Nieder mit den Blutfettwerten! Ursachen und Therapie der Hypercholesterinämie

Dr. Maria Niki Aigyptiadou

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©fotolia-KurhanBeobachten Sie Ihre Cholesterinwerte - Abweichungen der Normalwerte sollten nicht unterschätzt werden (©fotolia-Kurhan)Schon wieder sind Ihre Cholesterinwerte zu hoch? Ignorieren Sie die Gefahr der Stoffwechselstörung nicht, nur weil Sie keine Beschwerden haben, denn die langfristigen Auswirkungen der Hypercholesterinämie sind schwerwiegend. Lesen Sie hier, wie sie natürlich zu behandeln ist, welche Therapiemöglichkeiten es sonst gibt und welcher Arzt Ihnen helfen kann.  

Definition und Häufigkeit

Die Hypercholesterinämie ist eine Fettstoffwechselstörung, bei der bestimmte Cholesterinwerte im Blut zu hoch sind. In den westlichen Industrieländern ist mehr als jeder zweite über 40-Jährige davon betroffen.

Ursachen: mehr Cholesterin wird aufgenommen als abgebaut

Was ist Cholesterin?

Das Cholesterin ist eine wichtige Substanz, die der Körper braucht, um Hormone und Zellmembranen aufzubauen. Einen Teil produziert der Körper selbst, das restliche Cholesterin ist in Lebensmitteln enthalten, zum Beispiel in Fleisch und Eiern. Wird mehr Cholesterin mit der Nahrung aufgenommen, als der Körper abbauen kann, kommt es zu einer Hypercholesterinämie.

© fotolia-Andrey PopovAuch Diabetes kann sich auf Ihre Cholesterinwerte auswirken (© fotolia-Andrey Popov)Weitere Ursachen

Selten ist die Vererbung einer Hypercholesterinämie möglich, wobei die Cholesterinwerte schon bei Kindern erhöht sind. Oder die Stoffwechselstörung ist auf eine Grunderkrankung zurückzuführen, wie zum Beispiel die Zuckerkrankheit, Nieren- und Lebererkrankungen, eine Schilddrüsenunterfunktion oder Essstörungen, wie zum Beispiel die Anorexie. Übermäßiger Alkoholkonsum sowie die Einnahme der Pille zur Verhütung können auch zur Hypercholesterinämie führen.

Was passiert mit dem überschüssigen Cholesterin?

Das überschüssige Cholesterin sammelt sich an anfälligen Stellen der inneren Arterienwand, wo kleine Ritze oder Verletzungen zu finden sind.  Dort bilden sie Arterienwandablagerungen, die im Laufe der Zeit immer größer werden und die Arterien einengen. Dann spricht man von einer Arteriosklerose. Eine Fettablagerung in der Arterienwand kann sich praktisch in jeder Arterie bilden.

Wie entstehen Komplikationen? 

Die Hypercholesterinämie verursacht keine Symptome. Menschen mit hohen Cholesterinwerten spüren jahre- oder jahrzehntelang keine Auswirkungen der Stoffwechselstörung. Erreichen jedoch die Fettablagerungen in den Arterienwänden eine kritische Größe, beeinträchtigen sie die Durchblutung des Organs, das auf die eingeengte Arterie angewiesen ist. Je nach Lokalisation der betroffenen Arterie kann das zu Folgeerkrankungen führen, die die Lebenserwartung verkürzen, wie zum Beispiel zur Koronarherz-, zur Schaufensterkrankheit oder zum Schlaganfall.

Diagnostik: Test für ,,schlechtes‘‘ und ,,gutes‘‘ Cholesterin  

Die wichtigsten Blutfette, die zur Diagnose einer Hypercholesterinämie gemessen werden, sind das Gesamtcholesterin, das LDL-Cholesterin, das HDL-Cholesterin und die Triglyceride.

Nicht alle Cholesterinwerte müssen niedrig sein. Die Einteilung in ,,schlechtes‘‘ und ,,gutes‘‘ Cholesterin zeigt, dass eine bestimmte Cholesterinform, das sogenannte HDL, sogar hilfreich für den Stoffwechsel der Blutfette ist.  Ist der Gesamtcholesterinwert über 200 mg/dl, was 5,2 mmol/l entspricht, stellt der Arzt die Diagnose der Hypercholesterinämie.

© jackfrog - fotoliaEine gesunde Lebensweise ist der beste erste Schritt um Ihre Cholesterinwerte zu stabilisieren (© jackfrog - fotolia)Behandlung: Diät, Bewegung und Lipidsenker

Die richtige Ernährung mit cholesterinarmen Lebensmitteln, wie viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukte, wenig tierischen Fetten und mehrfach ungesättigten Fettsäuren, die beispielweise in pflanzlichen Ölen und Fisch enthalten sind, ist die wichtigste Maßnahme zur Senkung des Cholesterinspiegels. Sport trägt dazu bei, indem mehr Cholesterin abgebaut wird. Insgesamt ist das Körpergewicht unter Kontrolle zu halten.

Reichen diese Maßnahmen nicht, gibt es Arzneimittel gegen Hypercholesterinämie, die sogenannten Lipidsenker. Ihr Hausarzt oder ein Internist verschreibt die Medikamente. Welche Substanz für Sie die richtige ist und welche Cholesterinspiegelziele Sie erreichen sollten, ist in den medizinischen Leitlinien genau vorgeschrieben und hängt von Ihrem allgemeinen Gesundheitszustand und Ihrem Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko ab, das der Arzt für Sie abschätzen kann.

In erster Linie werden Statine verschrieben, die die körpereigene Cholesterinproduktion hemmen. Zusätzlich ist in manchen Fällen die Einnahme von Ezetimib sinnvoll, das die Aufnahme des Cholesterins verhindert.

Wenn Sie damit Ihre Ziele auch nicht erreichen und wenn Ihr persönliches Herzkreislaufrisiko hoch ist, dann kommen die neusten Medikamente in Frage, die sogenannten PCSK9-Hemmer. Es handelt sich um moderne, sehr wirksame Substanzen, die 2 Mal pro Monat gespritzt werden, seit Ende 2015 zur Verfügung stehen und sogar gegen die schwersten vererbbaren Hypercholesterinämien wirken.  

Fazit

Der Herzinfarkt kommt nicht plötzlich, wie es erscheint, sondern wird Jahrzehnte lang vorbereitet. Dabei haben Sie reichlich Zeit, das Schlimmste zu verhindern, indem Sie Ihrem Teller täglich ein bisschen Aufmerksamkeit schenken. Ist meistens das Richtige darauf, haben Sie nichts zu befürchten, insbesondere wenn Sie sich auch Zeit für Bewegung nehmen und Ihr Körpergewicht unter Kontrolle haben. Für Ausnahmefälle, wie Menschen, die an einer genetisch bedingten Hypercholesterinämie leiden, gibt es moderne und sehr wirksame Therapien.   

Links

Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung von Fettstoffwechselstörungen und ihren Folgeerkrankungen (Lipid-Liga)
Deutsche Liga zur Bekämpfung von Gefäßerkrankungen
Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten
Deutsche Gesellschaft für Ernährung
Deutsches Ernährungsberatungs- und -informationsnetz (DEBInet)

Quellen

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Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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