Ischiasnerv eingeklemmt: Was hilft jetzt sofort?

Bei Lähmungserscheinungen sollte eine Behandlung beim Arzt stattfinden (© leticiacanzobre - fotolia)

Einklemmungen des Ischiasnervs im unteren Rücken können sowohl durch einen Bandscheibenvorfall als auch durch einen Krampfanfall des Hüftmuskels hervorgerufen werden. 

Wenn der Nerv oder die Nervenwurzeln eingeklemmt sind, können äußerst intensive Ischias-Schmerzen, aber auch Symptome wie Kribbelgefühle und Lähmungen in den Beinen oder Füßen entstehen. Oft kommt diese Blockade aus heiterem Himmel auf. Was hilft jetzt sofort?

Muss jetzt ein Arzt hinzugezogen werden?

Bei Lähmungserscheinungen sollte tatsächlich möglichst bald ein Arzt hinzugezogen werden. Schmerzmittel, milde Wärme und vorsichtige Dehnungen können vor allem bei einem Krampfanfall im Piriformismuskel helfen. Treten diese akuten Einklemmungen jedoch immer häufiger auf und werden die Gefühlsstörungen im Bein oder Fuß immer intensiver, sollte ein spezialisierter Facharzt eine weiterführende Diagnostik in die Wege leiten.

Auch das Steißbein unter dem Iliosakralgelenk (ISG) oder eine geschädigte oder gealterte Bandscheibe im unteren Rücken können wiederholt Blockaden und Einklemmungen auslösen.
Mit Medikamenten, aber nicht ursächlich können folgende Probleme behandelt werden:

  • verklebte tiefe Faszien
  • Arthrose
  • Arthritis des Steißbeins und der iliosakralen Hüftspalte im unteren Rücken
  • instabile Bandscheibenschäden mit narbigen Verengungen im Rückenmarkskanal

Wenn solche Ursachen zu lange verschleiert und nicht gezielt behandelt werden, können sie schließlich zu ernsthaften chronischen Problemen führen. 

Wieso ist der Ischiasnerv stark belastet?

Durch unsere sitzende Lebensweise werden verschiedene Strukturen sehr in Mitleidenschaft gezogen wie:

  • das Steißbein
  • der Piriformis-Muskel
  • das Iliosakralgelenk (ISG)
  • der untere Rücken mit Bandscheibe, Wirbelfacetten-Gelenken und den tiefen Rückenmuskeln wie dem Hüftbeuger Ilio-Psoas und den kleinen tiefen vielgefiederten Multifidi-Muskeln

Weniger die Kraft als die feinabgestimmte Koordination der Strukturen lassen hier Probleme entstehen. Neben den Muskeln neigen vor allem die tiefen schwer zugänglichen Faszien wie die tiefe Lendenfaszienplatte auch durch Fehlernährung und Stresshormone dazu, zu überreizen und zu verkleben. 

Homöopathie und spezielle Übungen können zusätzlich unterstützen

Wenn der Ischiasnerv chronisch und wiederkehrend einklemmt, sind nach der eingehenden ärztlichen Analyse oft auch homöopathisch bewährte Substanzen und spezielle die Mitte stärkende Übungen sehr zu empfehlen.

Die jeweiligen Substanzen und Übungen sollten aber der jeweiligen Person und Situation angepasst werden, also möglichst individuell und kontrolliert zur Anwendung kommen. Zertifizierte Onlineprogramme werden sowohl die individuelle Anleitung wie auch die regelmäßige Überwachung der Übungsfortschritte bald erheblich erleichtern.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare (4)

Jonathan, 05.02.2019 - 05:32 Uhr

Guten Tag Ich habe leider keine Ahnung, ob ich hier richtig bin und hoffe trotzdem, dass Sie mir irgendwie weiterhelfen können. Ich hatte vor ca. 8 Jahren am Steißbein eine OP (sinus pilonidalis). Seitdem leide ich an etwas sehr Unangenehmem! Jedes mal wenn ich auf dem Rücken liege, wird meine linke Seite taub. Wenn das Bein angewinkelt ist, löst sich die Taubheit wieder auf. Auch im Sitzen spüre ich noch nichts von der Taubheit Ich habe damit Ewigkeiten gelebt und mir nicht wirklich dabei was gedacht, allerdings wache ich nun seit ca.3 Monaten ständig auf deswegen und mache mir langsam Sorgen ob ich vielleicht nicht doch etwas unternehmen muss? Meine Frage ist: Kann da überhaupt etwas passieren: z. B. die Taubheit geht nicht mehr so leicht zurück oder irgendetwas wird mit der Zeit geschädigt? Zu welchem Arzt müsste ich? Kann man überhaupt irgend was dagegen machen? Vielen Dank im Vorraus l.g.

Antwort von Dr. med. Peter Konrad Sigg, verfasst am 06.02.2019

Sehr geehrter Jonathan... Vielen Dank für Ihre vertrauensvolle Anfrage zu Ihrer Symptomatik! Die Beantwortung Ihrer Anfrage erfordert eine eingehendere ärztliche Abklärung incl. spezifischer Kernspintomografie. Wenden Sie sich z.B. auch an Herrn Kollegen Thoma im Münchner Algesiologikum.de! Mit freundlichem Gruß, P. Sigg

Klaus F., 26.06.2018 - 11:09 Uhr

Meine Frau bekam am 27.02.eine neue Hüfte anschließend Reha. Bis heute ist es noch nicht möglich, auf dem Bein zu stehen. Laut Aussage der Ärzte ist der Sitz der Prothese in Ordnung. Laufen ist nur mit zwei Gehilfen möglich. Meine Frau wird 81 Jahre alt. Vor 10 Jahren wurde schon die linke Hüfte gewechselt ohne Probleme. Jetzt die rechte und sie hat nur Schmerzen beim stehen und knickt sie ab.

Antwort von Dr. med. Peter Konrad Sigg, verfasst am 27.06.2018

Sehr geehrter Herr F.! Vielen Dank für Ihre Anfrage! Das OP-Ergebnis ist natürlich mehr als sehr bedauerlich! Die neue Hüfte Ihrer Frau scheint zwar einwandfrei im Knochen verankert zu sein, keine Lockerung, kein Materialdefekt, keine örtlichen Gewebsschäden. Es könnte sich also eher um ein Problem des Kreuzbeins (Knochenriss?) oder des Kreuzdarmbeingelenks /Iliosakralgelenks durch Überlastung/Arthrose/OP-Stress handeln. Eine solche Problematik ist nach TEP-OP`s der Hüfte garnicht mal so selten. Sie könnte durch eine genauere speziellere Analyse eindeutig erkannt und ggf. rasch behandelt werden. Sprechen Sie doc mit Ihrem Hausarzt, falls Sie mit den "normalen Orthopäden" und den Physios nicht weiter kommen: vielleicht kennt er ja einen Iliosakralspezialisten auch in Ihrer Region?! Mit den besten Grüßen und Genesungswünschen, Ihr P. Sigg

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