Warum Lungenkrankheiten auf dem Vormarsch sind und wie Sie sich schützen können

Prof. Dr. Saur

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©coldwaterman_fotoliaSport hilft, Lungenkrankheiten vorzubeugen (©coldwaterman_fotolia)Rund 660.000 Menschen sterben jedes Jahr an Lungenkrankheiten – Tendenz steigend. Warum das so ist, was die häufigsten Lungenkrankheiten sind, wann unspezifische Symptome wie Husten gefährlich werden können und was Raucher über Lungenkrankheiten wissen sollten, wollte jameda von Prof. Dr. Saur erfahren, der Pneumologe und wissenschaftlicher Beirat der Deutschen Lungenstiftung ist.

jameda: Dass ein Herzinfarkt tödlich enden kann, ist vielen Deutschen bewusst. Aber unter den fünf häufigsten Todesursachen sind nicht nur berüchtigte Herzkreislauferkrankungen, sondern auch zwei Lungenkrankheiten: Lungen- und Bronchialkrebs und COPD. Werden Lungenkrankheiten häufig unterschätzt?
Prof. Dr. Saur: Ja, das ist richtig. Die Bedeutung der Lungenkrankheiten wird in Zukunft weiter zunehmen: Hochrechnungen der WHO zeigen bereits heute, dass sechs der acht häufigsten Todesursachen mit dem Zigarettenrauchen in Verbindung stehen. Mit dem Rauchen ist ein Anstieg der tödlichen Erkrankungen der Atemorgane verbunden, welcher die COPD im Jahre 2030 zur dritthäufigsten Todesursache machen wird.

jameda: Zu den seltenen Lungenerkrankungen gehören Lungenhochdruck, Lungenfibrose und Mukoviszidose. Insgesamt leiden 0,02 Prozent der Deutschen darunter. Werden diese Erkrankungen in der Regel sofort festgestellt, wenn die Betroffenen zum Arzt gehen, oder bleibt so manche Krankheit aufgrund ihrer Seltenheit unerkannt?
Prof. Dr. Saur: Die Krankheiten werden meistens spät erkannt. Viele Patienten haben einen jahrelangen Weg durch alle Bereiche unseres Gesundheitssystems hinter sich. Das hat mehrere Gründe. Einerseits handelt sich natürlich um sehr seltene Erkrankungen, über die in der Bevölkerung und auch teilweise unter Medizinern nicht viel bekannt ist. Andererseits verursachen die Erkrankungen meist nur unspezifische Symptome wie Luftnot, die auch das erste oder häufigste Symptom bei anderen Erkrankungen ist. Darüber hinaus gibt es wenige spezifische Untersuchungsbefunde, an denen die Erkrankungen zweifelsfrei zu erkennen sind und eine sofortige Diagnose somit weiter erschwert wird.

jameda: Asthma gehört neben chronischer Bronchitis zu den häufigsten chronischen Erkrankungen bei Kindern. Mittlerweile leidet jedes zehnte Kind darunter. Warum gibt es immer mehr Asthmatiker unter den kleinen Patienten?
Prof. Dr. Saur: Die Zunahme der Asthma-Erkrankungen bei Kindern hat sicherlich mehrere Auslöser. Ein wichtiger Aspekt ist die Zunahme von Allergien, für die es ebenfalls verschiedenste Erklärungsmodelle gibt. Allergien und allergische Rhinitis sind „Volkskrankheiten“ und auch zwei wichtige Bausteine des Asthmas. Wenn eine allergische Rhinitis nicht behandelt wird, entwickeln 30 % der Betroffenen nach 10 Jahren Asthma.

© Prof. SaurProf. Dr. Saur (© Prof. Saur)jameda: Husten kann Symptom einer harmlosen Infektion sein, aber auch auf eine chronische Lungenkrankheit hindeuten. Wie können Eltern erkennen, was hinter dem Husten steckt? Sollten sie mit ihrem Kind in jedem Fall zum Arzt?
Prof. Dr. Saur: Husten ist eines der häufigsten Symptome bei Lungenerkrankungen und entsprechend vielfältig sind natürlich auch die Ursachen. Bei einer harmlosen Atemwegsinfektion – die häufig auf Viren zurückzuführen ist und dann nicht mit Antibiotika behandelt wird – ist eine intensive medizinische Abklärung nicht erforderlich. Anders sieht es aus, wenn weitere Symptome wie grüner, gelber oder gar blutiger Auswurf dazukommen oder die Beschwerden über einen längeren Zeitraum als 8 Wochen bestehen.

jameda: Atemnot ist ein weiteres recht unspezifisches Symptom. Wann könnte eine Lungenkrankheit dahinterstecken?
Prof. Dr. Saur: Genau wie Husten ist auch Atemnot ein Symptom, das bei zahlreichen Lungenerkrankungen auftritt. Bei der Abklärung ist es wichtig, sich nicht frühzeitig auf ein Organsystem festzulegen – insbesondere wenn eine Herzkrankheit festgestellt wird, kann gleichzeitig auch eine Lungenerkrankung vorliegen.

jameda: Raucher haben ein höheres Risiko für Lungenkrankheiten wie Bronchitis, COPD, Tuberkulose, Lungenentzündung und Lungenkrebs. Um wie viel Prozent steigt das Risiko bei einer Schachtel pro Tag?
Prof. Dr. Saur: Genaue Zahlen zu nennen, finde ich immer problematisch, da sowohl die Erhebung in Studien auf Grund der langen zeitlichen Abstände und anderen Einflussfaktoren als auch die Interpretation schwierig sind. Oft heißt es, dass eine Zigarette das Leben im Schnitt um 8 Minuten verkürzt. Aber egal, ob es sich nun „in Wirklichkeit“ um 5 oder 15 Monate handelt: Unsere Zeit ist viel zu kostbar, um durch Rauchen ein Risiko einzugehen. Aber wir sind uns als Ärzte bewusst, dass der Verzicht auf das Rauchen oft eine schwierige Aufgabe ist.

jameda: Kann ein Rauchstopp diese Risiken normalisieren oder müssen auch ehemaligen Raucher mit erhöhten Risiken für Lungenkrankheiten leben?
Prof. Dr. Saur: Leider lässt sich ein Schaden, der einmal entstanden ist, im Nachhinein nur schwer wieder beheben. So lässt sich zum Beispiel eine eingeschränkte Lungenfunktion durch den Rauchverzicht nicht wieder auf das Ursprungsniveau anheben. Man weiß aber aus Studien, dass sich zumindest der natürliche Abfall durch Alterungsprozesse wieder an denjenigen der Nichtraucher anpasst, also die vorzeitige Alterung gestoppt wird. Es lohnt sich auf jeden Fall, jederzeit mit dem Rauchen aufzuhören!

jameda: Es heißt, dass eine tiefe Atmung, Omega-3-Fettsäuren, Ballaststoffe, Saunagänge und Sport helfen, die Lunge zu stärken. Stimmt das wirklich?
Prof. Dr. Saur: Insbesondere was die Ernährung oder Zusatzstoffe angeht, bestehen gewisse Zweifel, da ursächliche Zusammenhänge nur schwer nachzuweisen sind. Zweifelsfrei akzeptiert ist jedoch, dass Sport bei Lungenerkrankungen grundsätzlich sinnvoll ist. Wichtig ist, sich nicht zu überlasten und wenn nötig unter Anleitung zu trainieren. Lungensportgruppen können eine sinnvolle Anlaufstellen sein.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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