In der Schwangerschaft auf Röntgenaufnahmen verzichten? Risiken & Alternativen

Schwangerschaft ist ein Ausnahmezustand für den Körper. Welche Behandlungen sind jetzt noch möglich? (© Kzenon - fotolia)

Eine korrekte, das Patientenwohl schützende Risiko-Nutzen-Abwägung stellt den zentralen Pfeiler einer verantwortungsvollen Behandlung dar. Wohl kein Teilgebiet der zahnärztlichen Tätigkeit erfordert so häufig eine solche Abwägung wie jenes der Röntgendiagnostik.

Bei der Behandlung schwangerer Patientinnen ist die richtige Bewertung dieser Frage sowie der gezielte Nutzen alternativer diagnostischer Verfahren besonders wichtig.

In dem folgenden Expertenratgeber-Artikel möchte ich Ihnen auf diese Fragen antworten:

  • Welche Behandlungen sind während der Schwangerschaft unter Verzicht auf Radiografien möglich?
  • Wie kann in einem solchen Fall auf alternative Diagnostiken zurückgegriffen werden?

Bei dieser Gelegenheit möchte ich Ihnen außerdem einen Überblick darüber verschaffen, welche Behandlungen während der Schwangerschaft heikel sind und welche sich bis zum Ende der Schwangerschaft aufschieben lassen. Denn Ihre Gesundheit, sowie die Ihres Kindes, steht an erster Stelle.

Ist während der Schwangerschaft eine röntgenfreie Kariestherapie möglich?

Die Therapie kariöser Läsionen, sowie im Allgemeinen die Therapie von Defekten der Zahnhartsubstanz, erfordert nicht zwangsläufig eine vorherige röntgenologische Abklärung.
Neben einer möglichen Blickdiagnose stehen dem Zahnarzt auch andere diagnostische Verfahren bereit, welche ganz strahlenfrei eine Karies detektieren können.

Hier kommen beispielsweise Transilluminations-, Fluoreszenz- und laserfluoreszenzgestützte Verfahren sowie die elektrische Widerstandsmessung in Frage. Auch Scanner der letzten Generation, wie beispielsweise der iTero Element 5D, verfügen über strahlungsfreie Prozesse der Kariesdiagnostik.


Ist während der Schwangerschaft eine röntgenfreie Wurzelkanalbehandlung möglich?

Auch bei der Wurzelkanalbehandlung stehen uns alternative Methoden zum Röntgen zur Verfügung, die eine korrekte und langlebige Versorgung Ihres Zahnes ermöglichen. Während das Messen der Länge des Wurzelkanals (für die Wurzelkanalbehandlung unerlässlich) bis vor einigen Jahren nur im Rahmen eines Röntgenbildes möglich war, stehen uns nun absolut strahlungsfreie Alternativen zur Verfügung.

Hierbei kommen vor allem Technologien infrage, die mit Hilfe elektrischer Widerstandsmessungen die Länge des Wurzelkanalsystems ermitteln (Stichwort: Endometrie). Auf diesem Weg lässt sich eine Wurzelkanalbehandlung durchführen, ohne dabei auf Röntgenbilder zurückgreifen zu müssen.

Essentiell ist jedoch, alle der Wurzel-, bzw. Kariesbehandlung zugrundeliegenden Behandlungsschritte der so wichtigen, oben genannten Risikoabwägung zu unterziehen. Hierbei steht unter anderem die richtige Wahl des Lokalanästhetikums (Betäubungsmittel) sowie seine verantwortungsvolle Dosierung im Vordergrund. Nur so ist eine zugleich schmerzfreie und risikoarme Therapie möglich.


Sollte eine Wurzelkanalbehandlung während der Schwangerschaft ausbleiben?

Jede invasive zahnärztliche Therapie ist mit Risiken für das ungeborene Leben verbunden. Wie oben erwähnt, lassen sich diese Risiken (etwa durch alternative Technologien zum Röntgenbild, bzw. durch die richtige Wahl und Dosierung des Betäubungsmittels) auf ein absolutes Minimum reduzieren.

Auch der momentane Zeitpunkt Ihrer Schwangerschaft spielt eine wichtige Rolle. So ist die Behandlung im zweiten und dritten Trimenon wesentlich sicherer als eine Behandlung im ersten Trimenon.

Eine Wurzelkanalbehandlung sollte also wenn möglich auf einen späteren Zeitpunkt – idealerweise auf einen Zeitpunkt nach der Schwangerschaft – verschoben werden.

Natürlich ist dies in Anbetracht der individuellen Schmerzsymptomatik unserer Patientinnen nicht immer möglich. Denn auch anhaltende Schmerzzustände können den Ablauf Ihrer Schwangerschaft gefährden. Gerne steht Ihnen Ihr behandelnder Zahnarzt in einem persönlichen Gespräch zur Seite, um den für Sie und Ihr Kind schonendsten therapeutischen Weg zu planen.

Kommen Sie auch gerne, beispielsweise vor einer geplanten Schwangerschaft, zur Behandlung, sodass das Entstehen von Schmerzen während Ihrer Schwangerschaft vermieden werden kann. Wie Sie sicherlich verstehen, kommt der Prophylaxe hier eine besondere Bedeutung zu.


Erkrankungen, die potentielle Risiken bergen, sollten i.d.R. auch während der Schangerschaft behandelt werden. (© Bigmouse108 - iStock)

Sollte die Kariestherapie während der Schwangerschaft ausbleiben?

Die Kariestherapie im Rahmen von „Füllungen“ ist für schwangere Patientinnen ein verhältnismäßig risikoarmer Ansatz. Er muss ebenfalls als präventive Maßnahme (beispielsweise zur Vermeidung einer Wurzelkanalbehandlung) verstanden werden.

Oberflächliche kariöse Läsionen, die weder schmerzhaft sind noch das Risiko einer notwendig werdenden Wurzelkanalbehandlung bergen, müssen nicht während der Schwangerschaft behandelt werden. Auch hier ist die Prophylaxe von großer Bedeutung. Gehen Sie Ihre Zahnprobleme frühzeitig an, sodass einer reibungslosen Schwangerschaft nichts mehr im Weg steht.


Sollte eine Parodontitistherapie während der Schwangerschaft ausbleiben?

Die Parodontitis ist eine Erkrankung des Zahnhalteapparates. Breitet sich eine Zahnfleischentzündung (syn. Gingivitis) in tieferen Bereiche aus, sodass sich der Zahlhalteapparat abbaut, spricht man von einer Parodontitis.

Während der Schwangerschaft lassen sich vermehrt Zahnfleischentzündungen und Zahnfleischveränderungen beobachten, was auf einen stark veränderten Hormonhaushalt zurückzuführen ist.

Die bei Entzündungen des Zahnfleisches (Gingivitis) bzw. des Zahnhalteapparates (Parodontitis) freigesetzten Entzündungsmediatoren können sich negativ auf den Verlauf Ihrer Schwangerschaft auswirken. So konnte in aktuellen Studien die mütterliche Parodontitis mit einem geringen Geburtsgewicht, Frühgeburten und Präeklampsie in Zusammenhang gebracht werden.1

Gegen diese negativen Auswirkungen sollten Sie so früh wie möglich etwas tun. Daher ist es wichtig, eine bestehende Entzündung Ihres Zahnhalteapparates während der Schwangerschaft – im Rahmen einer systematischen Parodontitistherapie – zu behandeln.

Ein umfassendes und aktuelles medizinisches Verständnis für Ihre Mundgesundheit ist demnach unerlässlich, um einen möglichst unproblematischen Schwangerschaftsablauf für Sie zu ermöglichen.

Quellen

1. Daalderop et. al, Periodontal Disease and Pregnancy Outcomes: Overview of Systematic Reviews

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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