Artikel 19/11/2016

Schlechte Zähne durch Zahnarztangst: Was können Betroffene tun?

Dr. med. dent. Magdalena Makuch Zahnarzt
Dr. med. dent. Magdalena Makuch
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Aktuelle, repräsentative Studien konnten nachweisen, dass 80 - 98 % der westlichen Bevölkerung zumindest ein Gefühl von Nervosität und Anspannung während der zahnärztlichen Behandlung verspüren. 20% der Deutschen sind sogar als hochängstlich einzustufen. Das unbehagliche Angstgefühl wird stärker, wenn eine Spritze gesetzt werden soll, oder wenn die Betroffenen das schrille Geräusch des Bohrers oder den sterilen Geruch der Behandlungsräume wahrnehmen. Manchmal auch schon dann, wenn sie über den bevorstehenden Zahnarzttermin nachdenken. Oftmals führt diese Angst dazu, dass Termine immer wieder aufgeschoben werden und der Behandlungsbedarf dadurch immer größer wird. Es beginnt ein schmerzvoller und von Angst geprägter Teufelskreis, der den Patienten in eine scheinbar unüberwindbare Lage bringt.

Angstpatienten schieben Behandlungen zu lange auf!

Durch das Vermeidungsverhalten und die Angst, die therapiebedürftigen Zähne zu sanieren, kommt es letztlich zu akutem Schmerz, zum Beispiel durch einen eitrigen Abszess, der so genannten „dicken Backe“. Da Schmerztabletten irgendwann keine Abhilfe mehr schaffen, suchen Betroffene letztlich doch eine Zahnarztpraxis auf oder stellen sich im Notdienst vor.

Umso entzündeter der Zahn ist, desto weniger Wirkung zeigt eine lokale Betäubung - die Behandlung verläuft unter Anspannung oder ist sogar schmerzhaft und bestärkt den ohnehin ängstlichen Patienten in seiner Furcht.

Darüber hinaus ist es in derartigen Notsituationen schwer bis unmöglich, eine zwischenmenschliche Beziehung oder das nötige Vetrauensgefühl zum Behandler zu entwickeln. Es ist daher nicht verwunderlich, dass der Betroffene nach seiner Notfallbehandlung nicht plant, in Kürze erneut eine Zahnarztpraxis zu betreten.

Trotz modernster Technologie, innovativen Behandlungsmethoden und lückenloser Prophylaxemaßnahmen ist die Prävalenz der Zahnbehandlungsängste und der damit verbundene Handlungsbedarf bei einem Großteil der Bevölkerung weiterhin enorm. Lösungswege werden jedoch leider immer noch viel zu selten angeboten und oftmals fehlt es in den Praxen an Zeit oder Fingerspitzengefühl, um sich einem ängstlichen Patienten und seinen individuellen Nöten und Sorgen ausreichend zu widmen.

Der letzte Ausweg scheint immer wieder die Behandlung unter Vollnarkose zu sein. Die Totalsanierung ängstlicher Patienten unter Allgemeinanästhesie oder Sedierung zählt mittlerweile zu den gängigsten Therapiekonzepten deutscher Zahnarztpraxen - eine aus psychologischer Sicht erschreckende Entwicklung!

Behandlung in Narkose

Obwohl heutige Narkoseverfahren mittlerweile als sicher gelten, kommt es dennoch immer wieder zu Zwischenfällen und Nebenwirkungen. Je nach Gesundheitslage des Patienten gibt es sogar beachtliche Risiken, die gegen eine Narkose ohne medizinische Notwendigkeit sprechen.

Davon abgesehen ist diese Methode in psychologischen Fachkreisen sehr umstritten und wird vielfach kritisiert. Es heißt, sie sei ungeeignet, um dem Patienten tatsächlich und langfristig Hilfestellung zu leisten.

Die Totalsanierung unter Vollnarkose beseitigt lediglich zeitweise die zahnmedizinischen Probleme des Patienten und behandelt somit nur Symptome, anstatt die Ursache zu beheben. Das eigentliche Problem, das seelischer Natur ist, wird lediglich aufgeschoben und bleibt unbeachtet. Viele Patienten sind nach einer derartigen Behandlung sogar davon überzeugt, jede weitere Behandlung in ihrem Leben unter Vollnarkose durchführen zu lassen.

Kein Zahnersatz und keine Füllung halten ewig - erst recht nicht, wenn Kontrolltermine und Prophylaxesitzungen erneut vermieden werden - und so sind neue Defekte vorprogrammiert. Der Teufelskreis geht in die nächste Runde oder das Problem wird erneut „verschlafen“.

Welche Alternativen gibt es?

Das Ziel ist es, erst die Angst und dann den Zahn zu behandeln. Die anerkanntesten Methoden sind das Hypnoseverfahren und Reizkonfrontationstechniken im Sinne einer schonenden Gesprächs- und Entspannungstherapie.

Das Fünf-Sitzungsprogramm nach Wannemüller

Das Fünf-Sitzungsprogramm nach Wannemüller (2015) ermöglicht dem Patienten, einfach, individuell und gezielt seine Angst zu überwinden. Das Konzept nach Wannemüller kann von einem Therapeuten oder einem geschulten Zahnarzt durchgeführt werden. Der Patient befreit sich innerhalb des Programms von seinen Ängsten und betritt erst dann - angstfrei und voller Zuversicht - den Behandlungsraum.

Die Erfolgsquote dieser Verhaltenstherapie von mehr als 75 % spricht dafür, dass Zahnärzte einen neuen Kurs einschlagen sollten. In Zukunft sollten sie ihre Patienten weniger „schlafen legen“ und sich stattdessen deutlich mehr mit dem Thema einer adäquaten Angstbewältigung auseinandersetzen.

Geben Sie sich selbst, Ihre Mundgesundheit und Ihre Lebensqualität nicht auf und informieren Sie sich über Methoden der Angstbewältigung!

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