Wurzelkanalbehandlung: Zahn retten statt ziehen

© Adam Gregor - Fotolia.com

Ein einziges Wort reicht manchmal aus, um Patienten in der Praxis die Farbe aus dem Gesicht zu treiben: „Wurzelkanalbehandlung“. Zugegeben, nach einer zahnärztlichen Wellnesskur klingt es nicht. Und die ein oder andere Schauergeschichte, die im Internet die Runde macht, trägt auch nicht gerade zur Beruhigung der Patienten bei. Deshalb an dieser Stelle: Fakten statt Spekulationen! Eine Wurzelbehandlung muss weder kompliziert noch schmerzhaft sein. Das ist Punkt 1. Punkt 2 ist: Sie kann einen Zahn retten, der ohne diese Behandlung endgültig verloren wäre - was in den meisten Fällen einen kostspieligen Zahnersatz (Implantat oder Brücke) erforderlich macht.

Zähne zu erhalten statt zu ziehen, liegt im Interesse des Patienten wie auch des Zahnarztes. Aus dieser gemeinsamen Überzeugung heraus sind in den letzten Jahrzehnten große Erfolge im Zahnerhalt erzielt worden. Zwischen 1991 und 2009 sei die Zahl der Zahnextraktionen um fast 20 Prozent gefallen, verkündete die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) zum „Tag der Zahngesundheit“, der alljährlich am 25. September stattfindet. Andere Quellen sprechen von 17 Millionen gezogenen Zähnen im Jahre 1970 und „nur noch“ 11 Millionen im Jahre 1994. Der Rückgang ist signifikant und zweifelsohne ein Erfolg der präventionsorientierten Zahnmedizin - aber nicht nur: Immer fortschrittlichere Behandlungsmethoden ermöglichen heute, selbst schwer erkrankte Zähne zu retten. Eines der probaten Rettungsmittel und eine der wichtigsten zahnerhaltenden Therapiemöglichkeiten ist die Wurzelkanalbehandlung.

Wann wird eine Behandlung nötig und wie läuft sie ab?
Zähne haben in ihrem Inneren einen Hohlraum, der lebendes Gewebe enthält: die sogenannte Pulpa. Sie setzt sich aus feinen Blutgefäßen, Nerven und Bindegewebe zusammen. In einem gesunden Zahn ist die Pulpa perfekt geschützt. Erkrankt der Zahn jedoch an Karies, können Bakterien in den Hohlraum vordringen und zu einer Entzündung der Pulpa führen. Bleibt die Entzündung unbehandelt, können die Bakterien die gesamte Pulpa zerstören und sogar in den Kieferknochen eindringen. Im Zuge einer Wurzelkanalbehandlung kann der Zahnarzt das entzündete Gewebe entfernen. Dadurch lässt sich der Zahn (der früher gezogen werden musste) heute in aller Regel erhalten.

Mit Hilfe einer Röntgenaufnahme stellt der Zahnarzt fest, ob eine Wurzelkanalbehandlung nötig und durchführbar ist. Wenn ja, wird der Zahn mit einem sog. Kofferdam (Gummituch) isoliert, sodass keine weiteren Bakterien aus dem Speichel in die Zahnhöhle gelangen können. Eine Betäubung sorgt dafür, dass die Behandlung ohne Schmerzen abläuft. Dann wird der Zahn vorsichtig geöffnet, um den Zahninnenraum für den behandelnden Arzt zugänglich zu machen. Mit kleinen Feilen, die in die Kanäle eingeführt werden, und einem weiteren Röntgenbild kann sich der Zahnarzt ein exaktes Bild von der Länge und Lage der Wurzelkanäle machen. Nun kann er mit feinen, biegsamen Instrumenten die Kanäle säubern und erweitern. Diese Arbeit braucht viel Sorgfalt und Zeit und kann sich über mehrere Termine erstrecken. Um auch letzte verbliebene Bakterien abzutöten, werden die Kanäle zwischendurch mit einem antibakteriellen Mittel gespült. Bei der letzten Sitzung werden die Wurzelkanäle mit einer zementähnlichen Masse gefüllt und dicht verschlossen. Eine abschließende Röntgenaufnahme gibt Aufschluss über den Erfolg der Behandlung. Auch regelmäßige Nachkontrollen sind angeraten, um auszuschließen bzw. frühzeitig zu erkennen, ob Bakterien aus winzigen Seitenkanälen zum Knochen vordringen konnten und dort eine Entzündung hervorrufen.

Die Erfolgsquote einer Wurzelkanalbehandlung ist in der Regel sehr hoch. Nach dem erfolgreichen Eingriff kann der natürliche Zahn noch viele Jahre seine Funktion erfüllen.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

Wie hilfreich fanden Sie diesen Artikel? 86

Kommentar abgeben oder Rückfrage stellen:

Kommentare (6)

Karo, 04.12.2017 - 18:44 Uhr

Ich bekomme bald eine Wurzelkanalbehandlung aber ich bin eine Person, die hat sehr angst vor Schmerzen, da ich bei dieser Behandlung nur eine Narkose im Mund bekomme und nicht schlafen werde bin ich sehr panisch. Alle sagen mir, es könnte auch mit Narkose weh tun. Davor hab ich am meisten angst eine Narkose zum Schlaf wäre zu teuer. Können sie mir weiterhelfen ?

Antwort von Dr. med. dent. Markus F.O. Lentrodt, verfasst am 06.12.2017

Eine Wurzelbehandlung muss heute absolut nicht mehr weh tun. Bitte sprechen Sie Ihren Behandler an und bereden Sie Ihre Ängste oder Sorgen. Eine Vollnarkose ist nicht nur aus Kostengründen nicht sinnvoll. Eine Wurzelbehandlung kann heute wie gesagt, absolut schmerzfrei verlaufen! Beste Grüße, Dr. Markus F.O. Lentrodt www.lentrodt-die-zahnärzte.de

Marlene, 12.11.2014 - 23:49 Uhr

Leider übernimmt die Krankenkasse nicht mehr in jedem Fall die Kosten für diese Behandlung. Wer keine 500 € über hat, ist in dem Fall schlecht dran.

Antwort von Dr. med. dent. Markus F.O. Lentrodt, verfasst am 14.12.2014

Leider ist eine aufwendige Therapie (Mikroskop) durch einen Spezialisten nicht immer durch unser Gesundheitssystem abgedeckt. Leider! Aber auch jede normale Kassenpraxis kann und muß den Patienten aufklären und Alternativen besprechen. Je nach Versicherung und Zahnarzt können natürlich unterschiedliche Kosten entstehen. Wie bei jeder medizinischen Therapie. Eine gute Übersicht bietet Ihnen auch unser Wegweiser: www.wurzelbehandlung-wegweiser.de Herzliche Grüße, Dr. Markus F.O. Lentrodt

klaus, 03.03.2014 - 17:33 Uhr

bei der Wurzelkanalbehandlung wird doch auch der Zahnnerv entfernt, d.h. dass der Zahn "tot" ist und nur noch relativ kurze Zeit hält, bis er zerbröselt und dann zwangsläufig größere Sachen anstehen, d.h. notwendig werden? bin ich da falsch informiert?

Antwort von Dr. med. dent. Markus F.O. Lentrodt, verfasst am 05.03.2014

Das bei der Wurzelkanalbehandlung auch der Zahnnerv (neben den Gefäßen) entfernt wird, ist absolut richtig! Wird diese Behandlung lege artis durchgeführt und der so behandelte Zahn später überkront, kann dieser auch noch Jahre in der Mundhöhle verbleiben und wird nicht "zerbröseln". Größere und somit weitere Therapien stehen somit nicht zwangsläufig an. Einen guten Überblick liefert auch folgender Wegweiser: www.wurzelbehandlung-wegweiser.de Mit den besten Grüßen, Ihr Dr. Markus F. O. Lentrodt

Interessante Artikel zum Thema

Sie suchen einen passenden Arzt für Ihre Symptome?