
Die Volkserkrankung Parodontitis betrifft entgegen der landläufigen Meinungen nicht nur Zähne und Zahnfleisch, sondern hat massive, teils lebensbedrohende Auswirkung auf den allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten.
Was ist eigentlich Parodontitis?
Die Entzündung ist im Volksmund als Parodontose bekannt - Parodontose gibt es jedoch nicht und hat es auch nie gegeben. Es ist eine althergebrachte Bezeichnung aus einer Zeit, in der die Menschen noch nicht wussten, dass bestimmte Bakterien für diese Erkrankung verantwortlich sind.
Parodontitis-Bakterien können sich nur in sauerstofffreien Zonen der Mundhöhle bilden, also z.B. im Zahnstein, in den Zahnfleischtaschen oder in den Furchen der Zungenoberfläche. Sie zerstören nicht nur den stützenden Knochen in der Umgebung unserer Zähne, sondern sie verteilen sich über die Blutgefäße im ganzen Körper und können so an den verschiedensten Stellen zu verheerenden Nebenwirkungen führen.
Nebenwirkungen einer Parodontitis
Folgende Nebenwirkungen gibt es nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft:
- Erektionsstörungen
- Arteriosklerose
- Herzinfarkt
- Schlaganfall
- Rheuma
- Alterungsprozess
- Morbus Alzheimer
- Lungenentzündungen
- Magenkrebs
- Zungenkrebs
- Nierenkrebs
- Bauchspeicheldrüsenkrebs
- Diabetes mellitus
Eine Studie der Universität Malaysia zeigt, dass Männer mit chronischer Parodontitis ein deutlich höheres Risiko tragen, Erektionsstörungen zu entwickeln. Das Erkrankungsrisiko ist 3,29-mal höher als bei Männern mit gesundem Zahnfleisch.
Ferner ist seit Längerem bekannt, dass Parodontitis das Risiko für Arteriosklerose und damit für einen Herzinfarkt und einen Schlaganfall erhöht. Dies wird durch den Umstand erklärt, dass Parodontitis-Bakterien die Gefäße im ganzen Körper altern, versteifen und sogar brüchig werden lassen.
Auch chronische Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis verstärken sich, da sich die Parodontitis-Bakterien auch in den Gelenken ablagern können.
Folglich ist der Parodontitis-Behandlung eine viel weitreichendere Bedeutung zuzumessen als die der bloßen Zahnerhaltung.
Zusammenhang zwischen Parodontitis und anderen Erkrankungen
Man nimmt an, dass Parodontitis den allgemeinen Alterungsprozess des menschlichen Körpers beschleunigt. Klinische Folgen eines sog. Entzündungsalterns oder „inflammaging' sind eine erhöhte Anfälligkeit für Infekte und Malignome sowie für bestimmte Autoimmunerkrankungen.
Britische Wissenschaftler sehen Morbus Alzheimer als bakterielle Infektion, die durch Parodontitis begünstigt wird. Die Parodontitis-Keime können offenbar die Blut-Hirn-Schranke überwinden und sich direkt im Gehirn ansiedeln. Es wird zudem angenommen, dass über eine nachfolgende Immunreaktion Nervenzellen absterben, was den Gedächtnisverlust bewirkt.
Die Universität New York hat entdeckt, dass die Parodontitis das Risiko für kognitive Fehlfunktionen in Verbindung mit Morbus Alzheimer erhöht - sowohl bei gesunden Menschen als auch bei denjenigen, die bereits Schädigungen aufwiesen.
Heliobacter Pylori ist ein Bakterium, dass bereits 33 Millionen Menschen in Deutschland infiziert hat. Von den Erkrankten leiden derzeit 10 bis 20 % an einem Magengeschwür oder Magenkarzinom. Patienten mit einer akuten Parodontitis tragen in der Regel bis zu 38 % dieses Keimes in ihren Zahnfleischtaschen.
Forscher der Uni Buffalo stellten außerdem fest, dass die Parodontitis das Risiko für Zungenkrebs erhöht. Insbesondere bei älteren Patienten begünstigen die Parodontitis-Bakterien die Entstehung von Lungenentzündungen.
Mit dem Auftreten von Parodontitis steigt laut britischen Studien auch das Risiko für Nieren- und Bauchspeicheldrüsenkrebs um bis zu 50 %.
Ferner sind wechselseitige Zusammenhänge zwischen Parodontitis und Diabetes bekannt. So kann die Entstehung von Diabetes mellitus durch Parodontitis begünstigt werden.
Fazit
Leider bemerken Betroffene meist erst sehr spät, dass sie an Parodontitis leiden, denn die Erkrankung bereitet erst im fortgeschrittenem Stadium Schmerzen.
Karies hingegen vermittelt bereits viel früher Warnsignale. Wie Sie sehen, gibt es viele gute Gründe, sich beim Zahnarzt beraten zu lassen, ob auch Sie an Parodontitis leiden.



