Blutungen und Schmerzen: Symptome einer Fehlgeburt erkennen und verhindern

Dr. Maria Niki Aigyptiadou

von
verfasst am

© lite_2046 - iStockDie meisten Fehlgeburten finden vor der 12. Schwangerschaftswoche statt (© lite_2046 - iStock)Fehlgeburten kommen häufig vor - sie sind schmerzhaft für Leib und Seele. Lesen Sie hier, wie sich Fehlgeburten ankündigen, wie ein drohender Abort verhindert werden kann und wie Sie vorbeugen können. 


Hohes Fehlgeburtsrisiko zu Beginn der Schwangerschaft

Bei einer Fehlgeburt wird die Schwangerschaft vorzeitig beendet, weil der Fötus abstirbt oder ausgestoßen wird. Das Geburtsgewicht ist weniger als 500 Gramm. Ist der Fötus schwerer, spricht man von einer Totgeburt. Fehlgeburten werden auch Aborte genannt und wie folgt eingeteilt:

  • Frühabort: bis zur 12. Schwangerschaftswoche
  • Spätabort: nach der 12. Schwangerschaftswoche

Frühaborte machen 80 % aller Fehlgeburten aus. Je weiter fortgeschritten die Schwangerschaft ist, desto niedriger ist das Risiko einer Fehlgeburt, das nach der 15. Schwangerschaftswoche bei nur noch 1 bis 3 Prozent liegt.

Bei 1 bis 5 Prozent aller Frauen mit Kinderwunsch treten wiederholte Fehlgeburten auf. Je mehr Fehlgeburten eine Frau erlitten hat, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit eines weiteren Aborts. Nach 3 Fehlgeburten ist das Risiko einer erneuten Fehlgeburt höher als 50 Prozent. 

Bei 10 bis 15 Prozent aller Schwangerschaften tritt ein spontaner Abort auf, der ohne Einflussnahme vonstattengeht.

Ursachen: Störungen des Erbguts

Die häufigste Ursache eines Frühaborts sind Chromosomenstörungen, das heißt Veränderungen der Anzahl oder Struktur des zusammengeschmolzenen mütterlichen und väterlichen Erbguts, die für 50 bis 60 Prozent aller Fehlgeburten verantwortlich sind.

Die elterlichen Chromosomenstörungen bilden ein sogenanntes ,,Abortivei‘‘, in dem die Zellen, aus denen sich der Embryo entwickeln soll, defekt sind. Das Risiko einer Fehlgeburt wegen Chromosomenstörungen steigt mit dem Alter der Eltern: Die Wahrscheinlichkeit ist höher, wenn die Mutter älter als 35 oder der Vater älter als 50 Jahre ist.

Weitere Ursachen sind:

  • Viruserkrankungen wie Masern, Mumps oder Röteln
  • Scheideninfektionen mit Chlamydien, Mykoplasmen oder Pilzen
  • Gebärmutterhalsschwäche, die meistens nach der 13. Schwangerschaftswoche zu einer Fehlgeburt führt, weil die Gebärmutter den größer werdenden Fötus nicht mehr halten kann
  • Fehlbildungen wie die geteilte Gebärmutter
  • gutartige Tumoren der Gebärmutter, die Myome
  • hormonelle Störungen, wie ein Progesteron-Mangel, eine Schilddrüsenunterfunktion oder ein Prolaktin-Überschuss
  • Folsäuremangel
  • Medikamente und Bestrahlung
  • manchmal bildet das Abwehrsystem Antikörper gegen das Gewebe des Fötus
  • Plazentaschwäche, die durch Bluthochdruck, Zuckerkrankheit, Rauchen, Infektionen oder Niereninsuffizienz entsteht
  • das polyzystische Ovarialsyndrom, eine Stoffwechselstörung, die das männliche Hormon Androgen erhöht
  • das Antiphospholipid-Syndrom, bei dem Antikörper eine erhöhte Neigung zur Thrombose verursachen
  • weitere Gerinnungsstörungen
  • Unverträglichkeit der Blutgruppen von Vater und Mutter

© michaeljung_iStockSchmerzen während der Schwangerschaft sind ein erstes Anzeichen für eine Fehlgeburt (© michaeljung_iStock)Symptome: vaginale Blutungen und Schmerzen

Eine drohende Fehlgeburt kündigt sich mit leichten bis sehr schweren vaginalen Blutungen und krampfartigen, menstruationsähnlichen Schmerzen im Unterleib, Wehen, Fruchtwasserabgang und Kopfschmerzen an. Bei einer drohenden Fehlgeburt schlägt das Herz des Fötus noch.

Die Blutungen sind als Folge und nicht als Ursache einer Fehlgeburt zu verstehen. Die Beschwerden sind unabhängig von den verschiedenen Schwangerschaftsabschnitten und stehen eher in Zusammenhang mit den Ursachen.

Bei einer Gebärmutterhalsschwäche ist der Abort am Anfang schmerzfrei.

Die sogenannte ,,verhaltene‘‘ Fehlgeburt ist symptomlos. Dabei schlägt das Herz des Fötus nicht mehr. In späteren Schwangerschaftsstadien spürt die Mutter die Bewegungen des Kindes auch nicht mehr.

Ist eine Infektion die Ursache der Fehlgeburt und wird sie nicht früh genug behandelt, kann sich ein septischer Abort mit Blutvergiftung entwickeln. Der äußert sich mit sehr hohen Temperaturen und Schüttelfrost, Unruhe, einer erhöhten Herzfrequenz und einer beschleunigten Atmung. Die Haut ist blass und kalt und der Blutdruck sinkt zu sehr, was zu unzureichender Blutversorgung verschiedener Organe und Organversagen führt.

Manche Fehlgeburt kann verhindert werden

Wiegt der Fötus mehr als 500 Gramm, was meistens ab der 25. Schwangerschaftswoche der Fall ist, hat er eine Überlebenschance. Deswegen ist es sinnvoll zu versuchen, eine Fehlgeburt bis zu diesem Zeitpunkt zu verzögern.

Eine Fehlgeburt kann mit folgenden Maßnahmen verhindert werden:

  • Bettruhe
  • Hemmung der Wehen mit Medikamenten
  • Behandlung der Infektion, falls eine vorliegt
  • künstliche Lungenreifung des Fötus

Die Lungenreifung des Fötus wird durch die intramuskuläre Gabe des Nebennierenrinden-Hormons  angeregt. Das Hormon wird zweimal im Abstand von 24 Stunden gespritzt, mindestens 24 Stunden und höchstens 7 Tage vor der Entbindung. Es reduziert das Risiko eines gefährlichen Atemnotsyndroms und möglicher Gehirnblutungen beim Baby um die Hälfte.

Ist ein Abort im Gang, wobei die Schwangerschaft beeinträchtigt ist, aber die Fehlgeburt noch nicht abgeschlossen ist, kann der Abgang des Embryos nicht mehr aufgehalten werden.

Bei einer kompletten Fehlgeburt wird die gesamte Fruchtanlage ausgestoßen. Bei einem inkompletten Abort hingegen verbleiben Teile der Fruchtanlage in der Gebärmutter. Die zurückgeblieben Gewebereste müssen entfernt werden, sonst drohen Infektionen mit Fieber. Das kann mit fruchtlösenden Tabletten gelingen oder mit einer Ausschabung.

© contrastwerkstatt - fotoliaBleiben Sie nach einer Fehlgeburt nicht alleine und suchen Sie den Kontakt zu Menschen, die Ihnen beistehen können (© contrastwerkstatt - fotolia)Der Tag danach: Was jetzt hilft 

Nach einer Fehlgeburt fühlen sich die betroffenen Frauen meistens beängstigt, traurig, wütend oder schuldig. Einige entwickeln Depressionen und andere psychische Probleme.

Weitere körperliche Symptome sind Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Übelkeit und Appetitlosigkeit.

Was hilft?

  • Machen Sie eine mehrtägige Pause und suchen Sie die Nähe der Menschen, bei denen Sie sich wohlfühlen, und sprechen Sie sich aus.
  • Versuchen Sie bald wieder Ihr normales Leben weiterzuführen.
  • Machen Sie Pläne für die Zukunft und unterdrücken Sie Ihren Kinderwunsch nicht. Die meisten Frauen werden nach einer Fehlgeburt erneut schwanger und bringen gesunde Kinder zur Welt.

Rhesus-negative Mütter bekommen prophylaktisch Rhesus-Antikörper gespritzt. Bei der Rhesusunverträglichkeit reagiert das Immunsystem der Mutter während der Schwangerschaft auf bestimmte Blutgruppenmerkmale des kindlichen Bluts. Darauf entwickelt sie spezielle Rhesus-Antikörper, die die kindlichen roten Blutkörperchen bei einer zweiten Schwangerschaft zerstören. Die prophylaktische Rhesus- Antikörper-Spritze verhindert das.

Vorbeugung fürs nächste Mal

Vor der nächsten Schwangerschaft:

  • Lassen Sie Ihre Schilddrüsenfunktion untersuchen. Eine Schilddrüsenunterfunktion kann mit den richtigen Hormonen gut behandelt werden, was das Risiko einer Fehlgeburt verringert.
  • Tun Sie dasselbe, falls andere hormonelle Störungen vorliegen.
  • Lassen Sie sich operieren, wenn Fehlbildungen der Gebärmutter oder gutartige Tumoren entdeckt werden.
  • Bei einer Gebärmutterhalsschwäche kann ein Kunststoffband um den Gebärmutterhals gelegt werden, das kurz vor der Entbindung wieder entfernt wird.
  • Impfen Sie sich gegen Viruserkrankungen wie Masern, Mumps oder Röteln.
  • Lassen Sie Scheideninfektionen radikal behandeln.
  • Nehmen Sie ausreichend Folsäure zu sich. Die empfohlene Tagesdosis beträgt 550 µg für Frauen mit Kinderwunsch. Folsäure kommt in zahlreichen Lebensmitteln vor, zum Beispiel in der Leber, in Weichkäse, Getreide, grünem Gemüse, in Hülsenfrüchten, Obst und Nüssen.
  • Bekämpfen Sie Bluthochdruck, Zuckerkrankheit oder ein polyzystisches Ovarialsyndrom mit der richtigen Ernährung und der geeigneten Therapie.
  • Bei einem Antiphospholipid-Syndrom ist eine langfristige Therapie mit Heparinund Aspirin in niedriger Dosierung möglich.

©fotolia-Thomas ReimerMit verschiedenen Mitteln kann eine Schwangerschaft gefördert werden, sodass die Erfüllung des Kinderwunsches näher rückt (©fotolia-Thomas Reimer)Während der nächsten Schwangerschaft:

  • Bettruhe
  • Kompletter Nikotin- und Alkoholverzicht
  • Vermeidung von Medikamenten und Bestrahlungen
  • gesunde Ernährung unter Berücksichtigung des erhöhten Bedarfs an Vitaminen und Mineralien

Fazit

Aborte verhindern die Geburt von überlebensunfähigen Babys in mindestens 50 Prozent der Fälle. Dagegen können wir nichts tun. Doch in allen anderen Fällen ist die Vorbeugung einer weiteren Fehlgeburt möglich. Deswegen werden die meisten Frauen nach einem Abort wieder schwanger und bringen gesunde Kinder zur Welt.

Links

Die Sternenkinder - Selbsthilfegruppe für Betroffene die ihr Kind durch eine Fehl-, Früh- oder Totgeburt verloren haben 
www.muschel.net - Website für Eltern nach Fehlgeburt und Totgeburt 
Initative Regenbogen - Glücklose Schwangerschaft
Bundesverband Verwaiste Eltern in Deutschland
www.schwanger-info.de - Website der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe
Deutsche Gesellschaft für psychosomatische Frauenheilkunde und Geburtshilfe
Deutsche Gesellschaft für Perinatale Medizin
NAKOS - Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen
Deutsche Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen

Quellen

  • Bergner A, et al: Trauer, Bewältigung und subjektive Ursachenzuschreibungen nach Frühaborten: Adaptivität von Verarbeitungsmustern, untersucht in einer Längsschnittstudie. PPmP Heft 02; Jahrgang 59: Februar 2009, S. 57
  • Walch K, Tempfer C: Abortus habitualis. Diagnostische Abklärung und therapeutische Optionen. Speculum 2008; S. 16-19
  • Rumbold A, et al: Vitamin supplementation for preventing miscarriage. Cochrane Database Syst Rev 2011, Jan 19; (1): CD004073
  • Reid SM, et al: Interventions for clinical and subclinical hypothyroidism in pregnancy. Cochrane Database Syst Rev 2010; 7(7): CD007752
  • Kleinhaus, M. Perrin, Y. Friedlander, O. Paltiel, D. Malaspina, S. Harlap: Paternal Age and Spontaneous Abortion. In: Obstetrics & Gynecology. Band 108, Nr. 2, 2006, S. 369–377.
  • Slama, J. Bouyer, G. Windham, L. Fenster, A. Werwatz, S. H. Swan: Influence of Paternal Age on the Risk of Spontaneous Abortion. In: American Journal of Epidemiology. Band 161, Nr. 9, 2005, S. 816–823.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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