Team jameda
Ein spürbares Schnappen in der Hüfte beim Aufstehen, ein Ziehen nach längerer Belastung oder stechender Dauerschmerz … Worin Hüftschmerzen ihre Ursache haben können, erklärt die jameda Gesundheitsredaktion in diesem Gesundheitsspecial.
Gelenke, Bänder, Sehnen und Muskeln halten die Hüfte beweglich
Als Hüfte wird die Körperregion vom Ansatz des Oberschenkels hoch bis zum Abschluss des Beckens bezeichnet. Die bewegliche Verbindung zwischen Bein und Rumpf stellt das Hüftgelenk dar. Es ist ein Kugelgelenk, das aus Hüftpfanne und Hüftkopf (Schenkelkopf) besteht. Die Hüftpfanne ist dabei die hohlkugelige Aussparung im Beckenknochen, der Hüftkopf die passende „Kugel“. Letztere sitzt am oberen Ende des Oberschenkelknochens dem Oberschenkelhals auf. Die Knochenenden innerhalb des Gelenks sind mit einer schützenden Knorpelschicht überzogen, das Gelenk ist von der flüssigkeitsgefüllten Gelenkkapsel umgeben. Zusätzlich stabilisieren außen liegende Bänder, Sehnen und Muskeln das Hüftgelenk, sie ermöglichen eine große Beweglichkeit des Gelenks und verhindern gleichzeitig eine Überstreckung. Treten Hüftschmerzen auf, kann die Ursache im Gelenk liegen, es können aber auch beeinträchtigte Muskeln, Bänder und Sehnen sowie Schleimbeutel oder Nerven im Hüftbereich der Grund dafür sein.
Koxarthrose: Verschleiß führt zu Entzündung und Schmerzen
Als Koxarthrose wird eine degenerative Erkrankung im Bereich des Hüftgelenks bezeichnet (coxa, lat. die Hüfte). Durch den Abbau des Gelenkknorpels reiben Knochen aufeinander, Schmerzen und Entzündungen treten auf. Die Ursachen für Koxarthrose sind zahlreich, z.B. angeborene Fehlstellungen und Fehlausbildungen von Knochen und Gelenken, Knochenabbau durch Osteoporose oder Morbus Perthes sowie Überlastung und fortschreitendes Alter.
Luxation: Ausrenkung der Hüfte
Bei einer vollständigen Ausrenkung der Hüfte befindet sich der Hüftkopf außerhalb der Hüftpfanne. Dies kann bei Neugeborenen auftreten, deren Hüftgelenk nicht vollständig ausgereift ist (Hüftdysplasie). Diese Fehlausbildung betrifft vor allem Mädchen. Wird sie beim Neugeborenen-Screening frühzeitig erkannt, kann sie behandelt werden, sodass meist keine Spätschäden bleiben. Reift das Gelenk jedoch nicht aus und bleibt etwa die Hüftpfanne zu flach oder steht der Schenkelhals zu steil, kann das Gelenk nicht optimal arbeiten. Es kommt zu Verschleiß, Entzündung und Schmerzen. Im Erwachsenenalter renkt sich ein Hüftgelenk ohne Vorschäden nur durch massive Gewalteinwirkung aus z.B. bei einem Unfall. Bei älteren Menschen mit künstlichem Hüftgelenk „springt“ der Hüftkopf auch schon bei leichterer Belastung heraus.
Morbus Perthes: Knochensubstanz geht zugrunde
Morbus Perthes ist eine Kinderkrankheit, bei der es aufgrund einer Durchblutungsstörung zum Absterben von Knochensubstanz im Hüftknochen kommt. Die Erkrankung tritt vorwiegend im Alter von fünf bis neun Jahren auf, sie betrifft Jungen häufiger als Mädchen. Es kommt im weiteren Verlauf zu einer Verformung des Hüftkopfes, Fehlstellungen des Gelenks und Arthrose.
Hüftkopfgleiten in der Wachstumsphase
Vor allem bei heranwachsenden Jungen im Alter von 12 bis 16 Jahren kann es zum Abgleiten des Hüftkopfes kommen. Dies geschieht im Bereich der oberen Wachstumsfuge des Oberschenkelknochens. Da Wachstumsfugen bei Jugendlichen noch nicht verknöchert sind, geben sie bei Druck eher nach. Während eines Wachstumsschubs ist die Belastung auf den Knochen besonders hoch, sodass sich die Fuge lockern kann und der Hüftkopf nach unten gleitet. Bei plötzlichem Abgleiten treten starke Schmerzen auf, Betroffene können das Bein kaum noch bewegen. Verschiebt sich der Hüftkopf nur langsam, sind die Beschwerden meist gering, ein Ziehen ist zu spüren, das Bein ermüdet schnell.
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Hüftschnupfen bei Kindern im Alter von 3 bis 10 Jahren**
Hüftschnupfen ist eine Entzündung des Hüftgelenks, an der keine Erreger beteiligt sind. Ihr geht aber meist ein Virusinfekt oder auch Fieber voraus. Hüftschnupfen tritt vor allem bei Kindern von drei bis zehn Jahren auf, wobei Jungen häufiger betroffen sind. Kinder klagen dann über Schmerzen im Bein und hinken leicht. Innerhalb von ein bis zwei Wochen klingt die Erkrankung von selbst wieder ab.
Schleimbeutelentzündung: Wenn die Druckpolster überlastet sind
Schleimbeutel (Bursen) sind Gewebesäckchen von wenigen Zentimetern Durchmesser, die mit Synovialflüssigkeit gefüllt sind und als Polster an stark beanspruchten Stellen des Körpers dienen. So schützt beispielsweise an der Hüfte ein Schleimbeutel am äußeren Ende des Oberschenkelknochens die darüber laufende Sehne vor Reibung und Druck durch den harten Knochen. Ist der Schleimbeutel z.B. durch Überlastung gereizt und entzündet, treten Schmerzen beim Laufen und seitlichen Liegen auf. Eine aseptische Bursitis läuft ohne Infektion durch Keime ab, während sich bei einer septischen Entzündung Erreger in der Bursa angesiedelt haben.
Eingeengter Nerv in der Leistengegend: „Jeanskrankheit“
Treten nadelstichartige Schmerzen in der Leistengegend auf, könnte dies an eingeengten Nerven liegen. So tritt z.B. der Nervus cutaneus femoris lateralis über die Leiste aus dem Becken heraus und setzt sich in die Beine fort. Wird er stark und anhaltend gedrückt, kommt es zu Schmerzen und Missempfindungen. Dies kann beispielsweise durch enge Kleidung wie Jeans, eine überstreckte Rückenlage, den Sicherheitsgurt des Autos oder das Gewicht eines Schwangerschaftsbauches geschehen.
Coxa saltans – die Schnapphüfte
Eine Coxa saltans verursacht bei Bewegung des Oberschenkels ein hörbares und tastbares Schnappen. Grund dafür sind Teile der Bindegewebshülle, die die Oberschenkelmuskeln zusammenhalten. Gleiten bestimmte Stränge dieser Bindegewebshülle nicht optimal am Oberschenkelknochen vorbei, bleiben sie zunächst hängen, um dann ruckartig nachzuspringen. Dies kann unangenehm bis schmerzhaft sein.
Sonstige Erkrankungen, die Schmerzen in der Hüfte auslösen können
Zahlreiche weitere Erkrankungen wie entzündlich-rheumatische Erkrankungen und Polyneuropathie können u.a. Schmerzen in der Hüfte bzw. Hüftgegend auslösen. Störungen des Knochenstoffwechsels wie Osteoporose und Osteomalazie führen zu Abnutzung und Knochenbrüchen im Hüftbereich. Auch Fehlstellungen der Beine wie „X- und O-Beine“ können auf Dauer Hüftschmerzen auslösen.
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