Zahnfüllung?

An einem einzelnen Zahn lagern sich selbst bei guter Mundhygiene etwa 1.000 bis 100.000 Bakterien an. Die meisten sind harmlos, aber manche können in Verbindung mit Nahrung Karies auslösen. Wenn sich immer mehr schädliche Bakterien in den Zahnbelägen festsetzen, werden sie zum Problem. In ihrem Stoffwechsel produzieren sie Säure, die langsam in den Zahnschmelz eindringt und Mineralien herauslöst. So wird der Zahn zerstört.

Wenn genau dieser Zahn bereits zu einem früheren Zeitpunkt von Karies befallen wurde, spricht man bei erneutem Ausbruch der Krankheit von Sekundärkaries. Sie entsteht zum Beispiel, wenn die Füllung oder die Krone leicht übersteht oder die Füllungsränder nicht mehr dicht sind. Die Bakterien siedeln sich gerne in dem so entstandenen Spalt an. Hier kann sie die Zahnbürste oder Zahnseide nur schwer entfernen.

Es kann auch sein, dass die Karies bei der ersten Behandlung nicht vollständig beseitigt wurde. Dann passiert es schnell, dass sich die verbleibenden Bakterien vermehren und erneut Beschwerden auslösen. Besonders wurzelbehandelte Zähne sind gefährdet, da sie keinen Zahnnerven mehr enthalten, der Alarm schlagen könnte. Hier kann sich die Karies unbemerkt ausbreiten und erneut den Wurzelkanal befallen. Die Bakterien gelangen so in den Knochen und rufen dort eine Entzündung hervor.

Nicht immer ist eine schlechte oder alte Füllung der Grund für Sekundärkaries. Mangelhafte Zahnpflege, zuckerhaltige Ernährung, individuelle Faktoren wie beispielsweise der Speichelfluss und Tabakkonsum gelten als typische Risikofaktoren, die Karies auch bei perfekten Füllungen entstehen lassen können.

Was genau die Ursache für Karies unter der Zahnfüllung ist, findet der Zahnarzt mit speziellen Instrumenten heraus. Dabei tastet er die Füllungsränder ab, um schadhafte Stellen zu identifizieren. Röntgenbilder sind besonders bei Kunststofffüllungen hilfreich, Metall- oder Keramikkronen können den Kariesherd im Röntgenbild verdecken.

An diesen Symptomen lässt sich Karies erkennen

Im Anfangsstadium treten meist noch keine Schmerzen auf. Mit der Zeit entstehen durch das Herauslösen von Mineralien jedoch weiße Flecken auf der Zahnoberfläche, sogenannte White Spots. Durch Farbstoffe aus der Nahrung färben sie sich allmählich braun.

Im nächsten Stadium entstehen erste Vertiefungen in der bisher noch intakten Schmelzschicht. Die Säure kann bis ins Zahnbein/Dentin vordringen, wo sie Schmerzen auslöst. Viele Betroffene reagieren auch empfindlich auf Heißes, Kaltes und Süßes. Da das Dentin deutlich weicher als der Zahnschmelz ist, breitet sich die Karies hier schneller aus. Der Zahn wird immer weiter ausgehöhlt. Die meisten Patienten merken erst jetzt, dass etwas nicht stimmt.

Im letzten Stadium erreichen die Bakterien den Zahnnerv. Entzündungen der Zahnnerven sind sehr schmerzhaft. Um es nicht soweit kommen zu lassen, sind regelmäßige Kontrollen und Röntgenbilder, sowie eine frühzeitige Behandlung sinnvoll.
 

© diego cervo - fotoliaFür kurzfristige Besserung kann auf altbewährte Hausmittel zurückgegriffen werden. (© diego cervo - fotolia)Welche Hausmittel helfen bei akuten Schmerzen?

Karies muss auf alle Fälle zahnärztlich behandelt werden. Wenn Sie ein bis zwei Tage auf einen Termin warten müssen, können Sie die Wartezeit mit Hausmitteln überbrücken.

Was Sie akut tun können:

  • Kamillentee: Kamillenblüten wirken entzündungshemmend und schmerzlindernd. Eine Spülung mit kaltem Tee gehört daher zu den klassischen Hausmitteln bei Zahnschmerzen.
  • Nelkenöl: Träufeln Sie etwas Nelkenöl auf die schmerzende Stelle, um die Beschwerden zu lindern.
  • Kälte: Kühlende Umschläge oder Kühlakkus verengen die Blutgefäße und verringern so die Schmerzen für eine kurze Zeit. Jedoch sollte ein Überkühlen unbedingt vermieden werden.  

Sie können kurzzeitig auch Schmerzmittel einnehmen, um Schmerzepisoden zu überbrücken. Bei starken Beschwerden sollte sofort ein Zahnarzt oder eine Notfallpraxis aufgesucht werden. 


4 Schritte um Karies effektiv behandeln

1. Schritt: Mundhygiene verbessern

Befindet sich eine Karies noch im Anfangsstadium, kann eine Behandlung mit Fluoridgel, eine Optimierung der Zahnpflege und eine Anpassung der Ernährungsgewohnheiten eine weitere Ausbreitung der Karies verhindern und der Bildung von Karies vorbeugen. Undichte Füllungen bieten in jedem Fall eine Ansatzstelle für erneute Karies und sollten ausgetauscht werden.

 
2. Schritt: Zerstörtes Gewebe entfernen

Karies, die über das Anfangsstadium hinausgeht, muss entfernt werden - auch wenn noch keine Schmerzen bestehen sollten. Denn mit der Zeit breiten sich die Bakterien immer weiter aus und zerstören den Zahn. Im schlimmsten Fall führt dies zum Verlust des Zahnes.

Hat die Karies Anteile eines Zahnes zersetzt, müssen diese vom Zahnarzt vollständig entfernen werden. Die meisten Zahnärzte nutzen dafür rotierende Bohrer. Dank der Lokalanästhesie ist die Behandlung nicht schmerzhaft. Die Vibrationen des Bohrers bei der Kariesentfernung können jedoch wahrgenommen werden.

Voraussetzung für den Behandlungserfolg ist, dass die Karies auch unterhalb der Füllung vollständig beseitig wird. Nachdem die weiche kariöse Substanz entfernt wurde, wird der Zahn intensiv gereinigt und anschließend gefüllt.

Ist die Karies bereits tief in den Wurzelbereich vorgedrungen, kann es notwendig sein, eine Wurzelbehandlung durchzuführen oder den Zahn zu ziehen. In diesem Fall sollte der Zahn durch eine Brücke oder ein Implantat ersetzt werden. 


3. Schritt: Neue Füllung

Wurde nur ein kleiner Kariesherd entfernt, reicht eine Füllung mit kunststoffhaltigen Materialien sogenannten Kompositen aus. Bei größeren Defekten sind stabilere Werkstoffe wie Keramiken vorzuziehen. Goldinlays und Keramikinlays sind gut verträglich und lang haltbar. Keramische Werkstoffe sind zahnfarben und so aus ästhetischer Sicht zu bevorzugen. Ihr Zahnarzt berät Sie gerne, welche Füllung in Ihrem Fall am sinnvollsten ist.

4. Schritt: Verhalten nach der Behandlung

In den ersten Tagen kann es sein, dass Sie Druck oder ziehende Schmerzen am behandelten Zahn wahrnehmen. Das ist normal und nicht besorgniserregend. Bei langanhaltenden Schmerzen oder einer Aufbissempfindlichkeit an behandelten Zähnen sollten Sie sich jedoch wieder bei Ihrem Zahnarzt vorstellen.  

© Andrey Popov - fotoliaDer beste Schutz gegen Karies bleibt gute häusliche Mundhygiene und regelmäßige Prophylaxe beim Zahnarzt. (© Andrey Popov - fotolia)So beugen Sie vor

Auch wenn der Kariesherd erfolgreich entfernt wurde und Sie eine perfekte Füllung erhalten haben, sind Sie vor einer weiteren Sekundärkaries nicht sicher. Denn Ihr Verhalten entscheidet ebenfalls, ob sich erneut Karies entwickelt oder nicht.

 
Was Sie tun können

  • Nehmen Sie Zucker nur in Maßen zu sich
  • Putzen Sie mindestens zweimal am Tag Ihre Zähne, am besten mit einer elektrischen Zahnbürste. Vergessen Sie keinen Zahn, auch nicht die schwer erreichbaren Backenzähne!
  • Putzen Sie die Zähne nicht direkt nach dem Essen, sondern warten Sie mindestens eine halbe Stunde, damit die von den Bakterien produzierte Säure neutralisiert werden kann.
  • Reinigen Sie die Zahnzwischenräume einmal täglich mit Zahnseide oder einer Zahnzwischenraumbürste.
  • Verzichten Sie auf Nikotin.
  • Gehen Sie zweimal pro Jahr zur zahnärztlichen Kontrolle und lassen Sie regelmäßig eine professionelle Zahnreinigung durchführen.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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